Die Neurophilosophie

Die Neurophilosophie

Die Neurophilosophie – oder die Disziplinlosigkeit des Gehirns

1. Disziplin: „Was ist Neurophilosophie?!

Der Untertitel dieses Essays „die Disziplinlosigkeit des Gehirns“ bezieht sich auf ein Buch des Mediziners und Philosophen Georg Northoff:„Das disziplinlose Gehirn. Was nun, Herr Kant? Auf den Spuren des Bewusstseins mit der Neurophilosophie. (2012)“, das sich mit der Frage auseinandersetzt, wie der Geist in die Flasche oder besser gesagt in das Gehirn gelangt:

„Worum ich mich in dem Buch eigentlich bemühe: Ich versuche an dem Boden selbst anzugreifen und ich glaube, diese Grabenkämpfe setzen voraus, dass man einen bestimmten Begriff des Gehirns hat, nämlich das Gehirn als rein physikalisches Organ, als quasi maschinenähnlich. Und ich glaube die letztere Voraussetzung, die maschinenähnliche Auffassung des Gehirns, ist nicht plausibel, wenn man sich die neurowissenschaftlichen Daten anguckt.“

Das „Apollo-Projekt des Geistes“

Dann wollen wir uns mal die neurowissenschaftlichen Daten angucken. Das Gehirn gilt gemeinhin wohl als die komplexeste Struktur im Universum, die auch weiterhin noch eine Menge Rätsel aufgibt und die Wissenschaften (Geisteswissenschaften & Naturwissenschaften) vor scheinbar unlösbare Probleme stellt. Die Erforschung der Funktionsweise des Gehirns wird daher auch schon einmal gerne als das „Apollo-Projekt des Geistes“ bezeichnet, da es ähnlich wie die damalige Raumfahrt-Mission der NASA, immense materielle aber auch mentale Ressourcen benötigt.

Die gewaltigen Herausforderungen, die ein solcher Forschungsbereich darstellt, kann man allein schon an dem Projekt der EUHuman Brain Project (HBP) erkennen, das mit 131 europäischen Partnerinstitutionen aus 19 Ländern und mit 1,19 Milliarden Euro Kosten (2013–2023) eines der größten je von der EU finanzierten Projekte ist. Wie sich aber bereits herausgestellt hat, benötigt es die „gebündelten Kräfte“ aller wissenschaftlichen Disziplinen, um diesen Kraftakt leisten zu können und der Funktionsweise des Gehirns auf die Schliche zu kommen.

Die Geschichte der Philosophie des Geistes

Eine einzelne Disziplin wäre hierzu nicht in der Lage. Denn wie ich bereits in meinem vorherigen Essay (s. den „UEPhA-Cup der Ismen„) dargestellt habe, haben sich sowohl die Geisteswissenschaft als auch die Naturwissenschaft in der Geschichte der Philosophie des Geistes nicht unbedingt „mit Ruhm bekleckert“. Die Historie der Philosophie des Geistes und den hieraus entstandenen Neurowissenschaften liest sich wie eine Geschichte der Irrungen und Wirrungen, der Missverständnisse und Fehldeutungen . Der dort geschilderte „Grabenkampf“ ist – wie sich herausgestellt hat – zur Lösung dieses Problems denkbar ungeeignet, da eine solch komplexe Struktur, wie es die Disziplinlosigkeit des Gehirns nun einmal darstellt, nur mit einer Interdisziplinarität zwischen den Wissenschaften „entschlüsselt“ werden kann.

Meines Erachtens könnte der bereits erwähnte epistemologische „Kitt/Zement“ zum ontologischen „Verbinden/Füllen dieses Riss/Grabens“ in der nichtreduktiven, bidirektionalen Neurophilosophie  gegeben sein. Im Folgenden möchte ich daher diese relativ junge Disziplin einmal kurz vorstellen und anschließend an einem Beispiel darlegen, in wieweit sie zur Aufklärung der Funktionsweise des Gehirns beitragen kann, um solche Begriffe wie „das Selbst„, „das Bewusstsein“ und „das Ich“ genauer zu beschreiben. Ich werde mich in der folgenden Definition der Neurophilosophie  hauptsächlich auf den Artikel eines von mir sehr geschätzten Neurophilosophen Philipp Klar:What is neurophilosophy: Do we need a non-reductive form? (2020)“  beziehen, in welchem er eine sehr präzise Einordnung der Disziplin in die Neurowissenschaften und der Philosophie des Geistes vornimmt.

Die Neurophilosophie – kurze Einführung

Die Frage, die aber im Vorfeld zu klären ist, ist wozu denn überhaupt eine neue Disziplin in der Philosophie des Geistes oder den Neurowissenschaften benötigt wird. Dies lässt sich – aus meiner Sicht – mit der wissenschaftshistorischen Genese und Emanzipation der Neurowissenschaften aus der Philosophie des Geistes begründen.

Noch einmal kurz zur Rekapitulation (s. „Die Philosophie des Geistes“  und „Der Geist in der Materie“ ). Zu lange steckte die Philosophie des Geistes in einer Sackgasse, da alle Versuche das Mentale mit Hilfe des Materiellen erklären zu wollen, gescheitert waren. Der „Geist in der Materie“ konnte beim besten Willen einfach nicht gefunden werden; so sehr man sich auch anstrengte.

Das Dilemma der cartesischen Dichotomie

Damit sollte nun endlich Schluss sein. Schluss mit dem vermeintlich scholastischen „Denken im dunklen Kämmerlein“ der Philosophie, hin zum angeblich objektiven „Beobachten im hellen Labor“ der Naturwissenschaften. Schluss mit dem Dilemma der cartesischen Dichotomie in Form des unsäglichen Substanzdualismus, hin zum vermeintlich alternativlosen Monolemma (Neologismus: eine vermeintliche Wahl, bei der es aber keine Wahlmöglichkeit gibt) in Gestalt der Vereinheitlichung aller divergierenden Bestandteile in der Identitätstheorie von Place und Smart (1950). Der Materialismus mit seiner äquivalenten Spielform dem Physikalismus bricht sich hier Bahn, da die zentrale These der Identitätstheorie lautet: mentale Zustände sind mit neuronalen Zuständen identisch. Also wenn man so will ein Substanzmonismus, der alles Mentale auf das Materielle reduzieren möchte.

Die „Naturalisierung des Geistes“

Diese „Naturalisierung des Geistes“ zielt natürlich auf die naturwissenschaftliche Methodik der Reduktion von Parametern ab, um hierdurch mit Hilfe der Induktion zu präziseren Modellen und Theorien zu dem Entstehen von Bewusstsein zu gelangen. Der Begriff „Geist“ wird bei dem naturwissenschaftlichen Diskurs im Zuge einer sprach-analytischen Kritik mehr und mehr durch den Begriff „Bewusstsein“ ersetzt (zu der Sprachkritik später mehr in der „parallelen Neurophilosophie“). Der Fokus der Forschung/Untersuchung wird monokausal und monistisch auf das Gehirn und seine bio-/elektro-/ chemischen Aktivitäten und physiologischen Funktionen gelegt. Das Gehirn und alle seine mentalen Zustände sollte schließlich und allein nur auf seine neuronalen Zustände reduziert und damit berechenbar und messbar werden.

Das „Joint-Venture“

Die sich nun neu formierende Neurowissenschaft wollte sich damit selber als Teildisziplin der Naturwissnschaft von der Geisteswissenschaft emanzipieren. Aus diesem „Geist“ heraus 😉 wird dann vielleicht auch der Versuch eines „Joint-Venture“ zwischen der Philosophie des Geistes und der Neurowissenschaft in Form der Neurophilosophie verständlich. Denn ursprünglich ging der Begriff „Neurophilosophie“ auf ein Buch von Patricia Churchland: „Neurophilosophy: Toward a Unified Science of the Mind/brain (Computational Models of Cognition and Perception)“ von 1986 zurück. Wobei es ihr und ihrem Mann Paul Churchland „Neurophilosophy at Work“ von 2007 im Zuge des eliminativen Materialismus  vornehmlich darum ging, den so ungeliebten, unpräzisen Begriff „Geist“ aus der „Materie“ (s. „Der Geist in der Materie„) endlich zu entfernen, zu eliminieren.

Dieses kühne Vorhaben wurde durch die großen Erfolge der Neurowissenschaften ab den 70er Jahren und durch das Buch „Das Ich und sein Gehirn“ (1977) der nicht-dualistischen Philosophen Karl Popper und John C. Eccles geradezu beflügelt. Besonders durch die nicht-invasiven, bildgebenden Messmethoden wurden neue, entscheidende Impulse für die Hirnforschung geliefert, die ebenfalls zu einer neuen Teildisziplin – der Kognitionswissenschaft  – in der Neurowissenschaften führten. Endlich schien es in greifbarer Nähe zu rücken, dass man – dem Gedanken des Positivismus folgend – mit Hilfe empirisch-gesicherter Daten der „grauen Substanz“ („Substantia grisea“ = Cortex cerebri = Großhirnrinde) „zu Leibe“ oder besser gesagt „zu Geiste“ rücken konnte.

Die „wissenschaftliche Armada“

Eine ganze „wissenschaftliche Armada“ beschäftigte sich nun mit dem Großprojekt des 20./21.Jahrhunderts der „Vermessung bekannter Areale“ und „Entdeckung neuer Gebiete“ zur „Erstellung einer Landkarte“ des Gehirns. Als Beispiele für die Messmethoden der Hirnforschung seien hier nur exemplarisch die bereits in den 1970er Jahren von Paul Christian Lauterbur und Peter Mansfield entwickelte „Magnetresonanztomographie“ (MRT), für die sie 2003 den Nobelpreis erhielten. Eine Weiterentwicklung stellt die „Funktionelle Magnetresonanztomographie“ (fMRT/ fMRI für englisch functional magnetic resonance imaging ) in den 1980er und 1990er Jahren dar, mit der indirekt eine Aktivierung von Hirnzentren sichtbar gemacht werden kann, also Gehirnfunktionen auch prozessural sichtbar macht.. Einen ähnlichen Ansatz aus den 1980er Jahren mit anderen Methoden verfolgt die „Positronenemissionstomographie“ (PET). Aus der Kombination der Messergebnissen mittels MRT und „Elektroenzephalografie“ (EEG) oder PET und „Computertomographie“ (CT) wird seit den 2000er Jahren versucht mögliche Korrelationen zwischen kognitiven Funktionen und bestimmten Hirnaktivierungen oder Hirnarealen herzustellen. Ergänzt wird die fMRT neuerdings durch sogenannte intelligente Kontrastagenten, um die Konzentration (und deren Änderung) beliebiger Substanzen im Gehirn messbar zu machen. In der aktuellen Hirnforschung wird zur Zeit primär eine Kombination aus fMRT und EEG zur Ermittlung von Daten verwendet. Das EEG hat eine zeitliche sehr gute, dafür aber eine räumliche sehr schlechte Auflösung. Beim fMRT ist es umgedreht, es hat eine räumlich sehr gute, bei zeitlich eher schlechter (das BOLD = „blood oxygenation level dependent“-Signal peaked erst nach ca. 6-8 Sekunden, während das EEG im ms Bereich liegt) Auflösung. Die Kombination beider Messverfahren gleicht folglich die Nachteile des jeweiligen Messinstrumentes aus.

Das „Blue-Brain-Projekt“

Einen Versuch das Gehirn in seiner Funktionalität mit Hilfe der ermittelten Messdaten aus den oben erwähnten, verschiedenen Messinstrumenten künstlich nachzubilden, stellt das sogenannte Blue-Brain-Projekt dar. Am Brain Mind Institut in Lausanne ist einer der 100 schnellsten Computer weltweit, ein Blue-Gene-Supercomputer mit 360 Teraflops, angeschafft worden, um die gewonnenen Erkenntnisse in einem gigantischen Computermodell zusammenzufassen. Das Projekt basiert auf dem Konzept des „künstlichen neuronalen Netzes“, das eine Simulation einer neokortikalen Säule auf zellulärer Ebene anstrebt und somit an das anfangs erwähnte „Humain Brain Project“ (HBP) anknüpft. Man könnte es folglich auch mit einer gewissen Ironie als „Homunktionalismus“ (W. Lycan) als eine Verballhornung aus Homunkulus und Funktionalismus bezeichnen, was aber die Sache ganz gut trifft.

