Die Metamathematik

Die Metamathematik

Die Metamathematik – ist doch metalogisch?!?

– eine Vertonung der Ontologie der Mathematik oder Metalogik –

Das Intro

„Zwei mal drei macht vier
Widdewiddewitt und drei macht neune
Ich mach‘ mir die Welt
Widdewidde wie sie mir gefällt!“
(„Hej Pippi Langstrumpf“-Lied von Henning Wehland)

Ins Lied hören und zum Thema zurückkommen:

https://www.youtube.com/watch?v=lPOdvUUw6dc

Pippi Langstrumpf ist in dieser Hinsicht natürlich wesentlicher freier als der übrige Rest der „mathematischen Welt“. Im folgenden Essay möchte ich der „Logik der Mathematik“ in Form der „Metalogik“ einmal genauer auf den Grund gehen. Nachdem ich nun versucht habe, mal einen Blick hinter oder vor die Physik in Form der „Metaphysik“zu werfen, wäre jetzt nun mal eine Grundlagenbetrachtung der Mathematik als „Metamathematik“ fällig. In diesem Zusammenhang werde ich natürlich auch auf die bekannte „Grundlagenkrise der Mathematik“ eingehen. Also, es gibt wohl genügend zu ergründen ;-).

Die Grundlage meines Essyas stellt hauptsächlich die Abhandlung von Matthias NeuberMathematik und Ontologie – Der lange Weg zum ‚strukturellen Formalismus‘“ (Article in Zeitschrift für philosophische Forschung · September 2017 DOI: 10.3196/004433017821835614, Quelle: https://www.researchgate.net/publication/319872566) dar, in welcher er die Grundlagenkrise der Mathematik (die bis heute andauert) präzise darstellt und mögliche Auswege hieraus ableitet (nicht nur im mathematischen Sinne).

Apropos, um die Vor-Urteile abzubauen und die Vor-Freude zu steigern, soll es in diesem Essay ausnahmsweise mal nicht um eine stringente Beweisführung mit allerlei Formalismus und Logizismus zur Metamathematik gehen. Sondern ich hoffe, dass Pippi Langstrumpf uns das Ganze einmal mit ihrer Logik vorrechnen wird, damit es nicht zu langweilig und trocken wird:

„Die Leute sind auch dumm. In der Schule lernen sie Plutimikation, aber sich etwas Lustiges ausdenken, das können sie nicht.“ (aus „Pippi Langstrumpf“ von Astrid Lindgren).

Na dann wollen wir uns mal was Lustiges ausdenken ;-).

 

Die Axiomatik der Metamathematik

„Ävver, ävver, ävver dreimol Null es Null, es Null…“

(De Höhner – En d’r Kayjass Nummer Null 1979)

Ins Lied hören und zum Thema zurückkommen:

https://www.youtube.com/watch?v=4d_iiOcNCyU

Das hat man nicht nur in der „steinahl Schull in der Kayjass Nummer Null“ (Kölsches Volkslied) gewusst, sondern auf derlei Axiomatiken baut nun mal das ganze Theoriegebäude der Mathematik auf. Im Zusammenhang mit meinen anderen Essays zur Wissenschaftstheorie bin ich immer wieder über die verschiedensten Axiome gestoßen, die aufgrund ihrer Unhintergehbarkeit die Basis für die unterschiedlichsten Metatheorien bildeten. So waren zum Beispiel einige der wichtigsten Axiome in der Physik, dass die Materie die Basis für die Phänomene darstellt, die einer Ursache und Wirkung unterliegen und aufgrund einer zugrundeliegenden Gesetzmäßigkeit als Formel formuliert werden können. Dieser „Handwerkskoffer“ konnte dann in die „Metaphysik-Abteilung“ abgestellt werden.

Eines der wichtigsten „Handwerkszeuge“ der Physiker stellt hierbei natürlich die Mathematik dar. Einige Physiker scherzen daher manchmal, wenn sie von der Mathematik als theoretische Physik sprechen, ebenso wie die Mathematiker, die Physik nur als angewandte Mathematik sehen. Dem ist natürlich nicht so, da die Mathematik normalerweise in den Geisteswissenschaften und die Physik in den Naturwissenschaften verortet ist. Dennoch stellt sich auch an den ambitionierten Mathematiker die Frage, wo denn seines „Pudels Kern“ ist oder besser gesagt, wo denn die ontologische Basis der Mathematik liegen möge. Und hier darf man wohl „dreimol“ raten, es kommt fast immer zur Antwort: in der Logik. Also, wäre hätte es gedacht, es geht um das „Denken“ in seiner „reinsten Form“. Dann stellt sich aber wiederum die nächste Frage, wodurch sich denn diese Logik legitimieren könne, wenn sie doch auch nur wieder ausgedacht ist, oder gibt es hierzu auch ein Naturgesetz der allgemeinen „Logik-per-se“, als „transzendentale Logik-an-sich“.

Derlei Fragen trieben mich nicht nur beim Singen der Lieder um und begab mich auf eine Suche nach der „Basis der Mathematik“, die man dann wohl auch als „Ontologie der Mathematik“ bezeichnen könnte. Um mich hierbei aber nicht zu „verrechnen“, hatte ich mir Hilfe bei Matthias Neuber und seinem Aufsatz „Mathematik und Ontologie – Der lange Weg zum ‚strukturellen Formalismus‘“ geholt. Professor Neuber war mir schon einmal in einem meiner vorherigen Essay „Von der Physik zur Metaphysik – auf zum Strukturenrealismus“ sehr hilfreich gewesen. Nun kann ja jetzt nichts mehr schief gehen, wenn wir also der Sache mit der Logik in der Mathematik mal auf den „Grund“ gehen.

Die Ontologie der Logik – die Metalogik

„Der Mann Aristoteles
War blöd, doch ich erzähl‘ es
Er spielte Philosoph und fragte
Wie Klein Doof: „Warum ist etwas da
Das da vorher noch nicht war?
Hm, das hat bestimmt ’nen Grund“
Vielen Dank für diesen Fund“

(„Die Philosoffen“ Lied von Wise Guys)

Ins Lied hören und zum Thema zurückkommen:

https://www.youtube.com/watch?v=zrMdOSUH9a8

„Warum ist etwas da, Das da vorher noch nicht war?“ Mit dieser Frage startet ein ganzes Projekt der abendländischen Philosophiegeschichte, die schließlich in den „Universalienstreit“ oder „Realismus-Debatte“ mündet. Da es um nichts Geringeres geht als die Frage, ob es eine Realität außerhalb unserer menschlichen Wirklichkeit geben könnte. „Platons Ideenlehre“ ist sozusagen der „Evergreen“ in der „Oldie-Abteilung der Ontologien“. Wenn ich hier aus meinem alten Essay „Der Paradigmenwechsel“ einmal zitieren darf:

„wie mit den mentalen Entitäten (Zahlen,Theorien, Gedanken, Ideen), den Noumena (Kant) umzugehen sei (s. „Die Philosophie des Geistes„). Für Platon hatten diese durch die Allgemeinbegriffe bezeichneten „Ideen“ noch eine eigenständige Existenz unabhängig von den Einzeldingen, daher wird diese Haltung auch gerne als „Begriffsrealismus“ bezeichnet.“

Und damit kommen wir wieder zur Frage der „Ontologie in der Mathematik“ zurück. In der „Ideenlehre Platons“ und im späteren Platonismus werden

„die folgenden Annahmen bezüglich der Beschaffenheit mathematischer Objekte gekennzeichnet.                               Mathematische Objekte

– sind abstrakt,

– existieren außerhalb von Raum und Zeit,

– verfügen über keinerlei kausale Wirksamkeit.“ (Matthias Neuber „Mathematik und Ontologie – Der lange Weg zum ‚strukturellen Formalismus‘, S. 3)

Die damit implizierte Metamathematik geht folglich von „real existierenden mathematischen Objekten“ aus, die jenseits unserer Vorstellungen eine eigenständige Entität, also einen „eigenständigen, ontologischen Status“ besitzen. Aus diesem Grunde kann der „mathematische Platonismus“ auch als ein „ontologischer Realismus“ bezeichnet werden, da die „Zahlen“ nach Platon zu den „unvergänglichen Ideen“ gehören und folglich keine menschlichen Konstrukte der Logik sind.

Die „mathematischen Objekte“ gehören nach „Platons Idee“ also zum Bereich des Seins („Ontōs on“ griech. ὄντως ὄν = wirklich seiend) und sind insofern mit Hilfe der „Ontolgie“ als Lehre vom Sein zu beschreiben. Folglich stehen sie in einem Gegensatz zu den physischen Objekten („Physis“ von altgriechisch φύσις phýsis = werdend, später das römische „natura“), die dem Bereich des „bloßen Werdens“ zugeschrieben werden und mit Hilfe der Epistemologie entdeckt werden können. Wichtig allerdings für die weitere „Suche nach der Logik in der Mathematik“ bleibt aber noch die Begriffsklärung des „Logos“ selber, da dieser ganz entscheidend für den weiteren Verlauf sein wird.

Der altgriechische Ausdruck logos (λόγος lógos) bezeichnet nämlich nicht nur den korrekten Gebrauch von Sprache (Buchstaben, Wörtern, Sätzen, Syntax und Semantik), sondern bedeutet bei Platon auch gleichzeitig die „Darstellung“ oder „Erklärung“ eines Sachverhaltes, der mit Hilfe der Wörter dem Seienden korrekt und wahrhaftig zugeordnet wird. Der Wahrheitswert einer Aussage wird folglich an der korrekten Zuordnung gemessen. Jetzt setzt Platon noch einen drauf und erklärt ganz im Sinne seiner Ideenlehre den „Logos“ selbst zum „Träger der Wahrheit“ und damit war die „Idee“ der „philosophisch-mathematischen Disziplin der Logik“ in der Welt. Die Logik ist fortan nicht mehr nur sprachgebunden, sondern kann auch philosophisch-mathematisch bewiesen werden:

„Gerade weil die im Logos gelegene Wahrheit nicht die des bloßen Vernehmens, (noein), ist, kein bloßes Erscheinenlassen von Sein, sondern immer Sein in eine Hinsicht stellt, ihm etwas zuerkennt und zuspricht, ist nicht das Wort (onoma), sondern der Logos der Träger der Wahrheit (und freilich auch der Unwahrheit). Daraus folgt dann mit Notwendigkeit, daß diesem Beziehungsgefüge, in das der Logos die Sachen aufgliedert und eben damit auslegt, die Ausgesagtheit und damit die Sprachgebundenheit ganz sekundär ist. >Sprache/Platon, >Sprache und Denken/Platon.“ (Gadamer I, Hans-Georg Gadamer, Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010, Quelle: https://www.philosophie-wissenschaft-kontroversen.de/details.php?id=860639&a=a&autor=Platon&vorname=&thema=Logos)

Puh, bei soviel Logik fragt man sich nun zurecht, was das Ganze denn nun eigentlich mit der Mathematik zu tun hat. Die „Anschlussverbindung“ bildet der weitere „Fahrplan“. Denn mit dem Konzept des mathematischen Platonismus ist die „Weichenstellung“ für einen rein ontischen Zugang zur Mathematik gelegt und die „naturalistische Mathematikauffasung“ kommt damit auf das epistemische „Nebengleis“, da die praktische Anwendbarkeit nun zur Nebensache wird.

Spätestens ab diesem Zeitpunkt taucht nun aber wieder das alte Problem mit dem „Ding-an-sich“ auf: „Wie können wir – als konkrete vergängliche Wesen – die im platonischen ‚Ideenhimmel‘ verorteten abstrakten Entitäten der Mathematik überhaupt erfassen?“ (Matthias Neuber, ebd, S. 5). Denn Platons tolles Konzept des „selbständigen Logos“ drohte, selbst nach Kants letzten Versuch „die Ideen“ in seiner „transzendentalen Logik“ zu retten, zu scheitern. Die Hilfe eilt nun aus dem mathematischen Lager selber herbei. Das ehrgeizige Projekt wollte man nun mit Hilfe der Mathematik als logizistisches Programm, also mit Hilfe der Logik selber stützen.

 

Logizismus

„But then they sent me away to teach me how to be sensible
Logical, oh, responsible, practical
Then they showed me a world where I could be so dependable
Oh, clinical, oh, intellectual, cynical“

(„The Logical Song“ von Supertramp)

Ins Lied hören und zum Thema zurückkommen:

https://www.youtube.com/watch?v=kln_bIndDJg

Ein beredtes – oder besser gesagt berechnetes – Beispiel für die Rettung des „platonischen Logos“ stellt der Logizismus oder das logizistische Programm dar, das von Gottlob Frege Ende des 19. Jahrhunderts formuliert wurde. Es besagt, „dass sich die Mathematik auf die Logik zurückführen lässt“.

„Im Groben lässt sich der Logizismus in zwei Teilpositionen aufspalten:

Alle mathematischen Wahrheiten müssen sich anhand von Definitionen mit strikten Beweisen auf eine fest umgrenzte Anzahl von Axiomen zurückführen lassen.

Bei diesen Axiomen selbst muss es sich um evidente logische Wahrheiten handeln, d. h., sie dürfen nach Freges Worten „eines Beweises weder fähig noch bedürftig“ sein.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Logizismus)

Also, es sollen folglich nur die Axiome aufgestellt werden, die „nach Freges Worten „eines Beweises weder fähig noch bedürftig“ sein.“ sollen. Na dann mal her mit den „evidenten logischen Wahrheiten“, lieber Herr Frege.

Doch dieses sehr ambitionierte Ziel hatte ja noch nicht einmal im axiomatischen eng begrenzten Raum der Mathematik geklappt, wie „das von Bertrand Russell und Ernst Zermelo entdeckte Paradoxon der „naiven Mengenlehre“ bewiesen hat. Russell publizierte dieses Paradoxon 1903 und daher trägt es bis heute seinen Namen“: „Russellsche Antinomie“.

Die Russellsche Antinomie geht davon aus, dass „das Zulassen aller denkbaren Zusammenfassungen als Mengen zu Widersprüchen“ führen kann. Um das zu verhindern hatte Betrand Russell eine „Axiomatisierung der Mengenlehre“ als reduktionistische Lösung ausdrücklich ohne mathematische Symbolik vorgeschlagen. Das logizistische Kalkül zielt folglich darauf ab alle mathematischen Konzepte und Objekte mit Hilfe einer rein logischen Terminologie zu definieren und aufgrund dieser Definitionen die mathematischen Theoreme aus den „dahinterliegenden“ logischen Prinzipien abzuleiten.

Und da ist sie wieder unsere altbewährte „Münchhausen-Strategie“, sich selber am Schopfe aus dem Sumpf zu ziehen. Was interessiert einen die „vertrackte Realität da draußen“, wenn man sich, mit Hilfe der korrespondierenden „Pippi-Langstrumpf-Strategie“ „die Welt, wie sie einem gefällt“, einfach selber macht. Denn wie Ernst Cassirer in seinem Buch „Das Erkenntnisproblem“ (1950) dargestellt hat, gehört das logizistische Programm von Frege und Russell zu einem revisionistischen Projekt, das die Existenz eigenständiger „logischer Objekte“ als „Begriffsrealismus“ ganz im Sinne Platons wieder einführen möchte.

Doch wie Kurt Gödel später mit seinen „Unvollständigkeitssätzen“ bewiesen hat, gehört die „Russellsche Antinomie“ (leider) zu einer unhintergehbaren Ontologie der Logik . Oder wie die deutsche Indie-Rock-Band „Madsen“ in ihrem „Unvollständigkeitssatz“ bewiesen haben: „Goodbye Logik – Alles kommt anders als geplant“ ;-).

 

Intuitionismus

„Kein Plan, keine Strategie
Keine Tricks, keine Philosophie
Keine Ahnung was mit uns passiert
Sag mir, wo bin ich hier?
Keine Idee, keine Mathematik
Keine Gewohnheit und kein Prinzip
Ich weiß nicht wer du bist und wie du heißt
Doch ich will, dass du bleibst

Goodbye Logik
Alles kommt anders als geplant“

(„Goodbye Logik“ Lied von Madsen)

Ins Lied hören und zum Thema zurückkommen:

https://www.youtube.com/watch?v=A0TsMm1cL68

„Alles kommt anders als geplant“, und so kam es auch, dass sich eine „Gegenbewegung“ in der Metamathematik zum logizistischen Programm entwickelte, welche den ontologischen Status der Mathematik und im Speziellen der Logik in Frage stellte. Der sogenannte „Intuitionismus“, der von dem Mathematiker Luitzen E. J. Brouwer begründet wurde, geht von einer dezidiert „antirealistischen Ontologie“ der Mathematik aus. Es wird zeitgleich wie in der Philosophiegeschichte der Subjektbegriff in die Metamathematik eingeführt, da der Intuitionismus die mathematischen Objekte als mentale Konstruktionen des mathematischen Subjektes betrachtet; „Goodbye Ideenhimmel!“:

„I hope I have made clear that intuitionism on the one hand subtilizes logic, on the other hand denounces logic as a source of truth. Further that intuitionistic mathematics is inner architecture, and that research in the foundations of mathematics is inner inquiry.“ (Matthias Neuber, ebd, S. 8)

Nach Brouwers Ansicht „unterläuft“ sein intuitionistischer Ansatz „die Logik als Ganzes“ oder gar die Logik als „Quelle der Wahrheit“. Ihm geht es mehr um die „innere Architektur“ oder um „die Erforschung der Grundlagen der Mathematik [als] innere Forschung“.

Wie jetzt? Bisher war doch immer die Logik die Grundlage der Mathematik und die Quelle der Wahrheit. Was soll denn bitte schön an Intuition als „innere Forschung“ wahrhaftiger sein? Dieses „dekonstruktivistische Programm“ macht insofern selbst vor dem „heiligen Gral“ des Logizismus nicht halt, dass nun die Logik „als vormals unumstrittene Basis mathematischer Deduktionen entthront“ wird und „der Anspruch einer außermathematischen ontologischen Fundierung aufgegeben“ wird. Die „Konstruktion der Logik“ soll selber als „innere Architektur“ oder „anthropozentrischer Perspektivismus“ („Der Mensch ist das Maß aller Dinge“: Protagoras) offen gelegt und damit hinterfragbar werden:

„Die Grundidee des intuitionistischen Programms hat der Brouwer-Schüler Arend Heyting besonders konzise wie folgt zusammengefasst: „In the study of mental mathematical constructions ‚to exist‘ must be synonymous with ‚to be constructed‘.“13“ (Matthias Neuber, ebd, S. 7)

Konkret kann dies an dem „Unendlichkeitsproblem“ untersucht werden. Grundsätzlich, also axiomatisch, gilt ja in der „Logik der Mathematik“, dass zu jeder natürlichen Zahl ein Nachfolger existiert. Hhhhmh, dann müsste es ja auch „logischerweise“ einen Nachfolger zu „Unendlich“ geben. Nur dann macht „Unendlich“ als nicht abzuschließende Menge keinen Sinn mehr, da dies aufgrund des Prinzip des ausgeschlossenen Dritten“ („tertium non datur“) nicht logisch ist. An dieser Stelle hat man folglich zwei Möglichkeiten (oder vielleicht doch drei ;-):

1) Man lehnt den Intutionismus, genau wie den Platonismus, als „revisionistisches Konzept“ grundsätzlich ab, weil er der Logik des „tertium non datur“ zuwiderläuft.

2) Man akzeptiert die von dem Intuitionismus vorgeschlagene, „konstruierte Lösung“, dass es „kategorisch zwischen dem ‚aktual Unendlichen‘ als abgeschlossener Gesamtheit und dem ‚potentiell Unendlichen‘ als der bloßen Möglichkeit des unbegrenzten Fortschreitens“ zu unterscheiden gilt.

3) Man akzeptiert das „terium datur“, da die klassische Logik in einer mehrwertigen Logik widerspruchsfrei aufgehen kann.

Den Punkt 3) möchte ich an späterer Stelle in einer strukturenrealistischen Konzeption noch einmal aufgreifen.

Doch zumnächst einmal sei hier kurz der Rettungsversuch über den Formalismus skizziert.

 

Formalismus

„Minus P-Halbe plusminus die Wurzel aus, P-Halbe ins Quadrat minus Q
X ist minus P-Halbe plusminus die Wurzel aus, P-Halbe ins Quadrat minus Q
Minus P-Halbe plusminus die Wurzel aus, P-Halbe ins Quadrat minus Q
X ist minus P-Halbe plusminus die Wurzel aus, P-Halbe ins Quadrat minus Q“
(„p-q-Formel von DorFuchs)

Ins Lied hören und zum Thema zurückkommen:

https://www.youtube.com/watch?v=tRblwTsX6hQ

Die 1882 publizierten Vorlesungen über „Neuere Geometrie“ von Moritz Pasch und David HilbertsGrundlagen der Geometrie“ von 1899 sind natürlich auch wieder als metamathematische Gegenreaktion auf Brouwer als „anti-intuitionistisches Projekt“ zu sehen, da sie allein auf die „logisch-deduktive Analyse der zwischen den jeweils etablierten Begriffen bestehenden Relationen“ aufbauen. Das sogenannte „Hilbert-Programm“, das Hilbert in den 1920er Jahren auf der Grundlage einer Beweistheorie (bzw. Metamathematik) als Rettungsversuch unternimmt, um die klassische Mathematik gegen die intuitionistischen Kritik zu ‚retten‘, basiert weiterhin auf der klassischen Logik. Das von dem Intuitionismus in Frage gestellte „tertium non datur“ sollte auf alle Fälle erhalten bleiben:

„Dieses Tertium non datur dem Mathematiker zu nehmen, wäre etwa, wie wenn man dem Astronomen das Fernrohr oder dem Boxer den Gebrauch der Fäuste untersagen wollte.“ (Matthias Neuber, ebd, S. 11)

Hilberts Programm zielte folglich auf eine „Axiomatisierung und vollständige logische Formalisierung der gesamten klassischen Mathematik“ ab. Dies hört sich nicht nur nach dem „Wiener Kreis“ an, der einen sprachgeleiteten, rationalen Formalismus in Form der „Beobachtungssprache“ anstrebte, sondern dies ist das mathematische Pendant hierzu. Es ging um nichts Geringeres als um „Widerspruchsfreiheit“ in der klassischen Mathematik mit Hilfe von „finiten Methoden“. Kurt Gödel hatte aber bereits „im Rahmen seiner beiden 1931 vorgelegten Unvollständigkeitssätze“ gezeigt, dass der „finitistische Ansatz Hilberts sich bereits auf der elementaren Ebene eines axiomatisierten Systems wie der „Peano-Arithmetik“ nicht zur Durchführung bringen“ lässt. Pfffh, da war schon wieder die Luft aus dem Ballon mit der Aufschrift: „Widerspruchsfreiheit axiomatisierter Systeme mit finiten Methoden“.

