Von der Physik zur Metaphysik

Von der Physik zur Metaphysik

Von der Physik zur Metaphysik – auf zum Strukturenrealismus

Dieser Essay stellt im wahrsten Sinne des Wortes den Versuch dar, einer viel geschmähten und vielleicht auch oft missverstandenen Disziplin der Philosophie – die Metaphysik – wieder auf die Beine zu helfen und zum Laufen zu bringen. Denn meines Erachtens benötigen wir – vielleicht dringender denn je – eine „neue Metaphysik„, denn die Naturwissenschaften und ihr Instrumentarium – der Fortschritt in den Technologien – überholt die Menschheit gerade ohne einen Blinker zu setzen. Und uns bleibt zur Zeit nichts anderes übrig, als dem Fortschreiten hinterher zu schauen und uns dem Status quo anzupassen.

Es geht im Folgenden um den Versuch der Wiederherstellung einer neuen Metaphysik unter Berücksichtigung der Abduktion (Peirce) als prospektorisches Mittel. Diese neue Metaphysik soll möglichen, negativen Entwicklungen Einhalt gebieten und den Versuch darstellen den naturwissenschaftlichen Diskurs wieder neu einzunorden und damit gleichzeitig zu einer neuen Wissenschaftsethik führen.

Aber von Anfang an – Aristoteles Metaphysik

Das Thema „Metaphysik“ ist wahrscheinlich schon so alt, wie die Menschheit selber, die sich wohl seit Anbeginn des Denkens die „Seins“- oder „Sinn“-Fragen gestellt haben mag, z. B.: Was ist der Mensch? Gibt es einen Sinn im Leben?,… Die Altvorderen werden diese Fragen allerdings nicht unter dem Begriff Metaphysik subsumiert haben.

Der Begriff tauchte eigentlich erst in der griechischen Klassik auf und hier insbesondere durch Aristoteles (384 v. Chr. – 322 v. Chr.) ontologisches Werk ta metá ta physiká“ („Das hinter, neben der Physik“):

„Der Begriff „Metaphysik“ stammt nach heutiger Mehrheitsmeinung aus einem Werk des Aristoteles, das aus 14 Büchern allgemeinphilosophischen Inhalts bestand. Der Peripatetiker Andronikos von Rhodos (1. Jahrhundert v. Chr.) ordnete in der ersten Aristotelesausgabe diese Bücher hinter dessen acht Bücher zur „Physik“ ein (τὰ μετὰ τὰ φυσικά tà metà tà physiká ‚das nach/neben der Physik‘). Dadurch entstand die Bezeichnung „Metaphysik“, die also eigentlich bedeutet: „das, was hinter der Physik im Regal steht“, aber gleichzeitig didaktisch meint: „das, was den Ausführungen über die Natur folgt“ bzw. wissenschaftlich-systematisch bedeutet: „das, was nach der Physik kommt.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Metaphysik:Begriffsgeschichte)

Und dieser Reihenfolge (Metaphysik nach Physik) soll hier ausdrücklich Beachtung geschenkt werden. In diesem einen seiner Hauptwerke – der
Physik – stellt Aristoteles in strikter Abgrenzung zu seinen Vorgängern (Platon, Vorsokratiker) klare Definitionen zu ontologischen Einheiten wie Raum, Zeit, Bewegung und Ursache auf. Er wendet sich hierbei explizit gegen der Ideenlehre eines Platon (dem späteren Idealismus eines Kant) und setzt demgegenüber die Empirie (dem späteren Materialismus eines Laplace) ganz im Sinne der modernen Naturwissenschaft (allerdings noch ohne Mathematik):

Man muss dabei versuchen, die Untersuchung so durchzuführen, dass das Wesentliche an dem Begriff wiedergegeben wird,[…]“ (211 a).

Aristoteles als Pionier des Naturalismus

In seiner Metaphysik versucht Aristoteles hingegen diese einzelnen Entitäten zu bündeln und zu systematisieren ganz im Sinne des modernen Reduktionismus, um durch Induktion an die dahinter liegenden Gesetzmäßigkeiten zu gelangen:

„Es gibt eine Wissenschaft, welche das Seiende als Seiendes untersucht und das demselben an sich Zukommende.[…] Indem wir nun die Prinzipien und höchsten Ursachen suchen, ist offenbar, dass diese notwendig Ursachen einer gewissen Natur an sich sein müssen.“ (Met. IV 1, 1003 a 21 – 28)

Dies erinnert alles sehr stark an die Methodik der modernen Naturwissenschaften und somit könnte man Aristoteles tatsächlich als Pionier der modernen Naturwissenschaft oder des Naturalismus (Quine, Rorty) bezeichnen:

„Deshalb unternimmt denn auch keiner von denen, die sich einer speziellen Wissenschaft widmen, über diese zu sprechen, ob sie wahr sind oder nicht, weder der Geometer noch der Arithmetiker, ausgenommen einige Physiker [sic!]. Dass diese es taten, hat seinen guten Grund; denn sie allein glaubten über die ganze Natur und über das Seiende Untersuchungen anzustellen. Da es aber einen Wissenschaftler gibt, der noch über den Physikern steht [sic!] (denn die Natur ist ja nur eine Gattung des Seienden), so wird diesem, welcher (das Seiende) allgemein und das erste Wesen betrachtet hat, auch die Untersuchung der Axiome zufallen.“ (1005 a, 40 – 50)

Moderner hätte man es nicht ausdrücken können ;-). Diesen alten „Geist-Materie“-/“Leib-Seele“-Dualismus möchte ich in einem weiteren Essay Der Geist in der Materie noch näher untersuchen.

Die „Duhem-Rey-Kontroverse“

Von der Metaphysik in der Physik: Duhems Position

Im Folgenden möchte ich an einem historischen Disput zwischen dem theoretischen Physiker und Wissenschaftsphilosophen Pierre Duhem (1861-1916) und dem Philosophen und experimentellen Psychologen Abel Rey (1873-1940) den prognostizierten Wechsel in dem Erklärungsmuster in den modernen Naturwissenschaften veranschaulichen.

Diesen Paradigmenwechsel will ich hier nur kurz vorstellen und beziehe mich hierbei auf einen bereits existierenden, sehr lesenswerten Essay „Braucht die Theoretische Physik den religiösen Glauben? Neo-Scholastik und Positivismus in der Dritten Republik“ von Matthias Neuber, den ich durch einen Tipp im Netz (https://philpapers.org/archive/NEUBDT-2) gefunden habe.

Duhem gilt als ein typischer Repräsentant der „positivistischen“ französischen Wissenschaftsphilosophie im Sinne eines empirischen Materialismus um 1900:

„Eine physikalische Theorie ist keine Erklärung. Sie ist ein System mathematischer Lehrsätze, die aus einer kleinen Zahl von Prinzipien abgeleitet werden und den Zweck haben, eine zusammengehörige Gruppe experimenteller Gesetze ebenso einfach, wie vollständig und genau darzustellen.“ (Duhem, 1998, S. 20f.)