Die „künstliche Intelligenz“

Hiermit findet man einen nahtlosen Übergang zu einem weiteren Großprojekt des 21. Jahrhunderts, der Schaffung von künstlicher Intelligenz (KI). Ein Ur-Vater der KI-Forschung, Marvin Minsky, meinte schon früh: „Geist ist nichts weiter als ein Produkt aus geistlosen, aber intelligent ineinandergeschachtelten Ober- und Unterprogrammen.“ Die KI-Forschung und die damit verknüpfte Teildisziplin „Kybernetik“ hat auf diesem Gebiet auch schon beachtliche Erfolge erreicht. Im technologisch-wirtschaftlichen Bereich des Internets hat zum Beispiel die Implementierung der KI „RankBrain“ die Verbesserung des selbstlernenden Google-Algorithmus erst möglich gemacht.

Die „First Person Science of Consciousness“

Doch von einem entschiedenem Durchbruch hinsichtlich des Verständnisses der Funktionsweise des menschlichen Gehirns ist man auch zum heutigen Tage noch Lichtjahre entfernt, auch wenn immer wieder gerade aus positivistischen und naturalistischen Kreisen ganz gerne das Gegenteil behauptet wird. Keinen Schritt weiter ist man in dem epistemologischen Ausgangsproblem von der Erklärung zu dem „Geist in der Materie“ und der damit verknüpften ontologischen Frage nach dem „Sein von Bewusstsein“ oder „First Person Science of Consciousness„, das man dann schon eher als „blinden Fleck“ oder „schwarze Materie“ in der positivistisch-naturalistischen Sichtweise betrachten kann.

Der Konsens in den Neurowissenschaften

Demgegenüber macht sich doch allmählich ein Konsens in den Neurowissenschaften breit:

„There is an increasing consensus in the mind sciences that intentionality, phenomenal states and subjectivity cannot be reduced to brain states without sacrificing consciousness as a field of research altogether. This raises the question of how first-person methods can be integrated more thoroughly into the study of consciousness.“ (Prof. Ulrich Weger, PhD, PD Dr. Christian Tewes, Prof. Dr. Johannes Wagemann, Dr. Terje Sparby and Dr. Anna-Lena Lumma:“First-Person Science of Consciousness – Methodological Issues and Fields of Application“, Universität Witten/Herdecke, May 6-8, 2021)

Die Interdisziplinarität

Dieses Symposium war Bestandteil des Projektes „KI-Bewusstsein“ am Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), an dem zu dieser Thematik stark interdisziplinär zusammengearbeitet wird. Es setzt sich immer mehr – sowohl in der Philosophie des Geistes als auch in der Neurowissenschaft – die Erkenntnis durch, dass die Hirn- oder KI-Forschung trotz immer größerer Mengen an empirischem Datenmaterial immer noch kein konkretes Modell zum Bewusstsein liefern kann und auch wohl auch nicht liefern wird. Der Positivismus oder Szientismus gelangt hier an seine Grenzen, da das „wissenschaftliche Großprojekt Bewusstsein“ mit den althergebrachten reduktiven, induktiven Instrumentarium an der Komplexität des Untersuchungsobjektes scheitert (s. z. B. „Emergenz“).

Insofern wird der Ruf nach einem nicht-reduktiven, bi-direktionalen Vorgehen immer lauter und deutlicher zum Beispiel in Thomas Fuchs: „Brain mythologies. Jaspers’ critique of reductionism from a current perspective.“ (in Karl Jaspers: Philosophy and Psychopathology. (2013), in dem er sich für einen Paradigmenwechsel in der Philosophie des Geistes und Neurowissenschaft ausspricht (s. späterer Essay „Der Paradigmenwechsel„).
Das Paradigma des Reduktionismus und Dualismus hat in diesem, aber auch in anderen wissenschaftlichen Bereichen ausgedient und könnte problemlos durch das ein neues Paradigma in der Neurophilosophie ersetzt werden, da sie aufgrund ihrer Interdisziplinarität – sowohl als Teildisziplin der Philosophie des Geistes als auch der Neurowissenschaft – eine „Scharnierstelle“ einnimmt.

2. Disziplin: „Wie unterscheidet sich die Neurophilosophie?“

Die Klassifizierung der Neurophilosophie

Um diese Scharnierstelle der Neurophilosophie zwischen der Philosophie des Geistes und der Neurowissenschaft und ihre eigenen verschiedenen Strömungen und Ansatzpunkte genauer zu verorten, orientiere ich mich im Folgenden an dem Essay von Philipp Klar:What is neurophilosophy: Do we need a non-reductive form?„(2020)

Die Neurophilosophie kann zum einen mit Hilfe der Methodik in:
1) reduktive Neurophilosophie ,
2) parallele Neurophilosophie und
3) nicht-reduktive Neurophilosophie

und zum anderen mit Hilfe des Grades der Interdisziplinarität in:
a) uni-direktionale Neurophilosophie oder
b) bi-direktionale Neurophilosophie klassifiziert werden.

Zu 1): Die reduktive Neurophilosophie

geht – wie anfangs beschrieben – auf die Churchlands zurück und stellt den Versuch dar, die Philosophie des Geistes mit Hilfe der Empirie als eliminativen Materialismus auf Basis einer beobachtend-experimentellen Methodik zu betreiben. Somit stellt sie zugleich auch eine a) uni-direktionale Neurophilosophie dar, da die Neurowissenschaft die Daten, Fakten, Modelle und Theorien liefern und die Philosophie des Geistesdiese Ergebnisse nur noch assimilieren soll. Dieser Ansatz wird heutzutage nur noch im anglo-amerikanischen Sprachraum, wie zum Beispiel von Bickle: „Philosophy and neuroscience: A ruthlessly reductive account.“ (2003) und „Reducing mind to molecular pathways: Explicating the reductionism implicit in current cellular.“ (2006) vertreten.

Das „Ich“ oder „Selbst“ als Konstrukt

Die Philosophen und Neurowissenschaftler der reduktiven Strömung glauben nach wie vor – auch trotz der oben genannten dünnen Datenlage – immer noch daran, dass nur die Neurowissenschaft in der Lage sei doch noch eines Tages den „Stein der Weisen“ zu finden. Der deutsche Philosoph Thomas Metzinger:“Being no one. The self-model theory of subjectivity.“ (2003) und „The ego tunnel. The science of the mind and the myth of the self “ (2009) bläst in dasselbe Horn und verfolgt ebenfalls in seinen Büchern den eliminativen Materialismus, der dem „Ich“ oder dem „Selbst„, als illusionäres Konstrukt der Hirntätigkeit, keine neurowissenschaftliche Entität zuschreibt. Dies stellt natürlich auch wieder eine radikale Form des Reduktionismus dar, indem man alles was stört, einfach leugnet, um es dadurch loszuwerden. Der Beweis des Ansatzes folgt dann einfach aus dem Negativbeweis, dass man keine empirischen Daten gefunden hat, die eine wie auch immer geartete mentale Ebene ermöglichen könnte. Der Haken ist nur, dass man diese durch die Untersuchungsmethodik der Neurowissenschaft , wie ich später noch darstellen möchte, aber auch nie finden wird. Es gleicht dem Zerlegen einer Spieluhr und der eingeschlossenen Verwunderung, dass die zerlegten Teile trotz Zusammenlegens nicht mehr funktionieren wollen.

Zu 2) Die „parallele Neurophilosophie“

stellt demgegenüber aber auch keine echte Alternative dar, da sie ebenso ebenso eine methodische Einbahnstraße in Gestalt einer a) uni-direktionalen Philosophie des Geistes darstellt, nur diesmal aus der entgegengesetzten Richtung. Die Vertreter (z.B. Bennett/Hacker) dieses Ansatzes würde sich eher verwehren mit dem Etikett „Neurophilosophie“ versehen zu werden, da sie sich klar im Lager der Philosophie des Geistes verorten würden. Die Verteidiger der Philosophie des Geistes möchten sich daher auch nicht „die Butter vom Brot nehmen“ und die Neurowissenschaft einfach „weiter wursteln“ lassen; frei nach der Devise: „so gebet der Philosophie des Geistes, was der Philosophie ist und der Neurowissenschaft, was der Wissenschaft ist“.

Die sprachlichen Probleme

Sie argumentieren eher, dass das Ganze doch nur ein sprachliches Problem sei. Die angebliche Kontroverse beruhe aus ihrer Sicht lediglich auf Missverständnissen und Fehldeutungen, die aufgrund unterschiedlicher semantischer Sprachfelder und Konnotationen in der Verwendung von Begriffen, wie „Geist“ oder „Bewusstsein“ entstanden seien, da diese zu unscharf und vieldeutig wären. Zudem würden je nach Disziplinzugehörigkeit (Philosophie des Geistes oder Neurowissenschaft) unterschiedliche Konzepte zum gleichen Begriff aufgerufen werden und so eine Verständigung über den Sachinhalt im Wege stehen. Da verwundert es auch nicht, dass sich zur Formulierung dieses Ansatz zwei Fachleute aus den diametralen Lagern, der australische Neurowissenschaftler Maxwell Bennett und der englische Philosoph Peter Hacker, zusammengetan haben, um ihr gemeinsames Buch „Philosophical foundations of neuroscience“ (2003) zu veröffentlichen. Hierin beziehen sie sich auch ausdrücklich auf den sprachkritischen Ansatz der Analytischen Philosophie Wittgensteins in seinem Hauptwerk „Tractatus logico-philosophicus“ (1921).

Der mereologischen Fehlschluss

In seiner Ontologie versucht Wittgenstein die Grenzen der Erkenntnisfähigkeit anhand der Sprachgrenzen aufzuweisen:“Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“ (ebd. Satz 5.6). In diesem Sinne argumentieren Bennett/Hacker ebenfalls, wenn sie von den Kategorienfehlern in Form des vielzitierten „lokalisatorischen“ oder „mereologischen Fehlschluss“ als „Teil-Ganzes-Verwechslung“ sprechen. Diesen Fehlschluss könnte man vereinfacht als „das Ganze ist immer mehr als die Summe seiner Teile“ umschreiben und daher gehört dies zu diesen klassischen Verwechslungen, wenn das „Gehirn“ schon gerne mit dem „denkenden Subjekt“ gleichgesetzt wird, wie z. B. in dem „Manifest‘‘ namhafter Neurowissenschaftler postuliert:

„… dass sämtliche innerpsychischen Prozesse … zum Beispiel, Imagination, Empathie, das Erleben von Empfindungen und das Treffen von Entscheidungen …grundsätzlich durch physikochemische Wechselwirkungen beschreibbar sind. …Geist und Bewusstsein – wie einzigartig sie auch von uns empfunden werden – fügen sich also in das Naturgeschehen ein und übersteigen es nicht‘‘ (Monyer et al. 2004, 33).

Die Neurowissenschaft solle sich laut Hacker allein auf das Gehirn konzentrieren, z.B. auf die Erforschung von neurologischen Krankheiten, denn die Vermischung des Mentalen mit der empirischen Neurowissenschaft sei methodologisch und ontologisch fehlerhaft. Für Hacker ist jegliche Form der Neurophilosophie schlichtweg Unsinn.

Das Gehirn und seine Beziehung zum Körper und der Umwelt

Das Gehirn in seiner physiologischen und neuronalen Funktion stellt aber als solches aber nur ein Organ als integraler Bestandteil des Körpers dar. Daher muss der Körper als wesentlicher Bestandteil – und wie später noch darzustellen ist – auch die Umwelt mit in das Konzept von „Bewusstsein“ oder „denkenden Subjekt“ miteinbezogen werden:

„Das, was Geist genannt wird, ist wahrscheinlich in der Beziehung zwischen Gehirn, Körper und Umwelt, das heißt das „Geist-Gehirn-Problem“ wird auf die Frage der verschiedenen Formen der Relation zwischen Gehirn, Körper und Umwelt verlagert. Und damit ist die klassische Dichotomie „Geist und Gehirn“ unterminiert.“ (Georg Northoff: Das disziplinlose Gehirn. Was nun, Herr Kant? Auf den Spuren des Bewusstseins mit der Neurophilosophie, 2012)

Reduziert man die empirische Untersuchung und die spätere epistemologische Modellierung allein auf die physiologisch-neuronale Ebene des Gehirns läuft man geradewegs in diesen oben erwähnten mereologischen Fehlschluss und die mentale Ebene verschwindet aus dem Blickwinkel. Der Aussichtspunkt allein von der mentalen Warte, hat sich – wie in der Philosophie des Geistes beschrieben – ja auch nicht als weitblickend erwiesen. Damit einem die beiden Ebenen nicht abhanden kommen, wäre hier eine phänomenologische Betrachtungsweise sehr hilfreich, die meines Erachtens die nicht-reduktive NeuroP mitbringt.

