Der Geist in der Materie

Der Geist in der Materie

Der Geist in der Materie – oder immer Ärger mit dem Lemma –

„Geist <–> Materie“ – das Dilemma

Wer weiß, ob die Geschichte anders verlaufen wäre, wäre dem 23-jährigen, jungen Mann, in der Winternacht 1619, im dreißigjährigen Krieg, unweit von Ulm, nicht einfach der warme Kachelofen in der Bauernstube ausgegangen. Dann hätte er vielleicht nicht (aus Langeweile) meditiert und es wäre nicht zu diesem Jahrhundertwerk „Meditationes de prima philosophia, in qua Dei existentia et animae immortalitas demonstratur(lat. „Meditationen über die Erste Philosophie, in welcher die Existenz Gottes und die Unsterblichkeit der Seele bewiesen wird“) von 1641 gekommen. Als Basis seiner Philosophie stellt er ein erkenntnistheoretisches Postulat auf, mit dem er quasi als Slogan – oder neusprachlich Meme – gleichgesetzt werden kann mit: „Cogito ergo sum“ (Ich denke, also bin ich.), welches dann auch letztendlich zur Begründung seiner Metaphysik dient.

Wer weiß, vielleicht wäre uns vieles erspart geblieben. Aber eines ist sicher, ab da an, war nun der „Leib-Seele-Dualismus“ bestehend aus den „res cogitans“ (den gedachten/zweifelnden Dingen = Geist) und den „res extensa“ (den ausgedehnten/körperlichen Dingen = Materie) unwiederbringlich in die Welt gesetzt. Die Rede ist natürlich von René Descartes (latinisiert Renatus Cartesius; * 31. März 1596 in La Haye en Touraine; † 11. Februar 1650 in Stockholm), der ein französischer Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler war.

Descartes Hauptwerk „Meditationes de prima philosophia“ von 1641 hatte eine bahnbrechende Wirkung auf den philosophischen, aber auch naturwissenschaftlichen Diskurs seiner Zeit und darüber hinaus (vielleicht sogar bis heute).

„Von dem Historiker und Philosophen Wilhelm Kamlah wurde Descartes als erster herausragender Repräsentant der in der oberitalienischen Werkstättentradition der Renaissance entwickelten „Neuen Wissenschaft“(-sauffassung) mit ihrer spezifischen methodisch durchgeklärten Verbindung von mathematischer Theorie und technischer Empirie gewürdigt, die zur Grundlage des modernen Szientismus wurde. Deswegen werde er als „erster philosophischer Dogmatiker der Mechanik […] sachlich und historisch umfassender“ verstanden denn als „Philosoph des cogito sum, der Entdeckung des Selbst aus dem Zweifel“(https://de.wikipedia.org/wiki/Ren%C3%A9_Descartes)

Descartes Philosophie ist von dem Impetus getrieben, die altscholastische Schule aufzuräumen und alles, was nicht beweisbar ist einfach raus zu schmeißen.

„Die in Discours de la méthode von Descartes ausführlich formulierte philosophische Methode wird in vier Regeln (II. 7–10) zusammengefasst:
Skepsis: Nichts für wahr halten, was nicht so klar und deutlich erkannt ist, dass es nicht in Zweifel gezogen werden kann.
Analyse: Schwierige Probleme in Teilschritten erledigen.
Konstruktion: Vom Einfachen zum Schwierigen fortschreiten (induktives Vorgehen: vom Konkreten zum Abstrakten)
Rekursion: Stets prüfen, ob bei der Untersuchung Vollständigkeit erreicht ist.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Ren%C3%A9_Descartes)

Dieses methodische Vorgehen in der Philosophie darf man durchaus mit der naturwissenschaftlichen Methodik vergleichen. So geht auch die erste Meditation „Woran man zweifeln kann“ auf den Wahrheitsgehalt der sinnlichen Wahrnehmung ein, da sie nicht frei von Täuschungen sein kann (Descartscher Dämon). Hieraus leitet sich ein Skeptizismus ab, der selbst das Wissen über die Wirklichkeit einer Außenwelt in Frage stellt und im Solipsismus mündet. Wenn man natürlich so weit gegangen ist, dass man alles anzweifelt (selbst die eigene Wahrnehmung) ist man selbstverständlich irgendwann gezwungen, wieder Boden unter die Füße zu bekommen und eine Verortung des eigenen Denkens vorzunehmen, um wieder einen Fixpunkt zu erhalten. Und hier kommt Descartes in seiner zweiten Meditation „Über die Natur des menschlichen Geistes; dass er der Erkenntnis näher steht als der Körper“ auf die geniale Idee (die übrigens schon Aurelius Augustinus (354 – 430) hatte) sich selbst als Bezugspunkt zu nehmen.

„Zweifellos bin also auch Ich, wenn er mich täuscht; mag er mich nun täuschen, so viel er kann, so wird er doch nie bewirken können, daß ich nicht sei, so lange ich denke, ich sei etwas. Nachdem ich so alles genug und übergenug erwogen habe, muß ich schließlich festhalten, daß der Satz ‚Ich bin, Ich existiere‘, so oft ich ihn ausspreche oder im Geiste auffasse, notwendig wahr sei.“ (René Descartes: „Philosophische Schriften in einem Band“, 1996, 2. Meditation, Absatz 3, S. 45.)

Den einzigen Schönheitsfehler, den dieser „Hutzauber-Trick“ hatte, war der, das von nun an der „Leib“ und die „Seele“ oder der „Geist“ und die „Materie“ eine condicio sine qua non bildeten. Wenn ich natürlich alles anzweifele, brauche ich einen sicheren Bezugspunkt meines Denkens, also muss ich zwingend das Denken „res cogitans“ von dem Körper „res extensa“ trennen, damit mich nicht eines der beiden betrügt. Heute würde man vielleicht despektierlich von einer „paranoiden Persönlichkeitsstörung“ bei dieser Menge an Zweifeln sprechen, wenn man nicht wüsste, dass es sich hierbei um eine philosophische Methodik handelt. Aber da der naturwissenschaftliche Diskurs zur Zeit der Rennaissance en vogue war, hatte Descartes Metaphysik eine abstrahlende Wirkung auf die Philosophie, aber auch auf die Naturwissenschaft (Physik, Astronomie, Physiologie) selber.

„Ich kann mir klar und deutlich vorstellen, dass Geist ohne Materie existiert. Was man sich klar und deutlich vorstellen kann, ist zumindest prinzipiell möglich. Also ist es zumindest prinzipiell möglich, dass Geist ohne Materie existiert. Wenn es prinzipiell möglich ist, dass Geist ohne Materie existiert, dann müssen Geist und Materie verschiedene Entitäten sein. Da also Geist und Materie verschiedene Entitäten sein müssen, ist der Dualismus folglich wahr.“(René Descartes: Meditationes de prima philosophia. (1641), S. 98)

Und zack, schon sind wir bei dem Dilemma, das bei Descartes schon angelegt war. Der Dualismus zwischen zwei scheinbar unvereinbaren Dingen, wie Geist und Materie. Das Dilemma bestand fortan nun darin, dass man fein säuberlich zwischen den Dingen, die den Geist betreffen – also z. B. den rationalistischen Geisteswissenschaften – und den Dingen, die die Materie betreffen – also z. B. den materialistischen Naturwissenschaften – unterscheiden musste, damit bloß keine Vermengung der Entitäten stattfinden und damit unsicherer Boden betreten werden möge. Insofern ist der Vorwurf der Basislegung für den späteren Szientismus durchaus begründet. Descartes Substanzdualismus ist in dem substanzdualistischen Interaktionismus aufgegangen, den zum Beispiel Karl Popper („Drei-Welten-Theorie„) und John Eccles vertreten.

„Geist = Materie“ – das Monolemma

Der vermeintliche Auslöser des ganzen Monolemmas (Neologismus: eine Wahl, bei der man eigentlich keine Wahl hat) war interessanterweise wieder eine banale Begebenheit, ein Sommerspaziergang eines 17-jährigen, jungen Mannes in der Umgebung von Wien:

„An einem heiteren Sommertage im Freien erschien mir einmal die Welt samt meinem Ich als eine zusammenhängende Masse von Empfindungen, nur im Ich stärker zusammenhängend. Obgleich die eigentliche Reflexion sich erst später hinzugesellte, so ist doch dieser Moment für meine ganze Anschauung bestimmend geworden.“ (Ernst Mach:“Beiträge zur Analyse der Empfindungen“ (1886), S. 23)

Wir hätten zwar gerne gewusst, was dieser junge Mann da „geraucht“ hatte, denn aus dieser emotionalen Schwärmerei entstanden ernste Konsequenzen. Sein späteres Werk „Die Analyse der Empfindungen und das Verhältnis des Physischen zum Psychischen (1886) hatte leider auch Auswirkungen auf die neu gegründete Sinnesphysiologie und wissenschaftliche Erkenntnistheorie.