Er kann aber auch als ein Repräsentant des metaphysischen Idealismus in der Physik gesehen werden:

„So gibt uns die physikalische Theorie niemals die Erklärung der experimentellen Gesetzmäßigkeiten, niemals enthüllt sie uns die Realitäten, die sich hinter den wahrnehmbaren Erscheinungen verbergen. Aber je mehr sie sich vervollkommnet, umso mehr ahnen wir, dass die logische Ordnung, in der sie die Erfahrungstatsachen darstellt, der Reflex einer ontologischen Ordnung sei. Je mehr wir mutmaßen, dass die Beziehungen, welche sie zwischen den Beobachtungsergebnissen herstellt, den Beziehungen zwischen den Dingen entsprechen, umso mehr können wir prophezeien, dass sie sich einer naturgemäßen Klassifikation nähere.“ (Duhem, 1998, S. 30)

Und dieses „Zwischen-den-Stühlen-Sitzen“ macht Dehum für unsere Frage so interessant. Hier spiegelt sich einerseits sein Bekenntnis zum wissenschaftstheoretischen Instrumentalismus wider. Anderseits sieht Rey hierin aber auch ein neoscholastisches Theorienverständnis, weil er erstens hierdurch zu viel Spielraum für „außerphysikalische Parallelaktionen“ lässt und zum puren Mathematismus aufruft. Der zweite Vorwurf wiegt schwerer, da er Rey zufolge zu einem Verzicht auf den Anspruch kausaler Erklärung und somit zu einer vollständigen Ablösung der physikalischen Theoriebildung von den Gegebenheiten in der Erfahrung, als ein „jeu de syllogismes scolastique“ führe (s. Kants „leere Metaphysik“)

„Während Duhem die Rechtfertigungsbasis seiner Doktrin der naturgemäßen Klassifikation im Bereich des Intuitiven (bzw. der Pascalschen „Urteile des Herzens“) sieht, meint Rey seine kausal-relationalistische Ontologie auf durch-gehend rationalem Wege, und zwar in Gestalt einer wahrheitszentrierten Theorie der kausalen Erklärung untermauern zu können.“ (https://philpapers.org/archive/NEUBDT-2, S. 236)

Duhem sieht folglich die Wissensbeschaffung und den Erkenntnisgewinn der Naturwissenschaft in der Annahme einer naturgemäßen Klassifikation im aristotelisch-metaphysischen Sinne als „inhärentes Streben nach Kohärenz“ begründet. Demgegenüber verfolgt Rey ein anderes Ziel in seiner Entgegnung „La physique de M.Duhem“ auf Duhems „Physique de croyant“.

Hin zur Physik in der Metaphysik: Reys Position

Rey selber plädiert in diesem Zusammenhang für eine Art von dritten Weg, in dem – von ihm so genannten – „wahren“ Positivismus. Dieses Konzept umfasst im Wesentlichen folgende Thesen:

„1. die Physik ist die „Wissenschaft von der Materie“;
2. Gegenstand physikalischer Theorien sind Relationen;
3. Relationen sind die Instanz kausaler Wirksamkeit;
4. die Erklärung des in der Erfahrung Gegebenen erfolgt im abduktiven Rückgriff auf kausale Relationen; physikalische Theorien sind – aufgrund ihres vorhandenen Erklärungspotentials – nicht nur „empirisch angemessen“, sondern in einem buchstäblichen Sinne (wenn auch nur näherungsweise) wahr.“ (vgl.Rey: „La Philosophie moderne“1908, S. 150 – 154, 348 – 352)

In den Thesen 1, 2 und 3 versucht Rey eine Ontologie zu entwicklen, dievon keinerlei theologischen Dogmen «infiltriert» ist„. Den maßgeblichen Bezugspunkt sollen hierbei einzig und alleine das Beziehungsgeflecht der Relationen bilden. Der Ausgangspunkt der Untersuchung liegt zwar im Materiellen, aber die hieraus abgeleiteten Rückschlüsse und Gesetzmäßigkeiten sind rein geistiger Natur. Durch den „abduktiven Rückgriff“ gehen sie über das empirisch Gegebene sogar hinaus und könnten als „wahr“ bezeichnet werden.

Physikalische Theorien sind mehr als bloße Vorhersageinstrumente“, es sind „kausal-relationalistische Ontologien“, die auf durchgehend rationalem Wege in Form einer „wahrheitszentrierten Theorie“ alles erklären können (s. Theory of everything ToE). Für Rey sind diese Relationen Instanzen kausaler Wirksamkeit. Dies stellt einen sehr klaren Schnitt und Paradigmenwechsel in der Physik hinsichtlich der duhemschen-aristotelischen Metaphysik dar, da nun nicht mehr die Objekte an sich als Grund der Kausalität, sondern die sich hieraus entwickelnden Relationen im Vordergrund stehen. Dies wirkt an dieser Stelle schon sehr modern im Sinne der Luhmannschen Systemtheorie (aber dazu mehr in dem späteren Essay „Die Struktur im System„).

Zurück zur neuen Metaphysik: der ontische Strukturenrealismus

Jetzt kommt der eigentlich interessante Teil zu unserem „Materie-Geist“-Problem oder zu dem Vorhaben „Von der Physik zur Metaphysik“. Neuber leitet nun aus Reys Position einen modernen Strukturenrealismus, der sich gänzlich der alten Metaphysik entledigen kann, ab. Er vertritt die These, man benötige zum Aufstellen von (erfolgreichen) physikalischen Theorien (mit effizienter Vorhersagekraft), „um die damit einhergehende ontologische Verpflichtung auf beobachtungstranszendente Strukturen (bzw. Relationen) eingehen zu können, keine wissenschaftsfremde Metaphysik, geschweige denn Theologie.“ (ebd. S. 237)

Ihm geht es darum einen „epistemischen Strukturenrealismus“ nach Worrall durch einen „ontischen Strukturenrealismus“ zu ersetzen.