Zu 3) Die nicht-reduktive Neurophilosophie

Die ersten Versuche die Neurowissenschaften mit der Philosophie des Geistes als „Neurophenomology“ zu kombinieren, gehen auf Francisco Varela und Humberto MaturanaAutopoiesis and cognition: The realization of the living“ (1980) und „The tree of knowledge: The biological roots of human understanding.“ (1987) zurück, die sich dem Thema aus einer systemtheoretischen Sichtweise genähert haben (dazu später mehr in dem nächsten Essay „Die Struktur im System“). Dieser Ansatz intendierte die phänomenologische Methodik in Form einer bi-direktionalen Interaktion zwischen der Neurowissenschaft und der Philosophie des Geistes zu etablieren, um die „Körper-Geist“-Probleme aus der vorherigen einseitigen Betrachtungsweise zu lösen.

Die „Gehirn-Körper“- und die „Gehirn-Welt“-Relationen

Besonders der von Varela begründete Enaktivismus betont mit seinem „embodiment„-Konzept deutlich eine empirisch-ontologische „Gehirn-Körper-Relation„, bei der die empirische mit der logischen Plausibilität als methodischer Pluralismus koexistieren und auch durch ein „embeddedness“ als Gehirn-Welt-Relation päter noch ergänzt werden kann. Diese Interdisziplinarität vertritt auch der deutsche Mediziner, Neurowissenschaftler und Philosoph Georg Northoff in „What is neurophilosophy? A methodological account (2004)“ oder „Minding the brain. A guide to philosophy and neuroscience.“ „Unlocking the brain. Volume 1: Coding/Volume 2: Consciousness.“ (2014), in denen er sich für einen kooperativen Naturalismus in Form einer bi-direktionalen, nicht-reduktiven Neurophilosophie ausspricht:

„In short, I claim for a methodological strategy I designate as “concept-fact iterativity” as a continuous methodological and iterative movement between philosophical concepts and empirical data/facts. Historically, such concept-fact iterativity stands on the shoulders of Kant who argued that “concepts without intuitions are empty and intuitions without concepts are blind” – one can conceive my method of concept-fact iterativity as development towards a systematic relationship between concepts and facts/intuitions in methodological regard.“ („Solving the World-Brain Problem – Interview with Georg Northoff“ (2019) https://piatepietro.files.wordpress.com/2019/09/northoff_interview.pdf)

Das methodische Dilemma der Hirn- und Kognitionsforschung

Das Dilemma, in dem sich die moderne Hirn- und Kognitionsforschung und damit auch die Neurowissenschaft befindet, ist eigentlich ein methodisches und kein ontologisches Problem. Das Untersuchungsobjekt Gehirn mit seiner neuronalen Funktionalität lässt sich relativ klar und deutlich auf dem „Objektträger“ der bildgebenden Messinstrumente fokussieren, nur die Untersuchungsmethodik und die daraus resultierenden empirischen Daten lassen sich immer noch nicht wirklich kohärent zu einem Gesamtbild zusammenfügen; vergleichbar einem Interferenzmusters, das erst bei Phasengleichheit der Schwingungen zu kohärenten Wellen führt.

Bei der reduktiven Neurophilosophie ist diese „Phase“ uni-direktional in Richtung beobachtend-experimenteller Untersuchungsmethodik verschoben. Es findet keine konzeptuell-logische Überprüfung der ermittelten Daten zu den neuronalen Zuständen hinsichtlich der Möglichkeiten einer kritisch-methodischen Modellbildung für die mentalen Zustände durch die andere „Phase“ statt. Diesen Mangel an konzeptuell-logischer Überprüfung versucht die nicht-reduktive, bi-direktionale Neurophilosophie durch „Phasenverschiebung“ auszugleichen. Daher bedürfen die zur Erklärung der Phänomene benötigten Konzepte wieder einer empirischen Überprüfung.

Die „concept-fact iterativity“

Insofern ergänzen sich beide Disziplinen Neurowissenschaft und Neurophilosophie bi-direktional als gleichberechtigte Partner in einer iterativen Schleife aus Konzepten und Fakten zu einem kohärenten Gesamtmodell. Georg Northoff hat hierfür den Terminus „concept-fact iterativity“ geprägt. Die methodischen Schritte hat Philipp Klar in seinem Essay folgendermaßen zusammengefasst:

„(1) Firstly, there is an initiating philosophical-conceptual input for neuroscience;

(2) neuroscience then returns an empirically plausible concept as output;

(3) this output serves as input for neurophilosophical re-defintion and investigation; and finally

(4) the interdisciplinary re-defined neurophilosophical concept is taken as the vantage point for further investigation within new research-loops.“ (Philipp Klar:“What is neurophilosophy: Do we need a non-reductive form?“ S. 16)

Durch diese methodischen Rückkopplungs-Effekte beider Disziplinen gelangt man zu einer Beschreibung der mentalen Zustände hinsichtlich ihrer strukturellen und prozessbasierten Funktionalität sowohl auf phänomenologischer als auch auf ontologischer Basis.

3. Disziplin: „Was kann man mit Neurophilosophie machen?“

Anwendung der Neurophilosophie-Methodik auf ein konkretes Beispiel aus der Neurowissenschaft-Forschung: Modelle zur Entstehung von Bewusstsein

Im Folgenden möchte ich die Methodik der nicht-reduktive, bi-direktionale Neurophilosophie an einem klassischen Beispiel der Philosophie des Geistes, den Erklärungsversuchen zur Entstehung von Bewusstsein verdeutlichen. Als Ausgangspunkt der Untersuchung kann als konkretes Beispiel das „Qualia-Problem“ genannt werden. Die Qualia (gleicher Wortstamm wie Qualen) oder das phänomenale Bewusstsein bezeichnen den subjektiven Erlebnisgehalt eines mentalen Zustandes, wie z. B. „Schmerz“. Diese mentalen Zustände entziehen sich aber der Beschreibung über die neuronalen Zustände, da sie mithilfe der beobachtend-empirischen Methodik nicht vollständig erfasst werden können. Es lässt sich kein konzeptuell-logischer Zusammenhang herstellen, geschweige denn ein kritisch-methodisches Modell hieraus ableiten.

Die Ansätze der Philosophie des Geistes zur Lösung des Problems

Der Funktionalismus

Hieran ist der von Putnam/Fodor postulierte Funktionalismus, der auf kybernetischer Basis durchaus funktioniert und zu der „Computer-Gehirn-Analogie“ oder Computationalismus geführt hat, ebenfalls gescheitert. Das Gehirn verhält sich nun mal nicht wie ein Computer, auch wenn das anfangs erwähnte „Blue-Brain“-Projekt in Lausanne von einer positivistischeren Prämisse ausgeht, der zufolge es nur eine Frage der Rechenleistung und der Komplexität der neuronalen Netzwerke sei bis so etwas wie kognitive Fähigkeiten, also auch Bewusstsein künstlich hergestellt werden kann. Bisher sieht es aber nicht danach aus, als ob es lediglich ein Hardware-Problem sei. Hier fehlt definitiv der konzeptuelle Input über die logisch-sprachlichen Konzepte der Neurophilosphie.

Der nicht-reduktiven Materialismus

Zur Beschreibung des oben genannten Problems wurde im nicht-reduktiven Materialismus (Davidson) der Begriff der „Emergenz“ eingeführt haben, um hierdurch das Phänomen und das damit verbundene Problem fassbarer zu machen. Das Konzept der Emergenz postuliert, das bestimmte Phänomene nur auf der Makroebene eines Systems erscheinen, aber nicht auf der Mikroebene der Systemkomponenten beobachtet werden können; auch bekannt als „Supervenienz-Prinzip“ (David Chalmers). Insofern spielt die Emergenz eine herausragende Rolle bei der Bildung eines kohärenten Modells. Sie versucht das Problem mit der Entstehung von Bewusstsein dadurch zu erklären, dass dieser mentale Zustände auf der Makroebene der menschlichen Kognition erscheint, aber nicht in den neuronalen Zuständen der Gehirnaktivitäten nachzuweisen ist; frei nach der Devise „das Ganze ist eben doch mehr, als die Summe seiner Teile“.

Die Methodik der Neurophilosophie

Hier kommen zweifelsohne die logisch-sprachlichen Vorteile der Neurophilosophie voll zum Zuge, da sie der Neurowissenschaft bei der Modellbildung die notwendige begriffliche Munition liefert. Somit wäre dies folglich ein Beispiel für eine gelungene concept-fact iterativity. Da nun das Konzept „Emergenz“ der Neurowissenschaft als Input neue Untersuchungsmöglichkeiten zur Bildung neuer Fakten als Output liefert. Der Haken liegt nur meist darin, dass sich die aktuelle Kognitionswissenschaften in ihrer derzeitigen reduktiven Form immer noch auf eine „Dritten-Person-Perspektive“ beschränken. Das bedeutet, dass die gemessenen, neuronalen Aktivitäten des Gehirns nur mit empirischen Konstrukten der Kognition und des Verhaltens (behavioralen Daten) verbunden werden. Man ist insofern von einer richtigen Ontologie unter Berücksichtigung der Phänomenologie, beziehungsweise dem phänomenalen Erleben der Ersten-Person-Perspektive noch meilenweit entfernt.

„Spontanaktivität“ und „stimulierte Aktivität“

Diese Lücke versucht aber die Neurophilosophie zu schließen, indem sie den Fokus auf die Suche nach möglichen Supervenienz-Phänomenen als Kopplung zwischen neuronaler und mentaler Ebene legt. Solche Kopplungsmechanismen hat man nach aktuellem Forschungsstand offensichtlich in der „Ruhezustandsaktivität“ („the resting-state„) oder auch „Spontanaktivität“ (im Folgenden verwende ich lieber den Begriff Spontanaktivität, da der andere zu passiv klingt) des Gehirns finden können:


„Es gibt starke Hinweise darauf, dass das Gehirn in der Tat ich sage einmal eine Eigenaktivität besitzt : Das kann auch selber beeinflussen, wie der Stimulus im Gehirn prozessiert wird.“[…]
„Wenn zum Beispiel die Ruhezustandsaktivität sehr hoch ist, löst der Stimulus weniger Aktivität im Gehirn aus und dann erleben wir den Stimulus auch nicht so stark und können auch nicht entsprechend reagieren. Umgekehrt, wenn die Ruhezustandsaktivität niedriger ist, löst der Stimulus mehr Aktivität aus, aus dem einfachen Grund weil da einfach mehr Spielraum nach oben ist und dann erleben wir den Stimulus auch stärker. Das heißt, jeder einkommende Stimulus wird in Relation zu dem aktuellen Ruhezustandsniveau prozessiert und löst entsprechende Aktivität aus.“[Georg Northoff: Das disziplinlose Gehirn. Was nun, Herr Kant? Auf den Spuren des Bewusstseins mit der Neurophilosophie.(2012)]

Diese Kopplung von neuronaler Aktivität aufgrund eines von außen kommenden Stimulus mit der eigenen Spontanaktivität des Gehirns könnte auch der Grund für die Entstehung von so etwas wie Bewusstsein oder bewusste Erfahrung sein, so Northoff. Diese Konzept der Kopplung von Spontanaktivität und stimulierter Aktivität lässt sich empirisch durch die Neurowissenschaft belegen.

Die empirischen Befunde

So hat man bereits Hans Berger, der Entwickler des EEG, in den 1920er Jahren die Spontanaktivität messen können. Der zu der damaligen Zeit aber noch vorherrschende amerikanische Behaviorismus in der Philosophie des Geistes verhinderte aber, dass sich derlei Erkenntnisse durchsetzen konnten, da sie „zuviel Licht“ in ihre „Black-Box“ gebracht hätten. Dies hätte dann zweifelsohne auch zu mehr „spontaner Aktivität“ in den Wissenschaftskreisen geführt. Da man sich aus der oben erwähnten, bequemen „Dritten-Person-Perspektive“ hätte herausbewegen müssen und die passive Sichtweise auf das Gehirn im Behaviorismus durch eine aktive „Erste-Person-Perspektive“ des Gehirns ersetzen müssen.