Dieser junge Mann war Ernst Waldfried Josef Wenzel Mach (* 18. Februar 1838 in Chirlitz bei Brünn, Kaisertum Österreich; † 19. Februar 1916 in Vaterstetten, Königreich Bayern). Mach vertrat die erkenntnistheoretische Position, dass sich alle mentalen Zuständen des Gehirns, aber auch die Objekte der Außenwelt letztlich auf rein empirische Entitäten zurückführen lassen. Er war ein österreichischer Physiker, Sinnesphysiologe, Philosoph und Wissenschaftstheoretiker, sowie ein Pionier der gerade entstehenden Wissenschaftsgeschichte. Mach wird als Mitbegründer und Vertreter des Wiener Positivismus und logischen Empirismus bezeichnet, was an den folgenden Kernaussagen zur Erkenntnistheorie abzulesen ist:

„Die Quelle aller menschlichen Erkenntnis ist das „Gegebene“.
1. Gegeben ist nur eine Mannigfaltigkeit von Sinneseindrücken (Empfindungen).
2. Nicht gegeben ist alles, was zusätzlich zu den Inhalten der sinnlichen Wahrnehmung die „Welt“ konstituiert.
3.  Die Unterscheidung zwischen Ich und Welt ist haltlos.
4.  Es gibt keine metaphysische Erkenntnis über außersinnliche Realität.
In der Wissenschaftstheorie verstand er die Wissenschaften als Mittel, die Welt und die Empfindungen der Menschen möglichst einfach und neutral zu beschreiben. Außerdem verlangte er als Leitkultur der Wissenschaft einen Reduktionismus ohne Kompromisse. Aus diesem Grunde sah er als eigentliche Grundlage eines aufgeklärten Weltverständnisses die Physik und die Psychologie an. Physikalische Theorien seien, ähnlich wie psychologische, nur mathematisch organisierte Naturbeschreibungen. Diskussionen über den Wahrheitsgehalt von Theorien seien daher überflüssig. Allein der Nutzen sei relevant. Wahrheit existiere nicht für sich, sondern als eine temporäre Diskussions-Wahrheit, die nach evolutionären Gesetzen zustande kommt: Nur die stärksten, also ökonomischsten und empirisch klarsten, Ideen setzen sich durch.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Mach)

Starker Tobak, der letztendlich in dieser reduktiven Form bedeutet, dass alles auf die Sinneseindrücke (Empfindungen) zurückzuführen sei. Für Mach herrscht nur dieses eine Monolemma, wonach es nichts Metaphysisches/Immaterielles – also auch keinen Geist – gibt. Für ihn gibt es allein die „Einheit von Ich und Welt“ (Sein und Bewusstsein). Alle sinnesphysiologischen Vorgänge wie Wahrnehmung, Denken und Reflexion lassen sich auf empirische Funktionen, wie Sinneswahrnehmungen, Messwerte, Erlebnisse, Anschauungen, Befunde zurückführen. Dieser neutrale Monismus erscheint sehr dogmatisch und wird auch als eine Radikalisierung des Empirismus in Form des Empiriokritizismus angesehen. Mach ist einer der Mitbegründer oder einflussreichste Vertreter des sogenannten „subjektivistischen Positivismus“ und hatte insofern auch Auswirkungen auf den späteren reduktiven Materialismus/Physikalismus (Carnap/Neurath). Hieraus ist die Identitätstheorie (Place/Smart) in der Philosophie des Geistes hervorgegangen, die den Geist noch stärker auf das rein Materielle reduziert hat.

„Geist/Materie/Vernunft“ – das Trilemma

Dies führt zu einem erkenntnistheoretischen Problem ganz anderer Art, welches aber mit dem vorgenannten Dualismus und Monismus eng verbunden ist. Es geht um die „Subjektivierung von Erkenntnis„, oder wie man moderner sagen würde, um die Rolle des „Beobachters„, den „empirischen Reviewer“. Leider ist zu dieser Erkenntnis keine direkt belegte Anekdote überliefert, aber unsere „idealistische Lichtgestalt“ spricht von einem „großen Licht„, das ihm im Jahre 69 erschienen sei:“Das Jahr 69 gab mir großes Licht.“ (Schlusssatz Reflexion 5037) Wir wissen leider nicht, wie er zu dieser Erleuchtung gekommen ist, aber der vorletzte Satz der Reflexion 5037 gibt einen ersten Hinweis:

„Ich versuchte es gantz ernstlich, Satze zu beweisen und ihr Gegentheil, nicht um eine Zweifellehre zu errichten, sondern weil ich eine illusion des Verstandes vermuthete, zu entdecken, worin sie stäke.“ (Akademie-Ausgabe (AA) XVIII. Ich zitiere im Folgenden Kants handschriftliche Reflexionen zur Metaphysik aus AA Band XVII und XVIII nur nach den Nummern. Bd. XVII enthält die Nummern 3489 – 4846, Bd. XVIII 4847 – 6455.)

Spätestens bei der erwähnten Methode der kritischen Dialektik müsste klar geworden sein, dass es sich bei dieser „Lichtgestalt“ um niemand Geringeren als um Immanuel Kant (* 22. April 1724 in Königsberg, Preußen; † 12. Februar 1804 ebenda) handeln mag. Dabei ist die von ihm verwendete „Lichtmetaphorik“ auch nicht einfach aus der Luft gegriffen, sondern entspricht dem aufklärerischen Diskurs der damaligen Epoche:»Licht der Vernunft« Nach dem Vorbild der Mathematik als zielgerichtetes Denkvermögen begreift sich die Aufklärung als ein rationales Erhellen jedes denkbaren Sachverhaltes. (Günter Barudio: „Aufklärung“ https://link.springer.com/chapter/10.1007%2F978-3-476-03526-4_7, S.1)

Und genau an diesem ehrgeizigen Ziel arbeitete Kant. Dabei ist sein philosophischer Werdegang durchaus nicht monolithisch, frei von Brüchen und Widersprüchen. Im Gegenteil gerade diese Kehrtwendung, die man als „vorkritische“ Phase (bis Erscheinungsjahr 1781 der 1. Auflage der „Kritik der reinen Vernunft“ (KrV) gegenüber der „kritischen“ Phase (besonders ab der 2. Auflage der KrV 1787) ist für das Verständnis des später aufzuzeigenden erkenntnistheoretischen Trilemmas ausgesprochen wichtig.«Inauguraldissertation»: Über Form und Prinzipien der Sinnes- und Verstandeswelt (1770); „Kritik der reinen Vernunft“ (1781), „«Prolegomena»zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können“ (1783) liegt in dem Versuch eine neue Metaphysik zu konstituieren, die den Erkenntnisraum des menschlichen Verstandes (der Naturwissenschaft) in seinen Grenzen auslotet:Was kann ich wissen?

Auslöser für das ganze Trilemma war eigentlich – um in der Lichtmetaphorik zu bleiben, ein Erwachen aus einem Traum durch einen Lichtstrahl – die Auseinandersetzung Kants mit Humes Kausalanalyse von Ursache und Wirkung 1771, wie er selber schreibt:

„Ich gestehe frei: die Erinnerung des David Hume war eben dasjenige, was mir vor vielen Jahren zuerst den dogmatischen Schlummer unterbrach und meinen Untersuchungen im Felde der speculativen Philosophie eine ganz andre Richtung gab. Ich war weit entfernt, ihm in Ansehung seiner Folgerungen Gehör zu geben,[….] als der scharfsinnige Mann kam, dem man den ersten Funken dieses Lichts zu verdanken hatte.“Kant: AA IV, „Prolegomena zu einer jeden … „, S.

David Humes (1711-1776) entwickelte Erkenntnistheorie aus seinem Hauptwerk „Abhandlung über die menschliche Natur“ kann als Vorläufer des zuvor beschriebenen reduktiven Materialismus bei Mach gesehen werden. Hume versuchte – ganz im Geiste seiner Zeit – mit Hilfe des naturwissenschaftlichen Diskurses die Philosophie von der – aus seiner Sicht – spekulativen Metaphysik zu befreien:

„Ich behaupte, es gibt einerseits keine Frage von Belang, deren Antwort nicht in der WISSENSCHAFT ÜBER DEN MENSCHEN enthalten sein dürfte. Andererseits dürfte keine Frage zutreffend beantwortet werden können, bevor diese WISSENSCHAFT nicht bekannt ist. Wenn ich also vorhabe, die Grundlagen der menschlichen Natur offen zu legen, habe ich vor, ein komplettes wissenschaftliches Gebäude zu entwerfen, das auf einer fast völlig neuen Basis steht. Die einzige, wie ich annehme, von der aus einigermaßen gesichert geforscht werden kann.“(David Hume: „Treatise„, Introduction, 6.)

Dies glich natürlich einer „Abrissbirne in dem abendländischen Philosophiegebäude“, da es die „Krypta“ – die Metaphysik – betraf. Hume wollte in seinem induktiven Reduktionismus zu gesicherten Erkenntnissen kommen, die allein auf der Basis von Beobachtungen – im Sinne einer „empirischen Psychologie“ – gewonnen werden sollten. Hierbei sollte ausdrücklich auf logische Denkoperationen, wie z. B. bei der Deduktion ausgeschlossen werden. Deshalb wird dieser Ansatz auch Sensualismus genannt. Das durch ihn ausgelöste Grundproblem der Erkenntnistheorie ist als als „Induktionsproblem“ in die Philosophie des Geistes eingegangen. Aber nicht erst seit der Systemtheorie ist bekannt, dass der Beobachter selbst eine erkenntnistheoretische Größe darstellt. Denn bereits Kant verwies in seinem Hauptwerk der „Kritik der reinen Vernunft“ auf dieses Paralogismus-Problem, welches in seiner Ausgangsform an den zuvor beschriebenen cartesischen Dualismus erinnert:

„Der Dualismus von Materie und Geist (Seele, denkendes Wesen) gilt nur „im empirischen Verstande“, d. h.: „in dem Zusammenhange der Erfahrung ist wirklich Materie, als Substanz in der Erscheinung, dem äußeren Sinne, so wie das denkende Ich, gleichfalls als Substanz in der Erscheinung, vor dem inneren Sinne gegeben, und nach den Regeln, welche diese Kategorie in den Zusammenhang unserer äußeren sowohl als inneren Wahrnehmungen zu einer Erfahrung hineinbringt, müssen auch beiderseits Erscheinungen unter sich verknüpft werden“.[…] Materie und Seele sind keine Dinge an sich, sondern nur „die Erscheinung eines Dinges überhaupt“(KrV (I 750 f. – Rc 465 ff. auf https://www.textlog.de/32934.html)

Ein sehr moderner Ansatz, da er doch den „Beobachter“ als experimentierendes Subjekt in den Erkenntnisprozess mit einschließt. Aber Kant beschreitet hier einen „dritten Weg„. Anstelle des materialistisch-empirischen Monismus Humes und des idealistisch-rationalistischen Substanzdualismus Descartes möchte Kant zu einem transzendental-apriorischen Eigenschaftsdualismus und somit zu einer „transzendentalen Psychologie“ gelangen. Dieser rationalistische Ansatz, der auf Christian Wolff zurückgeht, wurde später als „Psychologismusvorwurf“ von Wundt (1910) und Husserl (1910/1911) aufgegriffen. In wie weit sich die Psychologie als Geistes- oder Naturwissenschaft versteht, ist aber ein anderes Thema in einem späteren Essay zur „Neurophilosophie“.