„Sehr hilfreich ist in diesem Zusammenhang die Differenzierung zwischen „abstrakten“ und „konkreten“ Strukturen. Während es sich bei abstrakten Strukturen um mathematische Gebilde wie etwa Gleichungssysteme handelt, sind konkrete Strukturen physikalisch real. Genauer gesagt, haben abstrakte mathematische Strukturen – wenn man von ihrer Existenz ausgeht – den ontologischen Status von Universalien, während konkrete physikalische Strukturen partikulär sind. Zwar kann man diese partikulären physikalischen Strukturen mittels mathematischer Strukturen beschreiben, aber die physikalischen Strukturen als solche existieren unabhängig, d. h. als immer schon voraus zu setzender Gegenstand der mathematisch-physikalischen Beschreibung.“ (ebd. S. 239)

Die Vorzüge eines ontischen Strukturenrealismuses versucht er an dem Beispiel „Loch-Argumentes in der Einsteinschen Allgemeinen Relativitätstheorie“ zu belegen. Die Unterdeterminierung der Theorie wird hier als „Mannifaltigkeitssubstanzialismus“ (vgl. in diesem Zusammenhang z. B. Lyre, 2007, S. 238 ; Carrier, 2009, S. 206) im Falle allgemein kovarianter Theorien als eine „starke Form des Indeterminismus“ (Carrier, 2009, s. 207) beschrieben. Soll heißen, der ontische Strukturenrealismus lässt diese Unschärfe in der Theorie nicht nur zu, sondern erzeugt sie geradezu als inhärente Struktur. Hierin liegt gerade die Stärke des ontischen Strukturenrealismus, dass er keines transzendentalen „externalistischen“ Bezugspunktes bedarf, sondern sich zur neuen Metaphysik generiert, oder in den Worten eines der gegenwärtigen Hauptvertreter:

„The new metaphysics of nature distinguishes itself from the older essays in speculative metaphysics by being close to science: metaphysical claims are based on scientific theories. Consequently, the metaphysical claims about nature are as hypothetical as our scientific theories: there is no more certainty to be gained in metaphysics than here is in science. In other words, scientific knowledge claims are fallible and meta-physics, insofar as it draws on those claims, is as fallible as science.“ (Esfeld „The Modal Nature of Structures in Ontic Structural Realism“ (2009), S. 341)
„Beweisen lässt sich die These der Selbstgenügsamkeit des wissenschaftlichen Erklärungsanspruchs allerdings nicht. Aber sie ist immerhin einer rationalen Begründung zugänglich, was man von der Duhem’schen Flucht in das Intuitive wohl nur schwerlich behaupten kann.“ (ebd. S. 243)

Hierin sehe ich ebenso wie Neuber einen viel versprechenden Ansatz für eine neue Form von metaphysischer Philosophie im Sinne eines kritischen Idealismus, der sich nicht hinter der Naturwissenschaft verstecken muss, sondern im Gegenteil als metaphysischen Naturalismus die Naturwissenschaft begründen muss.

Das diese „neue Metaphysik“ mehr als dringend benötigt wird, kann auch an der aktuellen Entwicklung im Bereich der KI und Kybernetik-Forschung abgelesen werden. Das „Geist-Materie“-Problem manifestiert sich an dieser „wissenschaftlichen Front“ besonders deutlich. Aber wie der Geist nun mit der Materie zusammenhängt, möchte ich in meinen nächsten Essay „Der Geist in der Materie näher untersuchen.

© philosophies.de

Author: philosophies

17 thoughts on “Von der Physik zur Metaphysik

  1. Cher M. B.,

    merci pour votre objection légitime, que j’ai lue attentivement.

    Ce terme «esprit-matière» est tout autant un terme technique que «corps-âme», qui est bien sûr connu depuis le dualisme de Descartes et pour autant qu’il présente des «signes d’usure». À cet égard, j’estime que la tentative de monisme de Spinoza est plus d’actualité:

    «Les gens ne peuvent souhaiter rien de plus excellent pour la préservation de leur être que que tout le monde s’accorde en tout pour que tous les esprits et tous les corps forment un esprit et un corps, et chacun se cherche Ce qui est commun à tous. De là, il s’ensuit que les gens qui se laissent gouverner par la raison ne demandent rien pour eux-mêmes dont ils ne veulent pas pour les autres, et donc qu’ils sont justes, loyaux et honorables. „(Spinoza , Ethique, 4. Sur la servitude humaine ou le pouvoir des affects)

    J’espérais en fait que ce serait clair dans mon essai. Mais je voudrais aussi me référer à l’essai de suivi „L’Esprit dans la matière“ ;-), où vous êtes également invités à traduire le terme „esprit“ par „conscience“, „cognition“ ou „cybernétique“ d’une manière plus moderne.

    Cordialement
    philosophies.de

  2. Lieber Herr S.,

    vielen Dank für Ihre Erklärung. Da mache ich sofort mit 😉 Denn mein Essay hatte genau das zum Ziel: der Metaphysik „wieder auf die Beine zu helfen und zum Laufen zu bringen“.

    „Denn meines Erachtens benötigen wir – vielleicht dringender denn je – eine „neue Metaphysik„, denn die Naturwissenschaften und ihr Instrumentarium – der Fortschritt in den Technologien – überholt die Menschheit gerade ohne einen Blinker zu setzen.“

    Jetzt wäre nur noch spannend zu wissen, wenn die „Metaphysik als Theorie, eine Totalität all dessen ist, was ist und notwendig die Gegenstände der anderen Wissenschaften schon einschließt“, wie eine solche moderne Variante der Metaphysik aus Ihrer Sicht aussehen könnte.

    Ich habe hierzu zum Beispiel sehr interessante Impulse in dem „ontischen Strukturenrealismus“ gefunden, die man prima mit einer „nicht-reduktiven, bidirektionalen Neurophilosophie“ verbinden könnte. Was meinen Sie?

    Viele Grüße
    philosophies.de

  3. Dear Mr. S.,

    that’s a good joke. But it wasn’t meant like that. Plato was probably as good a scientist as Socrates was 😉

    But I don’t think we should make the mistake of automatically equating epistemology with sitting in a dark room and pondering things that don’t exist anyway. The episteme (theoretical knowledge) is often delimited with a certain hubris from the techne (practical skill) from which modern natural science has emerged. If I am allowed at this point, I would have a little modified (unfortunately Platonic 😉 „cave allegory“ to illuminate the connection between metaphysics and physics and the claim to truth content:

    To stay in the parable, we sit in our cave (world) with our world of ideas / images (shadows on the wall). The entities are either thrown on the wall by a small sparkle in the form of a candle (church) in a shadowy and blurred manner – that is, interpretable and subject to belief. Or at the other extreme, we get things popped on the wall with halogen floodlights (natural sciences), so that out of sheer objectivity we can no longer recognize what is essential to things (insofar as it still exists at all ;-). We have enough light to see even the smallest details on the wall and in the distance. But only through metaphysics are we able to locate the various light sources and perhaps find the corresponding sockets. Be that as it may, I am of the opinion that we cannot look out of the cave, we do not even notice that we are sitting in the cave (at this point it is questionable, since one could not really think about it) . Only now and then maybe an additional light beam falls from the ceiling (or wherever from), which you may or may not notice, but whose source we cannot really see. Or if you want to add „Russell’s teapot“ as proof. At this point there is no verifiable evidence as to whether the teapot actually stands outside the cave or not. We only see the silhouette of the teapot and not the teapot itself ;-).