Die Strategie des Formalismus für die Lösung des Problems der Widerspruchsfreiheit bestand also meines Erachtens darin, dass er nur noch „Operationen mit mathematischen Symbolen“ zugelassen hat und hierdurch vermeintlich keine „wie auch immer geartete ontologische Verpflichtung“ eingehen musste. Hups, da ist sie wieder unsere „Pippi-Langstrumpf-Strategie“: „Ich mach‘ mir die Welt, wie sie mir gefällt!“

Also: „Schluss mit den Widersprüchen!“ Oder anders ausgedrückt: „Wenn die Axiomatik nur widerspruchsfrei genug ist, klappt es auch mit der Logik“. Paul Bernays hat es einmal folgendermaßen ausgedrückt:

„[A]n axiom system is regarded not as a system of statements about a subject matter but as a system of conditions for what might be called a relational structure […] [On] this interpretation of axiomatics […] logical reasoning on the basis of the axioms is used not merely as a means of assisting intuition in the study of spatial figures; rather logical dependencies are considered for their own sake, and it is insisted that in reasoning we should rely only on those properties of a figure that either are explicitly assumed or follow logically from the assumptions and axioms. (Matthias Neuber, ebd, S. 11)

Na, wenn das nicht auch schon wieder nach der altbewährten „Münchhausen-Strategie“ klingt. Der Formalismus macht sich hier natürlich auch einen „schlanken Fuß“, da er weder eine „reduktive Zurückführung auf die Logik“ beansprucht, noch auf irgendeine „realistische Ontologie“ festgelegt ist, sondern sich einfach nur hinter einer Transkription als Axiomatik von Relationen in Form eines „Begriffsystem uninterpretierter Kalküle“ oder „impliziten Definition durch Axiome“ (Schlick/Hilbert) versteckt.

Der Haken ist nur, dass es „keinerlei Bezug auf eine außerhalb des mathematischen Begriffssystems verortete Realität“ mehr gibt. Sorry, aber was nützt dieses Konzept dann? Wenn man schon einen Fuß in eine rein strukturalistische Betrachtung gesetzt hat, dann kann man doch auch direkt einen Strukturenrealismus verwenden, der wenigstens einen Bezug zur Realität besitzt, so Neubers Meinung, der ich mich ausdrücklich anschließen möchte. Also dann vielleicht doch ein „tertium datur“ in einer mehrwertigen Logik, die auf einem Strukturenrealismus basiert?

 

Strukturenrealismus

Metaphysics, it comes and it goes
Yeah, metaphysics, it comes and it goes
But the content’s in the structure,
And the structure it just grows and grows
So if you wanna have the very best of both worlds
Yeah if you wanna have the very best of both worlds
Come on and give structural realism a whirl.

(„Structural Realism Blues “: Words and music by Professor John Worrall/Alex Voorhoeve and performed by Critique of Pure Rhythm)

Ins Lied hören und zum Thema zurückkommen:

https://soundcloud.com/lsephilosophy/structural-realism-blues-worrallvoorhoeve?utm_source=clipboard&utm_medium=text&utm_campaign=social_sharing

Um die Vorzüge eines strukturenrealistischen Ansatzes als „very best of both worlds“ in diesem metamathematischen Zusammenhang aber besser zu verstehen, muss zunächst einmal der „mathematische Strukturalismus“ als eine metalogische Weiterentwicklung des Ausgangsproblems erläutert werden. Der mathematische Strukturalismus sieht sich nämlich laut einem seiner Hauptvertreter Stewart Shapiro als die ideengeschichtliche Fortsetzung „als ein Korollar zu den Entwicklungem im Kontext des Formalismus“, allerdings mit dem Vorteil mehr Anküpfungspunkte für eine Ontologie auch außerhalb der Mathematik zu bieten.

Allerdings muss hier zunächst einmal terminologisch sauber zwischen den Begriffen „Struktur“ und „System“ differenziert werden. Neuber bezieht sich bei der Definition der Begriffe auf Shapiro und schlägt für den Begriff „System“ vor, dass es sich „um Anordnungen von Objekten handelt, die in bestimmten Relationen zueinander stehen“ und die „Struktur aufzufassen als die abstrakte Form eines Systems, in welcher nur die gegenseitigen Beziehungen der Objekte, nicht aber ihre ‚intrinsischen‘ Eigenschaften eine Rolle spielen.“ Oder in Shapiro plakativen Worten ausgedrückt: „[M]athematics is the science of structure.“ (Neuber, ebd. S. 15) Da hört sich nicht nur schon, wie eine Form des ontischen Strukturenrealismus an, sondern kann auch als solcher gelten, denn:

Michael Resnik, ein anderer Hauptrepräsentant des Strukturalismus, präzisiert:

In mathematics, I claim, we do not have objects with an ‚internal‘ composition arranged in structures, we have only structures. The objects of mathematics,hat is, the entities which our mathematical constants and quantifiers denote, are structureless points or positions in structures. As positions in structures, they have no identity or features outside a structure.“ (Neuber, ebd. S. 15)

Es geht nur noch um die Relation und nicht um die intrinsischen Eigenschaften der Relata, wie er an dem Beispiel der Zahl 7 erläutert, die nur noch ausschließlich durch ihre relationalen Beziehung in der „arithmetischen Struktur“ zu ihren Vorgänger und Nachfolger 6 und 8 individuiert wird und nicht durch irgendeine „intrinsische, ihr ‚an sich‘ zukommende Eigenschaften, wie dies etwa im Platonismus (bzw. Pythagoreismus) vorgesehen ist“. Das „kantische Ding-an-sich“ im „platonischen Ideenhimmel“ wird zu einem relationalen Gefüge in der Struktur eingedampft. Hierbei muss man dann logischerweise irgendwann einmal zwischen zwei Spielarten des mathematischen Strukturalismus unterschieden werden, dem in re-Strukturalismus und dem ante rem-Strukturalismus, da die Relata ja doch irgendwie eine Rolle zu spielen haben, damit dies nicht zu einer „Luftnummer“ wird.

Der „re-Strukturalismus“ (z. B. Geoffrey Hellman) setzt die mathematische Strukturen mit den Systemen, „welche sie jeweils exemplifizieren bzw. instanziierengleich. Mathematische Objekte oder deren jeweilige zugrundeliegenden Strukturen besitzen folglich „keinen eigenständigen ontologischen Status“ mehr. Das „mathematische Gebäude“ stützt sich selber nur noch über die „Systeme als Träger“. Ohne diese würde es in sich zusammenfallen, also ein „structuralism without structures“ (Hellman 1996).

Der „ante rem-Strukturalismus“ (z. B. Stewart Shapiro) ist im Gegensatz hierzu eher „ontologisch affirmativ“. Er lässt durchaus mathematische Objekte als ontologisch relevante Relata zu, die durch die mathematischen Strukturen zuvor erst gebildet werden, d. h. sie wären auch ohne Systeme, die sie exemplifizieren oder instanziieren existent. „Kurz: Bei mathematischen Strukturen handelt es sich um die eigenständige ontologische Basis – und ‚Ermöglichungsinstanz‘ – mathematischer Einzelgegenstände.“ (Neuber, ebd. S. 16)

An dieser Stelle wäre man nun letztendlich dann auch bei dem erwähnten ontischen Strukturenrealismus (OSR) à la Ladyman/French angelangt, der ebenfalls in Form einer eliminativen und nicht-eliminativen Variante in Bezug auf die Relata diskutiert wird (s. „Der Paradigmenwechsel“).

Der Haken an diesem metalogischen Konzept ist allerdings wieder seine metaphysische Letztbegründung möchte man nicht wieder das Geschmäckle eines Platonismus in Form von Strukturen als „erste metaphysische Prinzipien“ bekommen. Shapiro versucht dies natürlich ausdrücklich zu vermeiden, in dem er zum Beispiel das platonistische Konzept der ‚Ideen‘ (bzw. ‚Universalien‘) durch das moderne Konzept der ‚types‘ ersetzt.“ Dieser Versuch stellt allerdings auch nicht mehr als eine quasi-platonistische Ontologisierung des Konzeptes der „types“ dar, also eigentlich nur des „Kaisers neue Kleider“.

Um diese erneute „Platonisierung“ zu vermeiden, schlägt Neuber vor „the very best of both worlds“ aus dem ante-rem-Strukturalismus Shapiros mit dem klasssischen (Hilbertschen) Formalismus zu vereinen:

„und zwar derart, dass die Frage nach dem ontologischen Status mathematischer Objekte von vornherein unter dem Gesichtspunkt des Anwendungsproblems ins Visier genommen wird? Die resultierende mathematikphilosophische Position könnte man mit der Bezeichnung ‚struktureller Formalismus‘ versehen.“ (Neuber, ebd. S. 18)

Dies kommt dem Anliegen gleich dem Hellmanschen „re-Strukturalismus“ wieder etwas mehr „Fleisch in die Töpfe“ zu geben, um nicht wieder die mathematischen Strukturen auf die exemplifizierenden, mathematischen Systeme zu reduzieren.

Das Hauptmotiv Neubers für eine derartige Fusion kann man aber in dem Versuch der Rettung des wissenschaftlichen Realismus sehen, da der Formalismus durch den Strukturalismus eine „Erdung“ erhält, da man hierdurch einen „liberaleren, eher pragmatisch-empirisch motivierten Zugang“ auf die Anwendungsprobleme auch außerhalb der Mathematik erhalten könnte.

Haskell Curry verfolgt ihm zufolge in „Outlines of a Formalist Philosophy of Mathematics“ (1958) bereits ein ähnliches Konzept, bei dem Curry „im Hinblick auf formale mathematische Systeme ganz grundsätzlich zwischen „truth“ und „applicability unterscheidet. Es geht darum, dass mathematisierte wissenschaftliche Theorien nur innerhalb bereichsspezifischer, durch empirische Modelle gesetzter Grenzen gelten“. Aufgrund dieses „Konzeptes der Interpretation“ könnte man eine Beantwortung nach der Frage „der ontologischen Verpflichtung auf bestimmte mathematische Strukturen“ erreichen.

Sorry, aber da muss ich Neuber zum ersten Mal widersprechen, da dies in meinen Ohren einfach nach der alten „Duhem-Rey-Kontroverse“ zwischen Instrumentalismus und Mathematismus, zugunsten des Instrumentalismus klingt. Matthias Neuber hatte hierzu auch bereits einen sehr lesenswerten Essay „Braucht die Theoretische Physik den religiösen Glauben? Neo-Scholastik und Positivismus in der Dritten Republik“, den ich in meinem alten Essay „Von der Physik zur Metaphysik – auf zum Strukturenrealismus“ bereits diskutiert habe.

Hier wie dort würde ich ebenfalls wieder eine etwas elegantere Lösung des Dualismus “Instrumentalismus vs. Mathematismus“ durch einen moderaten, nicht-eliminativen Strukturenrealismus, wie ihn zum Beispiel Michael Esfeld in seinem Buch „Philosophie der Physik“ (2012) beschreibt, vorschlagen. Esfeld versucht hier ebenfalls eine holistische Lösung für die Frage nach der Metaphysik der Physik zu finden. Diesen Lösungsansatz würde ich gerne als Frage nach Metalogik für eine Metamathematik der Mathematik übertragen.

Soll konkret heißen, die mehrwertige Logik, zum Beispiel eines Gotthard Günthers, als „dritten Weg“ des „tertium datur“ für einen strukturenrealistischen Formalismus fruchtbar und anwendbar zu machen. Natürlich stellt dies auch kein „Schweizer Universalmesser“ dar. Ich halte es aber für eine sinnvolle Ergänzung zur klassischen Logik, um komplexe Probleme, wie die Konstitution von Bewusstsein, die Konstruktion von KI, chaotische Systeme, etc. besser mathematisch und formal beschreiben zu können. Und natürlich steckt hier auch wieder eine „Pippi-Langstrumpf“-Strategie meinerseits dahinter. Aber ich bin dann hier mal raus und setze die Segel an meiner „Hoppetosse“ und schippere nach „Takatukaland“ :-).

(c) Dirk Boucsein

Ich bin immer mit meiner „Diogenes-Lampe“ unterwegs, um Menschen zu finden, die sich auch nach ein wenig „Licht der Erkenntnis“ sehnen. Also wenn Ihr eigene Beiträge oder Posts für meinen Wissenschaft-/Philosophie-Blog habt, immer her damit. Sie werden mit Eurem Namen als Autor auf meiner Seite veröffentlicht, so lange sie den oben genannten Kriterien entsprechen. Denn nur geteiltes Wissen ist vermehrtes Wissen.
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Christian Bührig
11 Monate zuvor

Hallo Dirk,

danke für diese schnelle Lieferung des angekündigten Beitrags zur Rolle der Mathematik in Bezug auf eine Ontologie! Und wie immer äußerst amüsant verpackt! Chapeau!

Meine Ambitionen gehen dahin, das Kontinuums-„Gewebe der Wirklichkeit“ im Sinne Einsteins allgemeiner RT als nicht-euklidischen Raum ontologisch begreifen zu wollen. Dies nur noch einmal so hier festgehalten. Ob da Münchhausen mit dem Zopf winkt, oder man sich die Welt so macht, wie sie mir gefällt, nehme ich gern als Warnung mit.

Anmerken mag ich vorerst ich nur zum Thema Platon etwas, auch wenn ich deine Quellen noch lesen müsste:

Platon kann leicht missverstanden werden. Eine Ontologie der Zahl mag noch bei Pythagoras eine Rolle gespielt haben, aber der war auch eher ein Sektenführer (aus meiner Sicht). Heraklit hielt Pythagoras für einen Schwätzer und Platon war wohl von der Schule Heraklits am stärksten beeinflusst. Im Sinne von Heraklit wandelte Platon dann also auf den Spuren der Erforschung des „logos“. Auch die Lehre vom „logos“ kann man leicht missverstehen. Nach meiner Lesart zielt Heraklit wie der Sokrates des Platon darauf ab, bei Streitfällen im Bereich Politik, Ethik, Ästhetik (und ggf. mehr) das menschliche Meinen abzuwerten und eine Wahrheit zu postulieren, die vom Meinen unabhängig sei. Diese Wahrheit zu finden, das sei ein schwieriges Geschäft. Dabei wird eben gerade nicht eine göttliche Sphäre angesprochen, mit „logos“ wird eher ein naturalistischer Weg bestritten, denn es soll sich sozusagen um die Wahrheit handeln, die in die Natur hineingeschrieben ist.

Insofern sind auch Ausdeutungen wohl eher Missverständnisse, dem Platon viel Wahrheitssuche in den Wörtern oder der Sprache anzudichten. Wenn, dann sind das immer Ergründungsversuche, dem „logos“ weiter auf die Spur zu kommen. Das wäre zumindest meine Arbeitshypothese. Und ich bin überzeugt, ein vorsichtiges Lesen von Gadamer, den du zitierst, enthüllt auch diese Hermeneutik, um Platon zu verstehen. (Leider ist meine Lektüre Gadamers schon wieder etliche Jahre her, aber er hatte mich sehr beeindruckt.)

LG, Christian

Dirk Boucsein
Dirk Boucsein
11 Monate zuvor

Hallo Christian,

vielen Dank für Deine äußerst netten Worte und Komplimente.

Ich kenne Deine „Ambitionen“ sehr wohl, lieber Christian, und hege auch die größten Sypmpathien für ein „Kontinuums-„Gewebe der Wirklichkeit“ im Sinne Einsteins allgemeiner RT als nicht-euklidischen Raum“, da Dein quantenfeldtheoretischer Ansatz für mich einer strukturenrealistischen Beschreibung der Wirklichkeit sehr nahe kommt.

Allein „Münchhausens Zopf“ wäre hier noch nicht einmal das Problem, so denke ich. Irgendwie ließe sich vielleicht das gleichnamige Trilemma überwinden. Nur „Pippis Takatukaland“ macht mir hier mehr Sorgen. Die empirische Beweislage für eine poppersche Falsifikation/Verifikation ist meines Erachtens hier auch noch sehr dünne. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Die Wissenschaft braucht nun mal auch „prespektive Perspektiven“ ;-).

Und in wie weit Gadamer, ich oder sonst wer Platon richtig verstanden haben, kann ich nicht beurteilen. Es ist ja leider alles viel zu Fragmentarisch überliefert und ein Video mit Platon noch nicht aufgetaucht. Hier passt auch das oft verwendete Zitat von Alfred N. Whitehaed „Alle abendländische Philosophie ist als »Fußnote zu Platon« zu verstehen.“ Da wird er wohl mal wieder Recht gehabt haben. Da Platon ähnlich wie die Zitate aus der Bibel sehr oft interpretiert, fehl gedeutet und missbraucht worden sind. Und genau in diesen Bereich fällt auch meines Erachtens der Platonismus und Neo-Platonismus mit oder ohne Geometrie/Zahlenlehre.

„Platon [wandelte] dann also auf den Spuren der Erforschung des „logos“ […] das menschliche Meinen abzuwerten und eine Wahrheit zu postulieren, die vom Meinen unabhängig sei.“ Genau, das war ja meine metalogische Kritik, da der „logos“ sich ja selber als „Wahrheits-Instanz“ begründen muss. Und „der Wahrheitswert einer Aussage wird folglich an der korrekten Zuordnung gemessen.“.

„Insofern sind auch Ausdeutungen wohl eher Missverständnisse, dem Platon viel Wahrheitssuche in den Wörtern oder der Sprache anzudichten. Wenn, dann sind das immer Ergründungsversuche, dem „logos“ weiter auf die Spur zu kommen.“ Genau, darum ging es. Keine Ahnung wie viel Wahrheitssuche bei Platon in den Wörtern oder der Sprache steckt.

Der Logos selber besitzt meiner Meinung nach keine ontologische Basis. Ihm fehlt einfach eine Metalogik, weil er schlichtweg schwer zu hintergehen/hinterfragen ist. Daher hege ich die starke Vermutung, dass es sich hierbei ebenfalls wieder um einen anthropozentrischen Perspektivismus handeln könnte. Diesen Gedanken wollte ich einfach einmal ausformulieren und mehr nicht. Beweise dafür oder dagegen gibt es nun einmal nicht. Daher auf nach Takatukaland ;-).

Liebe Grüße

Dirk

maria reinecke
11 Monate zuvor
Reply to  Dirk Boucsein

@ Dirk

*Whitehead – Platon

Lieber Dirk,
Du wirst es mir nachsehen, wenn ich (scheinbar pedantisch) kurz auch an dieser Stelle noch einmal auf die ebenso berühmte wie leider falsch zitierte Whiteheadaussage hinweise, die sich hartnäckig hält, nämlich dass die ganze Geschichte der abendländischen Philosophie nur ‚a few footnotes‘ (ein paar Fußnoten) zu Platon sei…
Dieses ‚Fake-Zitat‘ stammt von C.F. v. Weizsäcker in seinem Buch „Die Einheit der Natur“, München 1979, in dem er tatsächlich Whitehead so zitiert; Whitehead selbst jedoch spricht nicht von „a few footnotes“, sondern von ‚a series of footnotes‘ und hatte keineswegs die (ihm oft unterstellte) Absicht, die Bedeutung der nachplatonischen Philosophie zu schmälern oder gar zu leugnen!
Erlaube mir, dir Gelegenheit zu nutzen und Whitehead selbst in diesem Zusammenhang zu Wort kommen zu lassen:

A.N. Whitehead, ‚Prozess und Realität‘, 1929, stw 690, S. 91 f:
„Die sicherste allgemeine Charakterisierung der philosophischen Tradition Europas lautet, dass sie aus einer Reihe von Fußnoten zu Platon besteht. Damit meine ich nicht das systematische Denkschema, das seine Schüler in fragwürdiger Weise aus seinen Schriften destilliert haben. Vielmehr spiele ich auf den Reichtum an allgemeinen Ideen an, die sich überall in diesen Schriften finden… einer unausschöpflichen Quelle des Ideenreichtums… Wenn ich also die Überzeugung äußere, dass der Gedankengang in diesen Vorlesungen platonisch ist, bringe ich einerseits nur die Hoffnung zum Ausdruck, dass er in die europäische Tradition fällt. Ich meine aber doch mehr: Ich meine, wenn wir Platons allgemeinen Standpunkt mit den Änderungen wiedergeben müssten, die aufgrund der dazwischen liegenden 2000 Jahre menschlicher Erfahrung… notwendig wurden, sollten wir uns um die Konstruktion einer organistischen Philosophie bemühen. In einer solchen Philosophie werden die Wirklichkeiten, die den Prozess der Welt ausmachen, als Veranschaulichung des Eintretens (oder der ‚Teilhabe‘) anderer Dinge interpretiert, die… jeder wirklichen Existenz zugrunde liegen. Die zeitlichen Dinge entstehen aufgrund ihrer Teilhabe an den ewigen Dingen. Zwischen beiden vermittelt etwas, das die Wirklichkeit des Zeitlichen mit der Zeitlosigkeit des Potentiellen verbindet. Dieses letzte Einzelwesen ist das göttliche Element in der Welt, durch welches die starre, unfruchtbare Getrenntheit abstrakter Potentialitäten von Anfang an die effiziente Verbundenheit einer idealen Realisierung erlangt…“ (Zitat Ende)

Im Nachhinein eigentlich schade, dass v. Weizsäcker außer dieser flüchtigen Nebenbemerkung Whiteheads neues erkenntnistheoretisches Denk-Modell in seinem Buch mit keinem Wort erwähnt, obwohl er sich selbst mit erkenntnistheoretischen Problemen zwischen der Quantentheorie und dem Neukantianismus auseinandersetzte…

(s. dazu auch meine Mail v. 15.04.2023)

Danke für den Gewinn bringenden Beitrag.
Gruß aus Berlin

Dirk Boucsein
Dirk Boucsein
11 Monate zuvor
Reply to  maria reinecke

Liebe Maria,

vielen Dank für Deinen Hinweis zu der Quelle des oft zitierten „Whitehead-Zitates“, das wusste ich auch noch nicht, dass Herr v. Weizsäcker hier schon wieder seine „Finger drin hatte“, der taucht in letzter Zeit in diesem Zusammenhang auch sehr häufig auf ;-).

Daher finde ich es sehr positiv, dass Du das besagte Zitat mal in Gänze bringst, da Zitate aus dem Zusammenhang gerissen auch eher entstellt wirken.

Daher greife ich das Zitat von Whitehead gerne auf, da es genau das zum Ausdruck bringt, was ich eigentlich mit meinem Essay transportieren wollte, wenn ich es noch einmal zitieren darf;

„Damit meine ich nicht das systematische Denkschema, das seine Schüler in fragwürdiger Weise aus seinen Schriften destilliert haben. Vielmehr spiele ich auf den Reichtum an allgemeinen Ideen an, die sich überall in diesen Schriften finden… einer unausschöpflichen Quelle des Ideenreichtums…“

Und genau diesen „Ideenreichtum“ (auch ohne seine „Ideenhimmel“) ist es, was ich in der abendländischen Philosophie kritisiere, das „systematische Denkschema, das seine Schüler in fragwürdiger Weise aus seinen Schriften destilliert haben“, welches meines Erachtens nicht fruchtbar war, sondern eher zur Verwirrung angestiftet hat, da nun das „Ding-an-sich“ (Ontologie) von dem „Erkenntnisprozess“ (Epistemologie) zu unterscheiden war. Diesen Dualismus hat Whitehead meines Erachtens zu heilen versucht. Fernöstliche Philosophien haben übrigens diesen Hiatus nicht mit gemacht, daher wirken sie ein wenig holistischer, ohne dies auf- oder abwertend zu meinen.