Hier ist vielmehr die erkenntnistheoretische Konstruktion Kants durch die Einführung des Subjektbegriffes in das dialektische Antinomien-Problem (ausgelöst durch Newtons „Principia“) – aus meiner Sicht – von aufschlussreicher Wirkung auf den späteren Diskurs. Kant legt eine transzendentale Klammer um das Materie-Geist-Problem, die den Dualismus zwischen den Empirismus und Rationalismus zusammenführen soll. Kants Transzendentalphilosophie stellt den Versuch dar mit Hilfe einer neuen Metaphysik den Materialismus Newtons mit dem Rationalismus Leibniz zu vereinen. Das dieses Unterfangen zu groß für ihn werden droht, hat er schon in seiner Monadologia physica (1756) vorausgeahnt:„Doch auf welche Art und Weise läßt sich denn bei diesem Geschäft die Metaphysik mit der Geometrie zusammenbringen, da man Greife leichter mit Pferden als die Transzendentalphilosophie mit der Geometrie verbinden zu können scheint?“ (ebd. W: 519 aus https://brill.com/view/book/edcoll/9783957437761/BP000005.xml?language=de, S. 35)

Diese transzendentale Verklammerung von Materie und Geist ist leider nicht umsonst, sondern wird durch ein Trilemma erkauft, das auch als Bieri-Trilemma bekannt ist. Dieses Trilemma entsteht durch das Problem der mentalen Verursachung:

  1. Mentale Phänomene sind nichtphysikalische Phänomene.
  2. Mentale Phänomene sind im Bereich physikalischer Phänomene kausal wirksam.
  3. Der Bereich physikalischer Phänomene ist kausal geschlossen.

„Jede der drei Annahmen wirkt auf den ersten Blick plausibel:
– Das Bewusstsein scheint durch seine interne Struktur – insbesondere durch das subjektive Erleben – von jedem physischen Ereignis verschieden.
– Mentale Phänomene (etwa Angst) scheinen ganz offensichtlich Ursache von physischen Phänomenen (etwa Weglaufen) zu sein.
– In der physischen Welt scheinen jedoch immer hinreichende, physische Ursachen auffindbar zu sein.

Das Trilemma besteht nach Bieri darin, dass die Sätze paarweise, aber nicht alle zugleich wahr sein können.“ (Peter Bieri: „Analytische Philosophie des Geistes“ (2007), S.18 auf https://de.wikipedia.org/wiki/Bieri-Trilemma).

Auf eine mögliche Lösung dieses Trilemmas möchte ich aber in meinem späteren Essay „Neurophilosophie“ noch genauer eingehen.

Nichtsdestotrotz stößt Kant hier ein Tor auf, das vorschnell wieder zu verschließen, neue Möglichkeiten hinsichtlich einer „neuen Metaphysik“ – mit heutiger Sicht und Kenntnisstand – ungenutzt verstreichen lassen würde. Doch um zu einer neuen Form von Metaphysik zu gelangen müssen die „alten Gräben“ zunächst einmal zugeschüttet werden, die der Dualismus in Geistes- und Naturwissenschaften hinterlassen hat. Diese epistemologischen Risse und ontologischen Brüche treten besonders in dem wissenschaftshistorischen Verlauf der „Philosophie des Geistes“ zutage, womit sich mein nächster Essay „Die Philosophie des Geistes – der UEPhA-Cup der Ismen“ spielerisch beschäftigen wird.

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Author: philosophies

13 thoughts on “Der Geist in der Materie

  1. Hallo Dirk,

    das letzte große Zitat von Kant im Bezug auf Descartes bezüglich der Trennung zwischen Leib und Seele in dem hier vorgestellten Artikel ist der berühmte Fehlschluss von der Epistemologie auf die Ontologie.

    Dieser Fehlschluss besteht meiner Ansicht nach auch heute noch in großen Teilen der Neurowissenschaften als auch in der Philosophie. Nun bin ich natürlich nicht im Besitz ontologischer Wahrheiten, sondern besitze auch nur meine eigenen ontologischen Annahmen. Dennoch hat es mich gefreut zu lesen, dass du diesen Fehlschluss hier herausgestellt hast. Denn er ist so alt wie aktuell gleichzeitig und das macht ihn interessant.

    Auch das berühmte Trilemma von Bieri, das ja wohl als klassiker in der deutschsprachigen Philosophie des Geistes genannt werden kann, halte ich u.a. deshalb für ein “Scheintrilemma”. Es verbleibt im Rahmen des Leib-Seele-Problems. Die echten Probleme werden somit gar nicht berührt, da man sich in rein konzeptell philosophische Welten verheddert hat die mit der natürlichen Welt diesbezüglich nichts mehr gemein haben. Aber diese Meinung von mir ist natürlich höchst kontrovers. Manch Philosoph würde mir hier wohl nicht nur nicht zustimmen, sondern gar nicht verstehen. Man müsste weiter ausholen um die eigenen Positionen darzulegen.

    Wie auch immer: weiter möchte ich dir sagen dass dein Artikel wieder wunderbar kompakt und interessant geschrieben war. Ich bin sehr gespannt auf deinen nächsten Beitrag zur Neurophilosophie.

    1. Hallo Philipp,
      das ist schön von Dir zu hören. Ich hatte häufiger nochmal an Dich gedacht – auch im Zusammenhang mit der Arbeit an meinem Essay – (wie Du siehst bin ich der „Neurophilosophie“ treu geblieben 😉
      Ich bin Dir auch sehr dankbar für Deinen sehr konstruktiven Kommentar und Dein sehr freundliches Kompliment.

      Der Sache mit der Ontologie und der Epistemologie wollte ich ja noch in meinen nächsten Essay genauer ergründen. Die Idee war auch genau mit diesem Bieri-Trilemma einzusteigen, um erst einmal die ganzen „Ismen“ und ihre „materialistischen vs. rationalistischen Lager“ in der „Philosophie des Geistes“ abzuarbeiten. Wäre schön, wenn Du mir bei möglichen Fragen zu der „Neurophilosophie“ nochmal behilflich sein könntest, da Du mehr in der „Materie“ drin bist.

      Liebe Grüße
      Dirk

  2. Lieber Dirk,

    vielen Dank für deinen Kommentar. Mit der Lektüre bin ich – wegen Links – noch nicht ganz durch.

    Eine schnelle Anmerkung zur Terminologie : du schreibst, es gehe dir weder um einen transzendentalen noch um einen immanenten Gott. Der Gegenbegriff zu immanent müßte transzendent lauten. »Transzendental« verstehe ich im Sinne Kants als »Bedingung der Möglichkeit von«. Der Gegenbegriff dazu ist vielleicht a posteriori, schwer zu sagen. Begriffe, transzendentale und andere sind für die KrV allesamt immanent. Sie verhalten sich zueinander wie Hausflur und Wohnzimmer.

    * * * * * * *

    Um mit der Tür ins Haus zu fallen : Was allen Menschen ge­meinsam ist, den Dümmsten wie den Klügsten, ist die Fä­higkeit zur Dialektik. Philosophie und Common Sense ge­hen davon aus, daß Tiere, wenn sie überhaupt denken, das nur in Form von dyadischen, zweikategorialen Systemen erledigen kön­nen; daß ihnen die Fähigkeit zur Vermittlung der Kategorien durcheinander ab­geht.

    Weil uns nur das von ihnen unterscheidet, sollten Common Sense und [eu­ropäische] Philosophie richtig liegen. Liegt diese falsch, ist sie eine Kannibalen­doktrin; liegen wir falsch, sind wir Menschenfresser. Die menschliche Fähig­keit zur Dialektik stellt Kant in der Kritik der Reinen Vernunft unendlich oft dar; oft unendlich kompliziert, oft abschreckend auch für einen Leser, der schon weiß, daß er in einer bis heute unangefochten gültigen Unabhängigkeitserklärung der Filosofie blättert; manchmal aber auch anschaulich, nämlich als eine Eigenart der Menschensprache :

    »… daß allerwärts eine gleiche Zahl der Kategorien jeder Klasse, nämlich drei sind, welches eben sowohl zum Nachdenken auffo­dert, da sonst alle Eintei­lung a priori durch Begriffe Dicho­tomie sein muß. … Dazu kommt aber noch, daß die dritte Kategorie allenthalben aus der Ver­bindung der zweiten mit der ersten ihrer Klasse entspringt.« [KrV, Kapitel »Von den reinen Verstandesbegriffen«]

    »Die dritte Kategorie entspringt allenthalben aus der Ver­bindung der zweiten mit der ersten ihrer Klasse« : diese Fähigkeit zur Vermittlung der Kategorien durcheinander, eben die Fähigkeit zur Dialektik ist die Voraussetzung für den spezifisch menschlichen Trick, das Hirn zur Reflexion zu trainieren. Man könnte sagen, die Kritik der Reinen Vernunft ist nichts als eine analytische Entfaltung dieses Satzes.