    Or how do you see the whole thing?

    regards
    philosophies.de

  4. Lieber Herr B.,

    vielen Dank für Ihren aufschlussreichen und konstruktiven Beitrag, den ich mit großem Interesse gelesen habe.

    In den meisten Punkten kann ich Ihnen folgen, manches sehe ich vielleicht etwas anders. Den „gemeinsamen historischen gedanklichen Hintergrund“ von „Metaphysik und Wissenschaft“ verorte ich genauso. Ob er nun im „Paradigma der deduktiven Mathematik“ entwickelt wurde, lasse ich mal dahin gestellt. Die erkenntnistheoretische Gegenüberstellung von dem deduktiven Platon und dem induktiven Aristoteles finde ich gelungen und dem kann ich mich nur anschließen. Ebenso die Summe der Teile < das Ganze. Die von Ihnen beschriebene Theoriebildung ist auch eine gängige Praxis - des aus meiner Sicht - reduktionistischen Materialismus/Naturalismus.Spannender empfinde ich die Frage nach den "leitenden Hypothesen, dh Deduktion und Induktion". Ist das so? Wie sieht es zum Beispiel mit der ebenfalls von Aristoteles eingeführten erkenntnistheoretischen Methode der "Abduktion" (Apagoge) aus? Die Peirce so beschreibt:„Die überraschende Tatsache C wird beobachtet; aber wenn A wahr wäre, würde C eine Selbstverständlichkeit sein; folglich besteht Grund zu vermuten, daß A wahr ist.“ (Peirce: Collected Papers (CP 5.189) „Abduktion ist jene Art von Argument, die von einer überraschenden Erfahrung ausgeht, das heißt von einer Erfahrung, die einer aktiven oder passiven Überzeugung zuwiderläuft. Dies geschieht in Form eines Wahrnehmungsurteils oder einer Proposition, die sich auf ein solches Urteil bezieht, und eine neue Form von Überzeugung wird notwendig, um die Erfahrung zu verallgemeinern.“ „Deduktion beweist, dass etwas sein muss; Induktion zeigt, dass etwas tatsächlich wirksam ist; Abduktion deutet lediglich daraufhin, dass etwas sein kann.“ (Peirce: Collected Papers (CP 5.171) Dies würde zum Beispiel aus meiner Sicht ganz neue Möglichkeiten zur Entwicklung einer "Neuen Metaphysik" in sich bergen. Es geht mir mehr um den prospektorischen Gehalt der Metaphysik, um damit beispielsweise zu einer Wissenschaftsethik zu gelangen, die ihren Namen auch wert ist. Und die nicht immer im Nachhinein bemängeln muss, dass aus aus "Pflugscharen doch wieder Schwerter wurden".Sehen Sie vielleicht auch eine derartige Möglichkeit?Viele Grüße philosophies.de

  5. Lieber Herr S.,

    vielen Dank für Ihren bemerkenswerten und interessanten Kommentar. Zur ausführlicheren Erläuterung des Begriffes „nicht-reduktiven, bidirektionalen Neurophilosophie“ müsste ich ein wenig weitschweifiger werden, wenn es mir gestattet sei.

    Der Auslöser war eine Beschäftigung mit dem „Geist-Materie“-Dualismus und die Frage, wie aktuell dieser „Dualismus“ noch sein kann, in Anbetracht des technologischen Fortschritts, den die KI- und Kybernetik-Forschung momentan macht. Hieran knüpfte sich aus meiner Sicht auch dringend eine Antwort auf die Frage nach einer „neue Metaphysik“, welche die moderne Philosophie bisher – auch gerade wegen dieser Thematik – schuldig geblieben ist; das wäre doch ihr proprietäres Gebiet.

    Das Problem mit dem „ontologischen Materialismus“ und dem „erkenntnistheoretischen Idealismus“ ließ mich aber – ab da an – nicht mehr los. Und damit war ich wieder beim Ausgangsproblem dem „Geist in der Materie“ oder der „Materie in dem Geist“, was ich für ein kausal-logisches „Henne-Ei-Problem“, halte: ob nun die Materie den Geist manifestiert oder ob doch eher der Geist die Materie konstituiert. Zu dem Thema „Neuophilosophie“ fand ich einen sehr lesenswerten Artikel von Philipp Klar „What is neurophilosophy: Do we need a non-reductive form?“ (https://link.springer.com/article/10.1007/s11229-020-02907-6) als sehr hilfreich:
    „[…] the naturalization of philosophy regarding neurophilosophy and three resulting distinguishable forms of how neuroscience and philosophy may or may not be connected in part 1, namely reductive neurophilosophy, the parallelism between neuroscience and philosophy which keeps both disciplines rather strictly separated and lastly, non-reductive neurophilosophy which aims for a bidirectional connection of both disciplines. Part 2 presents a paradigmatic example of how these three forms of neuroscience and philosophy approach the problem of self, mainly concerning its ontological status (existence and reality). This allows me to compare all three neurophilosophical approaches with each other and to highlight the benefits of a non-reductive form of neurophilosophy. I conclude that especially non-reductive neurophilosophy can give full justice to the complementary position of neurophilosophy right at the intersection between neuroscience, philosophy, and psychology.“(ibid. p.1)
    Es fehlte für mich an dieser Stelle nur das „missing link“, welches die entsprechende Klammer um die verschiedenen Disziplinen setzt und diese dann nicht-reduktiv und bidirektional zusammenfügt. Wenn man so sagen darf, geht also – im Gegenteil – nicht um einen „Substanzdualismus“, sondern um einen „Mannigfaltigkeitssubstanzialismus“(s. https://philpapers.org/archive/NEUBDT-2, p. 240), der eine Unterdeterminierung der Theorien durch Evidenzen zulässt. Wenn mir der Vergleich – der auch sicherlich stark „hinkt“ – erlaubt sei, so etwas wie eine „theory of everything“ (ToE) der Philosophie. Hierzu hatte ich einen Tipp bekommen, dass sich mit diesem „bescheidenen“ Vorhaben bereits ein gewisser Gabriel Vacariu („Illusions of Human Thinking“) mit seinen „EDW’s“ (»Epistemologically Different Worlds (EDWs)«) beschäftigt hat. Seine „Mikro-“ und „Makro“-EDWS sollen angeblich zu unterschiedlichem epistemologischen Frameworking und zur Verschmelzung von phänomenalen und noumenalen Metaphysik führen.
    Wie dem auch sei, es ist richtig, es wird wohl auf „die kritische Metaphysik im Verbund mit der Epistemologie und also speziell die Frage, inwiefern die Gegenstände von unserem besonderen Wahrnehmungsapparat abhängen“ hinauslaufen. Die wirksamsten Impulse sehe ich aber zur Zeit – wie gesagt – aus der KI- und Kybernetik-Forschung kommen, da hier eine neue Metaphysik gerade zu verlangt wird. Wie man vielleicht an folgenden Fragen, die ich an die Luhmann-Gruppe auf Facebook gerichtet habe, ablesen kann:
    „Unter der Prämisse, dass der Mensch mit Hilfe der neuen Technologien nun der neue „Schöpfer“ ist, benötigt man dann auch eine neue Metaphysik im Bezug auf folgende Fragen?:
    1. Kann man mit Hilfe der Autopoeisis tatsächlich so etwas wie Wissen/Kognition herstellen (vgl. Paul Bourgine/John Stewart: „Autopoiesis and Cognition“ http://yannickprie.net/…/docs/documents2006/alvarpb7.pdf ) oder bleibt es nur bei „system-inhärenten Rechenoperationen“? (Dirk Baecker: „A Calculus for Autopoiesis“ https://poseidon01.ssrn.com/delivery.php?ID=084013121017005082031085097126029109118032061048043044009117114089082115106095064092005049039026020056054098125090082125103074108057014069082025067085000064067102065045091090090011030001094098071112079086083064121105019005071083021007105068073069066&EXT=pdf?)
    2. Führt dieses inkrementelle, subsumierende Wissen tatsächlich zu so etwas wie autonomen Bewusstsein (TTC) als artifizielle Lebensform (al)? (vgl. Paul Bourgine/John Stewart: „Autopoiesis and Cognition – What is life -“ S. 15 in http://yannickprie.net/…/docs/documents2006/alvarpb7.pdf )
    3. Dies führt natürlich unweigerlich zur Frage eines Selbstbewusstseins. Kann ein kybernetisches System/Organismus sich selbst erkennen und kritisch reflektieren (Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist die Maschine?
    4. Können wir dann mit Kant auf „Vernunft“ und auf eine damit implizierte „Moral“ hoffen? Heißt, gibt es für kybernetische Systeme einen transzendentalen Orientierungspunkt? Oder sind wir Menschen dann – als „Schöpfer“ – der Bezugspunkt? Oder wird das System, weil es ja selbstreferenziell ist, sich selbst als Schöpfer betrachten und eine neue „Schöpfungs“-Mythologie (Religion/Glauben) entwickeln?
    Hierzu habe ich sehr vielversprechende Antworten besonders von Franz Hoegl „The evolutionary dynamics of expectations: Interactions among codes in inter-human communications“ (https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0303264720301258) erhalten, die ich gerne in einem weiteren Essay „Der Geist in der Materie“ vorstellen möchte.
    Es bleibt spannend. Vielen Dank für Ihr Interesse und es wäre schön, noch etwas von Ihnen zu hören.