Daher „sollten wir uns um die Konstruktion einer organistischen Philosophie bemühen“, absolut d‘ accord. Daher mache ich auch gerne mit, wenn er sagt: „In einer solchen Philosophie werden die Wirklichkeiten, die den Prozess der Welt ausmachen, als Veranschaulichung des Eintretens (oder der ‚Teilhabe‘) anderer Dinge interpretiert, die… jeder wirklichen Existenz zugrunde liegen.“

Das ist für mich der wahre Kern einer Ontologie, wenn es sie zumindest aus unserer Sicht geben sollte. Daher wird im Deutschen im Gegensatz zum Englischen auch fein säuberlich zwischen „Realität vs. Wirklichkeit“ unterschieden, was auch Sinn macht.

Daher macht es auch Sinn, wenn er weiter schreibt: „Dieses letzte Einzelwesen ist das göttliche Element in der Welt, durch welches die starre, unfruchtbare Getrenntheit abstrakter Potentialitäten von Anfang an die effiziente Verbundenheit einer idealen Realisierung erlangt…“

Ob jetzt mit „göttlichen Element in der Welt“ oder ohne sei jedem persönlich anheim gestellt, allerdings ist kann diese Perspektive aus meiner Sicht nicht über- oder hinterschritten werden. Aber wie gesagt, dies ist nur eine Frage der „Perspektive“.

Liebe Grüße

Dirk

maria reinecke
11 Monate zuvor
Reply to  Dirk Boucsein

@Dirk Boucsein

…. dann hat sich das Abtippen ja gelohnt :), danke, Dirk, für deinen feinen Kommentar!

Bermd-Jürgen Dr.Stein
Bermd-Jürgen Dr.Stein
11 Monate zuvor

Hallo Dirk,

das ist natürlich ein unnachahmlicher Beitrag zur Ontologie des Seins, so schön geschrieben, dass ich in einer Hamburger Stehkneipe beim Lesen alles um mich herum vergessen habe.

Diese Ontologie umfasst auch abstrakte Gegenstände wie Zahlen und die Relationen zwischen ihnen. Von der Philosophie der abstrakten Gegenstände habe ich so gut wie keine Ahnung. Aber mit dem Begriff der Relationen habe ich mich befasst, zum Beispiel mit der Frage, ob physikalische Relationen außerhalb von Raum und Zeit denkbar sind (Antwort: ich glaube nicht). Nun gibt es auch Relationen zwischen Abstrakta, das sind Objekte mit einem anderen Realstatus als die physikalischen Objekte, und ich glaube, der Strukturenrealist muss sagen, ob er sich nur die Strukturen der äußeren gegenständliche Welt bezieht, oder ob er die Strukturen betrachtet, die von a l l e n Gegenständen, physikalischen und abstrakten, gebildet werden. Das Wort „Realismus“ läßt ja ahnen, dass die physikalische Realität gemeint ist, hier bin ich aber nicht sicher. Wer behauptet, Mathematik ist Struktur, muss sagen, welche Struktur er meint, die zwischen den mathematischen Symbolen (2+2=4), oder den Symbolen und dem, was sie repräsentieren oder beschreiben (4 als vier mal etwas Einziges).

Aber es geht ja um noch tiefere Strukturen, nämlich welche Ordnung sie ermöglicht, und da kann man über die Logik, die Relationen und die ens per se ganz schnell noch tiefer gehen – bis ganz unten hin, auf dem Grunde allen Seins, wenn es da überhaupt etwas gibt, was zu erkennen ist, dann gibt es dort als Erstes und Unhintergehbares den Unterschied. Alles anderes manifestiert sich als unterschiedliche Unterschiede, also differenziert sich auf in Art und Grad, aber tiefer kann man wohl nicht gehen. Die Welt ist dann wohl entstanden, als es den ersten Unterschied gab, den zwischen Möglichem und Wirklichem.

Ich denke, man kriegt diesen „Unterschied“ mit dem Logos semantisch und ontologisch zu fassen und zwar n u r mit ihm. Unterschied und Logos zusammen bilden die Fundamente der gegenständlichen und nicht-gegenständlichen Welt, behaupte ich jetzt man ungeniert in blinder Naivität ohne weitere Kenntnis der Zusammenhänge. Weizäcker hat versucht die theoretische Physik auf die Ure 0 und 1 zu gründen, eine digitale Alternative, aber er brauchte die Zeit als vorgängige Entität, und damit macht das aus meiner Sicht keinen Sinn. Aber die Zeit ist auch nur eine Anordnung von Unterschieden (unterschiedliche zeitliche Abstände), so wie der Raum (unterschiedliche räumliche Abstände), also schon eine Konkretisierung von Unterschieden, also schon ein höheres Muster.

Unterschied hat übrigens den Nicht-Unterschied als dialektisches Gegenüber, das ist die Strukturlosigkeit (dafür gibt es ein anders Wort: das NICHTS).

Na ja jetzt drifte ich in metaphyische Grauzonen ab und ich hör jetzt mal auf. Aber immerhin können wir uns über Fundamentalitäten unterhalten, so wie die alten Griechen, und wäre Platon anwesend könnten wir ihm sagen, so klug wie Du sind wir schon lange, aber viel klüger auch wieder nicht.

Grüße Bernd

Dirk Boucsein
Dirk Boucsein
11 Monate zuvor

Hallo Bernd,

vielen Dank für Deine sehr netten Worte und das freut mich sehr, dass ich Dich in Deiner „Hamburger Stehkneipe“ ablenken konnte ;-).

Du legst mal wieder den „Finger in die Wunde“. Es geht um die Ontologie, von was auch immer, und es geht auch mal wieder darum, wie real der Strukturenrealismus sein kann.

Ich rolle mal das Ganze im Gegensatz zu meinem Essay von hinten rum auf. Wenn ich mich hier selbst zitieren darf: „Hier wie dort würde ich ebenfalls wieder eine etwas elegantere Lösung des Dualismus “Instrumentalismus vs. Mathematismus“ durch einen moderaten, nicht-eliminativen Strukturenrealismus, wie ihn zum Beispiel Michael Esfeld in seinem Buch „Philosophie der Physik“ (2012) beschreibt, vorschlagen. Esfeld versucht hier ebenfalls eine holistische Lösung für die Frage nach der Metaphysik der Physik zu finden. Diesen Lösungsansatz würde ich gerne als Frage nach Metalogik für eine Metamathematik der Mathematik übertragen.“

Die Idee besteht also folglich lediglich darin, den „Dualismus ‚Instrumentalismus vs. Mathematismus‘ durch einen moderaten, nicht-eliminativen Strukturenrealismus“ methodisch von mir aus auch epistemisch zu überbrücken. Von der „Ontologie eines Strukturenrealismus“ ist hier noch gar keine Rede. Du hattest Deine Einwände bezüglich der „Ontologie eines Strukturenrealismus“ ja bereits in Deinem Gastbeitrag „Stellungnahme zu den strukturenrealistischen Überlegungen in der Physik“ auf den Punkt gebracht:

„Der Strukturen-Realist behauptet, dass physikalische Theorien auf Strukturen referieren, und sich das aus den physikalischen Theorien abgeleitete Wissen nicht auf gegenständliche, sondern strukturelle Entitäten bezieht. Dieser „Strukturen-Realismus“ (SR) existiert dann in verschiedenen Formen (ontischer und epistemischer SR, diese auch noch in verschiedenen Spielarten !?). Gemeint sind mit Strukturen wohl eine additive (oder multiplikative?) Menge von Relationen, die „Schnittpunkte“ oder „Relata“ miteinander „verbinden“. Es scheint wohl ein Problem zu sein, wenn die Relata gleichartig bzw. „identische Objekte“ sind, wobei aber nicht immer klar ist, ob es sich bei den Relata um bloße „Schnittpunkte“ handelt, oder „unerkennbare Dinge an sich“, oder „Dinge mit intrinsischen Eigenschaften“, oder Dinge mit „von den Relata bestimmten Eigenschaften“.

Ich hatte Dir hierauf ja auch noch nicht explizit geantwortet, ganz einfach da ich einen ontischen Strukturenrealismus, besonders in der eliminativen Form (ohne Relata) auch für ein schwer zu realisierendes Konstrukt halte.

Damit kommen wir zu dem Anfang der Ontologie zurück. Ich weiß nicht, je mehr ich mich mit den „letzten, unhintergehbaren Begründungen“ beschäftigen oder wie Du es formuliert hast:

„Aber es geht ja um noch tiefere Strukturen, nämlich welche Ordnung sie ermöglicht, und da kann man über die Logik, die Relationen und die ens per se ganz schnell noch tiefer gehen – bis ganz unten hin, auf dem Grunde allen Seins, wenn es da überhaupt etwas gibt, was zu erkennen ist, dann gibt es dort als Erstes und Unhintergehbares den Unterschied.“

…desto mehr finde ich dort „auf dem Grunde allen Seins, wenn es da überhaupt etwas gibt, was zu erkennen ist“ leider nichts zu erkennen außer Strukturen, die von mir aus auch erst durch den „Unterschied“ entstehen, aber nur weil ich sie unterscheide und nicht weil es sie ohne das Forscher-Subjekt gibt.

Ich befürchte leider, dass wir die Ontologie oder den Sinn leider selber hinein legen, weil es sonst ein „Ab-grund“ wäre. Denn, wie Du richtig schreibst „Unterschied hat übrigens den Nicht-Unterschied als dialektisches Gegenüber, das ist die Strukturlosigkeit (dafür gibt es ein anders Wort: das NICHTS).“ Das wäre für uns noch viel schlimmer zu ertragen 😉

In diesem Sinne
liebe Grüße

Dirk

Wolfgang Stegemann
Wolfgang Stegemann
11 Monate zuvor

Hallo Dirk,
kurze Frage: ist die Mathematik ein Instrument oder hat sie eine Ontologie?

Dirk Boucsein
Dirk Boucsein
11 Monate zuvor

Hallo Wolfgang,

vielen Dank für Deine Frage, auf die ich allerdings auch keine letztgültige Antwort habe, aber um es mal kurz zu beantworten, würde ich sagen: beides (allerdings in einem unterschiedlichen Sinne ;-).

Die Mathematik ist meines Erachtens ein hervorragendes Instrument, sozusagen das „Schweizer Universalmesser“ um logische Probleme zu lösen. Wobei man allerdings bei „logischen Problemen“ auch schon mal etwas hellhörig werden müsste, da manchmal der „Gral des Logos“ als „Goldstandard“ gewählt wird. Kann man, um mit Brouwer zu sprechen, nicht auch einfach auf seine Intuition hören und Probleme lösen?!?

Die Mathematik besitzt meines Erachtens auch eine Ontologie, allerdings keine im philosophischen Sinne als unhintergehbare Seinsbegründung, sondern mehr im Sinne einer epistemischen vorgeschobenen Begründung.

„Es geht nur noch um die Relation und nicht um die intrinsischen Eigenschaften der Relata, wie er an dem Beispiel der Zahl 7 erläutert, die nur noch ausschließlich durch ihre relationalen Beziehung in der „arithmetischen Struktur“ zu ihren Vorgänger und Nachfolger 6 und 8 individuiert wird und nicht durch irgendeine „intrinsische, ihr ‚an sich‘ zukommende Eigenschaften, wie dies etwa im Platonismus (bzw. Pythagoreismus) vorgesehen ist“.

Das „kantische Ding-an-sich“ im „platonischen Ideenhimmel“ wird zu einem relationalen Gefüge in der Struktur eingedampft. Hierbei muss man dann logischerweise irgendwann einmal zwischen „zwei Spielarten des mathematischen Strukturalismus unterschieden werden, dem in re-Strukturalismus und dem ante rem-Strukturalismus“, da die Relata ja doch irgendwie eine Rolle zu spielen haben, damit dies nicht zu einer „Luftnummer“ wird.“

Also um es kurz zu machen. Ich denke, wir Menschen legen da eine „Ontologie“ in die Mathematik hinein, die nicht per se als „kantische Ding-an-sich“ vorhanden ist.

Wie gesagt, mit der Ontologie bin ich momentan ein wenig „auf dem Kriegsfuß“. Um es mit Einstein zu sagen, der in einem Brief an seinen Freund, den Physiker Max Born schreibt :

„Die Theorie liefert viel, aber dem Geheimnis des Alten bringt sie uns nicht näher. Jedenfalls bin ich überzeugt, dass der nicht würfelt.“

„Das Gott nicht würfelt“, wäre auch noch mehr eine weitergehende Betrachtung wert, die Du in Deinem „Determinismus – Indeterminusmus“-Artikel bereits angedeutet hattest „Determinismus ist relativ und abhängig von der Perspektive des Beobachters.“

Und der „Beobachter“ sind nun einmal zuerst einmal wir, daher spreche ich in diesem Sinne gerne von einem anthropozentrischen Perspektivismus.

In diesem Sinne und
liebe Grüße

Dirk

Bermd-Jürgen Dr.Stein
Bermd-Jürgen Dr.Stein
11 Monate zuvor

Hallo Dirk,

ja auf dem Grund alles Seins ist der Unterschied. Aber dieser definiert eine Ontologie, bestehend aus Struktur und innerer Logik, denn wenn sich etwas unterscheidet, dann gibt es das Eine und das Andere und das Eine ist ungleich dem Anderen, und zwischen dem Einen und dem Anderen existiert eine Beziehung, die das Eine als etwas anderes als das Andere definiert, und zwar nur so und nicht anders. Denn: gäbe es nur das Eine (ohne das Andere), wäre es nicht zu erkennen, weil das Eine eben nur dadurch definiert ist, das es anders ist als das Andere, und somit ohne das Andere keine Definition hätte. Es muss also eine Zweiheit geben, das ist die innere Logik der Erkenntnis, gäbe es nur Eines, wäre es nicht erkennbar. Somit siehst Du auf dem Grund allen Seins das Richtige: das Eine und das Andere und die ihnen eigene Beziehung zueinander, die sie als jeweils anderes definiert. Das Eine und das Andere haben keine intrinsischen Eigenschaften, sondern sind durch die Beziehung definiert. Und macht man beide gleich, ist der Unterschied weg: das Eine und das Andere ist weg und auch die Beziehung zwischen ihnen. Es ist nur noch das Eine da, das nicht erkennbar ist. Das steckt also eine Logik drin, und dieser elementare Unterschied (der Erste Unterschied) lässt sich mathematisch beschreiben. Wie wäre es, wenn die Mathematik die innere Logik dieser Zweiheit beschreibt, also der Logik vorangeht, und nicht umgekehrt? Und wieso ist dieses elementarste aller Szenarien überhaupt formalisierbar? Kommt die Formalisierbarkeit aus unserem Kopf (Denlen), oder steckt sie in der Ontologie selbst drin? Vielleicht ist diese Frage müßig, weil – sobald man eine Zweiheit und einen Unterschied hat – bereits daraus alles hervorgeht: zwei Einheiten, Unterschied, Beziehung, Ordnung, Logik und Formalisierbarkeit, alles emergiert auf einmal und ist plötzlich da. Ja, wenn sich zwei Möglichkeiten aus der Allmöglichkeitsmenge realisieren, zwei Einheiten Wirklichkeit entstehen, dann ist das alles schon einem Mal da. Warum nicht ?

Grüße Bernd

Christian Bührig
11 Monate zuvor

Sehr antik philosophisch gesprochen, Bernd.Platon lässt grüßen.

Tasächlich sehe ich nur in einem Kontinuum (also ein Eines, ein ununterbrochnes Ganzes, das Sein) seit den Doppelspaltexperimenten den einzigen Ausweg, um nicht in die Probleme zu geraten, die ein Atomismus (Unteilbares und Leere) dem Denken aufzwingt. Ein „fluider“ Urgrund (Thales / Anaximander / Anaximenes) kann es in unterschiedlichen Stärken (Feldintensitäten) geben. Damit kommen im Einen Unterschiede hinein, ohne die Einheit zu verlieren.

Eine einheitliche Feldtheorie ist die moderne Variante dieser Ontologie.

(Damit meine ich nicht eine Quntenfeldtheorie, Dirk)

Grüße
Christian

Wolfgang Stegemann
Wolfgang Stegemann
11 Monate zuvor

Hallo Dirk,
danke für deine „kurze“ Antwort. Ich frage nur, weil du an anderer Stelle schreibst:
„Ich zweifele ebenso wie Sie an einem ontologischen Status der Mathematik, da ich sie auch nur für das „Mittel zum Zweck“ oder einen Instrumentalismus halte.“ (aus einem deiner Kommentare zu „Eine strukturierte Geschichte der Zeit).

Das schließt für mich jede Ontologie und damit jede Metamathematik aus (sofern sie nicht auf die Geschichte der Mathematik beschränkt ist). Es wäre sonst so, als würde ich meinen Zollstock ontologisieren und fragen, ob die Zahl sieben ein Objekt auf dem Zollstock ist oder ein Relata. Nicht die Mathematik ist Träger oder Gestalter von Objekten oder Relata, sondern die Realität.

Ich denke, man schiebt hier wissenschaftstheoretische Positionen in die Mathematik hinein, die dort nichts zu suchen haben. Logik scheint mir menschengemacht – natürlich als Anpassung an eine sich ‚logisch‘ entwickelnde Welt (Universum), mehr aber nicht.

Dirk Boucsein
Dirk Boucsein
11 Monate zuvor

Lieber Wolfgang,

vielen Dank für Deine Rückmeldung, auf die ich in aller „Kürze“ zu antworten versuche, was mir natürlich mal wieder nicht gelingen wird ;-).

Richtig, genau das habe ich geschrieben und genau so meine ich das auch: „Ich zweifele ebenso wie Sie an einem ontologischen Status der Mathematik, da ich sie auch nur für das „Mittel zum Zweck“ oder einen Instrumentalismus halte.“ (aus einem deiner Kommentare zu „Eine strukturierte Geschichte der Zeit).

Das hatte ich Dir ja auch schon geschrieben, daher zitiere ich auch nch einmal aus meiner Antwort an Dich: „Die Mathematik ist meines Erachtens ein hervorragendes Instrument, sozusagen das „Schweizer Universalmesser“ um logische Probleme zu lösen.“ (Sic! Instrumentalismus) […] „Die Mathematik besitzt meines Erachtens auch eine Ontologie, allerdings keine im philosophischen Sinne als unhintergehbare Seinsbegründung, sondern mehr im Sinne einer epistemischen vorgeschobenen Begründung. (Sic! Ontolgie).

Genau das kritisiere ich doch in meinem Essay, dass die Mathematik aus meiner Sicht (nur) eine epistemisch vorgeschobenen Begründung besitzt, die Logik. Daher die Fragezeichen und Ausrufezeichen hinter dem „ist doch metalogisch?!?“

Wenn ich dies auch noch einmal ein wenig konzilianter ausdrücken darf, gebe ich Deiner Position absolut Recht, wenn Du schreibst „Logik scheint mir menschengemacht – natürlich als Anpassung an eine sich ‚logisch‘ entwickelnde Welt (Universum), mehr aber nicht.“ Genau, das wollte ich ausdrücken mit dem „anthropozentrischen Perspektivismus“ (sorry, ich wiederhole mich ;-).

Dies hatte ich Dir auch schon einmal in einer Antwort zu Deinem Kommentar zu „Gastbeitrag von Yervant Kulbashian: „Der grüne Schwan – Über die Nützlichkeit der Logik in der KI“ – Teil 1“ geschrieben:

„Du verweist darauf, das „Logik gerne als Weltprinzip verstanden[wird], ähnlich dem Hegelschen Weltgeist. Dass sie eigentlich nur eine Reaktion auf soziale Regeln ist, hat Yervant, wie ich finde, schön dargestellt.“ Das kann ich Dir ehrlich gesagt nicht mit der Sicherheit sagen. Wenn wir allerdings eines Tages mal „Post von den Aliens“ bekommen, die wir mit dem „Satz des Pythagoras“ auf der Voyager-Sonde und mit der „Arecibo-Botschaft“ kontaktiert haben, wissen wir zumindest, dass die „Logik“ vielleicht doch nicht nur eine „Reaktion auf soziale Regeln“ ist; oder aber, dass diese die gleichen haben;-). Bis dahin würde ich eher vom „Ignoramus“ und nicht vom „Ignorabimus“ ausgehen.“
Bis dahin bleibt es leider erst einmal abzuwarten.

Liebe Grüße

Dirk

maria reinecke
11 Monate zuvor

@ Philo Sophies @ Wolfgang Stegemann @Philipp @Christian Bührig @Bernd-Jürgen Dr. Stein @Torsten Hesse
@Dr. Bernhard Weßling @ Roswitha Steffens @Dirk Boucsein

Mit großem Interesse und (Er)Kenntnisgewinn verfolge ich weiterhin die beeindruckende Diskussion mit den detailliert-fundierten Argumenten und Gegenargumenten; wie im Kultur-/Akademiebetrieb allgemein zwischen Philosophen/Wissenschaftlern, zeichnen sich auch hier z.T. Entfernung und (fast) Kommunikationslosigkeit verschiedener Denkrichtungen ab.
Im wissenschaftlichen Normalfall können Meinungsgegensätze Stachel zum Fortschritt, Anreiz zur Verbesserung der Argumente führen mit der Hoffnung auf Übereinstimmung am Ende.
In philosophischen, erkenntnistheoretischen Diskussionen dagegen laufen Argumente und Gegenargumente mit jeweils anderer Ausgangsbasis oder anerkannten Denkmethoden leider oft ins Leere. Es bleibt zwar noch ein gewisser Mitteilungszusammenhang, aber ohne wechselseitiges Verständnis bzw. ohne Offenheit/Bereitschaft für ein solches: jeder verharrt gern in seiner Terminologie, in seinem Denkmuster; der eine weiß nicht mehr, was der andere eigentlich meint bzw. sieht auch keinen Sinn mehr in dem, was der andere sagt; gesteht ihm aber immerhin noch wohlwollend zu, dass er auch nach Erkenntnis strebt.
Die totale Kommunikationslosigkeit wäre erreicht, wenn selbst die Art der Beschäftigung des anderen zum Rätsel wird; wenn man nicht nur nicht mehr weiß, was der andere meint, sondern nicht einmal mehr zu sagen vermag, was diese Tätigkeit, die der andere als ‚Philosophie(ren)‘ bezeichnet, überhaupt sein soll…etc.

Umso mehr ist den leidenschaftlich „Wahrheitssuchenden“ mit ihren sorgfältig erarbeiteten philosophischen/wissenschaftlichen Blogs – abseits vom etablierten selbstverliebten Akademiebetrieb – wie: ‚philosophies‘, ‚Akademie Olympia‘, ‚Die Großen Fragen‘ und vielen anderen zu danken: geben sie doch großzügig Raum und Gelegenheit für eine offene, inspirierende, möglichst wachsende, zugewandte Kommunikation.

Impuls-Gedankensplitter:
Ich frage mich z.B., warum angesichts der tatsächlich ‚merkwürdigen‘ Verhaltensweisen von Elementarteilchen eine rigorose Zweiteilung der Welt in eine „verständliche Klassische Physik“ hier – und eine „unverständliche Quantenphysik“ dort heraufbeschwört werden muss?