    Einheit, Vielheit und Allheit sind die ersten drei Kantischen Kategorien. Wendet man die Regel, nach der die dritte die beiden ersten konfiguriert, auf sie an, ergibt sich Folgendes :

    Die Allheit (Totalität) ist nichts anderes als die Vielheit als Einheit betrachtet.

    Im Begriff »Alles« präsentiert sich der Begriff »Vieles« als Begriff »Eins«.

    Die Allheit [Nr 3] ist die Vorstellung der Vielheit [Nr 2] als Einheit [Nr 1].

    Alles ist Ein Vieles. A = E/V.

    »Realität«, »Negation« und »Limitation« bilden die nächste Trias der Kategorientafel. Wendet man die Konfigurationsregel auf sie an, erhält man den schönen, mehrfach umformbaren Satz

    »Die Limitation ist die Negation im Realen«

    oder

    »Durch Negation schafft das Reale seine Binnengrenzen«.

    Du kannst deshalb Figuren erkennen, weil jede einzelne sich durch eine Kontur realisiert, deren Inneres das äußere Drumherum negiert – wie umgekehrt das Drumherum durch sein Enden an der Kontur die Figur limitiert : ein Bild, jedes Bild gibt dir

    Anschauungsunterricht in transzendentaler Kategorienlehre.

    Was das Bild darstellt, weißt du durch Bildung; daß es überhaupt etwas dar­stellt, weißt du, weil die Kategorien Realität, Negation und Limitation dir die Fähigkeit geben, Flächen und Linien zu Figuren, Figuren zu Gruppen, Gruppen zu genau dem räumlichen Neben- und Hintereinander zu verbinden, das der Maler suggeriert.

    Ba­nal ? – Ja sicher.

    »Aber verlangt ihr denn, daß ein Erkenntnis, welches alle Menschen angeht, den gemeinen Verstand übersteigen, und euch nur von Philosophen entdeckt werden solle? Eben das, was ihr tadelt, ist die beste Bestätigung von der Richtigkeit der bisherigen Behauptungen, da es das, was man anfangs nicht vorhersehen konnte, entdeckt, nämlich, daß die Natur, in dem, was Menschen ohne Unterschied angelegen ist, keiner parteiischen Austeilung ihrer Gaben zu be­schuldigen sei, und die höchste Philosophie in Ansehung der wesentlichen Zwecke der mensch­lichen Natur es nicht weiter bringen könne, als die Leitung, welche sie auch dem gemeinsten Verstande hat angedeihen lassen.«

    Schreibt Kant aaO, also ganzganz hinten im Buch. Sehr lange habe ich das schlicht und einfach überlesen.

    Hatte wohl auch sein Gutes :

    »Kants Witz. – Kant wollte auf eine alle Welt vor den Kopf stoßende Art beweisen, daß alle Welt recht habe – das war der heimliche Witz dieser Seele. Er schrieb gegen die Gelehrten zugunsten des Volks-Vorurteils, aber für Gelehrte und nicht für das Volk.« [Nietzsche, Die Fröhliche Wissenschaft]

    Philosophie muß banal sein. Was sie sagt, soll auf jedem Symposium gesagt werden können; es soll für jeden gel­ten, von Pfeife bis Flöte. Was sie gemeinsam haben, kann in der Darstellung vielleicht, in der Sache aber bestimmt nicht kompliziert sein. Deshalb hat der Common Sense jeden berühmten Filosofen unter einem einzigen Kernsatz gespeichert, »Alles fließt«, »Das Ganze ist das Vernünf­tige«, »Religion ist Opium …«, »Worüber man nicht reden kann …«, »Geliebt wirst du einzig, wo …« &c.

    Der Gegenstand der Philosophie ist in der Tat winzig, fast Nichts. Stimmt. Was ein Mensch über Welt und Ich wissen kann, ist das, was Sinne, Hirn und Spra­che ihm wie jedem anderen zu sagen erlauben.

    Dabei geht es weniger um das endliche Finden einer »Wahrheit« als um die Sukzession im Zweifel, im Be-Zweifeln jedes Gedankens, den ein Denkender faßt. Letztlich liegt hier, so banal es wiederum klingt, der Hund begraben, der unter den dreist errichteten Bauten des wissenschaftlichen Sozialismus vor sich hin fault.

    Seit mindestens 2500 Jahren hinterlassen dazu – : zu dem Zweck, zu sagen, was das ist, was für Jeden gilt – Meisterdenker ihren Schülern und anderen Nachfahren ausformulierte Denk-Gebäude, die weitergedacht werden sol­len. Die Unab­schließbarkeit dieser »Arbeit« versteht sich fast von selbst, braucht man ei­nem Philosophen bestimmt nicht zu erklären.

    Eine neue Filo­sofie schließt sich an, arbeitet sich ein, zitiert, kompiliert, kommentiert, in­terpretiert Trak­tate Alter und Neuer Meister, die auf dem­selben Weg zu­standegekommen sind.

    Die Filosofie hat nicht nur kein Ende; sie hat nicht mal einen Anfang.

    Schön, daß man auch gar nicht bei Null anfangen muß. Schöner noch, daß man es auch dann nicht könnte, wenn man wollte; am schönsten aber, daß es eine ausführlich kommentierte Liste der Letzten Dinge : daß es die Kritik der Reinen Vernunft schon gibt. Kein Philosoph nach Kant hat es gewagt, dieses Buch zu verwerfen. Hegels weiterführende kritische Interpretation der KrV ist Ansichtssache; Schopenhauers Hegelkritik erst recht; Nietzsches Schopenhauerkritik darf man ungestraft albern finden; deftige Nietzschekritik ist bereits notwendiger Teil der Nietzschelektüre.

    Bei Kant ist alles anders. Dabei trägt sein Jahrtausendwerk das Wort Kritik bereits im Titel. Was bedeutet Kritik bei Kant ? Kritisiert er die Vernunft ?

  3. Lieber Dirk,
    Vielen Dank für eine kurzweilige Bustour quer durch HH.

    Hier kommt eine schnelle Antwort, natürlich vom Schreibtisch. Diese Hamburger Rallyefahrer des ÖPNV lassen einen ja nicht in Ruhe tippen.

    Du hast ein Talent, mit aufgekrempelten Ärmeln tief ins lichtlose Aquarium, ne warte, besser : tief in die übervolle Truhe der Denkfiguren hineinzugreifen, jeweils zwei herauszuheben und dem Publikum zu präsentieren. An jeder hängt ein närrisch langer Beipackzettel, auf dem Verwandtschaften, Feindschaften, Unverträglichkeiten, Risiken, aber auch denkbare, populäre, unpopuläre, naheliegende und unverhoffte Fertilitäten vermerkt sind.

    Dein Essay kingt in der jetzigen Fassung eher wie ein komprimierender Artikel aus einem philosophischen enzyklopädischen Handbuch, eine tour de force durch fünf Jahrhunderte. Für meinen Geschmack ist er noch zu fußnotenlastig. Die meisten Links müßtest du (imao) mit ein paar Sätzen ausführen.

    Mein grundsätzlicher Einwand beginnt bei der Einschätzung des Duals aus cogitari und extendere. Ich denke – ich bin – ich existiere sind in meiner Interpretation äquivalent, bis fast zur Identität. Existere ist kein Gegensatz zum „realen“ Dasein; existere ist praktisch gleichbedeutend mit esse.

    Daß es existiert, also ist, ist das einzige, was vom Denken sicher gewiß ist. Denken hat aber ebenso sicher keine Ausdehnung. Es ist da, aber extendiert nicht. Einem Ding der sinnlichen Wahrnehmung das Extendieren abzusprechen wäre albern, weil es nur so existieren = sein kann. Existere und extendere drücken nicht zwei entgegengesetzte Prinzipien aus.

    Spinoza, ein weiterer junger Mann und Anwärter auf Dein Narrativ von „Was wäre, wenn“ macht das Verhältnis gleich in den ersten beiden Definitionen der „Ethik“ klar.

    Was einen Körper hat, ist nicht Denken. Was ein Denken ist, hat keinen Körper. Aber beide gehören deshalb nicht zu verschiedenen Seinsordnungen.

    Darum ist es auch nicht angemessen, diesen Dualismus als „Paranoia“ eines Denkers oder einer Tradition zu rekonstruieren. Ohne Frage ist die Beziehung ein Dual, aber nur im Sinne verschiedener Modi. Modus 1 = Denken; Modus 2 = räumlich vorhanden Sein.

    Der Gegensatz zwischen Geistes- und Naturwissenschaften ist (immer imao) nicht aus diesem Dual entstanden – der begnadete Mathematiker Descartes hätte sich, wie der begnadete Handwerker Spinoza sicher sehr gewundert über unsere wasserdichte Trennung der „Fächer“ voneinander. Der heutige Unsinn der Scheidung von Geist und Natur hätte sie vielleicht sogar amüsiert.

    Ich verdächtige eher die späte, die Schwurbelphase der Universitätsphilosophie, Wilhelm Dilthey ff, als es schon Usus war, von „Weltanschauung“ zu reden, als sei sie ein Vermögen des Verstandes resp des „Gemüts“ (= einer der doitschesten aller doitschen Begriffe).

    Die wasserdichte Abtrennung der Philosophie von anderen Verfahren der Rationalisierung menschlicher Verfügung über die Welt klingt für mich nach der kleinlichen Selbstsucht eines Professors, der seinen Claim absteckt.