    Viele Grüße
    philosophies.de

  6. Dear Mr S.,

    thank you very much for your comment, but you would have to specify what you mean by „results“ and „science“. If by „results“ you mean the advances in technology, I could do without „a few advances“ (see „The Technopoly“ https://philosophies.de/index.php/2020/11/01/das -technopol /) . If by „science“ you mean a discipline that creates knowledge, it is also difficult for me to imagine a „natural science“ without epistemological foundations (e.g. „induction“ and „deduction“). But maybe you can teach me better.

    regards
    philosophies.de

  7. Dear Mr. S.,

    thank you for your interest in my article and your interesting comment.

    Your first objection: Science becomes speculation without the epistemological foundation of metaphysics (again see „Induction“, „Deduction“, „Abduction“, „Verification / Falsification“, etc.).
    You can see that in your second objection: For me the earth is a sphere (even without speculation 😉
    Regarding your review of my article „Das Technopol“ (https://philosophies.de/index.php/2020/11/01/das-technopol/): It’s a pitty that you find the informality of the article as sarcasm, but Then you have to complain to the author Neil Postman, who has written two very readable books on the subject of „Information in the Information Age“, „Amusing Ourselves to Death: Public Discourse in the Age of Show Business“ and „The Second Enlightenment: A bridge to the eighteenth century“.

    With philosophies greetings

  8. Dear Mr. J.,

    thank you for your comment, which I read with interest.
    Right, Descartes was wrong. There is no dualism between „res cogitans“ and „res extensa“. I only see a structural coupling (Maturana and Varela, 1985), which is why „ontic structural realism“ appeared to me (see https://philosophies.de/index.php/2020/11/12/von-der-physik -to-metaphysics /) as the most promising approach. Therefore, the question of fiction or reality does not arise at all, since reality first has to be generated cognitively. And that’s right, you don’t have to try any „supernatural“ things, cognitive science and neurosciences provide a sufficient amount of data for this. But I would like to investigate this in a later article „The Spirit in Matter“ with the he
    lp of Luhmann’s system theory.

    With philosophies greetings

  9. Cher Monsieur L.,

    merci pour votre intéressante objection, que j’ai immédiatement reprise.
    Non, mon essai n’a absolument rien de commun avec l’approche formelle-logique et empirique de M. Carnap. Je considère la «logique scientifique» de Carnap comme un projet raté à plusieurs égards, aussi et surtout en ce qui concerne la tentative d’abolir la métaphysique à l’aide de la logique de la physique.

    Au contraire, j’essaie actuellement d’adopter une approche différente, que j’ai trouvée dans mon essai plus ancien „Le Dieu de la science“ (https://philosophies.de/index.php/2020/09/23/der-gott-der-wissenschaften /) et que je voudrais décrire plus en détail dans un essai ultérieur „L’Esprit dans la matière“.

    Avec des salutations philosophies

  10. Dan Langlois
    Admin of Kant in contemporary philosophy (FB)

    „Note Henri Poincaré, Pierre Duhem and Abel Rey, these ‚French Conventionalists‘.

    The Belgian P. Duhem’s philosophy of science is difficult to classify according to more contemporary categories like instrumentalism and realism — his anti-instrumentalism did not amount to endorsement of realism. or something. Not anti-realist either. He was particularly impatient with the neo-Thomism of the day. Note philosophical idealism, towards which he tends more or less consciously, more or less decisively, such that this might be described as vacillating between idealism and dialectical materialism — energetically combating the atomistic-mechanical conception of nature, pointing to the narrowness of this conception, to the impossibility of accepting it as the limit of our knowledge, to the petrification of many of the ideas of writers who hold this conception. I’m kidding, but I recall that Engels rejected the old metaphysical materialism for *dialectical* materialism. What Duhem shows, he shows with an enormous expenditure of labor, and with the help of a number of interesting and valuable examples from the history of physics. But if it is that “every law of physics is provisional and relative, because it is approximate”, then also:

    “A law of physics, properly speaking, is neither true nor false, but approximate“ — writes Duhem.
    Thus, the question whether “material reality” corresponds to perceptual phenomena is metaphysics. Our concepts and hypotheses are mere signs, “arbitrary” constructions, and so forth.
    He says that we know sound “such as it is in relation to us but not as it is in itself, in the sound-producing bodies. This reality, of which our sensations give us only the external and the veil, is made known to us by the theories of acoustics. They tell us that where our perceptions register only this appearance which we call sound, there really exists a very small and very rapid periodic movement,” etc.
    Nature is infinite, just as its smallest particle (including the electron) is infinite:

    “Thus, the struggle between reality and the laws of physics will continue indefinitely; to every law that physics may formulate, reality will sooner or later oppose a rude refutation in the form of a fact; but, indefatigable, physics will improve, modify, and complicate the refuted law”.