Warum können wir nicht für möglich/wahrscheinlich halten oder gar anerkennen, dass die überraschenden Erkenntnisse aus der Quantenphysik/Quantentheorie/Quantenmechanik eine ERWEITERUNG naturwissenschaftlichen/physikalischen Denkens eröffnen und nicht etwa seine Widerlegung oder gar Aufhebung von Naturgesetzen voraussetzt, die die klassische Physik so wunderbar formuliert?

Warum nicht in den offenen, befreienden Denkmodus der Großen gehen, wenn sie angesichts der letztlich unergründlichen Natur reflektieren, spekulieren, Beobachtungen machen, über ihre eigenen Forschungsergebnisse staunen, nachsinnen, sie in Frage stellen, neu denken, neu einordnen, (und wenn schon Kant, dann auch seinem Aufruf, seiner Ermutigung an uns folgen: selbst zu denken, dogmatische Muster, Methoden, Terminologien zu überwinden!).

Nehmen wir Albert Einstein und Leopold Infeld, die sich in einem solchen wünschenswert kreativen offenen Denkmodus befinden, als sie in ihrem Buch ‚Die Evolution der Physik‘ (Rowohlt 1987) schreiben: angesichts der Erkenntnisse der modernen Physik, in der es nicht mehr um das Verhalten von Körpern gehe, sondern um das zwischen ihnen Liegende, bedürfe es großer gedanklicher Kühnheit anzuerkennen, dass „das Verhalten des Feldes (im Dazwischen, M.R.) für die Ordnung und das Verständnis der Vorgänge maßgebend sein könnte“.

Seien wir ein wenig kühn: Wenn es nicht mehr klassisch physikalisch um exakt lokalisierbare, definierbare statische Körper/Dinge geht, die sich genau so und so verlässlich verhalten, sondern um Ereignisse wie ‚Elementarteilchen‘, dann dürfen wir nicht erwarten, dass diese mit den Begrifflichkeiten der Klassischen Physik beschrieben werden können. Es bedarf einer ERWEITERUNG des Begriffs- und Denksystems…, nicht wahr?

Wolfgang Stegemann
Wolfgang Stegemann
11 Monate zuvor
Reply to  maria reinecke

👍

Dirk Boucsein
Dirk Boucsein
11 Monate zuvor
Reply to  maria reinecke

Liebe Maria,

vielen Dank für deinen metakommunikativen Input, den ich mich anschließen kann.

Dieses Phänomen der „Kommunikationslosigkeit“ beobachte ich auch schon seit Längerem vielerorts. Meines Erachtens hat es mit einem Mangel zu tun, zunächst einmal die Position des Kommunikationspartners zu übernehmen und erst dann seine gegenteilige Meinung kund zu tun. Der erste Schritt wird meist durch den zweiten Schritt übergangen.

Aus diesem Grunde versuche ich in meinen Kommentaren zunächst einmal die Position des Kommunikationspartners wiederzugeben oder zu zitieren, um sie erst dann in einem zweiten Schritt zu widerlegen oder zu zustimmen. Ob das gelingt, sei natürlich dahin gestellt. Ich bin mir aber der Unzulänglichkeit meines sprachlichen Ausdrucks immer bewusst, da ich nie genau weiß, wie meine Nachricht „rüberkommt“.

Wenn ich hier meinen Kommentar zu Bernds Kommentar aus „Eine strukturierte Geschichte der Zeit“ nocheinmal zitieren darf:

„Ja, ja das ist das Schöne und das Schreckliche an der Sprache, dass sie so mehrdeutig sein kann, das wäre vielleicht auch noch einmal einen Essay wert. Ich glaube aber, dass zu diesem Thema eigentlich auch schon alles gesagt worden ist. Daher lasse ich einfach mal ein paar Philosophen (besonders der alters-/sprachmüde ? Ludwig Wittgenstein und konstruktivistische Sprachwissenschaftler wie Paul Watzlawick zu „Sprache & Wirklichkeit“ zu Worte kommen, auch wenn die Zitate schon sehr „abgedroschen“ sind:
Ludwig Wittgenstein:
„Alles, was überhaupt gedacht werden kann, kann klar gedacht werden. Alles, was sich aussprechen lässt, lässt sich klar aussprechen.“ (Satz 4.116)
„Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“ (Satz 7)
„Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache.“
„Wir fühlen, dass, selbst wenn alle möglichen wissenschaftlichen Fragen beantwortet sind unsere Lebensprobleme noch gar nicht berührt sind.“
„Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“ (Satz 5.6)
„Alle Philosophie ist Sprachkritik.“
„Die Philosophie ist ein Kampf gegen die Verhexung unseres Verstandes durch die Mittel unserer Sprache.“
Paul Watzlawick:
„Gerade die Gemeinsamkeit der Sprache erzeugt die Illusion, dass der Partner die Wirklichkeit selbstverständlich so sehen muss, wie sie ist – das heisst, wie ich sie sehe.“´(aus: Vom Schlechten des Guten)
„Jeder meint, dass seine Wirklichkeit die wirkliche Wirklichkeit ist.“
„Wie man an die Wirklichkeit herangeht, ist für das ausschlaggebend, was man finden kann.“
„Die wichtigste Erkenntnis jedoch ist, dass es zwei Arten von Wirklichkeit gibt: 1. die Wirklichkeit experimenteller, wiederholbarer Nachweise; 2. das, was diese Tatsachen für uns bedeuten. Im Bereich der „Wirklichkeit zweiter Ordnung“ ist es absurd, darüber zu streiten, was „wirklich“ ist. Die Vermischung dieser beiden Wirklichkeitsbegriffe führt zu der Wahnidee, man müsse andere zu der eigenen „Wirklichkeit“ bekehren.“
Sorry für die Zitathäufung, aber ich finde dass hier viel Wahres (kein Anspruch auf Wahrheit) drin steckt. Daher muss man, denke ich eher „altersmüde“, auch mal die andere Position einfach mal so stehen lassen und an der anderen Sichtweise erfreuen. Daher heißt diese Seite auch nicht umsonst „Freunde der Philosophien“.

Daher kann ich mich Deinem Aufruf nur anschließen: „Warum nicht in den offenen, befreienden Denkmodus der Großen gehen, wenn sie angesichts der letztlich unergründlichen Natur reflektieren, spekulieren, Beobachtungen machen, über ihre eigenen Forschungsergebnisse staunen, nachsinnen, sie in Frage stellen, neu denken, neu einordnen,“

Let’s Rock’n Roll in der „ERWEITERUNG des Begriffs- und Denksystems!“

Liebe Grüße nach Berlin

Dirk

Bermd-Jürgen Dr.Stein
Bermd-Jürgen Dr.Stein
11 Monate zuvor
Reply to  maria reinecke

Hallo Frau Reinicke, Ihr Aufruf ist ja gut gemeint, aber er führt mich schnurstracks in ein Dilemma. Erweitertes Denken erfordert das Ausmerzen meiner Vorurteile. Aber die liebe ich nicht nur von Herzen, sie geben mir auch Halt und Ordnung in der Unübersichtlichkeit. Ohne Vorurteile kann ich mir nicht sicher sein. Die Kühnheit gar, etwas Neues zu denken, kann ich ohne Vorurteile nicht entwickeln. Ohne Vorurteile versinke ich im Zweifel über wahr und unwahr, und kann Machthabern und Meinungsmachern nicht widersprechen. Wieviel Vorurteil also wollen Sie mir lassen? Also ein bisschen brauche ich diese, und die bellen ganz fürchterlich, wenn einer ankommt, um sie mir wegzunehmen. Außerdem: wie schön ist es, wenn der Verstand sagt: du irrst, aber das Gefühl: du irrst nicht – wie bei einer vergeblichen Liebe, Überfordern Sie mich bitte nicht. Meine Vorurteile jedenfalls gebe ich nicht so einfach her.
Vor allem: ohne Vorurteile wäre diese Diskussion auch nicht besonders interessant, nur nüchternes Palaver. Also Sie haben in allem Recht ! Nur in einem nicht: Einfach kühn zu sein, und los gehts. Das funkt nicht.
Grüße Bernd

Christian Bührig
11 Monate zuvor
Reply to  maria reinecke

Hallo Maria,

ich picke mir jetzt nur, am Smartphone antwortend, die letzten Töne heraus: Karl Raimund Popper hat aus meiner Sicht zu Recht herausgearbeitet, dass die Glaubensbekenntnisse der Kopenhagener Deutung keine ERWEITERUNG sind, sondern ein gefährlicher Rückschritt, raus aus den Grundsätzen des (kritischen) Rationalismus.

Daher mag es eher der aktuelle Konsens sein, dass wir es mit einer positiven Erweiterung zu tun haben könnten, – aber ein Denker im Sinne der Wissenschaftstheorie nach KRP wird sich gegen diesen Strom stellen und eine Gefahr für die Wissenschaft verorten, wenn zu sehr betont wird, dass das Nicht-Rationale, das Nicht-Verstehbare, die höhere Weisheit darzustellen beanspruchen darf. Und dem Realisten entgegengeschmettert werden darf: Du bist naiv, die Wahrheit ist höher als dein Affenhirn es sich denken kann!

Und das auch noch auf den Schultern von Kant: Ist nicht gerade die Einsicht in die Fesseln des menschlichen Verstandes fast eine Aufforderung, mehr Wahrheit jenseits der Fesseln vermuten und erwarten zu dürfen?!

LG, Christian

Bermd-Jürgen Dr.Stein
Bermd-Jürgen Dr.Stein
11 Monate zuvor

Hallo Christian,

ich habe die gleiche Intuition, wie Du, die mir sagt, Teilchen oder eine Substanzontologie können nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Andererseits möchte ich nicht von Feldern als fundamentale Entitäten sprechen, weil damit sofort physikalische Felder assoziiert werden, die nur unbestimmt sind, und von denen wir nicht sinnvoll sprechen können. Du denkst ja auch an ein Kontinuum oder an ein Ganzes (Holismus), das sich verkörnen kann, und Strukturen bildet, Dirk spricht direkt von realen Strukturen. Ich hatte ja schon in einem anderen Beitrag meine Meinung zu Strukturen geäußert, nämlich dass Relata und Relationen eine Einheit bilden müssen (und dann wiederum eine Substanzontologie der anderen Art darstellen), und dass niemals Gegenstände mit intrinsischen Eigenschaften die Ontologie dieser Welt verkörpern können, wie viele Physiker annehmen.

Aber aus all den verschiedenen Vorstellungen der Philosophen und der Physiker, die hier und anderswo geäußert werden, kann doch eine Synthese gemacht werden. Die Physiker behaupten, es gäbe im Kleinsten Wellen und Teilchen, was als Modell hilfreich ist, aber die Realität nicht abbildet. Aber die Realität könnte darin bestehen, das auf der kleinsten Ebene eben Beziehungen und Relationen zwischen den vorhandenen Gegenständen viel stärkeres „Gewicht“ haben, bezüglich der „Ausgestaltung“ der dort vorhandenen Realität, dass es im subatomaren Bereich eben ein sehr „starkes“ Beziehungsgeflecht gibt, viel stärker, als im meso- und makroskopischen Bereich. Das ist zumindest plausibel. Teilchen und Wellen wären dann keine Objekte im üblichen Sinne, sondern man könnte sie als Störungen in diesem Beziehungsgeflecht ansehen, die notwendigerweise propagieren. Manche Störungen breiten sich dann von einem Punkt raumartig nach allen Seiten aus und propagieren wie Wellen. Andere Störungen propagieren anders, eben punktförmig längs Einschnürungen oder Bahnen innerhalb dieses Beziehungsgefüges. Das ist zumindest eine Vorstellung, die uns alle mit dem unverständlichen Welle-Teilchen-Dualismus versöhnt, diese Ontologie der Störungen des holistischen Beziehungsgeflechts wäre bestimmt sinnvoll beschreibbar, und kann vielleicht widerspruchsfrei ausformuliert werden.

Ich komme deshalb auf diese Idee zurück, um zu zeigen, dass es mehr Deutungen der Mathematik und der Experimente gibt, als die Physiker auf ihrem Tapet haben. Außerdem hatte ich vorgeschlagen, dass das Begriffsinvtentar der Physik erweitert werden sollte, um der Unbestimmtheit einen Begriff zu geben (zum Beispiel mit dem Begriff der Möglichkeit). Darüber hinaus kann man auch die Mathematik als Beschreibung des Möglichen ansehen und nicht als Beschreibung der Realität, also die Idee, die modalen Welten zu den physikalischen Welten hinzuzunehmen. Also auch von dieser Seite kann man die metaphysichen Probleme angehen, die die Physik ja zu Recht aufwirft, und für die sie nur philosophisch inakzeptable Lösungen bereithält. Es fehlt hier ganz einfach an einer Diskussion auf Augenhöhe. Du und Dirk und ich haben genug Ideen, das anzugehen – allein es fehlt der Gesprächspartner auf der physikalischen Seite.

Vielleicht kann Dirk mit seinen Beziehungen mal eine Diskussion organisieren, die er dann hier reinstellt.

Grüße Bernd

Dirk Boucsein
Dirk Boucsein
11 Monate zuvor

Lieber Bernd,

ich möchte Deinen Vorschlag gerne mal aufgreifen, da Du vollkommen Recht hast. Die „Zunft der Physiker“ hält sich bei derlei Diskussionen gerne mal vornehm raus, abgesehen von Deinem löblichen Vorbild.

Ich könnte ja mal probieren, ob Gerd oder Herr Bohnet/Naumann Bock haben sich diesen Diskussionen zu stellen. Man könnte ja mal nachfragen ;-).

Liebe Grüße
Dirk

Christian Bührig
11 Monate zuvor

Hallo Bernd,

als Lesebestätigung eine Frage am Rande: Dein Favorit des Begriffs „Möglichkeiten“ erinnert mich stark an den „Potenzen“ im Substanzdenken des Aristoteles. Vorbei du nach meiner Lesart wohl auf die „Unbestimmtheit“ Rücksicht nehmen magst, wie diese in den „Quantenfluktuationen“ oder anderen Ebenen der klassischen Quantentheorie im Begriffssystem benötigt werden. Dennoch die Frage: Hast du mal diese Spur zur Analogie mit Artistoteles verfolgt oder kannst dem Vergleich etwas abgewinnen?

VG, Christian

PS: Magst du mal deinen Namen korrigieren? Bernd statt Bermd?

Wolfgang Stegemann
Wolfgang Stegemann
11 Monate zuvor

Wenn Ihr meint, Ihr braucht einen Physiker, der philosophische Probleme erläutert, dann nehmt diesen, ein genialer Pädagoge. Mehr als das, was er sagt, können wir nicht wissen, trotz aller Philosophiererei: https://www.youtube.com/watch?v=9CvJYmvdec4&t=1118s
Da nutzt auch kein Platon oder sonst ein alter Grieche.

Dirk Freyling
11 Monate zuvor

Erst einmal: Es ist in Bezug auf das was »Modere Mathematik« abbildet – plakativ formuliert – am Thema vorbei, Platon, Aristoteles, Kant oder wen auch immer seitens der Philosophie ins Spiel zu bringen, der nicht innerhalb der „Epoche“ der „Modernen Mathematik“ gelebt hat oder lebt.

Fragmentarisch zur Begründung und Erinnerung:
Wenn Euklid (…lebte wahrscheinlich im 3. Jahrhundert v. Chr.) noch nach plausibler Anschauung für mathematische Grundlagen suchte und somit eine interdisziplinäre Verbindung herstellte, die man als richtig oder falsch bewerten konnte, so stellt sich in der modernen Mathematik die Frage nach richtig oder falsch nicht. Euklids Definitionen sind explizit, sie verweisen auf außermathematische Objekte der „reinen Anschauung“ wie Punkte, Linien und Flächen. „Ein Punkt ist, was keine Breite hat. Eine Linie ist breitenlose Länge. Eine Fläche ist, was nur Länge und Breite hat.“ Als David Hilbert (1862 – 1943) im 20. Jahrhundert erneut die Geometrie axiomatisierte, verwendete er ausschließlich implizite Definitionen. Die Objekte der Geometrie hießen zwar weiterhin „Punkte“ und „Geraden“ doch sie waren lediglich Elemente nicht weiter explizierter Mengen. Angeblich soll Hilbert gesagt haben, dass man jederzeit anstelle von Punkten und Geraden auch von Tischen und Stühlen reden könnte, ohne dass die rein logische Beziehung zwischen diesen Objekten gestört wäre.
Es ist immer zu fragen, was das Symbolisierte in den Symbolen ist. Beispielsweise treten quantenfeldtheoriebasierend Felder und differenzierbare Mannigfaltigkeiten an die Stelle des euklidischen Raums. Auch an die Symmetrie ist die Frage zu stellen, was eigentlich das „Symmetrische“ ist. Diese Frage führt zu der mathematischen Technik des Aufbaus komplexer Funktionen und Funktionssystemen aus einfachen periodischen Funktionen. Doch inwieweit axiomatisch begründete Abstraktionen an realphysikalische Objekte ankoppeln, steht auf einem ganz anderen Blatt. Mathematik schafft keine neuen Erkenntnisse, auch wenn das Theoretische Physiker im Rahmen der Standardmodelle der Kosmologie und Teilchenphysik gerne glauben.

Als Freund klarer Worte stellt sich mir folgende Frage: Insgesamt stehen „wir“ sozusagen vor einem (Zugangs-)Tor, dort sollte von einem »Kompetenz-Pförtner« die Frage gestellt werden, wer darf im Hinblick auf die zu diskutierende Frage, was Mathematik ist, mitreden?

Exemplarisch über Johann Carl Friedrich Gauß (1777 – 1855), Georg Friedrich Bernhard Riemann (1826 – 1866), der u.a. den Begriff der Metrik einführte…welcher modern bedeutet: Eine Metrik ist ein Skalarprodukt auf dem Tangentialraum einer Mannigfaltigkeit M, die in differenzierbarer Weise vom einem Punkt als Element von M abhängt. Die euklidische Metrik ist dabei lediglich ein Spezialfall… Geometrie ist im Riemannschen Sinne »innere Geometrie«, deren Objekte Größen sind, die nur von den lokalen Eigenschaften einer Metrik abhängen…
folgen Felix Christian Klein’s (1849 – 1925) Ausführungen zu Veränderungen der Lage – Drehungen, Spiegelungen, Verschiebungen, … – diese sind die Wirkung einer Gruppe, die er als „Transformationsgruppe“ bezeichnet. Die geometrischen Objekte sind Invarianten gewisser Gruppen, die auf Mengen operieren. Mit Rückführung der Geometrie auf die Algebra konnte man Geometrien klassifizieren, indem man eine Grundmenge und die darauf operierende Gruppe angab. Zwischen 1870 und 1920 wurden die mathematischen Axiome neu geschrieben (Dedekind, Cantor), es entstanden die Differentialgeometrie (Poincare, Einstein) und neue Algebren mit bisher unerforschten Symmetrien (Tensorkalkül, Lie-Algebra). Die ersten Experimente zur Atom- und Quantenphysik ließen sich gut mit den bis dahin rein abstrakten mathematischen Formalismen verbinden, was erst zur bekannten Symbiose führte, welche sich sodann im Zuge der Begeisterung für mathematische Möglichkeiten letztendlich von der Realphysik abspaltete und diese im Zuge der Standardmodelle beherrschte. Von da an, musste, im Glauben der Theoretischen Grundlagen Physiker, die Natur der Mathematik genügen.
William Thurston (1946 – 2012) griff die Ideen von Klein auf. In seiner grundlegenden Definition einer Modellgeometrie verbindet er einen topologischen Raum mit der Wirkung einer Lie-Gruppe, welche gewissen Maximalitätsbedingungen genügt. Dieses Werkzeug führte zur vollständigen Charakterisierung aller möglichen Geometrien in der Dimension 3 und zur Klassifizierung aller kompakten, 3-dimensionalen Mannigfaltigkeiten. Lie-Gruppen und Lie-Algebren wurden um 1870 von Sophus Lie (1842 – 1899) in der Lie-Theorie zur Untersuchung von Symmetrien in Differentialgleichungen eingeführt. Unabhängig von Lie entwickelte Wilhelm Killing (1847 – 1923) ähnliche Ideen zum Studium nichteuklidischer Geometrien. Hermann (Klaus Hugo) Weyl (1885 – 1955) veröffentlichte 1913 das Buch Die Idee der Riemannschen Fläche, in dem u.a. das moderne Konzept der Mannigfaltigkeiten erstmals systematisch eingesetzt wurde. In seinem Aufsatz Gravitation und Elektrizität von 1918 führt er erstmals das Konzept einer Eichtheorie ein, zunächst nicht in der heutigen Form, sondern durch einen lokal veränderlichen Skalenfaktor. In Weyl’s Vorlesungen Raum, Zeit, Materie entwickelt er systematisch den Riccischen Tensorkalkül und benutzt die Parallelverschiebung (Levi-Civita) von Vektoren als fundamentalen Begriff. Das Eichprinzip wurde seit seiner Entdeckung lange nur als Nebeneffekt angesehen, der einige Rechnungen vereinfachen kann, aber ansonsten nur wenig Bedeutung hat. Die eigentliche Bedeutung des Eichprinzips wurde erst 1918 von Hermann Weyl erkannt, der mit Hilfe einer Eichtheorie (Invarianz unter Änderung der Längenskala) versuchte, Maxwells Theorie mit der allgemeinen Relativitätstheorie zu vereinen. Dieser Versuch scheiterte, aber Weyl begründete damit eine ganz neue Herangehensweise an physikalische Probleme. Hermann Weyl ist der Begründer der Eichtheorien im heutigen Sinn.
1954 veröffentlichten Robert L. Mills (1927 – 1999) und Chen Ning Yang (1922 -) eine Arbeit, in der sie die Eichinvarianz der Elektrodynamik verallgemeinerten und dadurch eine Theorie der schwachen und starken Wechselwirkung schufen. In den 1960ern erkannte man, dass alle bisher beobachteten Wechselwirkungen von Elementarteilchen durch Eichtheorien beschrieben werden können, usw…

Ich mache mich hier mal richtig unbeliebt und bemerke, wer diese Zusammenhänge nicht kannte respektive kennt, sollte (eher) nicht mitreden.

Wie auch immer, „Heisenberg und Kollegen“ waren noch als Mitbegründer des neuen (mathematischen) Denkens mit den philosophischen Aspekten vertraut und konfrontiert, die heutige Generation der Theoretischen Teilchenphysiker und Theoretischen Astrophysiker scheinen wenig Verständnis für erkenntnistheoretische Spielregeln zu besitzen, was sich einfachst durch die große Anzahl freier Parameter, variabler Kopplungskonstanten und beliebiger Substrukturierungsthesen objektiv feststellen läßt. (Rhetorische) Frage? Was ist denn der Unterschied zwischen Phlogiston, Licht-Äther, Gluonen und dunkler Materie? Schlicht betrachtet handelt(e) es sich stets um Fantasiekonstrukte, die als Fehlstellen des Wissens von einer autoritären Minderheit als „nützliche“ Theorieparameter eingeführt wurden und dann von der „Masse verdaut“ wurden.