    Grüße aus Panikland (sehe gerade nebenher das heute-journal)
    Theo

    PS : Ich habe mir zwar noch mehr Notizen gemacht, aber ich schicke dir erst mal das hier. Die Konvertierung von Notizen in Sätze ist schön und lohnend, aber dauert. Wem sage ich das.

  4. Lieber Dirk,

    [Lieber Theo,
    ich verschicke dann mal wieder „Blaue Briefe“ in eckigen Klammern.]

    Danke abermals für Deine „eingequetschte“ schnelle Antwort. Ich freue mich sehr, daß wir die Unterhaltung mehr auf (quasi) Anrufbeantworterebene fortsetzen als auf dem leidigen Level der (quasi) Seminarreplik.

    [Gerne. Finde ich, dass dies die „Unterhaltung“ spannender macht. Ansonsten komme ich mir auch immer so vor, als ob ich Monologe mit meiner Schreibtastatur halte.]

    Ich verstehe Descartes‘ Meditationen und Spionozas Ethik als zwei Wege durch dasselbe Labyrinth; der eine geht vom Ziel zum Start, der andere umgekehrt. Beide orientieren sich an denselben Zeichen auf dem Weg. Ariadnes berühmter Faden, einmal gelegt, führt in beide Richtungen, Hänsels Kieselsteine aber auch. Ich denke, der gemeinsame Name aller validen Zeichen ist „lumen naturale“, heute bekannt als „Evidenz“. Spinoza macht die Rolle des Menschen klein, Descartes macht sie groß.

    [Leider habe ich mich noch nicht genügend mit Spinoza beschäftigt (steht auch noch auf meiner todo-Liste ganz oben), aber ich habe schon mitbekommen, dass der Gute zur Zeit sehr en vogue ist. Aus meiner Sicht vielleicht auch als mögliche Replik zur der momentanen Sinnfrage und der Suche nach Metaphysischem, da er den heutigen sogenannten Atheisten oder Pantheisten mögliche Schnittstellen anbietet (was meinst Du?).
    Spinoza betont – nach meinen Recherchen – immer die Natur als eine Substanz quasi als „Gottersatz“ (oder Surrogat – hier denke ich immer an Caro-Kaffee, kennste noch? 😉 und die „Dinge ebenso wie die mentalen Vorgänge der Menschen [seien] nur Modi dieser einen Substanz (https://de.wikipedia.org/wiki/Monismus)“ deshalb wollte ich ihn in „Der Geist in der Materie“ auch unter dem Monismus verbuchen, fand seinen Ansatz aber nicht so spannend – wie ich schon bereits geschrieben hatte – im Vergleich zum Mach, der war mir doch etwas materialistischer im Vergleich zu Spinoza. Er musste zwar auch schon mal als „Vater“ der modernen Naturwissenschaften herhalten in einem Essay von Eric Schliesser: „Spinoza and the Philosophy of Science: Mathematics, Motion, and Being“
    (https://www.oxfordhandbooks.com/view/10.1093/oxfordhb/9780195335828.001.0001/oxfordhb-9780195335828-e-020). Mag etwas dran sein, fand ich aber nicht so eklatant. Aber das mit Descartes – und seiner Größe – sehe ich auch so, der macht sich ganz schön groß, nur wegen dem bisschen „Denken“ ;-)]

    Nach Descartes müßte „die Welt“ an der Rezeption des Philosophischen Instituts eine Greencard beantragen, um „existieren“ zu dürfen. Ausgerechnet dort. Da lacht schon jeder LK Physik. – Spinoza müßte sich dagegen fragen lassen, wie denn überhaupt trotz der allgegenwärtigen beschränkenden Determiniertheit jemals ein kleiner Mensch dahinterkommen konnte, wie das Große Ganze tickt. – Beide haben allerdings kräftig an der Relativierung der narzißtischen Philosophie mitgearbeitet, der eine als Schöpfer des nach ihm benannten Koordinatensstems, der andere als Pusher der Mikroskopisierung. – Ich, der spätest Nachgeborene versuche es eher mit dem Zeichenstift.

    [Hahaha, sehr witzig formuliert und super gezeichnet von Dir. Hast Du das selber gezeichnet? Respekt!
    Die beiden Tierfiguren haben mich irgendwie an Kants Vergleich mit den „Pferden und den Greifen“ erinnert: „die Metaphysik mit der Geometrie zusammenbringen, da man Greife leichter mit Pferden als die Transzendentalphilosophie mit der Geometrie verbinden [kann]“. So kommt es mir manchmal auch vor mit der ganzen Interdisziplinarität, ohne die es meines Erachtens aber nicht geht. Ansonsten sitzen die einen weiterhin vor ihren „Mikroskopen“ und finden Dinge (Phenomena) in der Welt, die sie eigentlich schon vorher gesehen haben, nur nicht erkannten. Und die anderen sitzen weiterhin vor ihren „Logoskopen“
    [Mist, gibt es leider schon. Ich dachte, ich hätte einen Blick durch das Logoskop getan und einen Neologismus erfunden s. https://www.heise.de/download/product/logoskop-68662, http://bible2.net/de/package/logoskop-wort-betrachter-offline%5D
    und finden Sätze (Noumena) in der Welt, die sie eigentlich schon vorher wussten, nur noch nicht erkannten. Aber so ist das mit der Erkenntnistheorie, wobei ich mich hier schon oft gefragt habe, warum sie nur mit der Episteme aber nichts mit der Techne zu tun haben soll. Daher fand ich auch den Ansatz, den die neu entstandene Disziplin „Neurophilosophie“ (ob man die so nennen muss, steht auf einem ganz anderen Blatt) betreibt, sehr vielversprechend. Ich hatte mich mal mit einem Denkerecke-Mitglied zu diesem Thema ausgetauscht, der zu diesem Bereich forscht.
    Aber wenn ich in der Bildinterpretation bleiben darf, für mich ist das Forschungsgebiet der Neurophilosophie u. U. der „grüne Schlauch“ zwischen den „non-human“-Wesen in einer strukturell gekoppelten Form. Ich hoffe, dass ich hierzu wieder etwas „zusammenschwabulieren“ kann. ]

    Die Kantischen Kategorien, die bei den trivialen Aussagesätzen („Urteile“) anfangen und sich bis in die verrücktesten Spekulationen („transzendentale Antinomien“) fortsetzen, gelten für die intersubjektive Sphäre und nur dort. Also für Ästhetik, Logik, Kommunikation, Moral uä.

    In ihrem Bereich funktionieren sie auf einer Skala von der mechanischen Reprodukton einer Matriuschkapuppe [MK] bis zur transformierenden Metamorphose [TM], mit mal mehr, mal weniger Mythos. Aber immer bleiben sie intersubjektiv plausibel.

    [Erinnert mich in der Aussage und Wirkung wieder stark an die anfangs erwähnte Systemtheorie, die ähnlich dekonstruktivistisch (oder besser gesagt konstruktivistisch methodisch vorgeht). Von der Methodik her gehe ich da auch ganz d’accord. Alles in sich logisch, inhärent und kohärent. Passt alles genauso gut, wie die erwähnte Matrjoschkapuppe zusammen (das Bild mit den Schalen ist ganz gut). Ich finde ja – wie schon mal erwähnt – das Kant mit seinem Schweizer Offiziersmesser sehr scharfsinnig schält. Ich finde die Systemtheorie koppelt auch verdammt gut. Aber immer fehlt da noch was. Ich habe es den „missing link“ oder „fehlenden Mittelfinger[sic!]-Knochen der paläontologischen Philosophie“ genannt. Will sagen, warum bleibt das Ganze nur so eine „Luftnummer“, wie Du es vorhin Spinoza und Descartes vorgeworfen hast. Wo ist das Ontische? Oder wie wäre es hier mal mit Heidegger nach der „ontisch-ontologischen Differenz“ zu suchen?]

    Ein abstraktes Bild [mein Meister : Malewitsch] teilt immer noch etwas Begreifbares über räumliche Proportionen mit; ein reimloses Gedicht codiert jedenfalls [für den gutwllligen Leser] nachvollziehbare Gedanken; eine asymmetrische, „atonale“ Musik hat mindestens [für den Hörer, dem die klassischen Parameter überschreitbar sind] Anfang, Mitte und Ende. Da beißt keine Maus einen Faden ab.

    Innerhalb der intersubjektiven Sphäre gibt es keine Mysterien, weil Worte, Sinn, Gehalt, Figuren, Bedeutungen etc nicht nur die Mittel, sondern gleichzeitig auch die Zwecke sind. Kants wunderbare Entdeckung besteht nicht bloß darin, daß Ästhetik [= Wahrnehmung, bis hin zur Kunst], Logik, Kommunikation, Moral &c grammatikbasiert sind. Das triviale Sprichwort „Sunt pueri, pueri puerilia tractant“ – : „Sie sind halt Kinder, und Kinder treiben Kinderkram“ gilt auch allgemein; setze statt pueri „homines“ und statt puerilia „grammatica“.

    Kant zeigt, daß das überall waltende Prinzip der Dialektik diese Trivialität aufhebt. Es enthält einen unbegreiflichen, sprachlich eben nicht eins zu eins darstellbaren Rest. Der einfachste Vierwortsatz ist schon „dialektisch“, nicht erst die groß angelegte Spekulation über den Ursprung der Welt oder den Freien Willen.

    Die Spekulation auf die letzten Dinge steigt wie ein Dampf bereits aus den simplen Urteilsformen und hüllt sie ein. Die intersubjektive Welt ist, wie Hegel sagen würde, „an ihr selbst“ dialektisch und daher metaphysisch. Die Dialektik hat immer ein Bein draußen, im nicht Vorstellbaren, aber zwanghaft Mitgedachten und Mitgemeinten.