Die Synchronisation von Spontanaktivität und stimulierter Aktivität

Diese reduktive Sichtweise in den Neurowissenchaften hat sich bis heute – trotz des Untergangs des Behaviorismus – erhalten, vielleicht weil sie so bequem ist. Als dann aber 2001 Marcus Raichle und seine Gruppe 2001 die Spontanaktivität als sogenannte „Ruhezustandsnetzwerke“ (engl. „Default Mode Network (DMN) mit bildgebenden Messinstrumenten (z. B. fMRT und EEG) nachweisen konnten, kam zur Wiedervorlage des Falls, man diese Tatsachen nun nicht mehr leugnen konnte. Die Messungen ergaben, dass der mediale präfrontale CortexPraecuneus, Teile des Gyrus cinguli sowie – schwächer angebunden – der Lobulus parietalis superior des Scheitellappens und der Hippocampus zu den beteiligten Hirnregionen gehören. Also alles Bereiche des Gehirns, die in Verbindung mit bewussten Erleben und Selbstbezug gebracht werden können, folglich bei der Entstehung von Bewusstsein eine Rolle spielen können. Ebenso konnte nachgewiesen werden, dass die Kopplung der funktionalen und physiologischen Konnektivität des Gehirns in diesen DMN am größten ist. In Phasen der Sponatanaktivität „richtet“ das Gehirn seinen „Fokus“ nach innen, um ihn in Phasen der durch die Umwelt stimulierten Aktivität mit diesem abzugleichen, zu synchronisieren.

Der Paradigmenwechsel

Im Zuge dieser neuen Erkenntnisse kam es dann in den Jahren 2001 – 2015 zu einem Paradigmenwechsel hinsichtlich des Forschungsbereichs. Der Schwerpunkt lag nun auf der Untersuchung der „resting state functional connectivity“ oder „effective connectivity„. Der Boom ist zwischenzeitlich ein wenig abgeebbt, was man auch an Äußerungen, wie folgt aus der reduktiv-materialistische Fangemeinde ablesen kann: „lazy research without active task designs“. Was hier dringend notwendig wäre, ist also ein Konnektivität von „resting-state research“ und „task-paradigm research“, die eine besagte nicht-reduktive, bi-direktionale Neurophilosophie liefern könnte.

Die Sackgasse der kognitiven Neurowissenschaften

Die Sackgasse, in die sich der Mainstream der kognitiven Neurowissenschaften bewegt hat, wurde auch durch Vertreter der hiesigen Philosophie des Geistes schon des Häufigeren kritisiert. So spricht zum Beispiel Thomas Fuchs in seinem Essay „Hirnwelt oder Lebenswelt?- Zur Kritik des Neurokonstruktivismus (2011)“ von einem „Neurokonstruktivismus“ und Markus Gabriel nennt dies „Neurozentrismus“ in seinem Buch „Ich ist nicht Gehirn“ (2015). Beiden Autoren gemeinsam ist die Kritik, die sie mit Hackers Vorwurf des „Neo-Cartesianismus teilen, das man dann kein Stück weiter gekommen ist, sondern eigentliche wieder eine Rolle rückwärts in Richtung dualistischenres cogitans“ und „res extensa“ macht nur diesmal mit des Kaisers neuen Kleidern im Gewande der kognitiven Neurowissenschaften.

Die „Temporo-spatial Theory od consciousness (TTC)“

Demgegenüber versucht die Neurophilosophie die vermeintliche Dichotomie etwas vielschichtiger und komplexer zu sehen; vielleicht mit einem kantschen Begriff als „Polytomie“ (Kant:“§ 113. Dichotomie und Polytomie“) zu bezeichnen. Und die vielfältigen Relationen des Gehirns zu seiner Umwelt, die nun einmal messbar vorhanden sind in ihrer Komplexität mit zu berücksichtigen. Im Zuge der „concept-fact iterativity“ geht Northoff zum Beispiel in seinem weiteren Konzept über das reine „embodiment“ hinaus und postuliert zudem noch eine fundamentale „World-brain-relation“ (Northoff 2018b, 2019a) als „embeddedness„. Dieses neue Konzept zur Bildung von Bewusstsein soll mit Hilfe einer raum-zeitlichen Theorie des Bewusstseins [„Temporo-spatial Theory od consciousness (TTC)„] und einer neuro-ökologischen (Friston’s „free energy principle“) Sichtweise beschrieben werden. Zur weiteren Untersuchung dieser Korrelationen wird allerdings ein Paradigmenwechsel vergleichbar einer „kopernikanischen Wende“ und vielleicht auch eine neuen Metaphysik für die Neurowissenschaft notwendig werden. Dieses Vorhaben möchte ich gerne in meinem weiteren Essay „Der Paradigmenwechsel“ versuchen zu beschreiben.

© philosophies.de

Ich bin immer mit meiner „Diogenes-Lampe“ unterwegs, um Menschen zu finden, die sich auch nach ein wenig „Licht der Erkenntnis“ sehnen. Also wenn Ihr eigene Beiträge oder Posts für meinen Wissenschaft-/Philosophie-Blog habt, immer her damit. Sie werden mit Eurem Namen als Autor auf meiner Seite veröffentlicht, so lange sie den oben genannten Kriterien entsprechen. Denn nur geteiltes Wissen ist vermehrtes Wissen.

27 thoughts on “Die Neurophilosophie

  1. Mein lieber Herr S. K.,

    *g* hui, jetzt bin ich aber richtig baff, wie viel Potenzial in meinem kleinen Artikel steckt. Von „schizoide Agenten“ (hört sich aber gefährlich an ;-)), die mit Hilfe des“transzendentalen Materialismus“ sich durch irgendwelche Tunnel unter Verwendung der „synthetischen Auflösung“(ist das nicht ein Widerspruch ;-)) arbeiten, um am Ende bei Herrn Hegel raus zu kommen. Das hätte ich mir auch nicht träumen lassen, dass mein trockener Wissenschaftsartikel doch noch soviel Action beinhalten kann 😉

    Aber verraten Sie mir doch mal, an welchen Textstellen Sie diese „Revolvergeschichte“ in meinem Artikel festmachen können. Ich konnte mich danach nur Frau H. H. anschließen und musste mir erst mal während meines „enlightenment“ einen ordentlichen Schluck aus der „transcend“-Pulle genehmigen.

    Auch habe ich bisher nirgendswo in meinem Artikel irgendetwas von der „Auflösung des Idealismus oder Materialismus“, geschweige denn von der Postulierung von „Wahrheiten“ finden können. Ich bin ja schon einigermaßen froh, dass wir in etwa vielleicht die gleiche Wirklichkeit teilen. Aber rein sprachlich scheine ich Sie leider nicht erreicht zu haben. Das habe ich daran gemerkt, dass es mir ja im Gegenteil gerade um den Versuch ging, die „postrukturalistische Komplexität“ in all ihren Facetten darzustellen und vielleicht den alten „Positivismus-Streit“ damit endlich beizulegen. Vielleicht hätten Sie meinen zweiten Teil des Essays aber doch noch lesen sollen, damit meine Absichten deutlicher werden. Aber dann bin ich ja mal gespannt, welche Interpretationsansätze Sie hier finden können 😉

    Vielen Dank für Ihr Interesse und
    viele Grüße
    philosophies.de

  2. Lieber Herr H. A.,

    vielen Dank für Ihren Kommentar, dem ich mich nur anschließen kann.

    Ich bin auch der Meinung, dass eine Zukunft der Natur- und Geisteswissenschaften nur in einem „Joint-Venture“ in einer nicht-reduktiven, bi-direktionalen Interdisziplinarität. Die Einbahnstraßen der unterschiedlichen Disziplinen sind schon zu lange gefahren worden und haben sich aus meiner Sicht zu Sackgassen entwickelt.

    Nirgendswo zeigt sich dies augenscheinlicher als in der Philosophie des Geistes und der Neurowissenschaft, dass die eine nicht ohne die andere kann. Ich denke auch, dass hier noch sehr viel spannendes an weiteren Erkenntnissen zu erwarten ist.

    Viele Grüße
    philosophies.de

  3. Chère Mme N. A.,

    merci pour votre commentaire et vos questions.

    Votre première objection. Non, il ne s’agit pas de la «phase de repos idéale» de votre cerveau car le cerveau ne s’immobilise jamais (pas même pendant le sommeil). Au contraire, il est très actif dans les phases «d’activité spontanée», donc le terme «activité à l’état de repos» est également trompeur et je l’ai donc évité. Mais apparemment cela ne servait à rien, puisque des malentendus semblent s’être produits ici aussi, bien que je vous envie que vous soyez „dans un environnement calme et que rien autour de vous ne vous dérange“, je peux dire de ma situation du moment que je ne prétends pas 😉

    A votre demande. Je suis vraiment désolé que l’article soit écrit trop „complexe“ de votre point de vue, mais malheureusement cela est dû au sujet, car ces choses avec le cerveau et la création de la conscience sont également très complexes. J’avais pensé que j’avais en fait écrit ces connexions d’une manière très simple et populaire, car ma principale préoccupation était que les «gens normaux» (auxquels j’appartiens aussi 😉 devraient bénéficier des progrès et des découvertes de la neuroscience et de la neurophilosophie. Si je n’y suis pas parvenu, je le regrette beaucoup.

    Merci pour votre intérêt et
    meilleures salutations
    philosophies.de

  4. Lieber J. M.,

    nochmals meinen herzlichen Dank für soviel Aufmerksamkeit und Interesse, wie Sie ja schon selber schrieben: „Wer ausser mir hat sich die Mühe und Zeit genommen, darauf (überhaupt irgendwie) einzugehen?“ Der Artikel über Neurophilosophie ist zwar noch relativ neu, aber es gab tatsächlich schon ein paar Rückmeldungen, wenn es Sie interessiert, können Sie hier nachlesen: https://philosophies.de/index.php/2021/02/15/die-neurophilosophie/#comments
    Und wenn ich Ihnen noch den Hinweis geben darf, dass dies nur der zweite Teil des Gesamtartikels ist, laufe ich wohl Gefahr, dass Sie mich zukünftig auf FB ghosten 😉

    Aber zunächst einmal empfinde ich Ihre Einwände als konstruktive Kritik. Allerdings führen sie für mich am Ziel vorbei, da der Kontext weiterhin nicht berücksichtigt bleibt. Daher erscheint es mir wichtig, erst einmal ein paar Dinge zu erläutern, damit man den Artikel richtig einordnen kann. Und da Sie auch einen ausführlichen Kommentar hinterlassen haben, sei es mir auch gestattet auf diesen in gebührender Weise ausführlich zu antworten, allerdings der Gefahr gewiss, Ihren Daumen beim Scrollen leider wieder allzu sehr zu beanspruchen 😉

    Da wären wir schon per Überleitung bei Ihrem Einwand „Man kann Gedanken einfach klarer und somit auch kürzer fassen!“. Aber klar, immer her damit! Ich wäre Ihnen sehr zu Dank verpflichtet, wenn Sie mir ein Exempel aus Ihren bereits verfassten Artikeln zur Belehrung einmal zukommen lassen könnten, wahlweise auch gerne zu diesem Thema. Es lag scheinbar nicht am Thema, sondern an meinem Schreibstil, dass es so unverständlich war 😉