Für heutige Theoretiker ist die Welt der Mathematik identisch mit dem Erkenntnishorizont des Menschen. Moderner Mathematik wird mit festem Glauben eine konstruktive Komponente zugeschrieben. Diese neuen Glaubensbekenntnisse haben offensichtlich eine enorme Strahlkraft, obwohl die ihr zu Grunde liegenden Ideen allesamt irrational sind. Heutige Experimente zur Erweiterung des Standardmodells der Teilchenphysik verraten schon durch die Namensgebung »Supersymmetrie« welch Geistes Kind ihnen inne wohnt. Experimente sollen Symmetrien, nein müssen Supersymmetrien genügen. Neue zeitinstabile Super-Partner-Teilchen, die nie als solche, so wie ihre Vorgänger, direkt messbar sein werden, kommen eines Tages nach monatelangen Berechnungen mittels Super-Cluster-Rechnern als Teilchenbeschleuniger-Geburten aus vorselektierten Zerfallskanälen.
Die Verselbständigung der mathematischen Abstraktionen führt nachweislich zu beliebigen Fantasiekonstrukten. Und die damit einhergehende Einschränkung des Blickwinkels erschwert es zunehmend, wichtige Fragen nach den kausalen Zusammenhängen zu klären, ohne welche die naturwissenschaftliche Forschung selbstgenügend zur irrelevanten Tätigkeit „verkommt“.

Zum „Grundwissen“ gehört auch folgender Sachverhalt, der die Frage zur „Natur der Mathematik“ mehr oder weniger implizit enthält:
Die makroskopische Eigendrehung starrer Körper ist im Rahmen der klassischen Physik plausibel nachvollziehbar. Kosmologisch kann es – bedingt durch den Entstehungsprozess beliebiger „Vielteilchenkörper“ mit konkreten Anfangsimpulsen – unter Einwirkung der Gravitation – bei genauer Betrachtung keine rotationsfreien „Gebilde“ geben. Des Weiteren sollte klar sein, dass elliptische Himmelskörperbahnen vektoriell durch Anfangsimpulse festgelegt sind. Reale Kreisbahnen sind praktisch ausgeschlossen. Eine „Analogie“, respektive Projektion auf mikroskopische Prozesse wechselwirkender Ladungsträger ist aus verschiedenen Gründen jedoch phänomenologischer Nonsens.
Denn der „neue Drehimpuls“ hat mit dem, was man sich unter diesem Namen als mechanische Größe vorstellen kann, nichts mehr gemein. Er entsteht aus keiner Bewegung, sondern aus dem Zusammenwirken eines räumlichen Vektors mit den Dirac-Matrizen in dem Raum ihrer vier abstrakten Dimensionen.
Mit anderen Worten: Die Quantenmechanik (QM) „arbeitet“ oft in Illustrationen und semantischen Ausführungen mit einer falschen Suggestion mittels des Begriffes Spin (Eigenrotation), doch der assoziierte QM-Formalismus beschreibt keine solche realphysikalische Rotation.
„Einfach“ ausgedrückt: Der quantenmechanische Spin hat nichts mit einer Rotation zu tun und ist nichts weiter als eine notwendige aber vollkommen unbegründete (sprich ohne realphysikalische Anschauung) Quantenzahl, die im Rahmen der herrschenden Physik rein mathematisch generiert wird (vierkomponentiges Dirac-Spinorfeld mit vier Dirac-Matrizen).

(Alternative) Aussagen zum quantenmechanischen Spin zu machen sind eine äußerst undankbare Aufgabe, da die herrschende Physik seit Ende der 1920er Jahre keine Bemühung mehr unternommen hat, den Spin phänomenologisch, sprich denkmodell-anschaulich zu beschreiben. Zur Geschichte: Wolfgang Pauli schlug 1924 vor einen »quantenmechanischen Freiheitsgrad« für das Elektron einzuführen, der zwei Werte annehmen kann, um die Emissionsspektren von Alkalimetallen beschreiben zu können. Ralph Kronig (1904 – 1995), ein Assistent Alfred Landés, schlug 1925 vor, dieser unbekannte Freiheitsgrad werde von der Eigenrotation des Elektrons hervorgerufen. Aufgrund der Kritik Paulis an dieser Idee blieb Kronigs Vorschlag unveröffentlicht. Ebenfalls 1925 postulierten Samuel Abraham Goudsmit und George Eugene Uhlenbeck den Elektronenspin zur Erklärung der Linienaufspaltung in den Spektren sowie des anomalen Zeeman-Effekts. Im Jahre 1927 formulierte Pauli einen Formalismus für den quantenmechanischen Spin des Elektrons. Mit Hilfe der Pauli-Matrizen konnte er Elektronen-Wellenfunktionen als 2-komponentige Spinoren darstellen. 1928 stellte Paul Dirac eine relativistische Bewegungsgleichung für das Elektron auf. Die nach ihm benannte Dirac-Gleichung beschreibt u.a. den halbzahligen quantenmechanischen Spin. In all diesen rein mathematischen Beschreibungen existiert jedoch keine phänomenologische Grundlage.

Die omnipräsenten pathologischen Beschreibungs-Prozeduren herrschender Physik(-Didaktik) mittels Begrifflichkeiten, wie Spin oder Spin-Bahn-Wechselwirkung, suggestiv an realphysikalische Objekte gedanklich „anzukoppeln“, die Masse besitzen, Raum einnehmen und rotieren, ist seit Einführung der Quantenmechanik bis heute schizophren. Bedenke: Dem Elektron wird per Postulat ein Radius „abgesprochen“. Protonen sind postuliert asymmetrisch ladungsfragmentiert, asymmetrisch substrukturiert und deren Quarks liefern u.a. nur ein Prozent der Protonenmasse und keine intrinsischen Spinbeiträge. Diskrete Bahnen wurden durch Wahrscheinlichkeits-Wellenfunktionen ersetzt, die zu „wahrscheinlichen“, „verschmierten“ Orten und Impulsen führen.
Schizophren auch deshalb, weil im gleichem Atemzuge der analog-mechanisch motivierten Suggestion dann wieder explizit geäußert wird, dass es ja nicht so ist, wie in zahlreichen Illustrationen und semantischen Absonderungen propagiert wird.
Aus diesen Betrachtungen folgt, dass alle theoretischen Ausführungen und Berechnungen zu Spin-Wechselwirkungen („Spin-Bahn-Kopplung“ ► Feinstruktur, Kernspin-„HüllenDrehimpuls“ ► Hyperfeinstruktur) keine Anschaulichkeit besitzen. Es sind lediglich – mehr oder weniger – komplexe Rechenvorschriften ohne Realobjekt-Anbindung. An dieser Stelle offenbart sich exemplarisch das Dilemma quantenmechanischer Betrachtungen. Aus einer Schar von quantenmechanischen Rechenvorschriften lassen sich Spektrallinien-Aufspaltungen berechnen. In diesem Zusammenhang ist aber jedwede Verbindung zu realphysikalischen Objekten gekappt. Die Frage, warum mathematische Verfahren Lösungen liefern, die man experimentellen Werten zuordnen kann, ist auf Grund der fehlenden Phänomenologie nicht zu beantworten. Darüber hinaus stellt sich grundsätzlich die Frage, inwieweit Meßbares intrinsisch ist? Der generelle Denkfehler liegt in der methodischen Vernachlässigung der Struktur – der von „aussen“ eingebrachten – Wechselwirkungs-Energie. Energieaufspaltungen sind meist nicht selbstinduziert. Durch das „Anlegen“ von homogenen oder inhomogenen elektrischen „Feldern“ oder „Magnetfeldern“ wird von aussen eine „energetische Störung“ eingeführt. Phänomenologisch sind physikalische Felder unbegründet. Sie stellen aus Sicht eines zu untersuchenden Objektes (…Elektron, Atom, Molekül) unendliche Energie-Reservoirs dar, welche mit den zu untersuchenden „Test-Objekten“ wechselwirken. Um diese mehr oder weniger willkürliche Situation zu beenden, wäre es zwingend die „Feld-Phänomenologie“ spektroskopischer Messungen zu bestimmen. Das ist im Rahmen der mathematisch begründeten QM weiterführend QED und QCD im Rahmen des Standardmodells der Teilchenphysik sowie deren (Symmetrie-)Erweiterung (Supersymmetrie) nicht möglich, da die Objekte der Theorien allesamt keinen realphysikalischen Anspruch besitzen.

Ein Fazit:
Der Wunsch »Moderne Mathematik« zu vermenschlichen und ihr gestalterische Fähigkeiten einzuräumen, hat sehr viel mit dem unsachgemäßen Umgang im Rahmen von quantenfeldtheoretischen Fantasien zu tun. Ein Denkmodellwechsel hin zu einem Quantenfeldbefreiten Modell, macht u.a. die Frage zur Ontologie der Mathematik obsolet.
Schon Ernst Mach bemerkte: „Wer Mathematik treibt, den kann zuweilen das unbehagliche Gefühl überkommen, als ob seine Wissenschaft, ja sein Schreibstift, ihn selbst an Klugheit überträfe, ein Eindruck, dessen selbst der große Euler nach seinem Geständnisse sich nicht immer erwehren konnte.“ Ernst Mach (1838-1916), Vortrag, Sitzung der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zu Wien am 25. Mai 1882

Christian Bührig
11 Monate zuvor
Reply to  Dirk Freyling

Guten Tag Herr Freyling,

von meiner Seite ein Dank für die langen und ausführlichen Hinweise zu den modernen Denkern, die es zu berücksichtigen gilt. Zusammen mit den Jaheszahlen etc. steckt in dem Kommentar viel Fleiß und Mühe für diese Diskussionsgruppe, was ich erst einmal als gewisse Wertschätzung zumindest für Dirks Blog interpretiere. Also nochmals ein ehrliches Danke, ich orientiere mich gern an dem aufgezeigten Weg.

Die Seitenhiebe, dass Platon, Äther und Co. beim Thema der Mathematik in der Physik nichts mehr zu suchen haben, nehme ich nicht persönlich, ich selbst wäre beim späten Schrödinger angekommen, bei Arbeiten über die Raumzeitstruktur mit Ziel einer vereinheitlichten Feldtheorie. Da spielt Weyl ja auch eine große Rolle im Denken von Schrödinger. Und Weyl war ein wichtiger Zwischenschritt auf dem von ihnen beschriebenen Weg.

Sie werfen zum Schluss für mich eine entscheidende Frage auf: Die Physik-Didaktik für Schüler.

Nehmen wir dieses Exemplar, welches sich durchaus an Oberstufen-Schüler wenden mag, u. a. mit Dr. Gaßner:

https://youtu.be/A8IdgTLPQxU

Aus meiner Perspektive – mit Popper gesprochen – eine gefährliche Huldigung von anti-rationaler Denkweise.

Ich würde gern ein paar mehr Gedanken von ihnen hören, wie eine Didaktik beschaffen sein könnte, die nicht verführt, die höhere Wahrheit sei zu finden, wenn man das Verstehenwollen aus der Didaktik streicht. Gewisse Ansätze hatten sie schon geliefert, aber ich wünsche mir einen Kommentar, welcher explizit auf den Horizont Rücksicht nimmt, wie diese Probleme Schülern vermittelt werden könnten.

Die Alternative wäre: Gar nicht erst versuchen, diese Probleme beim Verstehen in die Köpfe der Schüler zu bekommen?

VG, Christian Bührig

PS: Nun, wir befinden uns im Wissenschaftsblog eines Lehrers, hier werden sich nicht beliebig viele Doktoren austauschen, daher müsste hier kein Aufruf platziert werden, dass sich nur Fachleute mit Kenntnis der höchsten Ebene der Physik zu Wort melden sollten. Ich hielt den Satz auch nur für eine Verschärfung des Appells, alles vor Weyl nicht zielführend einbringen zu können.

PPS: Getippt am Smartphone während einer Busreise. Bitte Tippfehler und verunglückten Sazbau verzeihen.

Dirk Freyling
11 Monate zuvor

Hallo Herr Bührig,
vorab, das von Ihnen exemplarisch angeführte Video zur Quantenverschränkung ist aus meiner Sicht schwer zu ertragen. Der Informationsgehalt des Videos ist bescheiden. Insgesamt ist das Thema Verschränkung eher ungeeignet um Quantenmechanik Schülern oder Studenten näher zu bringen, da dieses Phänomen, anders als das Gros der „QM-Erscheinungen“, nicht formal analytisch erfasst werden kann und sich auch innerhalb der QM nicht „zufriedenstellend“ beschreiben lässt. Inwieweit eine QM-befreite oder QM-erweiterte Sicht die Verschränkung beschreiben und formalisieren kann, weiß ich nicht. Ich finde dieses Phänomen im Vergleich zu anderen Denkmodell-Aspekten auch nicht sonderlich spannend. Trotzdem, gleich mehr dazu:

Erst einmal ein Textauszug:
Spektrum.de-Artikel
«Verrückter Quanteneffekt erneut experimentell bestätigt
Physiker schließen ein Schlupfloch für ein von Einstein als „spukhafte Fernwirkung“ abgelehntes Phänomen.« von Nathalie Wolchover, 11.04.2017
[Von „Spektrum der Wissenschaft“ übersetzte und redigierte Fassung des Artikels »Experiment Reaffirms Quantum Weirdness« aus Quanta Magazine, einem inhaltlich unabhängigen Magazin der Simons Foundation, die sich die Verbreitung von Forschungsergebnissen aus Mathematik und den Naturwissenschaften zum Ziel gesetzt hat.]

…“Bei der Verschränkung sind zwei Teilchen, die ehemals als Paar auftraten, auch nach ihrer räumlichen Trennung miteinander verbunden. Messungen an dem eine(n) wirken sich unmittelbar, ohne Zeitverzögerung, auf den Zustand des anderen aus. [(n)-Schreibfehler im Artikel wurde nie korrigiert]
Für quantenmechanische Teilchen lassen sich überdies keine exakten Positionen angeben. Stattdessen liefert eine mathematische Formel lediglich die Wahrscheinlichkeit, mit der sich ein Partikel an den verschiedenen Orten im Raum befindet. Die quantenmechanische Wirklichkeit ist also eine Überlagerung vieler Zustände. Solche Phänomene wurden vielfach in Experimenten nachgewiesen, und die Quantenmechanik hat auch die passenden theoretischen Modelle geliefert.“…

Die 1986 geborene Autorin hat nur einen Bachelor in Physik. Genau so etwas dachte ich mir, bevor ich es recherchierte.

…und die Quantenmechanik hat auch die passenden theoretischen Modelle geliefert“
Wohl kaum.

Wie auch immer, ich tippe mal darauf, dass das „unerklärliche“ Phänomen der Verschränkung mit der Versuchsanordnung respektive den Versuchsdurchführungen theoriebeladen assoziiert ist/sind. Streng genommen ist die QM- experimentelle Verschränkung keine Bestätigung der QM-Postulate, sondern eine Widerlegung.

Nun, es gibt ein weitaus anschaulicheres, sehr reales Phänomenproblem, welches erhebliche Fragen aufwirft. Die Gravitation(swirkung) soll sich mit Lichtgeschwindigkeit vollziehen. Tatsache ist jedoch, dass diese u.a. nur zu stabilen Zuständen führt, wenn sie instantan erfolgt. Ich hatte dazu mal einige »scientific paper« gelesen. (Semantisches) Fazit: „In der Allgemeinen Relativitätstheorie heben sich die momentanen Beiträge zu den Gravitationspotenzialen in der Beobachtung auf, so dass die Theorie frei von physikalischen momentanen Wechselwirkungen ist.“
Tja, da ist sie wieder, die Phänomenologie befreite Mathematik. „Wir“ rechnen uns die Welt „unanschaulich schön“. Tatsache war und ist, die ART löst das Wechselwirkungs(zeit)problem der Gravitation nicht!

In dem Zusammenhang bemerkt: Wechselwirkungsgeschwindigkeiten sind insgesamt sehr interessant und analytisch betrachtet widersprüchlich interpretiert, sofern man ergebnisoffen ist… Ich lese, so wie zu diversen anderen Themen, gerne auch mal nicht Mainstreamphysik Meinungen und analysiere alternative Modellbetrachtungen, siehe z.B. hier spontan, sozusagen für Sie frisch gegoogelt: »Instantane Fernwirkung versus Maxwells Nahewirkungs-Feldkonzept von Wolfgang G. Gasser« Ich kenne weder den Autor Gasser noch die Kommentierenden…und nur weil ich dieses hier exemplarisch angebe, bedeutet das nicht, bevor unnötig Mißverständnisse aufkommen, dass ich den Ausführungen zustimme. Ich möchte mit diesem Hinweis verdeutlichen, wie wichtig Zeitreichtum und Ergebnisoffenheit sind. Insbesondere nicht wissensnormierte Betrachtungen können sehr hilfreich sein, sich eine eigene Meinung zu bilden. Das ist leider in der Summe aller Ereignisse zeitverschwenderisch. Vieles Geschriebene ist wenig nachhaltig lehrreich, da jeder alles online schreiben kann. Aus diesem Grund sind Zeitreichtum und Übung im analytischen Umgang mit alternativen Ideen enorm wichtig.

Zur Frage der „richtigen“ Didaktik
„Ich würde gern ein paar mehr Gedanken von ihnen hören, wie eine Didaktik beschaffen sein könnte, die nicht verführt, die höhere Wahrheit sei zu finden, wenn man das Verstehenwollen aus der Didaktik streicht.“

i) Die Grundproblematik (im Unterricht) beginnt mit der Suggestion respektive Aussage, dass Quantenmechanik und Relativitätstheorie zwar unanschaulich sind, aber die physikalische Welt sehr gut beschreiben und beide experimentell hervorragend bestätigt wurden*.

„Gepaart“ wird diese Aussage mit der propagierten Alternativlosigkeit dieser Theorien. Alternativen werden nicht „seriös“ in Betracht gezogen. Dem Schüler muss es so erscheinen, dass es solche nicht geben kann. Die Situation ist im Vergleich extremer, als die Vermittlung orthodoxer Lehrer eines monotheistischen Weltbildes. Diese weisen zumindest darauf hin, dass es Andersgläubige und Nichtgläubige gibt. Es wäre evident wichtig dem Schüler Unstimmigkeiten zu erörtern. Realphysikalisch betrachtet gibt es bereits an der QM-Basis erhebliche epistemologische Fragestellungen, die sich auf die Phänomenologie der Vorgänge beziehen. Zwei, auch für Ober-Schüler zu verstehende, Beispiele:

Quantenmechanisch ist beim Bohrschen Atom-Radius die Aufenthaltswahrscheinlichkeit für das Elektron maximal. Im Mittel befindet sich das Elektron jedoch im 1,5-fachen Abstand zum Kern. Diese Feststellung ist nicht trivial. Was fangen wir mit dem Erwartungswert an, wenn die auch in der Quantenmechanik verwendete Rydberg-Energie (Grundzustandsenergie des H-Atoms), nicht mit dem Erwartungswert , sondern mit dem Bohrschen Atomradius korrespondiert?

Die Berechnung von Grundzustandsenergien ist weder quantenmechanisch noch quantenelektrodynamisch begründet. Da ein signifikant maßgebender Anteil von dem Verhältnis der wechselwirkenden Massen bestimmt wird. Es gibt weder QM und schon gar nicht QED basierend die Möglichkeit die reduzierte Masse mred = mA / (1 + mA/mB) quantenfeld-phänomenologisch einzuführen. Die reduzierte Masse ist – ob man es wahr haben will oder nicht – im Rahmen der Standardphysik historisch aus der „Newtonschen Himmelsmechanik“ abgeleitet. Das bedeutet im Klartext, dass im Sinne atomarer Wechselwirkungen, diese weder QM noch QED begründet ist. Auch das Gleichsetzen einer elektrischen Zentripetalkraft mit einer masse-abhängigen Zentrifugalkraft ist zwar mathematisch kein Problem, aber im Rahmen der hiesigen Physik phänomenologisch unbegründet. Des Weiteren: Unabhängig von den Massen der Ladungsträger „erleiden“ zwei betragsmäßig gleiche Ladungen keine Massen-Verschiebung, da die gravitative Wechselwirkung (exemplarisch Proton-Elektron) um ~ 40 Zehnerpotenzen kleiner ist. Das verwendete suggestive Modell ist offensichtlich phänomenologisch unbegründet. Die Frage, wie wechselwirkt eine Masse mit einer Ladung, bleibt unbeantwortet. Nun darauf zu verweisen, dass im Rahmen der QM respektive Quantenfeldtheorien diskrete Objekte, die eine Masse und eine elektrische Ladung besitzen, mathematisch als Wellenfunktionen beschrieben werden können, löst erkenntnistheoretisch nicht das Problem der fehlenden Phänomenologie. Der Term der reduzierten Masse bleibt als notwendiges Berechnungsobjekt für Energie(eigen)werte der QM und QED fern. Diesen Term stillschweigend in den Hamilton-Operator “unterzubringen” ist praktisch nachvollziehbar aber anschaulich sowie theoretisch vollkommen unbegründet, da es die dazu notwendigen diskreten Theorieobjekte in der QM/QFT gar nicht gibt.

ii) Trotz der Unmöglichkeit diverse mathematisch generierte Theorieobjekte und Wechselwirkungsszenarien allgemeinverständlich plausibel abbilden zu können, ist es didaktisch weit verbreitet mit „vereinfachten“ (leider falschen) Anschauungen Wissen zu vermitteln. Praktisch gesehen werden, trotz erheblicher Mängel, vermeintlich anschauliche realphysikalische Muster eingeführt, die das realphysikalisch nicht Erfassbare anschaulich beschreiben (sollen). Offensichtlich handelt es sich ohne Kenntnis der Details generell um eine fatale »Falschdidaktik«, da etwas nicht anschaulich Beschreibbares, anschaulich gemacht wird. Das ist stets sinnleer.

Ein Klassiker ist die Krümmung des Raumes und die so entstehende Gravitation.
Auf einer Gummimatte wird (im Gedankenexperiment) eine Kugelmasse platziert. Eine leichtere Kugel bewegt sich nun, je nach Anfangsimpuls, auf einer „Bahn“, die von der Kugel (Zentralmasse) abgelenkt wird. Dies wird mit der dritten Dimension (Gummimatte hängt durch) anschaulich erklärt, die man bei einer Draufsicht jedoch nicht erkennen kann. Das ist auch psychologisch fatal, da Schüler ein sehr gutes Gefühl bekommen, die ART (doch) verstanden zu haben.

Im Sinne der ART-Postulate ist jedoch alles falsch. In der ART gibt es den Raum so nicht. Es gibt nur die Raumzeit als vierdimensionale mathematische Struktur. Diese ist und bleibt weder sinnlich noch meßtechnisch erfahr- respektive meßbar.