    [Und genau da hege(l) ich meine Zweifel. „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.“ Diese „Intersubjektivität“ oder „das Ding an sich“ oder die „intersubjektive Welt“ als dialektisches und daher metaphysisches „an ihr selbst“ ist für mich genau der besagte „Hutzauber-Trick“. Inwiefern – und darum geht es Kant ja, so wie ich ihn verstanden habe – kann von allgemeingültigen, intersubjektiven Gesetzmäßigkeiten sprechen, welche den Rand meines und anderer Menschen Erkenntnisraumes und darüber hinaus [sic!] abbilden sollen. Also eine Intersubjektivität, die ich durch Subjektivierung gewonnen habe, wobei ich mich gleichzeitig durch die Dialektik wieder aus der Gleichung herausstreiche. Hmmh, aus Sicht der formalen Logik durchaus machbar, aber nicht validierbar. Das gelingt meines Erachtens eleganter mit der Einbeziehung des „Beobachters“ als Subjekt in der Theoriearchitektur der Systemtheorie, wenn man – wie gesagt – von einer strukturellen Kopplung ausgeht. Dann hat man wenigstens wieder etwas ontologisches (vielleicht sogar ontisches) in Form einer Struktur zu Grunde gelegt. Ist mir persönlich handfester und durch die Kognitions-/KI-/Kybernetikforschung (’ne Menge Ks) besser belegbar.
    Aber lustigerweise erinnert mich das gerade an eine Korrespondenz, die ich auch momentan mit einem FB-Mitglied führe, wobei ich aber hier genau andersherum argumentieren muss. Mein Korrespondent argumentiert stark auf der ontischen, mathematisch-physikalischen Basis (allerdings natürlich bezogen auf die Sprache – andere Entitäten, wie Du weiter unten ausführst, machen natürlich in diesem Zusammenhang keinen Sinn). Hier versuche ich mit einer mehr metaphysischen Perspektive – wie Du gerade – zu argumentieren.

    Ich habe mal wieder den Verdacht, dass es sowieso wieder mal nur um die verschiedenen Seiten derselben Medaille geht. Und beide Beschreibungen absolut korrekt sind. Wenn ich das noch ergänzen darf, ich denke sowieso Hans Blumenberg hat mit seiner „Beschreibung des Menschen“ vollkommen Recht und Rolf Mengert beschreibt dieses Problem auch sehr präzise in „Hans Blumenbergs interdisziplinär fundierte Anthropologie“(https://refubium.fu-berlin.de/bitstream/handle/fub188/6816/Dissertation_Rolf_Mengert.pdf?sequence=1&isAllowed=y), egal wie wir es wenden und drehen, letztendlich entdecken wir nur uns selbst unter dem o. g. „Mikroskop“ oder „Logoskop“. Vielleicht findet man deshalb den „Anthropozentrismus“ auch bei Kant und seinen Widerhall im starken/schwachen anthropischen Pinzip im Bereich der Naturwissenschaft (hier besonders Astrophysik, s. Hawking).]

    * * * * * * * * * *

    Die Kantischen Kategorien gelten nicht oder nur sehr vordergründig für Medizin, Astronomie, Chemie, Biologie uä., kurz : für die „Objekt“wissenschaften, die sich der Sprache nur deshalb bedienen, weil nicht jeder Leser die Eleganz einer Formel versteht, die aber eigentlich gemeint ist.

    „Meta“physik gehört ganz bestimmt nicht zu den Intentionen der Physiker; von Metabiologie, Metamedizin, Metaastronomie, Metaneurologie hat man schließlich auch nie gehört.

    [Wäre aber vielleicht mal eine Einführung wert 😉
    Ist aber vielleicht nur eine Standpunktsache, was man unter „Metaphysik“ versteht. Für mich zählt definitiv schon die Epistemologie dazu. Deshalb verschweigen/leugnen beispielsweise Naturwissenschaftler auch immer gerne den erkenntnistheoretischen Weg ihrer Forschungsergebnisse und Entdeckungen (von T. S. Kuhn hinlänglich untersucht und bewiesen); Beispiele hierzu wären die „Schlangen des Kekulé“ oder die „Wendelholztreppe von Watson/Crick“. Wenn Du das lesen würdest, wie hier moderne Forschung auf „höchstem Niveau“ „rein-empirisch und daten-basiert“ betrieben wurde, ist der Begriff „Metaphysik“ noch geschönt ,“Alchemie“ würde besser passen ;-). Ach und apropos, Induktion ist bei den Natwiss ja alles, Deduktion ist bääh und für die Geistwiss, aber dass die „Herren in Weiß“ auch bei ihrer Forschung „Abduktion“ betreiben, ohgottohgott, das darf man gar nicht sagen, was für ein „Sakrileg“. Ich darf das sagen, weil ich selber ursprünglich aus dem Natwiss-Zirkus komme und Kuhn mit seiner Theorie zum „Paradigmenwechsel“ Recht hatte, da gehen eher noch ein paar Kamele [sic!] durchs Nadelöhr, als dass ein Forscher zu einer „objektiven“ Wahrheit gelangt wäre.
    „Natürlich gibt es keine Transzendenz der Bedeutung, Sinne sollten wir sagen. Wir sollten von der Suche nach der Bedeutung von Dingen sprechen, indem wir ihnen unterschiedliche Bedeutungen zuschreiben. Es macht keinen Sinn, Transzendenz in den Sinnen zu suchen. Andererseits ist es vollkommen missbräuchlich, ihre Kohärenz zu leugnen, und ist nur das Ergebnis eines Missverständnisses der Logik, die ihren Definitionen in dieser physikalisch-mathematischen Sprache vorstand. Was die Inschrift in einem Modell oder in einem globalen Ziel betrifft, würde ich sagen, dass dieser Standpunkt vollständig eschatologisch ist und nur diejenigen einbezieht, die daran glauben wollen. Alfred North Whitehead nannte diese Art von Information „inert“ oder „inert“, aber dieser metaphorische Begriff lässt die Information zu passiv erscheinen.“ Ist von dem besagten FB-Kollegen und dieser Sache mit Whitehead und der Prozessphilosophie wollte ich noch genauer nachgehen. Scheint mir auf den ersten Blick ein wenig zu ganzheitlich-esoterisch, aber ist ja vielleicht noch einen zweiten Blick wert.]

    Grüße
    Theo
    [Grüße zurück
    Dirk]

  5. Lieber Herr S.,
    zunächst einmal herzlichen Dank für Ihr großes Interesse an meinen kleinen Versuchen. Ich versuche auch Ihre absolut berechtigten Fragen – so gut es geht – zu beantworten.
    Zu Ihrer ersten Frage:“Es bleibt aber immer noch unklar, inwiefern das Physische das Mentale bewirken kann, sofern das Mentale nicht zugleich auch physisch ist ?“ Stimmt, ich habe auch nie behauptet hierzu Lösungen zu besitzen (dann wäre ich vielleicht ein Buchautor oder Sektenführer 😉 Ich bin wahrscheinlich ebenso auf der Suche – wie Sie -, dabei würde mich aber noch brennend interessieren, zu welchen Ergebnissen Sie bisher gekommen sind.
    Zu Ihrem nächsten Einwand, zu den Problemen des Herrn Descartes und des Herrn Bieri: da stimme ich Ihnen ebenfalls zu. Das Geist-/Materie-Problem wird von keinem der beiden gelöst. Descartes stellt einen Substanzdualismus auf, Kant läuft auf einen Eigenschaftsdualismus zu (zumindest aber auf einen Perspektivendualismus) und insofern schien mir der gute Bieri gut geeignet, dieses Problem darzustellen, aber nicht zu lösen (s. o.). Ach so, (nur zur Interpretationshilfe) nicht _ich schreibe_, „dass die drei Thesen ( Bieri – Trilemma ) prima facie plausibel scheinen“, sondern _ich zitiere lediglich „Res ipsa loquitur“_ Herrn Bieris-Thesen 😉
    Aber was Sie schreiben ist vollkommen korrekt, denn genau da wollte ich ja hin. Aus diesem Grunde heißt mein Versuch ja auch „Der Geist _in_ der Materie“ und nicht „Der Geist versus oder gleich die Materie“. Dieser Versuch sollte lediglich den Nexus zum nächsten Essay „Neurophilosophie“ (https://philosophies.de/index.php/category/erkenntnistheorie/) darstellen, in dem ich versuchen wollte dieses Phänomen näher zu beleuchten (aber bitte auch hier keine Lösungen erwarten 😉
    Und der Passus mit dem „Empiriokritizismus“, da gebe ich Ihnen vollkommen Recht, der war in dieser Form missverständlich von mir formuliert. Ich habe ihn nochmals überarbeitet und hoffe, dass er nun präziser ist. Damit es nicht zu derlei möglichen Missdeutungen von Materialismus und Empiriokritizismus kommen mag, die schon bei Lenin zu finden waren (über die möglichen Auswirkungen möchte ich mir gar keine Gedanken machen 😉 Und da haben Sie mich – oder besser gesagt Herrn Mach – missverstanden, er macht gerade keinen Unterschied zwischen „Ich und Welt“: „Für ihn gibt es allein die „Einheit von Ich und Welt“ (Sein und Bewusstsein). Alle sinnesphysiologischen Vorgänge wie Wahrnehmung, Denken und Reflexion lassen sich auf empirische Funktionen, wie Sinneswahrnehmungen, Messwerte, Erlebnisse, Anschauungen, Befunde zurückführen. Dieser neutrale Monismus erscheint sehr dogmatisch und wird auch als eine Radikalisierung des Empirismus in Form des Empiriokritizismus angesehen.“

    Es würde mich aber sehr freuen noch einmal etwas von Ihnen (zu hören) zu lesen, da ich schon sehr gespannt auf Ihre Sicht des „Geist-/Materie-Problems“ bin.