    The starting point of Rudolf Carnap’s and Otto Neurath’s endeavour, however, is to be found in Poincaré, though the members of the Vienna Circle seem to have missed Poincaré’s structural realism. Or I mean, John Worrall has called this view „structural realism“. It says that what is merely instrumental are our conceptions of the entities we theorize about. What remains constant in this theory change, however, is the structure of the phenomena investigated. Poincaré thus resisted wholesale instrumentalism. Duhem abstained from affirming realism. Poincaré asserted realism whereas Duhem did not, seeking to dissociate science from metaphysics. Insofar as Poincaré’s confidence transcended possible scientific évidence, his structural realism must count as a metaphysical thesis.

    I might say ‚Poincare’s version of Kantianism and Duhem’s Catholicism‘, but not where I actually want it repeated. Duhem’s holism? Duhem’s non-Catholic readers could regard Duhem’s historical interest in medieval science as representing little more than another version of neo-scholasticism. Maybe, in the long run, what this meant was that Duhem could be dismissed as a Catholic apologist by non-Catholics. while simultaneously being condemned by the French Catholic intellectual elite.
    Poincaré assumed the continuity of ordinary and scientific language which Duhem questioned. It is not easy then to say precisely what Poincaré and Duhem shared when they spoke of conventions in science.

    Of course, they agreed that there are facts which are unimpugned by any of the conventionalities of theory however conceived, namely the „crude“ or „practical facts“ which we know for sure. The significance of this becomes clear by comparison of Duhem with Quine. Duhem made his holistic claims only for theoretical physics (possibly a special case amongst the sciences).
    Poincaré’s and Duhem’s agreement was pretty thin. Famously, Duhem contrasts representation to explanation, where explanation proceeds with positing unobservable entities and structures and consists in reducing the behavior of observable entities (the empirical laws) to these invisible entities, their properties and their own laws of behavior. These metaphysical entities — metaphysical by default. And the laws they are supposed to obey. Hence, explanation is taken to be characteristic of metaphysics, thereby falling outside the scope and bounds of science.
    It might be thought that Duhem cannot have it both ways. He cannot be a holist and at the same time wouldn’t commitment to holism imply that the explanatory part also gets some credit by getting some of the empirical support of the theory? Heck, I say ‚the explanatory part‘, assuming that we can draw such a distinction. Although Duhem talks of metaphysical relations between essences, what he really refers to are relations among unobservable entities—the minute constituents of material objects. Recall that for him the atomic hypothesis (as well as any other hypothesis which refers to unobservable entities) was a “metaphysical” hypothesis.

    If we want to cast light on the reasons that explain the shift of opinion—from scepticism to realism—concerning the reality of atoms and molecules in the beginning of the twentieth century, then I figure maybe the story told has some rather interesting repercussions for the rationality of accepting the reality of explanatory posits. The atomic hypothesis—the key assumption of which was that matter is discontinuous—entailed that atoms should be countable. Hence, the determination of the number of molecules in a gram-molecule of gas, was a key plank in its defence. Note, that there had been many attempts to determine this number, and that the determination of it would allow the determination of other atomic properties, e.g., the size of molecules.

    I gather that the incessant and irregular agitation of small particles suspended in a liquid, which came to be known as Brownian movement because it was first identified as such by the botanist Robert Brown in 1828, was destined to play a decisive role in the wider acceptance of the atomic conception.
    Two important things happened in the first decade of the twentieth century. One, was Einstein’s theory of Brownian motion in 1905, which provided for an explanatory mechanism of it based on the molecular kinetic theory; the other was Jean Perrin’s theoretical and experimental work, which yielded a very accurate determination of Avogadro’s number. In Perrin’s hand, Avogadro’s number became an invariant and indispensable feature in explanations of various and diverse phenomena.

    Between roughly 1908 and 1912, there was a massive shift in the scientific community in favour of the atomic conception of matter. When Perrin received the Nobel Prize for physics in 1926, it was noted in the presentation speech by Professor C. W. Oseen that he “put a definite end to the long struggle regarding the real existence of molecules”. Perrin’s case for the reality of molecules is rather exceptionally strong. But wait, do we figure then, that commitment to the reality of certain explanatory posits should be made on the basis of the strength of the evidence there is for them? But then, it seems like commitment to the reality of specific explanatory posits is a matter that depends on the context.

    It seems to me that while we are acting as if meta-theoretic or philosophical considerations get into the evidential balance sheet, it turns out, in the end, that in certain contexts, they are trumped by the detailed and well-supported explanation of the phenomena to be explained. I also figure we could say this: that the evidence for the atomic hypothesis was indirect—that is, via its confirmation, as opposed to direct observation—does not imply that this evidence was insufficient. It became unreasonable to defend the superiority of the molecular theory without defending its truth.

    Suppose that resistance to the atomic hypothesis was solely based on philosophical dogma. Well, then, what if we say that adhering to philosophical dogma in the face of mounting scientific evidence against its basic presuppositions is unreasonable?
    These remarks are based on my notion that the atomic conception was essentially true. So to speak. I figure it’s not that we have to capture the whole truth and nothing but the truth. Instead, if we say that the atomic conception of matter, in its essentials, as it were, has become a stable and permanent part of our evolving scientific image of the world, then okay. The discontinuous structure of matter—is true. Certain properties of the constituents of matter have been rendered definite and measured.

    Personally, I’ve never had much of an issue with the idea of recommending belief in both observable and unobservable aspects of the world described by the sciences. I guess this attitude leaves a lot less for philosophers to maunder about, and at least, has important metaphysical and semantic dimensions, and anyways, debates about scientific realism are closely connected to almost everything else in the philosophy of science.

    I note that ‚realism‘ is a term that was coined by Kant. On the other hand, it is perhaps only a slight exaggeration to say that scientific realism is characterized differently by every author who discusses it. It is denied by any position that falls under the traditional heading of “idealism”, including some forms of phenomenology, according to which there is no world external to and thus independent of the mind. This sort of idealism, however, though historically important, is rarely encountered in contemporary philosophy of science. More common rejections stem from putatively neo-Kantian views of the nature of scientific knowledge, which deny that the world of our experience is mind-independent, even if (in some cases) these positions accept that the world in itself does not depend on the existence of minds.
    Not to get bogged down. Maybe we say that semantically, realism is committed to a literal interpretation of scientific claims about the world. In common parlance, realists take theoretical statements at “face value”. This semantic commitment contrasts primarily with those of certain “instrumentalist” epistemologies of science.