    Zu 1.: Ich habe bisher die Hoffnung immer noch nicht aufgegeben, dass es durchaus auch Menschen auf Facebook gibt, die dieses Medium nicht für ein Fakebook halten (sorry, konnte mir das bonmot nicht verkneifen ;-). Soll heißen, dass man hier tatsächlich einmal längere Gedankengänge – vorzugsweise in Schriftform – austauschen kann. Die Philosophie der FB-Gruppe „Philosophiezentrum“ weist in seinen Statuten auch ausdrücklich darauf hin: „Diese Gruppe soll ein Treffpunkt und spannender Diskussionsort für Menschen werden, die sich für Philosophie begeistern. Wie das genau aussieht, ist ein offener Prozess. Vorschläge dürfen gemacht werden. “ Mein Vorschlag wäre also, einmal weg von der – aus meiner Sicht – inhaltslosen Meme „Nachts sind alle Katzen schwarz, wer hat ein paar Gegenbeispiele“ oder den spannenden Fragen „Gibt es einen Gott? Beweise? Gegenbeweise?“, auf die 125 Menschen mit Kommentaren antworten und liken/disliken und wir hinterher auch kein Stück weiser sind, mal hin zum Austausch von echten Gedanken auch in Form von längeren Texten zu kommen. Sorry, Philosophie ist meines Erachtens eben leider kein Fastfood oder besser gesagt „Fastthink“. Vielleicht wirkt dies anachronistisch und gleicht einer Donquichotterie, aber wenn schon mehrere Menschen mitmachen, hat man auch genug Puste für schwere Windmühlenräder. Das Medium Facebook ist nicht schlecht, im Gegenteil, es sollte nur besser genutzt werden. Und „kurze Erklärung mit Link“, hahaha, das Thema hatten wir schon oben. Manche Themen sind nun einmal komplex und nicht mit dem medialen Rasenmäher kurz zu scheren und um Links schert sich übrigens auch keiner 😉

    Zu 2.: Stimmt, da gebe ich Ihnen absolut Recht. Aber gerade aus diesem Grunde habe ich ja versucht einen populärwissenschaftlichen und keinen fachwissenschaftlichen Artikel zu Thema zu verfassen. Die Originalquellen sind im Text enthalten. Sie können sich gerne davon ein eigenes Bild machen, indem Sie diese einmal zum Vergleich lesen. Meine Intention lag eigentlich gerade darin, diese – aus meiner Sicht – äußerst spannenden, neusten Ergebnisse aus der Hirn- und Kognitionsforschung einmal mit den neuesten Ansätzen aus der Philosophie des Geistes auch meinen Mitmenschen zugänglich zu machen und das möglichst noch in einer unterhaltsamen Art und nicht in einer trockenen Weise. Hat aber scheinbar nicht geklappt. Ich gebe die Hoffnung aber nicht auf und versuche es aber trotzdem noch weiter ;-).

    Und zu dem Einwand „Du schreibst ja nicht für dir Fb-lektoren?!“, häääh, für wen denn sonst, aber nicht nur. Klar finde ich es wichtig, dass meine Artikel auch gelesen werden, sonst bräuchte ich sie ja nicht schreiben. Und wie gesagt, für Ihre Auseinandersetzung mit meinem Text bin ich Ihnen auch sehr dankbar.

    Nur den letzten Punkt, dem „Inhaltlichen“ in der Kritik, hätte ich für mich spannender gefunden. Nur wie Sie schon schrieben: „Was ist eigentlich die Frage?: Dass ein Mensch mittels seines Geist (unwillentlich und willentlich) denken kann, und dafür sein Organ Hirn benutzt, wie zum Gehen seine Beine?“, da scheint mein Text leider tatsächlich gescheitert zu sein. Sie können es auch gerne auf den Schreibstil schieben, aber dass ein „Mensch mittels seines Geist (unwillentlich und willentlich) denken kann, und dafür sein Organ Hirn benutzt, wie zum Gehen seine Beine“, darum ging es gerade nicht in dem Text. Dann wäre auch die Aussage richtig, dass ein Fußballer den Kopf benutzt, wenn auch nur für den Kopfball ;-).

    Ich danke Ihnen aber nochmals für Ihr Interesse und vielleicht einmal bis zum nächsten Artikel.
    Viele Grüße
    philosophies.de

  5. Dear Mr. H. W.,

    thank you very much for your comment, but I had already pointed out in my text that the analogy „computer-brain“ does not work. Our mental activities are just not software that runs on hardware. And so the spirit still doesn’t get in or out of the bottle 😉

    Many greetings and cheers
    philosophies.de

  6. Dear Mr. H. W.,

    I had already indicated that I would be happy to leave you your „truth“ and your „hope“.

    Unfortunately, I cannot always do it as positivistic and physicalistic as you can see, but have only tried to present the current data and facts on this topic and this expressly without any bias, because „alternative facts“ are finally enough 😉

    Who knows, maybe you are right and in a few years we will have something like artificial intelligence, which also brings about something like cognition and independent thought processes, why not.

    Only that wasn’t my topic at all. Rather, I was interested in something – as you may have also read – „First Person Science of Consciousness“ and I still have my doubts, which I wanted to express in another planned essay on cybernetics and artificial intelligence.

    Many greetings
    philosophies.de

  7. Lieber Herr A. K.,

    da haben Sie absolut Recht, einfach ich das Thema nicht, aber dafür sehr spannend, weil meines Erachtens gerade hier besonders viel zu Erwarten ist, auch hinsichtlich von joint-ventures zwischen der Philosophie des Geistes und der Neurowissenschaft.

    Uijuijuih, auf so viele Seiten und Zeit komme ich noch nicht, aber ich hänge gerade auch lustigerweise am gleichen „gordischen Knoten“, weil ich mich auch momentan mit den möglichen Strukturen zur Beschreibung des Phänomens für meinen nächsten Essay „Paradigmenwechsel“ herumschlage. Wenn ich Ihnen hierzu einen Tipp geben darf, den Sie aber wahrscheinlich auch schon entdeckt haben, der ontische Strukturenrealismus nach Worrall oder Ladyman kann zur Beschreibung des Phänomens ganz hilfreich sein, weil er einen Konnex von Empirie und Metaphysik zulässt.

    Dann wünsche ich Ihnen auch noch weiterhin viel Erfolg mit Ihrem Manuskript und alles Gute
    philosophies.de

  8. Lieber Frau R. L.,

    vielen Dank für Ihren erheiternden Kommentar. Aber ich wusste gar nicht, dass wir zusammen in der Buddelkiste gespielt haben. Aber als Dame haben Sie natürlich das nonchalante Vorrecht, also nehme ich Ihr „Du“ an.

    Uiuiuih, Dir scheint mein Beitrag aber augenscheinlich nicht gefallen zu haben. Das ist schade. Aber was noch mehr schadet, ist dass Du ihn auch nicht richtig gelesen hast. Es geht hier nirgendswo um „Esotherik“ oder „Metaphysik“, wo hast Du denn die „Hopi-Kerzen“, „Klang-Schalen“ oder „Räucher-Stäbchen“ oder „Gottesbeweise“ im Text gefunden?

    Es sollte eigentlich – wenn ich es hier leider doch noch einmal zur Klarstellung erläutern muss – um die Darstellung der aktuellen Ergebnisse der Hirnforschung und Kognitionswissenschaft gehen und wie die Philosophie bei der Entwicklung von Modellen zur Entstehung von Bewusstsein Lösungsansätze bieten kann. Also vielleicht durchaus ein interessantes Gebiet auch für eine „Naturphilosophin“. Schade, ist aber leider nicht so angekommen 😉

    Vielen Dank für Dein Interesse und viele Grüße
    philosophies.de

  9. Dear Mr. T C.,

    thank you for your excellent question. I think the question „What happens after death?“ Is probably one of the most elementary questions facing humanity and is perhaps one of the reasons why something like philosophy came into being in the first place.

    As a mortal being, this question has of course preoccupied me a lot. But I haven’t found any clever answers here either. Your friends from science have probably already argued with the „law of conservation of energy“ or with the „2nd law of thermodynamics“. Perhaps such terms as „principle of free energy“ or „law of the increase in entropy“ were also mentioned. It may be that one can build on this a chain of arguments that „proves“ „that consciousness is the fundamental ground of the universe“. On this subject I have already written the more frequent essays that attempted to solve this „mind-matter“ problem (https://philosophies.de/index.php/category/erkenntnistheorie/). I also believe that a paradigm shift is overdue on this.

    But in my opinion it is already difficult enough to explain the emergence of consciousness here on earth in a human body, how much more difficult is it then to form a hypothesis of what happens to consciousness after death. I simply believe that it is actually more of a question of faith. For my part, I believe in a life after death – whether with (the same) consciousness or without, but everyone has to decide for themselves.

    Best regards
    philosophies.de

  10. Dear P. R.,

    thank you for your very remarkable and insightful article, which I read with great interest and pleasure. You did an excellent job of describing Friston’s hypothesis of the principle of free energy and, from my point of view, drew exactly the right conclusions.

    This possible connection between entropy and the constitution of consciousness in the „first-person perspective“ is currently also being discussed, for example, by the neurophilosopher Georg Northoff (http://www.georgnorthoff.com/) in his research work at the Brain and Mind Research Institute Ottawa. For the research project, Northoff has teamed up with the theoretical neuroscientist Karl Friston from the Institute of Neurology at University College London for a joint research project on the subject of the constitution of consciousness.

    Since you are quoting from Friston’s 2012 article „A Free Energy Principle for Biological Systems“, I think that you had heard of it too, as your question was intended to do so. I actually see great potential in this approach as it helps to resolve the old „mind-matter“- or „mind-brain“-dilemma. If you consider the empirical results to be correct and follow the theories derived from them on the emergence of consciousness, this would, in my view, have far-reaching consequences for the neurosciences but also for the philosophy of mind.

    In my opinion, there would have to be a paradigm shift or a copernican revolution with regard to „dualism“ towards the assumption of „network structures“ or, in other words, the dichotomy would have to be replaced by a polytomy in order to explain the phenomenon of consciousness formation. I have already written several essays on this „paradigm shift“ for the philosophy of science and on „Neurophilosophy“ by Northoff, to which I would like to refer if you are interested (see https://philosophies.de/). Northoff has already written an article on this subject, „Lessons From Astronomy and Biology for the Mind — Copernican Revolution in Neuroscience“ (https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fnhum.2019.00319/full), where he is based on Friston’s principle free energy and the possible consequences for neuroscience. I am also planning another essay on this subject, „The neurocentric worldview – please turn around!“

    On your question about „inflexibility“ as a „response to external challenges“. I am a little more optimistic about this. That is precisely what constitutes the „plasticity“ of the consciousness that it can adapt to new challenges very flexibly. I would even go so far and take Friston at his word here that our consciousness is actually only a by-product of adapting to the environment in order to achieve a state with the lowest possible energy level, so that learning is actually only a synchronization of activated stimulus and spontaneous activity of our cognitive structures is in the form of a homeostasis. For example: „Ouch, the stove top is hot!“ -> „I burned my hand.“ -> „I don’t have to test that again!“ -> „I will avoid touching them in the future.“ What great insights philosophy is able to provide 😉

    But I would also be very interested in your opinion on this topic via my website.

    Best regards
    philosophies

  11. Dear P. R.,

    okay, then there is just a linguistic problem. Since the term „consciousness“ unfortunately has too broad a meaningful field or different connotations with regard to its meaning:

    „The word „consciousness „was coined by Christian Wolff as a loan translation of the Latin conscientia. The Latin word originally meant conscience and was first René Descartes used it in a more general sense.
    The term consciousness has a very diverse range of meanings, some of which overlap with the meanings of mind and soul. In contrast to the latter, however, the term consciousness is less of theological and dualistic-metaphysical thoughts determines why it is also used in the natural sciences.
    It complicates many discussions that consciousness basically has two meanings. The first is that we are not even aware of anything and are not unconscious. The second, that we perceive or do something consciously, that is, not without thinking about it. Furthermore, awareness is not a binary quality that one has or does not have. There are gradations, depending on the definition. Michio Kaku defines it as follows:
    „Consciousness is the process of creating a model of the world using numerous feedback loops with regard to various parameters (e.g. temperature, space, time and in relation to each other) in order to achieve a goal.“ He differentiates 4 levels of consciousness, from plants to humans – depending on the number of feedback loops, which increases exponentially from level 0 to level 3. „(Source: https://de.wikipedia.org/wiki/Bewusstsein)

    For the rat experiment, I would tap the level „consciousness as phenomenal consciousness“.

    As far as I can see with the „Markov blanket“, it seems to be a mathematical-axiomatic procedure to show that a set of random variables are subsets dependent on other subsets, i.e. possibly form a limit of the feedback loop can („Markov limit“). This axiom can also be compared well with „Gödel’s incompleteness theorem“.

    What both have in common, however, is rather a pessimistic prognosis with regard to the possibilities of arithmetic to arrive at true statements even through infinite processes. Even the more optimistic assumption of Putnam’s functionalism has continued to this day, despite numerous efforts („Human Brain Projet“, „Blue Brain Project“, …), which I also mention in my essay and the optimism of Mr. Michio Kaku, who is based on the same AI positivism continues, I still have my doubts – even without Markov and Gödel.