    Mit philosophies Grüßen

  6. Hallo Dirk,

    falls du Fragen hast kannst du diese gerne an meine Emailadresse senden. Eventuell kann ich deine Fragen beantworten bzw. werde das natürlich tun sofern ich über das notwendige Wissen verfüge. Auch weitere Artikel oder Bücher über die Thematik könnte ich empfehlen. Je nachdem was dir vorschwebt.

    Das Feld ist so kontrovers dass du bei deinem Artikel grundsätzlich gesehen nicht viel falsch machen kannst, da ohnehin alle Meinungen über Definition und Methodologie bestehen.

  7. Cher M. C.,
    merci pour ton commentaire amusant, que j’ai beaucoup apprécié dans ma chambre obscure ;-).

    C’est dommage que je n’ai pas rencontré votre goût. Mais au lieu d’écrire une „Critique du jugement esthétique“, j’aurais été plus utile avec une „Critique de la raison pure“ en termes de contenu. Je serais donc très intéressé par les prétendues «erreurs» (surtout avec Kant). Veuillez me laisser participer à vos „ratiocinations“.

    Salutations et bonne année
    philosophies.de

  8. Dear Mr. D. L.,

    phew, you’ve made a great effort with my little essay, I don’t even know where to begin so that the whole thing doesn’t reach the epic length of an essay again. This is just for explanation, so that you know that I really appreciate your very interesting, insightful comment, but I cannot go into everything that you have written to me. And again a big compliment that you published my essay in your group as an admin, although you cannot necessarily agree with it. This shows human generosity and philosophical tolerance.

    But (oops, I’ve done it again, always those inappropriate transitions) now to the content. On „First“ (which, by the way, is not followed by a „Second“ ;-). Oh, you don’t like 😉 because it sounds too „young, naive and inexperienced“ (by the way, thanks again for the compliments, if you would know how old I am * g *) I prefer to use * g in the following *, may appear „older, more serious and more experienced“.
    Regarding your „first“, here I actually see only an argumentum ad hominem, since it is only about my person. Just to explain, for this very reason I don’t use a real name, because it’s about the thing and not the person. A personality cult that is very common here on FB – „the vanity fair“ – is far from me. But if you are interested, you can also find me on the Internet (● ‚◡‘ ●) (even more „youth style“, please do not be angry).

    Let us now come to something more substantial, in the truest sense of the word. If I use „Descartes‘ substance dualism“ in my text, it is of course absolutely clear to me that this is a label that we posthumously put on dear Mr. Descartes and his philosophies. To what extent such isms contribute to a clarification of the content and not rather to ideological localizations, I tried to clarify in another essay to which I would like to draw your attention, also at the risk that it may even less suit your „taste“ ( https://philosophies.de/index.php/2021/01/10/die-philosophie-des-geistes/#The%20philosophy%20of%20mind%20-%20the%20UEPhA%20Cup%20of%20Isms ). Regarding your objection: „Assuming it applies to Descartes that“ he sets up an epistemological postulate as the basis of his philosophy „, it also occurs to me that Descartes did not assert this claim to what he sets up as a basis of his philosophy, and that he would not know what „an epistemological postulate“ is.“
    I see it exactly that way, but it was not my declared aim to use the mentioned philosophical concepts in a contextual context. It is usually not possible for the authors of philosophical texts to anticipate the later exposition and interpretations. And to what extent we correctly interpret the actual intentions of the authors is a question of hermeneutics and unfortunately cannot be answered correctly here. As you can see, even my „little treatise“ gives enough leeway for interpretation and leaves me – in my opinion – misunderstood * g *.

    But now on to the facts that are not „alternative“ in this case (I just wanted to put a * g * again, but I was able to hold back). Your question about the meaning of a monolemma amazes me because it was explained in the text: „monolemma (neologism: a choice where you actually have no choice)“. And the name is actually owed to the pun, but with the very serious background that you actually had no real „choice“ in this supposed „election“, but that’s the way it is with monism and some party systems.

    And now you should let me have the fun of writing, because I see that your „Pop Quiz“ also have a certain kind of humor. It’s good that I’m not a candidate at Jeopardy! and you gave the answers yourself * g *. But your question „How did Kant reconcile the dispute between rationalism and empiricism?“ still occupies me. And your answer: „The result is that I think it is rather the reverse, the notion, of course, known that Kant got into a situation in which empiricism on the one hand and rationalism on the other compromise and Kant then made a compromise between the two. Kant reconciled the dispute by introducing … what exactly? “ I absolutely agree.
    I point to this in my text: „A very modern approach, since it includes the“ observer „as an experimental subject in the cognitive process. But Kant takes a“ third way „here. Instead of the materialistic-empirical monism of Hume and the idealistic-rationalistic substance dualism of Descartes, Kant would like to arrive at a transcendental-a priori dualism of properties and thus to a „transcendental psychology“.

    Since your FB group „Kant in contemporary philosophy“ expressly refers in your statutes to the plurality of the Kant interpretation „To identify oneself as a member of the House of Analytic or the House of Continental is to ally oneself with one of these two branches of a common family tree. “ To explain my point of view, I would like to add the secondary literature of the Neo-Kantians (whether you want to see it analytically or continentally, leave it open) on this topic, which would be well worth further investigation on this exciting topic:

    1. I find the article by Marcus Willaschek „Kant and the philosophy of the mind: To new books about mind and subject in Kant“ (https://www.uni-frankfurt.de/60971145/1997_Kant-und-die-Philosophie- des-Geistes.pdf) very readable, since it deals with the possible (modern) readings of Kant in relation to the philosophy of the mind (I just don’t know whether it is also available in English). According to Willaschek, the fact that Kant is neglected in terms of the cognitive science reading is due to the central question: „How synthetic judgments are a priori possible – an epistemological problem“. Of course, this would inevitably lead to antinomies again if one wanted to link Kant’s KrV to the a posteriori analytical judgments of the empirical sciences (see Kant’s initial problem, of which he was probably certain himself). Nonetheless, Kant also had to deal with the „human mind and its scope“, otherwise he would have had methodological problems, if only with regard to his dialectic.

    2. It remains to investigate whether the nexus of „subjective deduction“ (A XVII) introduced by Andrew Brook („Kant and the Mind“, XII Cambridge Univ. Press, 1994) can be validated with regard to the cognitive processing of sensory stimuli . Brook even sees Kant as a forerunner of functionalism. [Well, maybe you don’t have to go that far.] Supposedly, other authors (Shoemaker, Dennett, Fodor) in the Paralogism chapter (152 ff.) See the „transcendental apperception“ as proof of the „synchronous identity of consciousness“ Meaning of a conception of a self-representing representation.

    3. Perhaps it would also be worth considering – as Alejandro Rosas („Kant’s idealistic reduction. The mental and the material in transcendental idealism“, Königshausen and Neumann, Würzburg 1996) postulates – Kant’s transcendental idealism to solve the traditional „mind-body problem The distinction between a „rationalist“ and an „empirical“ perspective, which both have the same subject area, allows Kant to recognize both sides of the conflict as valid (5 ff.). “ (ibid. p. 8)

    4. Heiner Klemme („Kant’s Philosophy of the Subject. Systematic and Developmental Studies on the Relationship of Self-Consciousness and Self-Knowledge“, IX, Meiner (Kant-Forschungen Volume 7), Hamburg I996) deals with the distinction between „rational and empirical psychology“ „due to the distinction between“ analytical and synthetic methods „in Kant. This is about a“ critical subject conception „in which the“ transcendental logic „is to be contrasted with the“ empirical „method. Another object of investigation should be the relationship between self-awareness („analogy model“) and self-knowledge („reflection model“), which should be illuminated with the help of „transcendental analytics“.

    5. The main aim of my investigation, however, was whether a „third way“ might not succeed with Kant, which could lie between the „Cartesian dualism“ (matter vs. spirit) and the „Mach monism“ (matter = spirit), in form an ontology of transcendental idealism (spirit / matter / structure), the „transcendental bracket“?

    But as you wrote, „Anyway, Mach’s empiricism is complicated.“ I can only agree with that because I have just noticed again that I was once again unable to achieve my initial goal of „keeping it short“. So I’m going to stop for now and thank you very much for your interest.

    Many greetings
    philosophies.de

  9. Dear Mr. D. L.,

    unfortunately, I am now also in a dilemma (and a real one), I would like to give you an answer to all of your objections, but then at some point we would be with the scholastic commentary on the comment, which on the one hand leads to endless circular conclusions and on the other hand to endless Time consumption. That’s why I just leave some things uncommented and limit myself to the – from my point of view – important things. Just as a supplement, not that you now think that individual things from your comment are unimportant to me. On the contrary, I like to take the points as constructive criticism. To structure my text a little better, I’ll break it down into points.