Das Raumzeit-Postulat besagt, dass es im Rahmen der (formalisierten) Betrachtung der Relativitätstheorie Zeit und Raum nur als Einheit gibt. Eine Konsequenz: Wir können das Geschehen im postuliert allgemeinrelativistischen Kosmos zeitlich nicht als Momentaufnahme festhalten, weil Zeit nicht in der Raumzeit existiert. Ein Beispiel ist der mit Markierungen (die Planeten, Sterne, Galaxien repräsentieren sollen) aufgeblasene Luftballon, der die kosmische Expansion nach dem Urknall abbilden soll. Das schafft bei dem Betrachter ein Gefühl von anschaulichem Verständnis. Nur diese Luftballon-Analogie ist grundlegend falsch. Denn…
1) Im Rahmen der ART expandiert nicht ein sinnlich wahrnehmbarer Raum bzw. in vereinfachter Anschauungs-Form eine Ballonoberfläche, sondern das mathematische Konstrukt der Raumzeit.
2) Es existiert kein einzigartiger Ursprung, sondern die Raumzeit expandiert überall.
In dem Zusammenhang zwingendes, willküraffines Ausnahme-Postulat: Gravitativ gebundene Objekte, wie Galaxien oder Galaxienhaufen, expandieren nicht. Hier stellt sich die Frage, wie, wo, warum und wann der Grenzübergang von „etwas“ nicht raumzeitexpandierenden zu etwas raumzeitexpandierenden stattfindet? Diese Frage wird von den Vertretern des ΛCDM-Modells nicht beantwortet. Bezogen auf die Luft-Ballon-Analogie expandieren konträr zu diesem Postulat für den Beobachter auch die Markierungen auf der Ballonoberfläche.
3) Nach heutigen Vorstellungen ist konträr zur Radiusvergrößerung der Luftballonvorstellung die Expansion beschleunigt. Im „Ballonverständnis“ expandiert der Radius gleichmäßig oder verlangsamt (bis zu einem materialbedingten Maximum, bevor der Ballon platzt).
4) Verschwiegen werden auch die (überlichtschnelle, zeitlich stark begrenzte) postulierte, theorienotwendige Inflationsphase sowie die Annahmen und Wirkungen der postulierten Dunklen Materie und Dunklen Energie, die im Ballonmodell nicht vorkommen.

[*Zweifel an der Lehr-Behauptung über die Ergebnisgenauigkeit, exemplarisch zum Higgs-Mechanismus, zur Kenntnisnahme und Selbstanalyse
Der mathematische Ansatz des Standardmodells der Teilchenphysik, ausgehend von nulldimensionalen, masselosen Objekten liefert offensichtlich keine Anbindung an die wahrnehmbare physikalische Realität in der Masse und Ausdehnung Fundamentaleigenschaften darstellen.
Die euphemistische Nachkorrektur mittels Higgs-Mechanismus verleiht zwar im Denkmodell des SM Teilchen theoretisch Masse, nur wird erstens dadurch die ursprüngliche Formulierung „verletzt“, zweitens stimmt die Aussage, das der Higgs-Formalismus den Teilchen Masse gibt, gar nicht, da exemplarisch postuliert Quarks basierendes Proton und Neutron über das gleichfalls postulierte Higgs-Feld nur ungefähr 1% ihrer jeweiligen Massen erhalten und drittens die vermeintlichen massegebenden Terme gar keine Massenberechnung beinhalten. Die Massenwerte folgen hier nicht aus einer physikalischen Gleichung, sondern müssen als freie Parameter bekannt sein. Das bedeutet, auch das „Higgs-korrigierte“ Standardmodell der Teilchenphysik kann weder Masse(n) erklären und schon gar nicht berechnen. Die einzig der herrschenden Physik bekannte direkte Massen-Wechselwirkung, die Gravitation, kann das Standardmodell überhaupt nicht abbilden. Des Weiteren: Um die Fermionenmassen durch Kopplung der Fermionen an das Higgs-Feld zu erzeugen, müssen folgende Bedingungen erfüllt sein: Die Massen der rechts- und linkshändigen Fermionen müssen gleich sein. Das Neutrino muß masselos bleiben. Diese Grundbedingung steht in einem eklatanten Widerspruch zu Neutrino-Oszillationen (Nobelpreis 2015), die zwingend Neutrinomassen voraussetzen.]

Was wäre hier „ehrliche“, im Sinne von idealisierter Lehre, richtige Didaktik?
Der Lehrende trägt vor, was bisher Standard ist, beispielsweise die Gummimatten- und Luftballon-Analogie. Er wartet das Aha-Erlebnis der Schüler ab und erklärt dann, warum das vermeintlich vereinfacht Anschauliche grundlegend falsch ist. Ich denke, das hat letztendlich einen erheblich positiven Effekt auf die Schüler. Sie werden so zu positiv-kritischen Denkern „erzogen“. [Spaß am Rande: Womöglich entsteht so der eine oder andere „kreative Charakter-Typ“, der mir als alternativer Denkmodellentwickler (in) der Zukunft, noch die „Paradigmenwechsel-Show“ stehlen wird…]

Insgesamt sollte diese Lehr-Strategie methodisch erfolgen. Egal zu welchem Thema. Das setzt jedoch voraus, dass die Lehrer über entsprechendes, umfangreiches, (teils Alternativ-) Wissen verfügen und ergebnisoffen sind, bedeutet: keine Ideologien didaktisch ausleben.

Wie notwendig (selbstmotiviertes) Hinterfragen ist, wird durch folgenden Sachverhalt überdeutlich, den man als Lehrer, mit dem Hinweis nicht alles zu glauben, Schülern verständlich vermitteln kann.

Der »Flippereffekt«
Siehe exemplarisch die, u.a. mittels populärwissenschaftlicher Fernsehberichte und Serien wie „Flipper“, „Volksmeinung“ über Delfine. Diese zu den Zahnwalen gehörenden Säugetiere gelten als besonders intelligent und „nett“. Tatsache ist jedoch, Delfine sind im Vergleich zu vielen anderen Tieren (wie beispielsweise Krähen) weder besonders intelligent noch sind Delfine „nett“. Delfinen fehlen Gesichtsmuskeln. Dadurch haben sie immer ein vermeintlich „lachendes Gesicht“ und sehen ständig gut gelaunt aus. Tatsache ist jedoch: Sexuelle Gewalt ist bei Delfinen an der Tagesordnung. Gruppen von Delfinmännchen verfolgen und bedrängen Delfinweibchen bis zur Erschöpfung, dann folgt die Massenvergewaltigung…

Erst einmal soweit.

Christian Bührig
11 Monate zuvor
Reply to  Dirk Freyling

Guten Tag Herr Freyling,

ich mochte mich noch für die Antwort bedanken. Ich kommentiere nur das Thema Didaktik der QM etc. (indirekt ist auch die Metamathematik und die Ontologie aus meiner Sicht bei dem Thema immer angesprochen). – Der Hinweis an die Schüler, dass die Theorien nicht ohne Kritik seien, ist fast selbstverständlich, wird in der Praxis wohl in der Schule auch so gelehrt. Das Problem ist, dass eine weitere Beschäftigung mit den Alternativen sanktioniert ist. Insofern finde ich fast zynisch, wenn Zeilinger zum Nobelpreis immer kommentiert, dass er eine Außenseiter-Theorie verfolgte und Fördergelder auch Projekte erhalten sollten, welche ergebnisoffen ein hinreichendes Potential haben.

Ihr Stichwort, eine Unmenge an Zeit besitzen zu müssen, um sich besonders gut mit den Problemen beschäftigen zu können, kann ich nur bestätigen. Und es reizt mich fast zu der persönlichen Frage, wie Sie diese Zeit finden konnten…

Es sei noch hinzugefügt, dass ich die Kritik von Wolfgang Stegemann durchaus nachvollziehen kann: Während ich die Hinweise zur Mathematik in der Physik sehr fruchtbar fand, machen mich viele Aussagen zu Ihrer Elementarkörper-Theorie und Details der Kritik am Standardmodell skeptisch, ob über die Lehre der modernen Physik gesprochen werden kann, wenn viele Grundbausteine ggf. gar nicht akzeptiert werden.

Im Kontrast hierzu sei gesagt: Meine eigene Spekulation legt viel Wert auf die Richtigkeit der stehenden Schwingungen in den Materiewellen nach Schrödinger. Insofern würde sich an der Mathematik der QM ja nichts ändern, nichts an dem Erfolg der QM wird abgesprochen, es geht lediglich darum, dass es neben der anti-realen Erklärung eine Sichtweise auf das Problem gibt, welche man mittels Kontinuums-Geometrie als reale Erklärung akzeptieren könnte. Die Zufalls-Elemente bleiben analog zum deterministischen Chaos real enthalten: Es gibt keine Möglichkeit einer exakten Berechnung, wann eine stehende Welle den Zustand wechselt und einer Stelle im Raum einen elektromagnetischen Impuls gibt. Der Umbruch selbst bleibt aber ohne Unterbrechung im Kontinuum, analog dem Übergang einer schwingenden Saite einer Geige, welche auch nicht als Saite seine Existenz unterbrechen muss, nur um von einer stehenden Welle in eine andere zu wechseln. Der „Witz“ besteht nur darin, dass mathematisch nur diese stehenden Wellen eine stabile Struktur darstellen, womit alle kurzzeitigen Zwischenzustände keine „reale“ Struktur darstellen.

Viele Grüße
Christian Bührig

Wolfgang Stegemann
Wolfgang Stegemann
11 Monate zuvor

Hallo Christian,
durch fragst jemanden, der das Standardmodell ablehnt, wie man das Standardmodell didaktisieren kann??? Im Standardmodell spannt -kurz gesagt – die Materie den Raum auf. Bei Freyling i s t die Materie der Raum. Für ihn sind Vakuum, Überlagerung, ’spukhafte Fernwirkung‘ oder Gravitation keine Probleme wie im Standardmodell. Also gibt es hier nichts im Sinne des Standardmodells zu didaktisieren.

Aber ging es hier nicht um Metamathematik?

Dirk Boucsein
Dirk Boucsein
11 Monate zuvor

Hi Wolfgang,

vielen Dank für Deinen Hinweis und die Nachfrage. Vielleicht könnte man dies mit Marias metakommunikativen Hinweis zur Kommunikationslosigkeit erklären ;-).

Liebe Grüße

Dirk

Christian Bührig
11 Monate zuvor

Hallo Wolfgang,

meine Frage bezog sich auf die „entkoppelte“ Mathematik in der modernen Physik, welche man nicht mehr mit uns vertrauten Anschauungsformen verstehen könne. Wobei ich weniger Higgs oder die Verschränkung als vielmehr das Spiel der Elektronen im Sinne Gaßners als Hütchenspiel ansprechen mochte, bei dem das Elektron „real“ nicht unter einem Hütchen sei, sondern sich mit dem Heben des Hütchens erst manifestiert. Analog zum Kartenspiel bei Dürr, bei dem die Karte erst gemalt wird, wenn sie gezogen wird.

Ansonsten: Meine eigene Position, eine Feldtheorie ohne Teilchen zu suchen, dessen zentrales Feld das Gravitationsfeld und somit der Raum selbst sei, käme dem Satz sehr nahe, dass die Materie der Raum sei.

Ich meine aber, diesen Einsteinschen Blickwinkel nicht auf der Internetseite von Hr. Freyling entdeckt zu haben.

Ich bin etwas überzeugt, dass die meisten Knoten in der Teilchenphysik erst dadurch entstehen, dass man sich nicht traut, „metaphysisch“ das Unteilbare (Materie?) und das Leere einzutauschen gegen eine Kontinuums-Welt, die mittels Extremstellen sozusagen Analogien zu Teilchen enthalten könnte.

Insofern spreche ich dann auch von „Ontologie“, weil diese Art von „formbarem“ Kontinuum (mit Bezug zu bestimmten Mannigfaltigleiten und affiner Geometrie) in die Denkmuster passt, welche viele Philosophen mit dem Begriff Ontologie verbunden hatten: Eine Einheit, welche eine Vielheit in sich tragen kann, ohne die Einheit zu verlieren. Die große Herausforderung war immer: Welche Art von „Substanz“ soll dieses Kunststück vollführen können? Mit Einstein und der nichteuklidischen Geometrie mach Riemann ist diese Substanz (Materie?) vielleicht entdeckt worden: Der Raum.

Physiker wie Gustav Mie sagen: Raum als Raumäther, um den Substanz-Ersatz-Charakter des Gravitationsfeldes in einen Begriff zu bringen.

Das wäre ggf. auch eine Ablehnung des Standardmodells von meiner Seite, aber eine Kritik an diesem Modell ist nicht notwendig, wenn die „falsche Abzweigung“ aus meiner Sicht schon 1927 genommen wurde, als nicht so etwas wie Materiewellen weiter ernst genommen wurde.

VG, Christian

Wolfgang Stegemann
Wolfgang Stegemann
11 Monate zuvor

Freyling,
Sie machen sich hier nicht unbeliebt, Sie sind es von Beginn an, nicht nur in diesem Blog. Und Sie zeigen ständig Ihre Inkompetenz in Sachen Philosophie (man sollte hier über einen „Kompetenz-Pförtner“ nachdenken 😂). Beispiel: Phänomenologie ist eben gerade nicht die Anschaulichkeit von Denkmodellen, sondern sie geht von den Erscheinungen aus. Das hätte man aber mit einem Blick in Wikipedia selbst herausfinden können. In Ihrem Fall bedeutet das, eine Erklärung zu liefern für Phänomene wie Überlagerung, ’spukhafte Fernwirkung‘ etc. Genau das machen Sie nicht, sondern nehmen Ihren Legobaukasten und schwurbeln mit allerlei Gleichungsakrobatik ein Modell zusammen, das völlig beliebig ist, nach dem Motto, Freyling gegen den Rest der Welt.
Leider steht Ihre Überheblichkeit gepaart mit persönlichen Attacken einem freien und entspannten Austausch von Meinungen im Wege.
Sollten Sie ein Persönlichkeitsproblem haben, würde ich professionelle Hilfe anraten.

Dirk Freyling
11 Monate zuvor

Herr Stegemann,
Ihre Bemerkungen „erscheinen“ ehrlich. Es ist keine Bemühung erkennbar, die eine gespielte Höflichkeit dokumentiert. Das finde ich gut. Ironie und Satire sind offensichtlich nicht (mehr) Bestandteil Ihrer Welt (»Kompetenz-Pförtner«-Reaktion). Dieses und Ihre Erwiderung in der Gesamtheit dokumentierten Ihre Verbissenheit. Emotionen dominieren Ihr Denken. Das ist nicht gut.
Zur »Modernen Mathematik«: „Über etwas zu philosophieren“, als gängige Formulierung im Sprachgebrauch, beschreibt die Position der Philosophie. Es ist nicht die Philosophie selbst die betrachtet wird, was auch schwierig ist, da die (eine) Philosophie gar nicht existiert, sondern eine Art Werkzeug Beobachtbares zu interpretieren. Offensichtlich können philosophische Beiträge von Menschen, die zu Phänomenen gar keine Beobachtungserfahrung besitzen respektive besitzen konnten, nicht substanziell zu einem konkreten Philosophieren, hier über »Moderne Mathematik«, herangezogen werden.
Insgesamt stellt sich generell die Frage, inwieweit der eine oder der andere Philosoph neben der Zitat-Instrumentalisierung, wenn es punktuell im Sinne des Autors passt, heute noch „brauchbar“ wäre. Ein Beispiel: Platon drohte allen Männern, die kein rechtschaffenes Leben führen oder sich von ihren Leidenschaften hinreißen lassen, statt sie mit ihrem Verstand zu beherrschen, sie würden bei ihrer zweiten Geburt zur Strafe als Frau auf die Welt kommen… Mit dieser Aussage ist „Ihr“, „Euer“, „unser“ »Moderner Plato« ein bösartiger Frauenhasser, der außerhalb des derzeitigen Narrativs, möglicherweise früher oder später, auch rechtlich verfolgt würde.

„In Ihrem Fall bedeutet das, eine Erklärung zu liefern für Phänomene wie Überlagerung, ’spukhafte Fernwirkung‘ etc. Genau das machen Sie nicht, sondern nehmen Ihren Legobaukasten und schwurbeln mit allerlei Gleichungsakrobatik ein Modell zusammen, das völlig beliebig ist, nach dem Motto, Freyling gegen den Rest der Welt.“

Da Sie nicht wissen (wollen), was ich wie beschreibe und Sie übergeordnet nicht die notwendigen mathematischen und physikalischen Grundvoraussetzungen besitzen, dies zu verstehen, selbst wenn Sie es verstehen wollten, da Ihnen geschätzt mindestens fünf Jahre akademischer Ausbildung zum Thema fehlen, bleiben als „Inhalte“ Ihrer Aussagen nur humorfreie Emotionen.
Mein Tipp: Deutlich mehr emotionale Zurückhaltung praktizieren und konkrete „geschwurbelte Gleichungsakrobatik im Legobaukasten“ exemplarisch konkretisieren. Das wollen Sie nicht, weil Sie es nicht können. Könnten Sie es, besteht für Sie die Gefahr, dass Sie zugeben müssten, dass Sie falsch lagen. Soviel zur Basispsychologie.

„Leider steht Ihre Überheblichkeit gepaart mit persönlichen Attacken einem freien und entspannten Austausch von Meinungen im Wege.“
Das weckt meine analytische Neugierde. Wo habe ich wen persönlich mit welchen Worten attackiert? Ich erwarte mindestens einen Quellennachweis mit exaktem Wortlaut gemäß Ihrer Behauptung.

Fazit: Herr Stegemann, Sie können nicht über »Moderne Mathematik« philosophieren, da Sie nicht wissen, was das ist. Für Sie bleibt das eine (Art) »spukhafte Fernwirkung«. Ihre selbstmotiviert verwendete Terminologie spricht bereits Bände zu Ihrer Themen-Kompetenz.

Übrigens: Es bedarf nicht eines Freylings, den Unsinn der »Modernen Mathematik« in Assoziation mit der »Modernen Theoretischen Grundlagenphysik« und der unnötigen Philosophie dazu, zu benennen.
Die Theoretische Physikerin Sabine Hossenfelder schreibt im Kommentarbereich ihres Blogartikels »CERN produces marketing video for new collider and it’s full of lies« am 7.Dezember 2018 u.a….
„Wir können nur dann klug entscheiden, wenn wir uns die Fakten ansehen, anstatt uns von Wunschdenken leiten zu lassen. Deshalb ist falsche Werbung wie die oben genannte ein Problem. Menschen, die die Theorien nicht verstehen, glauben sie. Selbst diejenigen, die die Theorien verstehen, lassen sich von den übermäßig optimistischen Aussichten beeinflussen. Ich weiß, dass sie es nicht hören wollen, aber kognitive Verzerrungen und motivierte Wahrnehmung beeinflussen die Art und Weise, wie wir Entscheidungen treffen. Selbst als Wissenschaftler. Besonders in großen Gruppen…. Ein Video über ein neues wissenschaftliches Instrument, dessen Finanzierung diskutiert wird, sollte dem Zuschauer einen vernünftigen Eindruck davon vermitteln, was das Instrument leisten wird…Natürlich sehen die Physiker, die sich das ansehen, nichts Falsches daran. Denn sie wissen, dass es Bullshit ist. Und sie haben sich an diesen Schwachsinn gewöhnt, so dass sie denken, dass es einfach zur Tagesordnung gehört. Die moralische Korruption, die hier stattgefunden hat, ist bemerkenswert.“…

Hossenfelders grobsprachliche Ausdrucksweise ist zwar themenbezogen „ungewöhnlich“ aber unmissverständlich deutlich.

Wie auch immer, nur konkrete Bestandsaufnahmen schaffen argumentative Aussagen. Ein Beispiel wie sehr « Willkür tobt » hatte ich u.a. exemplarisch im Juni 2017 begutachtet…
Im Bereich Allgemeine Relativitätstheorie (ART) und Quantenkosmologie (QK) wurden im Juni 2017 auf arxiv.org 341 neue Artikel veröffentlicht, im Bereich Theoretische Hochenergiephysik 551. Doch keine dieser 892 (!) Juni-2017-Ausarbeitungen mit Titeln wie
Invariant vacuum, The gauge symmetriesof relativistic orbits, Noether symmetrie in f(T) teleparallel gravity, Results in the Spontaneous Annihilation of the Cosmological Constant hat eine erkenntnistheoretische Bedeutung erlangt.
Es handelt sich fast ausnahmslos um theoretische Möglichkeiten und (deren) Interpretationsversuche, die sich aus der Beliebigkeit ergeben, dass die zugrunde liegenden „Kern-Konzepte“, in Form von mathematisch generierten Konstrukten, ein riesiges Spektrum an Möglichkeiten eröffnen, ohne jedoch Relevantes ans Tageslicht zu befördern. Diese Theorie-Spielereien ereignen sich Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr, mittlerweile im Rückblick – traurig aber wahr – Jahrzehnt für Jahrzehnt.

„Übrigens“: Ein großer Unterschied zwischen Frau Hossenfelder und mir ist die Tatsache, dass sie kein alternatives Denkmodell entwickeln konnte…

maria reinecke
11 Monate zuvor
Reply to  Dirk Freyling

@Dirk Freyling

Überflüssig zu sagen, dass ich weder Ihrer vehementen Kritik am SM der Teilchenphysik noch Ihren eigenen
komplizierten Gegen-Gedanken/-Berechnungen angemessen folgen kann. Gleichwohl reizt es mich als umfassend interessierte Laiin, etwas/mehr davon zu verstehen und wage die Bitte an Sie, Ihr eigenes Theoriegebäude, das Sie „gegen alle konservativen Denkstrukturen“ und unter enormem persönlichen Einsatz *) entwickelt haben, so zu skizzieren, zu vermitteln, dass das eklatant Andere in Ihrem Denkmodell besser nachvollziebar wird.
*) http://www.kinkynature.com/ektheorie/EKtheoriemotivation.htm

Vielen Dank aus Berlin

Dirk Freyling
11 Monate zuvor
Reply to  maria reinecke

Hallo Frau Meinecke,
inwieweit das hier vom Autor und Blogbetreiber Dirk Boucsein zu diesem Artikel gewünscht ist, kann ich nicht sagen. Ich folge mal ganz einfach Ihrer Bitte.
Aus Sicht der Frage, die da lauten könnte „Ob Mathematik eine Ontologie braucht?“, kommt diese Frage in meinem Denkmodell (Elementarkörpertheorie, kurz EKT) praktisch nicht vor respektive wird diese mit einem Nein beantwortet. Denn um Berechnungen innerhalb der EKT durchzuführen ist die dazu notwendige Mathematik nichts weiter als ein Werkzeug. Vereinfacht, so wie der Pinsel eines Malers. Neben den Grundrechenarten kommt nur Integral-/Differential-Rechnen dazu. Was als Verfeinerung der Grundrechenarten verstanden werden kann.

Die EKT befasst sich insbesondere mit der Frage, wie Masse und Raum basisnah miteinander verknüpft sind und im „Zusammenspiel“ zu verständlichen Materiebildungen führen, die sich sowohl mikroskopisch als auch korrespondierend makroskopisch – berechnen lassen.

Konträr zur Aussage der Standardphysik, die vier Grundkräfte postuliert, lässt sich Elementarkörper basierend – auf Grund der (skalenkorrespondierenden) Masse-Raum-Kopplung – jedwede Wechselwirkung auf das Masse-Radius-Verhältnis der interagierenden Wechselwirkungspartner reduzieren. Das führt zu einer konstruktiven Beschreibungsverarmung, die entweder durch die Radien oder deren reziprok proportionale Massen ausgedrückt werden kann. Mit Hilfe dieser einkomponentigen sprichwörtlichen Minimalbeschreibung lassen sich Materiebildungsmöglichkeiten verstehen und formal analytisch exakt berechnen.