    Nonetheless, these feedback loops are an exciting topic that I wanted to look at from a system-theoretical perspective in another planned essay „The structure in the system – the system in the structure“.

    Thank you for the tips and your interest best regards
    philosophies.de

  12. Dear Mr. J. S.,

    thank you for your interesting question, which I have been dealing with for some time.

    There is still no uniform model in neuroscience regarding the problem of what consciousness in the „first-person perspective“ (I, self, feelings, qualia, …) is. Unfortunately, it looks like that too. as if the neurosciences, with their reductive functionalism, have reached a dead end from which they apparently can no longer get out. Despite an increasing amount of empirical data, it is still not possible to find a neural correlate to mental states.

    Your idea with the 6th sense would not lead any further, since consciousness is not a problem of input, but of neuro-ecological constitution. The external input through the senses is only synchronized as a stimulated activity with the internal spontaneous activity of the brain.

    The „feedback loops“ you mentioned are of course very important for the emergence of something like consciousness, but your description is still strongly influenced by the „computer analogy“ of functionalism (Putnam / Fodor). However, I believe that we have to say goodbye to this approach because – as described above – it is neither promising nor effective.

    I have explained this problem in more detail in my essays and would like to refer to them if you are interested (https://philosophies.de/index.php/category/erkenntnistheorie/)

    Many greetings
    philosophies.de

  13. Dear Mr. J. S.,

    thank you for your question. Yes of course.

    The term „neuro-ecological“ is based on a completely new approach in neuroscience, which can therefore also be described as a „paradigm shift“. The neuro-ecological approach proposed by the Canadian neurophilosopher Georg Northoff on The Brain and Mind Research Institute of Ottawa („Temporo-spatial Theory (TTC)“) and his English colleague, the neuroscientist Karl Friston („free energy principle“) worked out in a joint research project, assumes an „embodiment“ and a „embeddedness“ of the „world-brain relations“.

    It is no longer about the old Cartesian dualism „spirit vs. matter“ or „res cogitans vs. res extensa“. On the contrary, it is more about dissolving the artificial boundaries between the brain and the environment and describing them with the help of a moderate structural realism.

    As I said, if you are interested in the topic, you are welcome to read through my essays on this, as the topic will be presented a little more precisely.

    Thank you for your interest and best regards
    philosophies.de

  14. Dear Mr. L. J.,

    thank you for your comment and your reference, which I read with great interest.

    Unfortunately, despite researching Dostoyevsky „The Karamazov Brothers“, I was unable to find any direct references. I’ll guess that the novel’s „aesthetic plot“ inspired you to do this. When I have a little more time again, I will definitely read this novel, which is part of world literature.

    But I can absolutely follow your reference to the „freedom from dualistic thought processes“, since I am also concerned with a „polycontexturality“ in my approach. It is explicitly not about such antipodes as „true vs. false“ or „just vs. unjust“. The whole thing is of course much more complex.

    Thank you for your interest and best regards
    philosophies.de

  15. Dear Mr. C. S.,

    thank you for your comment and your questions, which I would like to try to answer below.

    To Question 1 .: First of all, the question is strange, as I do not understand why a „qualification“ is required to publish posts on Facebook. Is the question about the academic title, the large number of publications, the clicks or the likes?
    Perhaps it is enough for you as a qualification if I can refer you to an interview that I talked to the internationally recognized, renowned neurophilosopher Prof. Dr. Georg Northoff from the Brain and Mind Research Institute at the University of Ottawa:
    https://youtu.be/BsZH3BiLR14

    To question 2 .: As mentioned above, I do not assume „that I am the only one who has the answers“ ;-). On the contrary, you would have to assume „120 institutes“, since you have apparently not yet heard of neurophilosophy and at least one institute might have to supplement the aforementioned „Brain and Mind Research Institute at the University of Ottawa“.

    To question 3 .: I do not fully understand this question either. It always has everything to do with the „existentialism of a god or gods“. But to bring you closer to the context, I would also like to refer you to another article on this subject „The God of Science“: https://philosophies.de/index.php/2020/09/23/der-gott -the-sciences /

    Thank you for your interest and
    best regards
    philosophies.de

  16. Dear Mr. L. B.,

    thank you for your comment, but I cannot understand your question any more than that of your previous commentator.

    I am extremely sorry that you did not understand the content of my article. But it’s actually not what you call a „copy-and-paste protracted presentation“, I actually wrote the article myself ;-).

    How far I have a „skill“ here, I have already tried to explain in the other comment.

    And since this is a scientific article, I have of course marked the passages with the quotations, as you will surely have noticed while reading.

    But I don’t want to continue wasting your precious time with such „irrelevant posts“.

    Therefore I thank you for your interest and
    best regards
    philosophies.de

  17. Dear P. o. S.,

    thank you very much for your comment. First of all, however, I’m sorry that you have taken offense at my statement. It was absolutely far from me to call you personally a „reductionist“, but only the methodology you used.

    To make this also clear, I have nothing against „reductionism“ as a quite successful methodology, for example in classical mechanics.

    I don’t have to deal with the parameters „air/rolling resistance“, „rotational motion of the earth“, or even the „structural body-orbit-“ or „body-environment-relations“ when a body moves uniformly in the inclined plane.

    Reductionism helps immensely here to reduce the problem to the parameters „time“ and „place“, to make them mathematizable and thus to come to physical laws. Thank God!

    Therefore I would not come to the idea to investigate the „ontological status for example of a rainbow“ apart from the optical laws.

    Unfortunately, it is the other way round with the „vastly complex dynamic system, of which the ’self-conscious mind‘ „arises“. Here, unfortunately, from my point of view, we cannot avoid the mentioned „paradigm shift“ to be able to explain this phenomenon better.

    All attempts of the „philosophy of mind“, as well as the „cognitive neuroscience“ have failed since 80 – 2000 years. Because the „two dogmas of empiricism“ (Quine) are not compatible with philosophy. It would rather need „The best of two worlds“ (Worrall) to get further in the form of a postulated „Neurohilosophy“ (Northoff).

    Thank you for your attention and
    many greetings
    philosophies.de 🙋

  18. Lieber B.,

    vielen Dank für Deinen sehr interessanten Post, den ich gerne ein wenig kommentiere möchte, wenn Du erlaubst.

    In manchen Teilen der kognitiven Neurowissenschaften, aber auch in der Philosophie des Geistes wird leider immer noch dem „Epiphänomenalismus“ nachgegangen, obwohl er für beide Disziplinen eine Sackgasse darstellt. Der Konstruktionsfehler liegt meines Erachtens in einer besonderen Form des Dualismus dem sogenannten „Geist-Körper“-„Problem“, das eigentlich nur ein methodisches Pseudoproblem darstellt.

    Daher kann auch der Epiphänomenalismus, z.B. von Donald Davidson als „anomaler Monismus“ vertreten, die „Erklärungslücke“ z.B. für das Phänomen der „Qualia“ nicht schließen, da er auf ein „neuronales Korrelat“, ähnlich der „Identitätstheorie“ (Place/Smart) der mentalen Zustände (NCC) hinausläuft.

    Bis heute konnte dieses „neuronale Korrelat“ nicht gefunden werden und aus meiner Sicht wird es auch nicht gefunden, da man hier einer Chimäre schon seit 2000 Jahren hinterher jagt, die gar nicht existent sein kann. Der Grund liegt meines Erachtens in unserem „neurozentristischen Weltbild“, das leider in dieser Hinsicht sehr resilient ist.

    Nach meiner bescheidenen Meinung gäbe es einen vielversprechenderen Ansatz, ein sogenanntes „Joint Venture“, das die deduktiven Konzepte der „Philosophie des Geistes“ mit der induktiven Empirie der „Neurowissenschaften“ zu einer nicht-reduktiven, bidirektionalen „Neurophilosophie“ (https://philosophies.de/index.php/2021/02/15/die-neurophilosophie/) verbinden könnte.

    Vielen Dank für Dein Interesse und
    viele Grüße
    philosophies.de

  19. Lieber W.,

    entschuldige zunächst einmal bitte, dass ich mich so spät auf Deinen Kommentar melde, aber ich schaue nicht immer auf die FB rein, daher ist es meist schneller über den Kontakt meiner Seite zu gehen. Selbstverständlich nehme ich Dein angebotenes „Du“ ehrenvoll an. Auch vielen Dank für die unfreiwillige „Werbung“ zu meiner Person, aber es geht mir wirklich mehr um die Sache, daher auch der Alias.

    Vielen Dank aber erst einmal für Deinen sehr freundlichen Kommentar und ebenso für das Interesse zu den Themen meiner Seite. Ich habe ebenfalls mal auf Deiner Seite „flöck geluurt“ und gesehen, dass Du „och en kölsche Jung bis, bei mir es et allt lange Zick her.“ Aber zurück zur Philosophie.

    Ich habe Deiner Seite tatsächlich „Parallelitäten“ und weniger „Divergentes“ entnehmen können ;-). Daher kann ich Deine „eigenen Bemühungen, eine Dichotomisierung des „Denkens“ im Bereich der Wissenschaft vom Psychischen zu überwinden“ nur begrüßen. In der westeuropäischen Medizin der materialistisch-reduktionistischen Tradition wird m. E. Dein Ansatz als „ganzheitliches Konzept“ beschrieben.

    Im Sinne eines „embodiment“ der „Körper-Geist“-Relation und eines „embededdness“ der „Körper-Umwelt“-Relation würde dies im enaktivistischen Konzept zu einem „nestedness“ (Northoff) der raum-zeitlichen Konstitution von Bewusstsein passen. Du verwendest scheinbar lieber den Begriff des „Seelischen“, den ich aber wegen der religiösen Konnotation eher vermeide. Aber macht ja nichts, da ja bekanntlich viele Wege nach Rom führen.

    „Und in diesem Fall geht es der Psychologie um einen eigenen alles perspektivisch einschließenden Blick auf die Welt. Das Psychische meint dann, die Welt der Erlebbaren (die erlebbaren) Zusammenhänge.“ Dies klingt für mich stark nach Phänomenologie, die m. E. in dem Prozess auch sehr wichtig ist, allerdings aus meiner Sicht eher am Ende einer „concept-fact iterativity“ (Northoff) stehen sollte, da es zunächst einmal erst um die Konzepte gehen sollte, die über die Fakten an der Wirklichkeit abgeglichen werden müssten. Das Ganze stellt aber als „feedback-loop“ einen rekursiven, sich-selbst-optimierenden Prozess dar.

    Apropos Prozess, hier habe ich auch einige Ansätze von Alfred North Whitehead auf Deiner Seite gefunden, die ich hinsichtlich seiner „Prozessphilosophie“ und der damit einhergehenden Ablehnung der „Bifurkation der Welt“ in „Subjet-Objekt-„, „Geist-Materie-„, „Innen-Außen“-Dichotomien durch die „Substanzphilosophie“ nur unterstützen kann.

    Bei der „Bildanalytischen Psychologie“, die ja scheinbar begründet hattest, habe ich leider keine Anschlussstelle mehr gefunden, da mir hier die Erläuterungen fehlten und ich hiermit nur fMRI-Scans und dergleichen verbinden kann.

    Auf alle Fälle finde ich Deine neuen Ansätze zur „Psycholgie des 21. Jahrhunderts“ megaspannend. Wenn ich mal ein Problem habe, komme ich gerne zu Dir.

    Mit den besten Grüßen
    Dirk aka philosophies.de

  20. Lieber H. L.,

    vielen Dank für Ihren sehr bemerkenswerten Kommentar, dem ich einerseits zustimmen und andererseits widersprechen muss.

    Dies liegt aber auch ganz simpel daran, wie Sie schon vollkommen richtig hingewiesen haben, an der „Unzulänglichkeit der Sprache“, auf die Wittgenstein auch bereits referiert hatte. Bennett/Hacker widmen diesem Thema, den Sie ebenfalls zitieren, ein ganzes Buch „Philosophical Foundations of Neuroscience“, das übrigens nicht nur für angehende Neurowissenschaftler, sondern auch für gestandene Philosophen sehr interessant zu lesen ist, da es auf die Rolle der Sprache in dem wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn dezidiert eingeht.