    1. Dualism vs. Monism

    In my opinion, these terms represent an attempt to structure the environment surrounding us in a very general way so that we (unfortunately I have to make a generalization here again, since „I“ as a single subject would be problematic in terms of formal logic) better observe / recognize / interpret / denote … (I intentionally use several predicates). From my point of view, this applies equally to rationalism and empiricism (hence the variety of predicates). This structuring in dichotomy or monotony (whether as substance or property or whatever) is in my opinion not a necessary, but only a sufficient condition for a correct description of the phenomenon or noumenon and for me actually only a symptom of the tendency in the Natural sciences but also humanities for methodical reduction. Interestingly, Kant himself refers to this problem in his texts:

    „§ 113. Dichotomy and polytomy A division into two parts is called a dichotomy; but if it has more than two limbs it is called a polytomy. Note 1. All polytomy is empirical; the dichotomy is the only division from principles a priori – that is, the only primitive division. Because the members of the division should be opposite to one another and of every A the opposite is nothing more than non A. 2. Polytomy cannot be taught in logic; because this includes knowledge of the object. Dichotomy, however, only requires the proposition of contradiction, without knowing the content of the concept that one wants to divide. – The polytomy requires intuition; either a priori, as in mathematics (e.g. the division of conic sections), or empirical intuition, as in the description of nature. – But the division, based on the principle of synthesis a priori, has a trichotomy; namely, 1) the concept as the condition, 2) the conditioned, and 3) the derivation of the latter from the former. (Immanuel Kant: „Logic, II. General Methodology, II. Promotion of Perfection of Knowledge through Logical Classification of Concepts“

    In this respect, I see Kant in a thoroughly „modern light“, also at the risk that you will not like this again, as a trailblazer for constructivism (even if only in a moderate form). But do not worry, I will not anachronistically abuse your Kant again, since I have found – in my opinion – better dissecting set for such mental dichotomies in systems theory.

    2. The dichotomy „empiricism vs. rationalism“

    I also consider this dichotomy to be absolutely obsolete, and I totally agree with you. As you correctly mentioned, Kant, Leibniz & Co. was probably alien to our current division into these categories, they might even have rejected it. As you correctly mentioned, Kant had either changed in his own biography (pre-critical – post-critical) or perhaps he found a „third way“ after all. In any case, I do not want to reopen this controversy, because for me it also has an over-long braid that has been parted for a long time. In the history of philosophy there is also a very exciting controversy on this topic, the „Duhem-Rey controversy“, to which I – provided that I am interested – may point out („https://philosophies.de/index.php/2020/11/12/from-physics-to-metaphysics/#From%20physics%20to% 20metaphysics).

    3. Effects of the dualism „empiricism vs. rationalism“

    But I find the effects of this controversy, which continues to this day, even more exciting. Since you mentioned authors from the philosophy of mind (Davidson, Fodor, Chalmer), you are familiar with this controversy in this area. Here is actually the „front line“ on which this „trench warfare“ (empiricism vs. rationalism) is being carried out, please forgive the martial form of expression, as a pacifist I also draw the comparison with a „sporting competition“ in the „UEPhA Cup Isms“.
    I am also aware that in the Anglo-American area empiricism in the form of reductive materialism/ physicalism is actually en vogue. The results in this area are, to put it nicely, very sparse and modest and unfortunately – in my opinion – will remain so. The reductive-materialistic neurosciences tread on the spot because they want to explain the „spirit“ in a monistic and monocausal manner through „matter“ and either do not recognize or do not want to use concepts of the philosophy of spirit as empirically unsecured.

    So I was surprised by your objection:“Philosophers who pretend to be making a scientific contribution to the field of neuroscience seem to be a cry for help.“
    I see it the other way around: „Scientists who pretend to be making a scientific contribution in the field of neuroscience, without paying attention to the non-reductive, non-materialistic aspect of consciousness, seem to me to be in need of help!“
    And philosophy can actually provide this help in the form of a non-reductive, bi-directional neurophilosophy as an equal partner on an equal footing. If you are interested in the topic, I recommend Georg Northoff in „What is neurophilosophy? A methodological account (2004)“ or „Minding the brain. A guide to philosophy and neuroscience.“ „Unlocking the brain. Volume 1: Coding / Volume 2: Consciousness.“ (2014) or as a short summary by Philipp Klar „What is neurophilosophy: Do we need a non-reductive form?“ (https://link.springer.com/article/10.1007/s11229-020-02907-6) or my next essays on this topic.

    4. Get out of your armchair – into the world

    If, in the end, I was allowed to be a little emphatic and enthusiastic:“Philosophy has to get out of its comfortable armchair and into the world!“ „We (for my part only I) urgently need a new metaphysics!“:
    „The new metaphysics of nature distinguishes itself from the older essays in speculative metaphysics by being close to science: metaphysical claims are based on scientific theories. Consequently, the metaphysical claims about nature are as hypothetical as our scientific theories: there is no more certainty to be gained in metaphysics than here is in science. In other words, scientific knowledge claims are fallible and meta-physics, insofar as it draws on those claims, is as fallible as science.“(Elsfeld: „The Modal Nature of Structures in Ontic Structural Realism“(2009), p. 341)

    Thank you for your interest and
    best regards
    philosophies.de (names are sound and smoke 😉

  10. Dear Mr. D. L.,
    Dear Mr. G. M. (nice that you have also joined our chat),

    first of all, a comment on my own account, I would never have thought that my little article could generate such a response, but I’m happy about it. The only problem I have already mentioned is that I cannot go into all the points again, since I already have to answer two commenters. But I think that this problem – at least from my point of view – can be solved very quickly:

    1. a) If I had published an article here with the content: „1 + 2 = 3“, we would certainly be done here. Or is there anything to add or perhaps to correct? Answers to this are very welcome.

    b) If I had written an article that reads, „«Kater» (german idiom) are male cats.“ Then I would have written a very short essay, but the objections to this statement would have been rather minor. Although I could have been asked how I came up with the term „Kater“ and how I would have the certainty that the generic term „cat“, which generally applies to female species, can be assigned a „male“ adjective attribute.

    c) When claiming: „Tri-colored «Kater» are always sterile.“ but it looks different. Here I would have been asked first of all about the empirical data for this claim. Thereafter, my underlying conclusions, with which I would have inductively or deductively inferred this claim, would have been called into question. Then one would first have to agree on the term „tri-colored «Kater»“ and ask about the ontology whether these actually existent entities („sensitive“) or only a logical-linguistic episteme („intelligible). Then one would have to be able to talk about whether this statement is meant phenomenological or empirical. And so on and so forth. And then you seriously claim that philosophy is not about * Linguistic concepts *? Okay, then not before I do another get longer replica of this.

    This little example shows, however, how beautiful but also exhaustive philosophy can be and maybe explains why natural scientists prefer to withdraw/reduce themselves to empirical, ideally still mathematisable „data and facts“, which is of course absurd (please refer „Reduction“). If you are interested in this topic, it is presented in great detail in Adler, Joachim’s dissertation: „The concepts of the spirit“. 2014, University of Zurich, Faculty of Arts. (https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=&ved=2ahUKEwiyqrvdhOnuAhUZi1wKHZ6BCwcQFjAAegQIBhAC&url=z2Fuz.%3F .ch% 2Fid% 2Feprint% 2F135264% 2F1% 2FAdler_Dissertation_2014.pdf & usg = AOvVaw2btjvD8rdhWDHQ-ZbRRdSK)

    By the way, Kant once expressed this very clearly in a nice comparison:
    “But in what way can metaphysics be brought together with geometry in this business, since griffins are easier to connect with horses than transcendental philosophy with geometry seems to be able to? ”(ibid. W: 519 from https://brill.com/view/book/edcoll/9783957437761/BP000005.xml?language=de, p. 35)

    Linking these „griffins with horses“ is one truly arduous „business“.

    2. Dichotomies

    Speaking of „griffins with horses“, the ontological and epistemological division into dualisms that you mentioned are already well known to me. The dichotomy with the help of the epistemic properties (a priori vs. a posteriori) or the semantic distinctions (analytical vs. synthetic) of judgments and their non-/sensual form (noumenal vs. phenomenal or intelligible vs. sensible) can also be summarized as: a priori-analytical-noumenal-intelligible vs. aposteriori-synthetic-phenomenal-sensible.
    I am also familiar with the possibilities of a continuum of transitional forms à la Quine.

    But why do we (pluralis modestiae) actually keep walking in the footsteps of great thinkers that have already been walked before us and not even going other, new paths? Kant opens up the possibility of polytomy for us. Why don’t we accept this offer?

    And yes, with Th. S. Kuhn: „The Structure of Scientific Revolutions“ (1962) you are absolutely right. But if you do, you should let him have his say for once:
    „For example, normal science often suppresses fundamental innovations because these necessarily shake their basic positions.“ (Ibid. P.20)

    Then let’s (pluralis modestiae) let ourselves be shaken!

    It was a great pleasure for me to exchange ideas with you about this exciting topic. But please forgive me if I have to exercise abstinence in further correspondence, since unfortunately I also have to go about other „business“.

    Thanks for your interest
    philosophies.de

  11. Dear Mr. K. R.,

    thank you for your comment and your opinion.

    But I believe that this is actually only a linguistic problem, as the term is historically loaded and has the wrong connotations.

    I mean actually a „naturalized metaphysics“ as described by Ladyman and Ross in their influential book „Every Thing Must Go: Metaphysics Naturalized“ (2009).

    If you prefer to call it „metatheory“ or „metamethodology“ in front of me, then it might have to be a little more coherent.

    The „over-view position“, if you may call it that, means an „observer position“ comparable to the experimenter in an experiment who does not want to disturb the measurement result by his observation (cf. „Schrödinger uncertainty relation“) ).

    In the humanities, comparable statements would also be made that, in the sense of scientific realism, also have a claim to truth content, i.e. a reference to reality.

    The dichotomy of „subjective“ vs. „objective“ does not make that much sense in the natural sciences either, since there the researcher is always involved as the subject of knowledge.

    „Intersubjectivity“ tries to find statements about reality that can be shared by more than one subject.

    If you are interested in the topic, I may refer you to my new essay „The Paradigm Shift“ (https://philosophies.de/index.php/2021/03/31/der-paradigmenwechsel/), as this problem is examined in more detail there.

    I am only afraid that the scientific methodology, and in particular cognitive neuroscience, will not get any further with the problem of the emergence of the „first-person perspective“ of consciousness and that a joint venture will be required.

    But thank you for your interest and all the best
    philosophies.de

Ich würde mich über einen Kommentar von Euch sehr freuen.