    The general recipe for realism just described, falls short of the degree of precision offered by most realists. Since ’structural realism‘ has come up, I’ll note that structural realism is the view that one should be a realist, not in connection with descriptions of the natures of things (like unobservable entities) found in our best theories, but rather with respect to their structure. This position adopts a strategy of selectivity. Also there is ‚entity realism‘, and there is ‚explanationism‘. I don’t need any of this jargon, I just say that adopting a realist attitude toward the content of scientific theories does not entail that one believes all such content. I’m being informal, of course. But I wonder if the rigid observance of rules of convention or etiquette really can succeed in making ‚philosophy of science‘ into ‚actual science‘, or not?“

    (Source: https://www.facebook.com/groups/KantAndAnalyticphilosophy/permalink/1937400719748335/?comment_id=1937895229698884&reply_comment_id=1938913636263710&notif_id=1615763175176437&notif_t=group_comment&ref=notif)

    1. Dear Mr. Dan Langlois,

      thank you for your very detailed, insightful comment, which I read with great interest. But someone knows his way around.

      One question in advance. I would like to publish your comment on my website because I think it is scientifically sound and I think it would be a shame if other people interested in this topic could not read it. For reasons of copyright and data protection law, I must of course ask your permission. For this reason I usually only publish my reply to the comments, but in this case it would be a shame. Speaking of which, you could also have left your comment directly on my page (I’ll leave out the juvenal wink smileys so we can talk like grown-ups).

      Let’s get down to business. I don’t really have anything more to add to your profound knowledge on this topic, as this would only lead to redundancy, which is known to be boring. The description of the epistemological standpoint of Duhem and Poincaré is absolutely correct, as is the derivation of the consequences resulting from this with regard to the ontological-epistemological realism-idealism dispute.

      Indeed, Kant tore open this epistemological rift very broad and influential, as he contrasts his empirical realism with the anti-realism he attests in the form of a „dogmatic idealism“ à la Berkeley (KrV B274). One can probably take this step together with Kant, since this Berkeleyian idealism has, as is well known, ended in solipsism, which was not really very fruitful for a further description of the world and the investigation of its entities.

      I find the investigation of the old Cartesian paradigm of the dualism of „res extensa vs. res cogitans“ more interesting, as this has haunted our heads (sic!) to this day. From my point of view, this dualism is unfortunately aggravated by another resulting dichotomy, the juxtaposition of natural science and humanities. The truth claim to a real and correct description of the entities in this world is claimed by both camps and also mutually discredited.

      Nowhere is this „old trench warfare“ clearer than in the philosophy of spirit and the neurosciences that have grown out of it. For this reason I had in my previous essay the „Philosophy of Spirit“ (https://philosophies.de/index.php/2021/01/10/die-philosophie-des-geistes/#The%20philosophy%20of% 20mind% 20-% 20the% 20UEPhA% 20Cup% 20of% 20Isms) once occupied with the description of the problem, in order then in the next step a solution in the form of the joint venture in the following essay „Die Neurophilosophie“ (https://philosophies.de/index.php/2021/02/15/die-neurophilosophie/#Neurophilosophy%20-%20or%20the%20brain's%20lack%20of%20discipline). With your permission, I can also post the essays again in this group.

      For the establishment of a new discipline like neurophilosophy, however, I still owed a justification, which I would like to catch up on in the new essay „The Paradigm Shift“ because I am convinced that we urgently need a „new metaphysics“. For this I am currently also dealing with the philosophy of science and that brings us back to the beginning of our metatheoretical problem, the „Duhem-Quine thesis“ of epistemological holism:

      „Taken together, it follows that the physicist can never subject an isolated hypothesis, but only a whole group of hypotheses to the control of the experiment. If the experiment contradicts its predictions, it teaches him that at least one of the hypotheses, which form this group is not permitted and must be modified (Duhem: „Goal and Structure“, p. 248)
      „[…] our assertions about the outside world do not stand individually, but in a group before the tribunal of sensory experiences“ (Quine: „Two dogmas of empiricism“)

      This approach can also be garnished with the „Gödelian Incompleteness Theorem“, which counteracts the logical empiricism of Carnap, which you also mentioned. In your comment, however, I still missed Rey’s position, because for me the more interesting connection to my „missing link“ lies in the paradigm shift. If I may quote again from the article by Matthias Neuber mentioned in my essay, which I have translated into English for easier readability:

      „Rey himself advocates a kind of third way in this context: the physics-related ignorance of his adversary Duhem and the uncompromisingly progressive believing Scimus of the scientists who had a lasting impact on the context at that time (such as Berthelot) he contrasts the ignorance of what he calls “true” positivism. One has to know that Rey is implicitly referring to the “Ignorabimus dispute” that took place in Germany towards the end of the 19th century. As is well known, Emil Du Bois-Reymond triggered a fundamental scientific dispute that was received on a broad (also international) level with his speech “On the Limits of Nature Recognition”, given in 1872 at the Leipzig Assembly of German Naturalists and Doctors. Closely related to the question of the limits of scientific knowledge raised in the title of the speech was the question of the task and goal of science: Is it the task of science to merely describe observable phenomena or to explain them causally as well? It is precisely this question about which the controversy between Rey and Duhem revolves. While Duhem, in the sense of Du Bois-Reymond’s ignorance of science, or, more precisely, physics, disputes the claim to explanation, Rey wants to defend with his ignorance an explanatory model that is if not for certainty, at least for hypotheticality. In short, from Rey’s perspective, Duhem draws the “limits of the knowledge of nature” too early.“ (Matthias Neuber:“Does theoretical physics need religious belief? Neo-Scholasticism and positivism in the Third Republic” https://philpapers.org/archive / NEUBDT-2).

      Because this trench warfare is smoldering in the respective camps themselves. In other words, even in the natural sciences, there is disagreement about the epistemology and ontology of empirical theorizing, leading to the positions you mentioned in the form of materialism, physicalism, instrumentalism, holism, scientific realism, constructive empiricism and epistemic/ontic Structural realism led; my goodness all these isms. At this point, I will spare ourselves a closer look at the individual isms, since they would not be of any further importance for the further progress of the solution to the problem.

      I was much more interested in my further article „The paradigm shift“ from the literature of Thomas S. Kuhn: „The Structure of Scientific Revolutions“, Bas van Fraassen: „Scientific Realism“ / „Constructive Empirism now“ / „Scientic Image“, John Worrall: „Structural Realism: the Best of Both Worlds“ / „Normal Science and Dogmatism, Paradigms and Progress: Kuhn versus Popper and Lakatos“, James Ladyman / Don Ross / David Spurett / John Collier: „Every Thing Must Go: Metaphysics Naturalized „, Georg Northoff:“ Lessons from Astronomy an Biology for the Mind – Copernican Revolution in Neuroscience „, as this seemed more effective to me.