    Es gibt leider mindestens 4 Begriffe für das, was wir „Bewusstsein“ nennen: 1. das Gegenteil von Koma, 2. die Fähigkeit der Wahrnehmung, 3. die Betrachtung von außen in der „Dritten-Person-Perspektive“ und 4. die Betrachtung von innen in der „Ersten-Person-Perspektive“. Das eigentliche oft zitierte „hard problem“ tritt eigentlich erst ab der „Ersten-Person-Perspektive“ auf, da man hier den alten cartesischen Dualismus nicht mehr wieder zuammenkriegt.

    Daher ist Ihr Hinweis auf die „neuen Kleider“ der „kognitiven Neurowissenschaften“ vollkommen berechtigt, da sie die Begriffe „Geist, Bewusstsein“ alle in einer neurozentristischen Sichtweise in einem biologischen Konstruktivismus im „Gehirn“ subsumieren.

    „Von daher, ja wie so oft eine ewige Widerkehr des Gleichen, Überlegungen ohne Ergebnisse.“ Absolut korrekt, daher benötigen die kognitive Neurowissenschaften einen Input in Form der Neurophilosophie und einem Paradigmenwechsel.

    Vielen Dank für Ihr Interesse und
    viele Grüße

  21. Lieber H. L.,

    vielen Dank für Ihren ausführlichen Kommentar, der im Zusamenhang mit Ihren profunden Detailkenntnissen leider immer noch die Ausnahme auf FB darstellt. Insofern war Ihre „Kaffepause“ doch sehr produktiv. Wenn es erlaubt ist, wollte ich auch wieder ein wenig ausführlicher auf Ihre Hinweise antworten.

    Ja, stimmt die modernen Wissenschaften, ob z. B. in der Quantenphysik oder kognitiven Neurowissenschaften stoßen tatsächlich immer häufiger an Ihre empirischen/methodischen Grenzen. Aus diesem Grunde habe ich dem Thema auch einen Folgeessay „Der Paradigmenwechsel“ (https://philosophies.de/index.php/2021/03/31/der-paradigmenwechsel/) gewidmet, den ich mir erlaube in Ihrer Gruppe einzureichen. Ihre Meinung hierzu würde mich sehr interessieren.

    Das Konzept vom menschlichen Bewusstsein als eine „hochkomplexe biomechanische Apparatur“ kann ich natürlich in seiner reduktionistisch-mechanistsichen Sichtweise nicht gutheißen. Es gibt bereits sehr vielversprechende neue Ansätze, die von einem holistischen, enaktivistischen Standpunkt ausgehen und leider auch Konsequenzen in der aktuellen KI-Forschung nach sich ziehen werden.

    Ihr Hinweis „Aber wenn man schon in diese Richtung forscht, muss man auch fast zwingend Mathematiker mit einbeziehen, die Chaostheorie zeigt doch sehr eindrucksvoll, wie minimalste Unterschiede in Ausgangsdaten, maximale Unterschiede in den Ergebnissen ergeben.“ ist vollkommen korrekt, da sich auf der Basis der self-organized criticality (SOC) von Per Bak (1987) sehr viele spannende Ansätze für die Auswertung der „power-laws“ in fMRI-Scans des Gehirns als Skaleninvarianz ergeben.

    „Das Chaos ist nur eine Ordnung, die wir noch nicht verstanden haben“, weil uns die zugehörige Mathematik noch fehlt. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden 😉

    Vielen Dank für Ihr Interesse und
    viele Grüße

  22. Lieber S. K.,

    vielen Dank für Ihren Kommentar und berechtigten Hinweis. Es gibt durchaus noch mehr Zugänge zu Erkenntnissen. Der Buddhismus bietet ebenfalls eine phänomenologische Sichtweise auf das Bewusstsein. Ebenso sollten dies einmal die modernen, kognitiven Neurowissenschaften (CNS) anstreben. Dies wird übrigens durchaus von einigen beider Seiten so gesehen.

    Seine Heiligkeit der Dalai Lama interessiert sich z. B. sehr für die Methoden der CNS (https://www.scientificamerican.com/article/neuroscientists-dalai-lama-swap-insights-meditation/) und hat u. a. auch schon einen seiner Mönche für fMRI-Scans zur Verfügung gestellt. Es sind hier übrigens sehr interessante Befunde zur Wirkung der Meditation herausgekommen.

    Herr Prof. Dr. Wolf Singer, mit dem ich bereits ein Interview zur Bewusstseinsforschung führen durfte (https://philosophies.de/index.php/2022/03/22/kann-das-gehirn-das-gehirn-verstehen/), hat sich ebenfalls schon sehr intensiv mit dem Thema Buddhismus und Hirnforschung in einem Buch mit seinem langjährigen Freund, Matthieu Ricard, einem buddhistischen Mönch in seinem sehr lesenswerten Buch „Hirnforschung und Meditation – Ein Dialog“ (2008) mit diesem Thema auseinandergesetzt.

    Also, wie Sie sehen, soweit liegt das alles gar nicht auseinander. Vielleicht sind es einfach die zwei Seiten einer Medaille.

    Viele Grüße

  23. Liebe V. V.,

    vielen Dank für Ihren Kommentar, dem ich inhaltlich absolut zustimmen kann.

    Es geht tatsächlich um die Überwindung des alten Paradigmas „Dualismus“. Dieses Erbe der westeuropäischen Philosophie- und Wissenschaftsgeschichte zieht sich leider wie ein „roter Faden“ oder besser gesagt als „Bruchkante“ durch alle Diskurse. Ich habe dies einmal in einem weiterführenden Essay „Der Paradigmenwechsel – oder die Sanierung des dualistischen Wissenschaftsgebäudes“ (https://philosophies.de/index.php/2021/03/31/der-paradigmenwechsel/), auf den ich Sie gerne bei Interesse schon einmal hinweisen möchte, versucht darzustellen.

    Insofern ist Ihr Hinweis absolut berechtigt, da für fernöstliche Philosophien, wie dem Buddhismus, derlei „Pseudoprobleme“, die durch die materialistische, reduktionistische Sichtweise entstehen, gar nicht existieren. Einem „neti-neti“ wird unser Dualismus wohl für immer unverständlich bleiben 😉

    „Deshalb sind heutige Neurowissenschaften so ungern bereit, aus ihrem biologistischen, materialistischen Schneckenhaus herauszukommen.“ Genau aus diesem Grunde hatte ich diesen Artikel geschrieben, da die Neurophilosophie genau dies beabsichtigt, um die kognitiven Neurowissenschaften einmal aus ihrem „Schneckenhaus“ herauszuholen. Es geht hier vielmehr um einen nicht-reduktiven, bi-direktionalen Ansatz für die Neurophilosophie, die genau dies wieder zu verbinden versucht.

    Und ja, Materialismus scheint leider auch eine Art „Glaubensbekenntis“ für physikalistisch- oder naturalistisch-orientierte Menschen zu sein. Daher würde ich hier eher nicht von einer psychischen Erkrankung, sondern eher einem „Gott der Wissenschaften“ (https://philosophies.de/index.php/2020/09/23/der-gott-der-wissenschaften/) sprechen wollen.

    Vielen Dank für Ihr Interesse und
    viele Grüße

  24. Dear S. F.,

    thank you for your kind comment and your notable remarks, to which I would like to respond briefly, if I may.

    You write: „Perhaps the Study Of Neuro Sciences, of the appollo kind, need a tetrad of laws like mcluhan laws of media?“. This is an interesting aspect that I could support regarding the things that would need to be reviewed in the history of science for their enhancement, obsolescence, retrieval and reversal; so I can think of a few right off the bat 😉

    The term „neurophilosophy“ was invented by the neurobiologist Humberto Maturana in the early 1970s and has become established as a technical term.

    And no, I do not intend to become the next Euler, my concern is much more modest. I just want to point out the grievances and show possible ways out; but thank you for your kind words.

    So I can fully support your comment „we need more contemporary niche studies like neurophilosophy, if not for the sake of science, then for the sake of SciFi“. Even SciFi is also just a projection of possibilities with a high probability 😉

    Thank you for your interest and
    many greetings

  25. Lieber W. M.,

    das finde ich supernett von Dir, vielen Dank! Ich bin nur leider viel zu spät und nur durch Zufall auf Deinen Post auf FB aufmerksam geworden, da Du mich nicht mit dem Alias angesprochen hattest, dann werde ich leider von FB auch nicht benachrichtigt. Aber egal, es hat ja geklappt.

    Ich fühle mich zunächst einmal geschmeichelt, ob der „Vorschusslorbeeren“ und würde mich sehr über einen regen Gedankenaustausch zu diesem Thema mit Dir und Deiner Gruppe freuen.

    Allerdings muss ich vorausschicken, dass ich hier auf dem Gebiet mehr der Theoretiker als der Praktiker bin. Insofern können meine bescheidenen Anmerkungen zu dem Thema „zukünftige Psychologie“ oder die „Psychologie des 21. Jahrhunderts“ nur als Anregung und nicht als Handlungsanleitung gemeint sein. Ihr als Praktiker kennt Euch bestimmt besser mit der konkreten Umsetzung zum Beispiel in Therapien aus.

    Wenn ich aber das entsprechende Konzept zu neurophilosophischen Therapieansätze hier in aller Kürze und Vereinfachung einmal „Ruckzuck“ formulieren darf. Hierzu habe ich ein paar Thesen formuliert, die ich gerne zur kontroversen Diskussion zur Verfügung stellen möchte.

    1. Das alte Schisma „Geistes- vs. Naturwissenschaft“ (W. Dilthey als „Vater der Geisteswissenschaften“) war außerordentlich kontraproduktiv und setzt sich leider bis heute fort. Die Psychologie als „Grenzwissenschaft zwischen Geistes- und Naturwissenschaft“ konnte sich seit W. M. Wundt nie wirklich aus der Vereinnahmung des einen oder anderen Lagers befreien.

    Mal wurde sie den Geisteswissenschaften zugeschlagen (wahrscheinlich wegen dem „nomen est omen“ ;-). Oder seit dem „neuroscientific turn“ (B. F. Skinner) in den 90er Jahren wollte sie sich eher als handfeste, empirische Naturwissenschaft verstanden wissen. Die Statistik-Kurse für herangehende Psycholgen geben hier von ein beredtes Beispiel ;-).

    These: Wie wäre es denn mal mit einer echten Interdisziplinarität auf gleicher Augenhöhe, wie sie zum Beispiel Thomas Fuchs an seiner Klinik in Heidelberg Klinik für Allgemeine Psychiatrie Zentrum für Psychosoziale Medizin in seiner Sektion Phänomenologische Psychopathologie und Psychotherapie betreibt, wenn ich hier von seiner Seite zitieren darf: „Die interdisziplinäre Forschungssektion „Phänomenologische Psychiatrie und Psychotherapie“ unter der Leitung von Prof. Dr. med. Dr. phil. Thomas Fuchs erforscht die Grundstrukturen subjektiven Erlebens und ihre Abwandlungen in psychischer Krankheit mit theoretischer und empirischer Methodik. Hierbei arbeiten Experten und Expertinnen aus den Bereichen der Psychiatrie, Philosophie und Psychologie an gemeinsamen Fragestellungen wie beispielsweise der Veränderung des Selbsterlebens, der Leiblichkeit oder der Intersubjektivität aufgrund psychischer Krankheiten.“ (https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/zentrum-fuer-psychosoziale-medizin-zpm/klinik-fuer-allgemeine-psychiatrie/ueber-uns/sektionen/phaenomenologie)

    1. Die derzeitige Psychologie hat besonders seit dem erwähnten „“neuroscientific turn“ den Hauptfokus auf das „Zentralorgan der Psyche“ – das Gehirn – verschoben. Alles steht und fällt mit der Gesundheit des Gehirns. Daher zielen bislang alle psychologischen Therapieansätze entweder auf eine somatische Behandlung der neurochemischen Transmitter im Gehirnstoffwechsel oder auf eine konditionalen Behandlung der Verhaltensmuster der neuronalen Strukturen im Gehirn ab.

    Aber egal, wie man es dreht oder wendet. Es geht letztenendes nur immer um einen „Neurozentrismus“ (Markus Gabriel) oder „Neurokonstruktivismus“ (Thomas Fuchs); übersetzt „Ich = Gehirn“. Hiebei werden aber ganz wesentliche Aspekte zur Konstitution von Bewusstsein (auch pathologischen Bewusstsein) ausgeklammert.