Für ein anschauliches Verständnis und resultierend für die phänomenologisch begründeten EKT basierenden Gleichungen sind nachweislich weder eine variable Zeit, noch mathematische Raum-Zeit-Konstrukte, noch irgendeine Form der Substrukturierung notwendig. Die grundsätzliche, phänomenologisch begründete Elementarkörper basierende Denkmodell-Forderung besteht darin, daß möglichst minimalistische Gleichungen sowohl das masselose Photon als auch massebehaftete Materie abbilden.

Ontologisch bzw. und/oder phänomenologisch gefragt bestehen u.a. folgende Haupt-Unterschiede zu den postulierten Elementarteilchen und deren postulierten Wechselwirkungen der gängigen Standardmodelle (SM, ΛCDM):

i) Es gibt keinen Masse entkoppelten (leeren) Raum. Raum ist eine Energieform. Es existiert keine Substruktur.

ii) Alle Elementarteilchen „gehorchen“ der so genannten Masse-Radius-Konstantengleichung. Das bedeutet, das Produkt aus der Masse und dem Radius eines Elementarkörpers (kurz EK) ist für alle gleich und entspricht dem faktorisierten (2/π) Quotienten des Planck’schen Wirkungsquantum und der (Vakuum-)Lichtgeschwindigkeit (h/c). Das bedeutet, dass die Entitätseigenschaften (Masse und Radius) nur durch Naturkonstanten exakt beschrieben werden m0·r0=(2/π) · (h/c) = const.
Das eröffnet einfachste Berechnungsmöglichkeiten.

iii) Die theoretische Elementarteilchen-Vielfalt ergibt sich aus dem Masse-Radius-Verhältnis. In diesem theoretisch unendlich großen Spektrum existieren drei maßgebende EK, die die zeitstabile Materie aufbauen und die beobachtbaren Wechselwirkungen zeitstabil beschreiben.

Aus der Gravitationskonstanten γ lässt sich ein Elementar-Körper {Elementarquant G} konstruieren, der sowohl die größtmögliche EK-Einzelmasse {mG} vorgibt, als auch einen „natürlich“ Masse gekoppelten inhärenten EK-Körperradius {rG}. Wobei mG rechnerisch zwei Planckmassen und rG zwei Plancklängen entsprechen. Anders als bei der von Planck durchgeführten willküraffinen Dimensionsanalyse, leitet sich das Elementarquant G der EKT aus dem Vergleich von Gravitationsenergie und Gesamtenergie exakt ab. Planck lag nachvollziehbar im Produkt um den Faktor 4 falsch.

Des Weiteren gibt es nur das Proton und das Elektron als EK um zeitstabile Materie zu formen. Das Neutron ist kein EK und ein Wechselwirkungsergebnis von Elektron und Proton und kann im Rahmen der EKT einfachst berechnet werden (Masse, magnetisches Moment).

Fragmentarisches zum Verständnis, warum trotz experimenteller Gewißheiten ein phänomenologisch unbegründetes Postulat den SM-Protagonisten eine theoriebeladene Interpretation wichtiger war/ist als die (formalisierte) Meßrealität.
Im Rahmen des SM hat das Elektron zwar eine Masse aber postuliert keinen Radius. Als postuliert »nur Rechengröße« wird lediglich ein klassischer Elektronenradius eingeführt.
Dieses Postulat ist experimentell unhaltbar, denn in wortwörtlich allen (!) Versuchen und Berechnungen zur elastischen und inelastischen Elektronenstreuung kommt der, gemäß EKT Elektronen-Masse inhärente Elektronen-Radius vor, als da wären Compton-Streuung, Photoelektrischer Effekt, Thomson Streuung, Paarbildung, Bethe-Bloch-Sternheimer-Gleichung, Møller-Streuung, Kramers-Heisenberg-Formel.
Die Comptonwellenlänge λC steht mit dem EK-Radius (r0) in einem „einfachen“ Verhältnis λC = (π/2)·r0. Die Frage, wie „(werte-)sicher“ die mit den Comptonwellenlängen assoziierten (Ruhe-)Massen inhärenten (Ruhe-)Radien sind, ist „leicht“ zu beantworten: Comptonwellenlängen sind (auch) Messgrößen. [ CODATA-λC(Proton), CODATA-λC(Elektron) ]

Dass das Standardmodell der Elementarteilchenphysik am Gehorsam respektive Autoritätsdenken bereits durch den Umstand scheitern wird, dass ein – an sich bereits Realphysik befreites Objekt-Postulat gegen alle experimentelle Wirklichkeit – nicht hinterfragt wurde, ist insbesondere aus Sicht der SM-Protagonisten, -Apologeten und -Epigonen „phänomenal tragisch“.

Die vermeintliche Strukturlosigkeit respektive Größe des Elektrons (<10-19m) im Teilchen-Beschleuniger als Grundlage für dieses Postulat, ist im Rahmen der EKT leicht verständlich. Die von außen im Beschleuniger zugeführte Energie, die sich in einem Massezuwachs der beschleunigten Teilchen manifestiert, führt unweigerlich im Rahmen einer Masse-Radius-Konstanz zu einem kleineren Objektradius des „energetisch beladenen“ Elektrons.
Fazit: Beschleunigte, hochenergetische Teilchen, in Beschleunigern, meist Protonen und Elektronen, ändern auf Grund der zugeführten Energie radialsymmetrisch ihre Masse-Radius-Verhältnisse. Das bedeutet: Sie werden mit zunehmender Geschwindigkeit masse-schwerer und proportional radius-kleiner. Die Wirkungsquerschnitte werden mit r² respektive mit 1/m² kleiner.

Masse-radius-gekoppelt sind die Proton-Streuzentren mit Wirkungsquerschnitten kleiner als der Wirkungsquerschnitt des Protons – die theorieinduziert als (Quark-Gluonen)-Substruktur interpretiert werden – die radialsymmetrisch radius-verkleinerten Protonen selbst. Analoges gilt für hochenergetische Elektronen. Nur hier führt das etablierte Denkschema, wie bereits ausgeführt, dazu, dass man den Elektronen per weiterem Postulat keine Substruktur geben möchte, im Resultat „erleiden“ Elektronen gemäß Standardmodell der Teilchenphysik (SM) dann die phänomenologisch sinnleere Punktverarmung von Masse und elektrischer Ladung. Die daraus resultierenden theorieinduzierten Divergenzen sind „punktveramungs-inhärent“. Resultierende Unendlichkeiten der Masse-, Ladungs- und Energiedichte werden sodann mittels aufwendigen, mathematisch-axiomatisch „bedenklichen“ Neukonstruktionen – Stichworte Renormierung und Regularisierung – mit eigens für dieses Problem konstruierten, kompensatorisch wirkenden (negativen) Unendlichkeiten zum Verschwinden gebracht. Die daraus resultierenden iterativen Berechnungsmethoden sind über Jahrzehnt stetig ergebnisorientiert mathematisch nachkorrigiert worden.
Wie erkenntnistheoretisch sinnleer heutzutage gearbeitet und argumentiert wird, offenbart folgendes Beispiel: »Berechnung der Vierschleifen-Beiträge zu Taylor-Reihen-Entwicklungskoeffizienten der Vakuumpolarisationsfunktion in perturbativer Quantenchromodynamik«
…dies führt zu ungefähr 700 Feynman-Diagrammen und Lösung eines linearen Gleichungssystems mit nicht konstanten Koeffizienten. Größenordnung: Das Gleichungssystem mit 25 Millionen Gleichungen liefert Lösungen für 4 Millionen Integrale. "Ergebnis": Reihen-Entwicklung der Vakuumpolarisation. Innerhalb dieser Algorithmen, die in Cluster-Großrechneranlagen "arbeiten", geht schnell mal die Tatsache unter, dass man nichts vorausgesagt hat, sondern gemäß bekanntem respektive gewünschten Ergebnis intransparent solange „rechnet“, bis die gewünschte Übereinstimmung passt. Das kann übrigens trotz Mega-Rechnern Jahre dauern.

iv) Die in den Standardmodellen unbestimmte Bindungsenergie, sowie jedwede Wechselwirkungs-Energiebeiträge werden im Rahmen der EKT wortwörtlich verkörpert. Beispielsweise wird die Grundzustandsenergie des Wasserstoff-Atoms (Rydberg-Energie: ERy) suggestiv Rydberg-Quant genannt. Es hat die Masse mRy und gemäß Masse-Radius-Konstantengleichung den assoziierten Radius rRy. Es gilt: mRy·c² = ERy und mRyrRy = (2/π) · (h/c).

v) Alle Elementarkörper und deren Materiekonstruktionen, wie das Wasserstoffatom, lassen sich in energieäquivalente Photonen (teil-)überführen (ein Stichwort im Rahmen des SM wäre die Annihilation, Paarbildung)und Photonen in EK. Dieser Vorgang wird im Rahmen der EKT (auch) exakt formalisiert.

vi) Es gibt (nur) drei Wechselwirkungsmöglichkeiten zur Materiebildung, die jedwedes teils SM-bekannte postulierte Elementarteilchen ohne Substruktur primär aus einer Proton-Elektron-Wechselwirkung energetisch abbilden. Ob Rydberg-Quant, Neutron, Pion, Myon, Higgs-Boson, alle lassen sich direkt oder als Kaskadenereignis, formal einfachst berechenbar auf eine Proton-Elektron-Wechselwirkung zurückführen. Zwei dieser Berechnungen benötigen formal den Zusammenhang mit der Feinstrukturkonstanten α.

vii) Die Sommerfeldsche Feinstrukturkonstante α wird mittels Masse-Radius-Konstantengleichung aus dem Vergleich von elektrischer Energie und Gesamtenergie hergeleitet und exakt berechnet.

viii) Wie sich später herausstellte, lassen sich alle Grundgleichungen der EKT (EK-Entstehungsgleichungen) auch auf verschachtelte EK-basierende Makroobjekte anwenden. So lässt sich in formaler Analogie eine maximale Universums-Masse mit einem maximalen Universums-Radius assoziieren und berechnen. Gravitation wird durch das „Mißverhältnis“ makroskopischer Körper zu EKn verständlich und exakt berechenbar, da die makroskopischen verschachtelten Vielteilchen-EK nicht der Masse-Radius-Konstantengleichung genügen. Des „Weiteren werden Größen, wie die Temperatur der Hintergrundstrahlung, phänomenologisch begründet, berechenbar.

Makroskopische Körper und Gravitation
Für Körper mit von rG/mG abweichenden Radius-Masse-Verhältnissen bedeutet dies umgangssprachlich schlicht, dass "Arbeit" verrichtet werden musste, um einen größeren (Körper-)Raum aufzuspannen, als er im längenkleinsten, massereichsten Elementarquant {G} natürlich-kodiert vorliegt. Unter Berücksichtigung der Energie-Erhaltung kann diese Energie nur aus der masseabhängigen Ruhe-Energie stammen. In der masseabhängigen Wechselwirkung der Gravitation kommt dann nur der Masseanteil (effektive Masse) zu tragen, der nach Abzug der Masse äquivalenten Raum-Energie zur Verfügung steht. Bereits an dieser Stelle wird deutlich, wie "fantastisch" einfach Gravitation zu verstehen ist, wenn eine entsprechend einfache Denkmodell-Phänomenologie vorliegt.
Bekannte makroskopische Objekte (…Billardkugel, Fußball, Erde, Sonne,…) genügen offensichtlich nicht der Masse-Radius-Konstantengleichung. Ihre reale Ausdehnung ist (schon vor der Wechselwirkung) um viele Zehnerpotenzen größer, als es die Gleichung für masse-radius-gekoppelte Elementarkörper fordert. Ohne die konkrete Natur der Vielteilchen-Verschachtelung zu kennen, lässt sich allgemein verstehen, dass die scheinbar im Verhältnis zur Ruhe-Energie fehlende [Raum-]Energie der Gravitationswechselwirkung in der realphysikalischen Objekt-Ausdehnung steckt, welche durch den Objektradius bzw. durch den Wechselwirkungs-Abstand (Wechselwirkungsradius) zum Massenschwerpunkt gegeben ist.

ix) Ladungsinvarianz ist eine direkte Folge der Masse-Radius-Konstanz.
Elektrische Ladung ist ein Sekundärbegriff der herrschenden Physik, der eine von der Masse (und dem Radius) des Ladungsträgers abgekoppelte "phänomenologische Entität" suggeriert. Elementarkörpertheorie basierend sind jedoch alle Ladungswechselwirkungen anschaulich auf Masse-Radius-Kopplungen zurückzuführen. Elektrische Ladungen im Elementarkörper-Denkmodell kommen als (formales) Resultat der Masse-Radius-Kopplung bequemerweise implizit über Funktionen der Sommerfeldschen Feinstrukturkonstanten α vor.

x) Die Divergenzproblematiken, sowohl klassischer als auch quantenfeldtheoretischer Betrachtungen, finden ihre theoriebeladene Ursache in den jeweiligen Denkmodellen. Dort wird die innere Struktur der Energieträger (Gravitation, (elektrische) Ladung) schlicht nicht erfasst. Berücksichtigt man jedoch die endliche, realphysikalisch orientierte, phänomenologische Natur der Objekte im Rahmen der EKT, lösen sich die "Unendlichkeiten" plausibel auf.

xi) Neutrino-Aus
Auch für Neutrinos gilt: Es gibt keinen einzigen direkten Neutrinonachweis. Es handelt sich stets um stark theoriebeladene Versuchsergebnisinterpretationen.
Was man u.a. wissen respektive bedenken sollte: Standardmodell-(SM)-Forderung: Um die Fermionenmassen durch Kopplung der Fermionen an das postulierte Higgs-Feld zu erzeugen, müssen folgende Bedingungen erfüllt sein: Die Massen der rechts- und linkshändigen Fermionen müssen gleich sein. Das Neutrino muß masselos bleiben. Diese Grundbedingung steht in einem eklatanten Widerspruch zu gleichfalls postulierten Neutrino-Oszillationen (Nobelpreis 2015), die zwingend Neutrinomassen voraussetzen. Dieser Umstand wird letztendlich von den SM-Protagonisten ergebnisorientiert ausgeblendet.
„Sagen“ wir es mal so, die Neutrino-Existenz-These ist ein Sakrileg. Auch nur zu denken, dass es keine Neutrinos gibt, wird als schwerwiegende Leugnung insbesondere nicht fachlich Ausgebildeter abgetan.
Wie auch immer, Tatsache ist, das Neutrino-Existenz-Postulat entstand aus der Annahme, dass vermeintlich experimentell zu beobachtende Energie fehlt(e).

Am Rande dazu bemerkt: Niels Bohr äußerte bereits 1931 auf einer Konferenz in Rom die Ansicht, dass zum Verständnis des Betazerfalls nicht neue Teilchen, sondern ein ähnlich schwerwiegender Umsturz der bestehenden Vorstellungen nötig sei wie bei der Quantenmechanik. Er zweifelte den Satz von der Energieerhaltung an, ohne jedoch einen konkreten Gegenvorschlag entwickelt zu haben.

Rational ergebnisoffen gefragt: Gibt es argumentativ begründbare, phänomenologisch basierende Denkmodellalternativen zur Neutrino-These? Ja, die Masse-Raum-Kopplung.
In der „herrschenden“ Theoretischen Modellphysik gibt es den Raum umgangssprachlich stets gratis. Da des Weiteren die postulierten elementaren Theorieobjekte des SM keine Ausdehnung besitzen sollen, obwohl wir realphysikalisch makroskopischen Raum als Fundamentaleigenschaft von Materie anerkennen, ist es unvorstellbar, dass Energie benötigt wird, um einen (Objekt-)Raum „aufzuspannen“. Das bedeutet jedoch im Rahmen der EKT, dass die vermeintlich fehlende, rein auf die Masse bezogene Energie, in der Raumvergrößerung „steckt“. Das bedeutet, dass wir den Elementarteilchen Masse und räumliche Ausdehnung (Radius), gemäß ihrer Comptonwellenlängen – experimentell überprüfbar – zuordnen. Mit diesem übergeordnet sehr erfolgreichen (ontologischen) Denkmodell, löst sich die Energieerhaltungsproblematik (des Beta-Zerfalls, allgemein von Teilchen-Zerfällen) auf. Einfach formuliert: Masseabhängige Energie wandelt sich teilweise in Raumenergie und umgekehrt. Der Energieerhaltungssatz wird nicht verletzt, doch führt diese Betrachtungsweise zu einem Paradigmenwechsel, da der Raum als solcher eine Energieform ist.

xii) EKT-Berechnungen reduzieren sich auf folgende Messgrößen: Masse von Elektron und Proton, inhärent deren Radien, α, γ, c, h, e (elektrische Elementarladung). Wobei α im Rahmen der EKT aus dem Verhältnis von elektrischer Energie und Gesamtenergie auch Denkmodell-theoretisch hergeleitet wird.

xiii) Die Beziehung E=mc² wird im Rahmen der EKT phänomenologisch über die innere Dynamik des EKs hergeleitet.

Die Herleitung der Masse-Energie-Äquivalenz ist unter formalanalytischen Gesichtspunkten weit weniger "eindeutig geklärt", als es die Spezielle Relativitätstheorie (SRT) suggeriert. Ohne das Gedankenexperiment Einsteins und den Rechenweg an dieser Stelle explizit auszuführen, folgt gemäß Albert Einstein respektive gemäß SRT E = mc² aus einer "klassischen Grenzfall" – Approximation mittels Taylorreihenentwicklung. Streng genommen ist diese Herleitung – salopp formuliert – nicht "zwingend", da hier ergebnisorientiert die gewünschte Lösung die Näherung (mit-)bestimmt.

Im Rahmen der EKT ist die Herleitung von E=mc² näherungsfrei.

maria reinecke
11 Monate zuvor

@Christian Bührig @ Dr. Stein @Dirk Boucsein @Wolfgang Stegemann

Hi, Christian, keine Sorge 🙂

…es ging schlicht um die allgemeine Feststellung, dass die Begrifflichkeit eines statischen physikalischen Weltbildes nicht ohne weiteres auf ein dynamisches übertragen werden könne – was m.E. nicht heißen muss, dass eine neue/adäquate/erweiterte Begrifflichkeit deswegen ‚antirational‘ sein müsse. (Rationalität – ein weites Feld

… auf den Schultern Kants sitzend, habe ich nur an des Meisters Ruf erinnern wollen: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“

@Dr. Stein @Dirk Boucsein @Christian Bührig
Dr. Stein wünscht sich hier eine Diskussion „auf Augenhöhe“ zwischen Physik und Philosophie; für mich als interessierte Laiin überaus spannend; wobei es offenbar um die Deutungsdebatte zur Quantentheorie gehen soll, einer Theorie, die seit mehr als 90 Jahren vorliegt, deren Anwendung höchst erfolgreich und fruchtbar ist (womit nicht die technischen lukrativen Nutzanwendungen gemeint sind), über die gleichzeitig ein wachsender Meinungsstreit tobt. Es würde also um fundamentale Erkenntnisse über den Aufbau der Natur und die Frage gehen, wenn ich das richtig verstehe: was sagt die Quantentheorie über die Struktur der physikalischen Realität aus?

Es heißt: ein verlässlicher Ausgangspunkt in einer solchen Diskussion sei der mathematische Formalismus der Quantentheorie; er sei präzise, umfassend und unstrittig; seine Anwendung unterliege auch in konkreten physikalischen Situationen im Sinne einer Minimalinterpretation keinem Zweifel. Der Streit beginne erst bei weitergehenden Folgerungen…

Weiter heißt es, die Mathematik liefere strenge Vorgaben, die bei Deutungsaussagen berücksichtigt werden müssen. So gäbe es z.B. aussagekräftige Theoreme zur Nichtexistenz von verborgenen Variablen, sofern diese mit der Relativitätstheorie verträglich sein sollen.

Letztlich würde es in einem solchen Diskurs zwischen Philosophie – Physik natürlich um Weltbildfragen gehen, d.h. die Elemente des mathematischen Formalismus der Theorie müssten gedanklich auf (mögliche) Elemente der physikalischen Realität bezogen werden und es könnte somit konkretisiert werden, was mit der Interpretation einer physikalischen Theorie gemeint sei…

Ja, spannend. Ich freue mich drauf.

Bernd-Jürgen Dr.Stein
Bernd-Jürgen Dr.Stein
11 Monate zuvor

Hallo Frau Reinecke,
es ist wunderbar, dass Sie an dieser Diskussion teilnehmen. Wir können an Ihren Darlegungen erkennen, dass trotz Ihres scharfen Verstandes unsere Darlegungen für Sie keinesfalls immer verständlich sind, wo wir nämlich für uns selbstverständliche Dinge besser klarlegen müssen. Wir sind nämlich alle ziemlich akademisch abgehoben, und es ist gut dass jemand da ist, der mal sagt, wie er die Dinge sieht und uns auf den Teppich holt.

Möglicherweise ist des breite Meinung, die Mathematik würde etwas über die Ontologie dieser Welt aussagen. Das tut sie aber nicht. Sie liefert allenfalls vage Aspekte. Hauptsächlich liefert sie uns etwas über die funktionellen Zusammenhänge und Abhängigkeiten der relationalen Eigenschaften der Dinge. Sie liefert nichts über die intrinsichen Eigenschaften der Dinge. Wer nur die Mathematik kennt, der entnimmt der Newtonschen Theorie, dass sich Massepunkte um die Sonne bewegen, was die falsche Ontologie ist. Wer nur die Mathematik kennt, entnimmt der elektromagnetischen Theorie, dass es es ein E und B in der Realität gibt, was die Physiker Feld nennen, ohne zu wissen, wie dieses Realobjekt denn beschaffen ist. Wer nur die Mathematik kennt, entnimmt der Quantentheorie, dass Wellenfunktionen oder Zustandsvektoren durch einen (abzählbar) unendlich dimensionalen Raum eilen, wobei keiner weiss, was denn das nun wieder sein soll. Was die Mathematik da beschreibt, kann man aus ihr allein nicht klar herauslesen. Man benötigt noch Experimente, andere theoretische Überlegungen (z.B. Symmetrieüberlegungen) und so weiter, um ein Modell der Wirklichkeit auf kleinsten Skalen zu konstruieren – und genau darum geht es: diese Modelle sind nicht widersprüchlich beschreibbar, es gibt keine konsistenten Konstruktionen, sodass es Streit darüber gibt, ob die Modelle mit der Realität übereinstimmen sind oder nicht. Und da streiten sich die Physiker selbst (Stichwort: Bohr, Bohm, viele Welten). Und die Philosophen mischen sich ein und sagen: bitte nur widerspruchsfreie Modelle vorlegen, sonst bitte neu machen. Und die meisten Physiker sagen: geht nicht, die Natur selbst ist widersprüchlich, womit sei ihre eigenen widersprüchlichen Aussagen dann wieder konsistent gemacht haben. Das sieht dann aber sehr danach aus, dass sie die Realität der Theorie anpassen, statt umgekehrt. Sie sehen, die strittigen Punkte kann man ganz gut auf den Punkt bringen, wobei viele Physiker dann noch nachlegen und behaupten, die Philosophen sollten sich raushalten, weil sie sowie so nichts von der Sache verstehen. Und die Philosophen an den Universitäten halten sich dann auch raus, weil die Physiker im Wissenschaftsbetrieb einfach mehr Macht haben.