      And yes, I am actually convinced that ontic structural realism can not only build a bridge within the different positions in the scientific camp, but also create a connection to the positions in the humanities camp. In order for this balancing act to succeed, however, in my opinion the aforementioned new metaphysics is required. I see opportunities for this paradigm shift and an associated metaphysics here under certain circumstances in the combination of a luhmann-style language-analytical systems theory with the post-structuralist discourse analysis à la Foucault or Serres, which unfortunately I cannot describe in detail here because I am still working on it myself. I’m not even sure whether this connection will work, but the French term „essay“ from humanities can also be easily combined with the Latin term „experiment“ from natural science.

      Please forgive me if I was only able to sketch out some thoughts roughly. I would also like to ask the Kant expert whether it would be possible to achieve such a metaphysics without the dialectic of transcendental reinsurance. Because my project should only get its epistemological and ontological basis with the help of a planned, self-observing observer. How do you see this, would Kant have got involved in something like this or is it really not that far removed from his transcendental subjectivity? Maybe it’s just „young wine in old bottles“ after all.

      Thank you for your interest and your help
      philosophies.de

  11. Dear Mr. M. E.,

    thank you for your comment and your question.

    But I can’t tell you what a „Philosophy of everything“ might look like. I don’t think it will ever exist any more than the „Theory of Everything“. These are very nice holistic thoughts. But unfortunately I fear that our world is simply too many-faceted and complex for us to be able to simplify it so much that it fits into a philosophy / theory.

    I even consider the old paradigm of dualism to be outdated and in need of replacement. I have already written an essay on this subject, to which – assuming you are interested – I would like to refer you once (https://philosophies.de/index.php/2021/03/31/der-paradigmenwechsel/).

    Best wishes
    philosophies.de

  12. Dear Mr. A. M. M.,

    that’s right. Deleuze had started a similar project called „transcendental empiricism“. I just looked in there again and actually see similarities.

    Only from my point of view, Deleuze did not end the path that had begun. He analyzes the relationship between identity and difference completely correctly, but from my point of view does not derive the underlying structural conditions that could be made visible with the help of structural realism.

    I take a closer look at the lyrics, especially the „Difference and Repetition“ (1968).

    Thank you for the tip and best regards
    philosophies.de

  13. Dear Mr. M. D.,

    thank for your comment.

    Correct. You can define that is the goal of science. But it is of no use if you only want to reduce „metaphysics“ to „behind physics“ or rather originally to „behind physis“ as an „ontological background“.

    The „theoretical accounts of observed behavioral relationships“ do not simply fall „from the sky“, but must first be determined. I therefore still believe that the modern natural sciences in particular need a new metatheory more urgently than ever if the term „metaphysics“ is too heavily biased for you ;-).

    Best wishes
    philosophies.de

  14. Dear Mr. B. B.,

    thank you for your kind comment, which I can only agree with.

    In my opinion, it is due to the cultural-historical connotation of the term, which is too strongly reminiscent of Christian theology or continental philosophy (e.g. German idealism). That is why I would actually prefer the term „metatheory“, as used, for example, in Luhmann’s „system theory“.

    Whatever it is to be called, we need more urgently than ever a new theory for the modern sciences, which I will describe in another essay „The paradigm shift“ (https://philosophies.de/index.php/2021/ 03/31 / the-paradigm shift /) have already tried to describe it.

    Thank you for your interest and best regards
    philosophies.de

  15. Dear Mr. S. Z.,

    thank you very much for your very kind comment, which I read with great interest. You spoke to me from the „soul“ (even if this term is again too metaphysical ;-).

    I know from my own experience, but also from the discussions here on FB, that a great many natural scientists, especially if they are strongly materialistic or purely physicalistic, always withdraw to the supposed objectivity of scientific realism, which strives for a strict demarcation from metaphysics.

    I don’t think this is an objective, realistic approach to science. In my opinion, this attitude is based on a false conception of a scientific realism, which was developed through the method of inductive-empirical verification of the logical empiricists from the „Vienna Circle“.

    Even Popper with his critical rationalism had already pointed out in his methodology of hypothetical-deductive falsification (see Peirce „abduction“) the resulting „induction problem“ and the associated problems with regard to attempts to differentiate from metaphysics, which no longer exist in this form were durable.

    You wrote absolutely correctly: „The new metaphysics of nature distinguishes itself from the older essays in speculative metaphysics by being close to science: metaphysical claims are based on scientific theories. Consequently, the metaphysical claims about nature are as hypothetical as our scientific theories: there is no more certainty to be gained in metaphysics than here is in science. In other words, scientific knowledge claims are fallible and meta-physics, insofar as it draws on those claims, is as fallible as science.“

    This is an important, trend-setting approach for a new, „naturalized metaphysics“ that can contribute to the solution of scientific problems. For example, Ladyman and Ross designed an ontic structural realism in their influential book from 2007: „Every Thing Must Go: Metaphysics Naturalized“, which is based on the „Principle of Naturalistic Closure (PNC)“ and the „Primacy of Physics Constraint (PPC)“, which can give completely new impulses for modern physics. In this form, metaphysics and physics are no longer opposites at all; on the contrary, they are mutually dependent.

    In your example, you correctly point out the strong mathematization and prioritization of stochastics in relation to scientific questions. This can also be traced very nicely in the history of science using the paradigm shift on the micro level „from classical physics to quantum physics“ and on the macro level „from classical mechanics to the theory of relativity“. Many modern scientists, for example from physics, are not even aware that they are practicing pure metaphysics, for example when they put forward theories on „string theory“ or „black matter“ ;-).

    The „mediator variable“ you mentioned, which strongly reminded me of the concept of the „Markov blanket“, would for me be another example of a new metaphysics in the natural sciences. With the help of a moderate, ontic structural realism, for example Esfeld / Lam: “Moderate structural realism about space-time. Synthesis, 160 (1), 27-46. (2008) and “Ontic structural realism as a metaphysics of objects.” In A. Bokulich & P. ​​(2011) suggested such phenomena, or rather noumena, could be better investigated.

    The structural realism that can be described here is possibly stronger in its expressiveness than the investigation of the individual ontological entities. In this respect, I also advocate a general paradigm shift for theory formation in the sciences. I have already tried to illustrate this in another essay „The Paradigm Shift“ (https://philosophies.de/index.php/2021/03/31/der-paradigmenwechsel/), which I would like to draw your attention to.

    Thank you for your interest and best regards
    philosophies.de

  16. Dear Mr. L. T.,

    thank you for your comment and your kind compliment.

    However, I do believe that not only science, but much more fundamental things and facts are based on structures that are anything but simple, but unfortunately rather complex.

    Thank you for your interest and best regards
    philosophies.de

Ich würde mich über einen Kommentar von Euch sehr freuen.