    Das Konzept des extended mind „ausgedehntes Bewusstsein“, des embodiment „Verkörperung“, des embededdness „Einbettung“ und des enactivism „Enaktivismus“, die auch als die 4E-THeorie der Philosophie der situierten Kognition (PSK) bekannt sind, geht von einem ganz anderen Standpunkt aus. Die Erläuterung der einzelnen Konzepte würde hier allerdings den Rahmen sprengen; interessanter sind für Euch denke ich, daher eher die praktische Umsetzung der Neurophilosophie in Form einer therapeutischen Neuropsychatrie.

    Hierzu kann man bei Georg Northoff von der The Royal’s Institute of Mental Health Research University of Ottawa auf seiner Seite http://www.georgnorthoff.com/neuropsychiatry oder in seinem Buch „Neuropsychodynamische Psychiatrie“ (2016) einiges nachlesen. Oder, wenn man es kürzer mag, seinen Artikel „NEUROPHILOSOPHIE ALS THERAPIE?“ (https://www.hss.de/download/publications/AMZ_87_Homo_Neurobiologicus_04.pdf) durchlesen, auf den ich an dieser Stelle für den interessierte Leser auch gerne hinweisen möchte.

    These: Der neuropsychatrische Ansatz wirft eine ganz neue Sicht auf psychische Erkrankungen, wie z. B. Depression und Schizophrenie und dementsprechend auch deren Behandlungsmethoden.
    Die Tendenz des neurophilosophischen Ansatzes geht weg von dem Reduktionismus einer physikalistisch-materialistischen Sichtweise der klassischen Psychotherapie mit Hilfe von Psychopharmaka, hin zu einer struktural-holistischen Sichtweise, die eine strukturale Kopplung der Psyche mit ihrem Körper und der Umwelt propagiert.

    Es gibt tatsächlich ernstzunehemde Therapieansätze, die von einer Modulation der Gehirnaktivität durch die Berücksichtigung der situierten Kognition ausgehen. Dieses beobachtete Phänomen kann man an einem einfacheren Beispiel, dem „Mitnahme-Phänomen“, erläutern. Der Rhythmus oder die Tonfolge von Musik führt irgendwann zum unbewussten Wippen der Füße, da diese sich dem Rhythmus der Musik anzupassen versuchen (Lakatos et al., 2013; van Atteveldt et al., 2015). Gleich einer Synchronisation passt sich die zeitlich-räumliche Dynamik der neuronalen Aktivität des Gehirns der zeitlich-räumlichen Dynamik der Umgebung an, was Northoff (2013, 2014a,b, 2016a,b,c,d, 2018) mit seiner „Temporo-spatial Theory of consciousness“ (TTC) zu umschreiben versucht.

    So können z. B. Depressionen mit Hilfe von Musik mit einer erhöhten bpm-(beats per minutes) Zahl therapiert werden. Allerdings nur im Sinne einer Synchronisation; heißt „Techno“-Musik erhöht nicht automatisch den Serotonin-Spiegel bei depressiven Menschen, aber die zeitlich-räunlichen Rückkopplungsmuster führen auf Dauer zu einer messbaren Verbesserung des Tonus. Das ist doch auf alle Fälle besser als Antidepressiva zu verabreichen, die nur die Symptome, aber nicht die Ursachen bekämpfen.

    1. Die systemische Therapie als praktische Umsetzung von Luhmanns Systemtheorie geht zum Beispiel schon einmal in die richtige Richtung, da sie die Erkrankung des Patienten nicht als losgelöstes Symptomatik sieht, sondern auch die soziale „Einbettung“ (embededdness) berücksichtigt. Allerdings geht die systemische Therapie aus meiner Sicht von einem falschen Paradigma aus, der „Differenz“ (George Spencer-Brown, Jacques Derrida) als „Unterscheidbarkeit“ von „innen vs. außen“, „Psyche vs. Körper“, „Geist vs. Materie“, etc. pp.

    Dieser dualistische, reduktionistische Ansatz berücksichtigt nicht die Komplexität der psycho-sozialen Interaktionen, da hierbei immer versucht wird die sich bildenden Korrelationen als Differenz darzustellen. Man würde meinen, dass hierdurch auch das psychotherapeutisch zu behandelnde Problem einfacher darstellbar und damit leichter therapierbarer werde.

    Ich glaube allerdings, dass dies an dem Grundproblem vorbei geht. Man benötigt aus meiner Sicht eher eine polykontexturale Beschreibung der Psychogenese des Patienten und nicht nur eine systemische Beschreibung seiner Umwelt. Heißt konkret, der Anamnese muss ein viel größerer Anteil bei der Therapie zukommen. Es muss zuerst einmal der Patient als autopoetisches System verstanden werden, d. h. nicht die Differenz zur Umwelt ist entscheidend, sondern wie funktioniert das System selber.

    Im Sinne einer Kybernetik 2. Ordnung (v. Foerster) muss sich der Therapeut hierbei sogar selber als „Erkenntnissubjekt“ in der Therapiesitzung mit einbeziehen. Es gibt keine Differenz zwischen Operand und Operator in der Operation. Der therapeutische Prozess ist alleine massgeblich. Diese Forderung in der Praxis umzusetzen wird wahrscheinlich sehr schwierig werden; dessen bin ich mir bewusst.

    Ich glaube, ich lasse es jetzt erst einmal hierbei bewenden, ansonsten wird es doch zuviel und kein Mensch möchte die „Textwand“ hier weiter lesen.

    Daher freue mich ich eher über eine konstruktive Rückmeldung von Euch und bin gespannt auf Eure Meinung, ob die neurophilosophische Theorie auch in die/der psychotherapeutische(n) Praxis umsetzbar ist.

    Liebe Grüße
    Dirk

  26. Lieber W.,

    vielen Dank für Deine sehr ausführliche und interessante Antwort auf meine Vorschläge. Ich komme jetzt, glaube ich, allmählich dahinter, warum wir „zwei Königskinder“ so schwer zueinander kommen. Ich denke, dass wir tatsächlich hier auf „zwei Wellenlängen funken“, wenn ich mir mal den Vergleich zu Shannon-Weaver erlauben darf.

    Ich habe mir mal Deinen Hinweis https://denkenimwandel.blogspot.com/…/filmszenarisches… und Dein Konzept zur „Bildanalytische Psychologie & Entwicklungstherapie“ von Deiner Seite „https://mikus.psf.net/“ genauer angeschaut.
    Das klang alles sehr spannend, besonders der Hinweis zur „Einfachheit der Komplexität“ nach Whitehead. Das fand ich sehr inspierend (zu Whiteheads Prozessphilsophie wollte ich auch noch mal einen Essay schreiben).

    Deine Ansätze kommen aber aus meiner Sicht klar aus der geisteswissenschaftlichen Schule (auch wenn Du diese Trennung, wie Du geschrieben hast nicht gerne hören möchtest ;-). Das ist auch erst mal gut so. Denn eine psychologische Psychotherapie ist mir auf alle Fälle lieber als eine ärztliche Psychotherapie mit Medikamentation. Daher hätte mich Deine Meinung zu der neuropsychatrischen Methodik der „Musik-Synchronisation“ als Therapie interessiert. Aber leider hattest Du hierzu noch nichts geschrieben.

    Wie sieht es denn andersherum mit dem Versuch der Implementierung von empirischen Daten aus der Hirnforschung für die „Psychologie des 21. Jahrhunderts“ aus. Der bekannte deutscher Hirnforscher Gerhard Roth hatte sich in unserem Zoomposium-Interview „Wie wirklich ist Bewusstsein“ (https://philosophies.de/index.php/2021/12/05/wie-wirklich-ist-bewusstsein/) sehr bestürzt über den Kenntnisstand der Psychologie und Psychotherapie hinsichtlich der Erkenntnisse der modernen Hirnforschung geäußert. Aus diesem Grunde hat er zum Beipiel eine DVD „Roth, Gerhard: Erfolgreiche Psychotherapie aus neurobiologischer Sicht“ (https://shop.auditorium-netzwerk.de/detail/index/sArticle/9219) und zahlreiche andere Bücher zum Thema herausgebracht. Das ist vielleicht das andere Extrem, weil hier der besagte Fokus eher auf dem Gehirn liegt.

    Aber dem gegenüber würde zum Beispiel die Auswertung eines fMRI-Scans im Zusammenhang mit einem EEG während Deines auf Deiner Seite erwähnten „Filmszenarisches Arbeiten“ vielleicht Aufschluss über die Wirkmechanismen Deiner vorgeschlagenen Methodik und insofern wieder Daten für eine Anpassung der „concept-fact-iterativity“ (Georg Northoff) liefern. John Dylan Haynes als Schüler von Roth versucht zum Beispiel am Bernstein Center for Computational Neuroscience und am Berlin Center for Advanced Neuroimaging (BCAN) der Charité ein „Fenster ins Gehirn“ (Buch von 2021) mit Hilfe von „Brain-Reading“ zu bekommen.

    Ich tippe mal, dass man bei den fMRi-Scans wahrscheinlich ganz viele bunte Bilder von den Spiegelneuronen im prämotorischen Cortex erhält. Ob die etwas aussagen, ist eine andere Frage. Aber es wäre doch im Sinne eines Erkenntnisgewinnes für zukünftige weitere ähnliche Therapieansätze spannend, wenn man wüsste, wie das Ganze im Gehirn funktioniert, damit die Erfolge reproduzierbar bleiben. Oder es bleibt dabei, wer heilt hat Recht!

    Das waren nur noch so ein paar ergänzende Gedanken zum Thema.

    Mit den besten Grüßen auch von meinen Spiegelneuronen und noch ein schönes Wochenende
    Dirk

  27. Dear j.,

    first of all, thank you very much for your interest and efforts. I am sorry if I could not reach you with my text.

    This is probably the reason that my text does not contain any calculations. I could enclose you the computational models of the „Integrated information theory IIT“ by Giulio Tononi. However, this is a completely different approach, since I rather prefer the „multivalued logic“ of Gotthard Günther.

    I am afraid, however, that you are interested in algorithms for computational neuroscience, which are not included there. But the essay was really meant more philosophically in the sense of basic research.

    Regarding your comment and question about „The brain is generally considered the most complex structure in the universe.“: „I push back when I read this absurd statement. Do you imagine that this could possibly be true? Generally regarded by whom? Can you explain your reasoning here?“

    First of all this statement is not from me, it is from Henry Markram. But I can fully support it, as I see it the same way.

    „[Henry Markram] heads the Blue Brain Project at the Swiss Federal Institute of Technology in Lausanne. He has done extensive research on neuron networks and their ability to learn. in the process, he discovered a fundamental mechanism for brain plasticity: that the transmission strength of synapses increases or decreases depending on the temporal pattern of incoming signals (spiketiming dependent plasticity). Together with other scientists, he also developed a theory of the brain that also plays a role in the human Brain project. according to this theory, the brain is an information-processing system that operates in a constantly fluctuating state.
    It is an information-processing system that operates in a constantly fluctuating state – similar to the superposition patterns of waves in a liquid that is subject to constant disturbances (liquid state machine). (Source: 1. paragraph, „Auf dem Weg zum künstlichen Gehirn“).

    Original quote translated into english: „It is time for a new approach to the study of the human brain. Until now, scientists have studied the individual parts of our thinking organ – from neurotransmitters to neuronal circuits to the higher-level areas for specific functions – separately. This reductionist method has yielded significant findings. However, it has now reached its limits. It is simply not suitable for grasping in its entirety the functioning of the information-processing machine in our heads, which is perhaps the most complex system in the universe. For this, reduction must be followed by construction, and disassembly must be followed by assembly.
    What is needed is a new paradigm that combines analysis and synthesis. Even the forefather of reductionism, the French philosopher René Descartes, wrote that one must examine the parts and then put them together in order to recreate the whole.“

    This new paradigm in the form of a paradigm shift is precisely what my essay „Die Neurophilosophie“ or the continuing essay „Das System braucht neue Strukturen – nicht nur für/gegen die Künstliche Intelligenz (KI)“ (https://philosophies.de/index.php/2021/08/14/das-system-braucht-neue-strukturen/) is about. If you have any questions about this, I would be happy to answer them.

    Thank you very much for your interest and attention
    and many greetings

Ich würde mich über einen Kommentar von Euch sehr freuen.