Habe ich das alles richtig dargestellt ? Ich weiß nicht, vielleicht mehr oder weniger.

Dabei haben wir den Schlüssel für eine Lösung der Probleme in der Hand. Und das werden wir auf dieser Plattform auch bald vorstellen. Wahrscheinlich wird sich dann aber niemand dafür interessieren. Ist eben eine philosophische Plattform.

Grüße Bernd Stein

Bernd-Jürgen Dr.Stein
Bernd-Jürgen Dr.Stein
11 Monate zuvor

Hallo Herr Freyling,

dem Kommentar von Frau Reinecke kann ich mich zu 100 Prozent nur anschließen:

„Überflüssig zu sagen, dass ich weder Ihrer vehementen Kritik am SM der Teilchenphysik noch Ihren eigenen
komplizierten Gegen-Gedanken/-Berechnungen angemessen folgen kann. Gleichwohl reizt es mich als umfassend interessierte Laiin, etwas/mehr davon zu verstehen und wage die Bitte an Sie, Ihr eigenes Theoriegebäude, das Sie „gegen alle konservativen Denkstrukturen“ und unter enormem persönlichen Einsatz *) entwickelt haben, so zu skizzieren, zu vermitteln, dass das eklatant Andere in Ihrem Denkmodell besser nachvollziebar wird.“

Vielleicht kriegen Sie es ja irgendwann hin, die zentralen Aussagen Ihrer Theorie nachvollziehbar zu vermitteln. Das ist sicher in einem kürzeren, aber metaphysisch gehaltvollerem Text möglich, der möglichst die Verwendung von fachspezifischen Begriffen vermeidet. Also mit einfachen Worten erklärt, was den semantischen Gehalt ihrer Mathematik ausmacht, worin die verschlüsselte Botschaft ihrer Mathematik besteht. Ich habe wahrhaftiges Interesse daran, werde von Ihnen aber bisher nur kurz gehalten. Bitte keine fachspezifischen Darlegungen, die keiner verseht, dies ist eine philosophische Plattform. Vielleicht ist dies schwer für Sie, aber es geht nicht anders.

Grüße Bernd Stein

maria reinecke
11 Monate zuvor

@ Dirk Freyling und @ Dr. Stein:

Aufrichtigen Dank für Ihre ermutigenden weiterführenden Kommentare!

@Dirk Freyling: Besonderer Dank für Ihr promptes umfangreiches Eingehen auf meine Bitte.
Damit habe ich nun erst einmal zu tun.

Spontan zu Ihrem ersten Punkt:

„Es gibt keinen Masse entkoppelten (leeren) Raum. Raum ist eine Energieform. Es existiert keine Substruktur.“ (Freyling)

Scheinbar leere Räume (Vakuumstrukturen) – mikroskopisch/mikrologisch sowie makroskopisch/makrologisch – werden u.a. auch in prozessphilosophischem Zusammenhang thematisiert (z.B. bei A.N. Whitehead, engl. Mathematiker, Physiker, Philosoph, 1861 – 1947).

Frage:
Könnten Sie der allgemein gehaltenen Aussage zustimmen: dass die moderne Physik des XX. Jahrhunderts zu einer grundlegenden Revision unserer Vorstellungen vom Universum und unserem Verhältnis zu ihm geführt habe; dass nicht mehr Körper und deren Verhalten im Vordergrund stünden, sondern Energie, Aktivität, Relationalität, Wechselbeziehung, Veränderung die eigentlichen Tatsachen der Welt seien; und dass diese soz. die metaphysische Hintergrundsfolie für ein neues, dynamisches Wirklichkeitsverständnis bilden…?

Danke.

Dirk Freyling
11 Monate zuvor
Reply to  maria reinecke

Hallo Frau Reinecke,
zu Ihrer Frage, Antwort: Ja und Nein.
Ja, im Sinne des Standardmodells der Kosmologie aus Sicht der Befürworter, Epigonen und Apologeten basierend auf populärwissenschaftlichen Indoktrinationen, zu dem was von interessierten Laien geglaubt werden soll und dann auch geglaubt wird.
Nein, in Bezug auf Ihre Formulierung. Energie und Wechselwirkung waren zu allen Zeiten neben Körpern Thema kosmologischer Betrachtungen, zumindest aus wissenschaftlicher Sicht.

Zum Verständnis
In unserem Sonnensystem gibt es weder Neutronensterne, Gamma Ray Bursts (GRBs) noch Schwarze Löcher (respektive „Anomalien“, die als solche interpretiert werden können).
Eine Liste postulierter »Schwarzer Löcher« ergibt mit einer „kürzesten“ Entfernung von 2800 Lichtjahren, das erdnächste Schwarze Loch. Zum Vergleich: Der nächste Stern „aus unserer Sicht“ ist mit ~ 4,24 Lichtjahren Proxima Centauri. Objekt- und Entfernungs-Angaben beziehen sich auf die „Sicht des ΛCDM-Modells“.

Das angesiedelte soziologische Wahrnehmungsproblem „besteht“ darin, dass hier, nach einfachem psychologischem Glaubens-Muster, diverse postulierte Theorieobjekte unterschiedlichster Art, teils seit Jahrzehnten – der mit rudimentärem Wissen ausgestatteten Bevölkerung – populärwissenschaftlich als 100% real existent sprichwörtlich „verkauft“ werden.
Die etablierte Meinung, dass theoretische Aspekte der Teilchen-Physik und Kosmologie nur von Fachleuten bewertet werden können, ist diskussionswürdig. Jedwede erkenntnistheoretisch wertvolle, konsistente Theorie kann von intelligenten Menschen mit einem gewissen Grad an Vorbereitung verstanden werden. Es sind vielmehr die zeitgenössischen theoretischen Konzepte, denen es an formaler Logik fehlt. Jeder freie Parameter ist ein freier Parameter zuviel. Die beliebte Unart bereits vorhandene sekundäre Größen und Begriffe, durch weitere sekundäre Größen und Begriffe oder weiterer postulierter Substrukturierung vermeintlich zu erklären, führt unweigerlich in die Beliebigkeit.
Hier kommen Wissens-Vermittler ins Spiel, die möglichst objektiv erst einmal die Sachlage erklären (können).
Raum und Zeit sind primär „Ordnungsmuster des Verstandes“. Um aus diesen Ordnungsmustern Physik zu „erhalten“, bedarf es zwingend einer phänomenologischen Betrachtung und Erklärung.
Diese Aufgabe ist bezüglich der physikalischen Standardmodelle schwierig, da viele fundamentale Aspekte keinen Plausibilitätsbetrachtungen entsprechen, die sinnlich wahrnehmbar sind.

i) bis xiii) in obigem Kommentar liefern nahezu gleichungsfreie Hinweise zum Verständnis…

Dirk Freyling
11 Monate zuvor

Herr Stein und Interessierte,
Philosophie ist wie ein Gedankenexperiment-Container
Wenn es „ernst und real“ wird, sind in diesem Container (nur) Fachdisziplinen und mitunter resultierend interdisziplinäre Betrachtungen relevant. Die Philosophie bleibt vage und unbestimmt, wenn man so will, semantisch in der Bedeutung erhöht, aber stets „virtuell“.

Die „Philosophie“ in meinen Ausführungen ist explizit erkennbar. »Zwischen den Zeilen lesen« fördert diese an die Wahrnehmungsoberfläche. Die Physik steht jedoch, wie kann es auch anders sein, im Vordergrund.

Ob, beispielsweise im geschichtlichen Kontext, die QM als auch die SRT/ART Anfang des 20.Jahrhunderts entstanden – abstrakt formuliert – »Geistes-Kinder des Expressionismus« sind, ist eine kulturhistorische und nicht eine philosophische Frage. Auch Albert Einsteins Wirken und QM-Kritik beinhalten wenig Philosophie. Seine Kritik lässt keinen Spielraum für Vages.

Albert Einstein entzog schon früh der QM argumentativ die Grundlage des Seins:
…“Die ψ-Funktion ist als Beschreibung nicht eines Einzelsystems, sondern einer Systemgemeinschaft aufzufassen. Roh ausgesprochen lautet dies Ergebnis: Im Rahmen der statistischen Interpretation gibt es keine vollständige Beschreibung des Einzelsystems. Vorsichtig kann man so sagen: Der Versuch, die quantentheoretische Beschreibung der individuellen Systeme aufzufassen, führt zu unnatürlichen theoretischen Interpretationen, die sofort unnötig werden, wenn man die Auffassung akzeptiert, daß die Beschreibung sich auf die Systemgesamtheit und nicht auf das Einzelsystem bezieht. Es wird dann der ganze Eiertanz zur Vermeidung des ‘Physikalisch-Realen’ überflüssig. Es gibt jedoch einen einfachen physiologischen Grund dafür, warum diese naheliegende Interpretation vermieden wird. Wenn nämlich die statistische Quantentheorie das Einzelsystem (und seinen zeitlichen Ablauf) nicht vollständig zu beschreiben vorgibt, dann erscheint es unvermeidlich, anderweitig nach einer vollständigen Beschreibung des Einzelsystems zu suchen, dabei wäre von vornherein klar, daß die Elemente einer solchen Beschreibung innerhalb des Begriffsschemas der statistischen Quantentheorie nicht enthalten wären. Damit würde man zugeben, daß dieses Schema im Prinzip nicht als Basis der theoretischen Physik dienen könne.”… Quelle: A. Einstein, Qut of my later years. Phil Lib. New York 1950 Seite 498

Einsteins Einwände sind heute noch genauso aktuell, wie in den QM-Anfängen.

In meinem Denkmodell ist (die) „Handlungs-Philosophie“ die methodisch konsequent und bis zum Extrem konstruktive Beschreibungsverarmung, die nicht nur meßtechnisch sondern auch sinnlich erfahrbar ist. Geht quantitativ weniger als eine Entitätseigenschaft als Grundlage des Seins und der Wechselwirkung? Ist diese Frage nun eine philosophische oder schlicht eine rationale?

Das eigentliche Problem entsteht aus der Einfachheit des Denkmodells. Es ist die »Philosophie der Denk-Konditionierten«, die das Einfache nicht erkennen können bzw. erkennen wollen, da es in der Konsequenz das finale Aus im Sinne des Prinzips der Parsimonie für bestehende Denkmodelle bedeutet.
Denn: Ein phänomenologisch begründetes, konsistentes Denkmodell mit einer »konstruktiven Beschreibungsverarmung« auf eine sinnerfahr- und mess-bare Primärgrösse, mathematisch ausgedrückt durch einen Radius, welches exakte, formal-analytische Lösungen und konkrete Berechnungen zulässt, die in guter bis sehr guter Übereinstimmung mit experimentellen Größen sind, erzeugt erst einmal einen reflexartigen Denkmodell-Ablehnungsprozess. Dieser basiert nicht auf logischer Argumentation sondern ist das Ergebnis mehr als 100-jähriger Indoktrination in Richtung realobjekt-feindlicher Theoretischer Grundlagenphysik. Die negativ-soziologischen Aspekte wurden spätestens seit Beginn der Glaubensfestigung des Standardmodells der Teilchenphysik in den 1970er Jahren mit jedem weiteren postulierten Elementarteilchen, assoziierten neuen Theorieelementen und weiteren postulierten Wechselwirkungen potenziert.

Ein Denkmodell-Konstruktionsmotiv in meinen Ausarbeitungen basiert(e), wenn man so will, auf Karl Poppers Feststellung und implizite Aufforderung zum Denkmodell-Minimalismus:

„Unsere Untersuchung läßt erkennen, daß selbst nahe liegende Zusammenhänge übersehen werden können, wenn uns immer wieder eingehämmert wird, daß das Suchen nach solchen Zusammenhängen ‘sinnlos’ sei.“ Quelle: Karl Popper, Logik der Forschung. 9. Aufl. Mohr, Tübingen 1989, S. 196

In der EKT bestimmte die Beobachtung und Mustererkennung die Konstruktion. Ich habe sozusagen Karl Popper ernst genommen und im Sinne des Prinzips der Parsimonie Notwendiges methodisch minimalisiert. In den Standardmodellen bilde(te)n mathematische Strukturen, (abstrakte) Symmetrien und Transformationsregeln die Denkmodellbasis. Dann wurden und werden den mathematischen Objekten physikalische Theorieobjekte zugeordnet. Da diese nicht existierten wurden nicht beobachtbare zeitinstabile Teilchen und postulierte Wechselwirkungen mit den mathematischen Elementen im Teilchenbeschleuniger erfunden und assoziiert.

Phänomenologisch besitzen die im Teilchenbeschleuniger „erzeugten“ Teilchen, ausser (von aussen eingebrachte) zeitstabile Elektronen, Protonen und Photonen (als masseloser Zustand des energetisch äquivalenten Elementarkörpers) keine materiebildende Relevanz. Überflüssig zu erwähnen, dass Elektronen, Protonen und Photonen omnipräsent sind. Ihr „Vorkommen“ als „Beschleunigerergebnisse“ sind also nicht sonderlich überraschend. Alle anderen Beschleuniger generierten, zeitinstabilen Teilchen sind ohne direkten Nachweis. (Das sollte auch Philosophen stark zu denken geben.)

Zum Vergleich:
Der EKT-Weg
Realobjekt-Forschung geht von reproduzierbaren, empirischen Befunden aus und bemüht sich dann um Systematisierung, Verallgemeinerung und ein „theoretisches Verständnis“.

Der Standardmodell-Weg
Im heutigen Standardmodell orientierten Denken werden theoretisch Befunde postuliert, nach denen dann mittels computersimulierten „Versuchsaufbauten“ selektiv gesucht wird. Diese stark theoriebeladene Suche kennt keinen einzigen direkten Nachweis und lässt sich auf Grund der vielen freien Parameter, nicht detektierbaren postulierten Theorieobjekten und deren postulierten Kaskadenereignissen beliebig ergebnis-interpretieren. Man kann offensichtlich in jeder beliebigen Theorie Widersprüche mit der Beobachtung dadurch „wegerklären“, dass man weitere (unüberprüfbare) Postulate in die Theorie mit aufnimmt, die genau diese Beobachtung „erklären“. Dass SM hat diese unwissenschaftliche Unart zur Standardprozedur etabliert und „unerreicht“ auf die Spitze getrieben. Dort thront stellvertretend für allerlei Unwissenschaftliches die Confinement-These.

Brigitte Falkenburg präzisiert sozusagen Poppers Bemerkungen und analysiert den SM induzierten „Wechselwirkungs-Teilchenzoo“, sie schreibt in »Particle Metaphysics: A Critical Account of Subatomic Reality (2007)« u.a.

„Es muss Schritt für Schritt transparent gemacht werden, was Physikerinnen und Physiker selbst als empirische Basis für das heutige Wissen der Teilchenphysik ansehen. Und es muss transparent sein, was sie im Einzelnen meinen, wenn sie von subatomaren Teilchen und Feldern sprechen. Die Weiterverwendung dieser Begriffe in der Quantenphysik führt zu ernsthaften semantischen Problemen. Die moderne Teilchenphysik ist in der Tat der härteste Fall für Inkommensurabilität im Sinne Kuhns“….
…“Schließlich ist die Theorieabhängigkeit ein schlechtes Kriterium, um zwischen sicherem Hintergrundwissen und unsicheren Annahmen oder Hypothesen zu unterscheiden.“
…“Die subatomare Struktur existiert an sich nicht wirklich. Sie zeigt sich nur in einem Streuexperiment mit einer bestimmten Energie, also aufgrund einer Wechselwirkung. Je höher der Energietransfer bei der Wechselwirkung ist, desto kleiner sind die gemessenen Strukturen. Hinzu kommt, dass nach den Gesetzen der Quantenfeldtheorie bei sehr hohen Streuenergien neue Strukturen entstehen. Die Quantenchromodynamik (d. h. die Quantenfeldtheorie der starken Wechselwirkung) besagt, dass je höher die Streuenergie ist, desto mehr Quark-Antiquark-Paare und Gluonen im Inneren des Nukleons entstehen. Nach dem Modell der Streuung in diesem Bereich führt dies wiederum zu Skalierungsverletzungen, die tatsächlich beobachtet wurden. Dies wirft ein neues Licht auf Eddingtons alte Frage, ob die experimentelle Methode zur Entdeckung oder zur Herstellung führt. Offenbart die Wechselwirkung bei einer bestimmten Streuenergie die gemessenen Strukturen oder erzeugt sie diese?“
…“Es ist nicht möglich, einen gemessenen Querschnitt auf seine individuelle Ursache zurück zu führen. Keine Kausalgeschichte setzt einen gemessenen Formfaktor oder eine Strukturfunktion mit seiner Ursache in Beziehung“…
…“Mit den in Teilchenbeschleunigern erzeugten Strahlen kann man weder in das Atom hineinschauen, noch subatomare Strukturen sehen, noch punktförmige Strukturen im Inneren des Nukleons beobachten. Solches Gerede ist metaphorisch. Das einzige, was ein Teilchen sichtbar macht, ist die makroskopische Struktur des Targets“…
…“Niels Bohrs Quantenphilosophie…Bohrs Anspruch war, dass die klassische Sprache unverzichtbar ist. Dies hat bis heute Gültigkeit. Auf der individuellen Ebene von Klicks in Teilchendetektoren und Teilchenspuren auf Fotos müssen alle Messergebnisse in klassischen Begriffen ausgedrückt werden. Die Verwendung der bekannten physikalischen Größen Länge, Zeit, Masse und Impuls-Energie auf subatomarer Ebene ist in der Tat auf eine Extrapolation der Sprache der klassischen Physik auf den nichtklassischen Bereich zurückzuführen.“

EKT
Die grundsätzliche „Teilchen-Philosophie“ meines Denkmodells ist leicht zu verstehen. Beispielsweise alle hier von Frau Falkenburg aufgeführten unbestimmten Begriffe und willkürlichen Aspekte müssen „ausgeblendet“ werden, wenn es um die Eigenschaften der postulierten Entitäten und Wechselwirkungen eines universellen Denkmodells geht. In der EKT ist das einfach, da Elektron, Proton, Elementarquant, die verkörperte Rydberg-Energie, Pion, Myon, usw., wie alle denkbaren energetischen Verkörperungen als Elementarkörper wesensgleich sind. Sie alle genügen der Masse-Radius-Konstantengleichung, alle weisen die gleiche innere Dynamik auf, alle sind radialsymmetrisch und unterscheiden sich nur durch das Verhältnis von ihrer Masse zu ihrem Radius. Wobei zu bemerken ist, das nur Proton, Elektron, Elementarquant und Photonen zeitstabil sind. Alle anderen sind mehr oder weniger “Kurzlebige“, meist im Teilchenbeschleuniger entstanden. Das Neutron ist eine Wechselwirkungsmöglichkeit aus der Proton-Elektron-Überlagerung.

Hier schließt sich der Kreis. Aphoristisch: Ich bin der Maler, einfache Mathematik ist der Pinsel. Der wiederholt vorgetragene Versuch einiger Kommentatoren, dass über den Pinsel philosophiert werden soll, ist (insbesondere in meinem „Fall“, da Mathematik hier nur Werkzeug ist) sinnleer.

Andererseits: Der Versuch von Philosophen, die hier als Theoretische Laien-Physiker, über „komplex-mathematisierte“, mathematisch generierte Standard-Denkmodelle der Elementarteilchen und Kosmologie „philosophieren“ möchten, ist auch für mich durchaus nachvollziehbar, weil das Metaphysische, Unbestimmte dominiert und eine offensichtlich große Strahlkraft besitzt und im Ergebnis den Geist des Philosophen zum Mitdenken anregt. Aber spätestens in dem Moment, wo sich herausstellt, dass diese Modelle, u.a. auf Grund innerer Denkmodell-Widerlegungen, keine epistemologische Relevanz haben und bei genauer Sicht, inkonsistent und beliebig fragmentiert sind: Nahezu jedes neue postulierte Teilchen schafft(e) Sonderregelungen,… spätestens dann sollten auch Laien zu dem einzig sinnigen Schluss kommen, das hier, neben mathematisch-physikalischen, psychologische und soziologische Betrachtungen aber nicht philosophische „Platz haben“. Philosophieren um des Philosophieren willens sollte auch hier nicht sein.

Konstruktiver Ausblick – Mögliche Denkarbeiten für Philosophen zur Mathematik

Obwohl die ein oder andere „Auffälligkeit“ seit Jahrhunderten bekannt ist, ist bis heute kein tiefer liegendes Verständnis (modellmäßig) entwickelt worden.

i) Die Binomialverteilung…
diese formalisierte Beschreibung ermöglicht es Ereignisse statistisch präzise zu erfassen.
Beispiel zum Verständnis : Roulette
Der Laie vermutet, dass es zu einer möglichst ausgeglichenen Verteilung kommt. Tatsache ist jedoch, dass nach 37 „Würfen“ stets ~ 1/3 der Zahlen nicht „gezogen“ werden. Dies kann man also theorieunbeladen wiederholt beobachten. Selbst die Abweichung von dieser Auffälligkeit lässt sich statistisch sehr gut erfassen. „Philosophisches“ Fazit: Die Natur bevorzugt eine »geregelte Erscheinungsasymmetrie die sich präzise formalisieren läßt«

ii) Sehr bemerkenswert ist auch das »Buffonsche Nadelproblem«, welches experimentell die Kreiszahl π bestimmt*. Das ist insbesondere unter dem Aspekt interessant, dass die Fragestellung der Wahrscheinlichkeit und die Konzeption des Versuches, indem „Linienobjekte“ (Nadeln) parallele Abstände „berühren“, keinen offensichtlichen Zusammenhang zum Kreis abbilden und der Versuch als solches das Ergebnis ohne eine begründete mathematische Berechnung liefert, insofern als dass man schlicht das Verhältnis von linien-berührenden Nadeln (l) zur Gesamtanzahl (n) der im Versuch „geworfenen“ Nadeln (n) ausdrückt: l/n ≈ 2/ π.
*Konkret bedarf es hier einer (weiterführenden) analytischen Fähigkeit einen Zusammenhang zu π herzustellen, da die experimentell bestimmte Wahrscheinlichkeit, mit der Nadeln mindestens eine parallele Linie berühren, den Wert 2/π ergibt.

Am „Rande“ bemerkt: Der Faktor 2/π ist für die EKT evident, da so das Verhältnis von h/c „gewichtet“ wird, was zu exakten Berechnungen notwendig ist.
Hintergrund: Eine Elementarkörpertheorie basierende Idee ist, dass sich alle physikalischen Größen, sowie die charakteristischen Eigenschaften der stabilen Teilchen Proton und Elektron und deren Energie-Äquivalente in Gestalt von Photonen, (formal) ausgedrückt durch die Comptonwellenlänge(n), durch Vergleichs- und Plausibilitätsbetrachtungen des Planck’sches Wirkungsquantums und der Lichtgeschwindigkeit ermitteln lassen. Siehe konkret zum Verständnis: Ein „Vergleich“ der Naturkonstanten Planck‘sches Wirkungsquantum und [Vakuum]Lichtgeschwindigkeit – eine ontologische Betrachtung:
http://www.kinkynature.com/ektheorie/Protonenradius.htm#protonenradiusontologie

iii) Wasserstoff ist mit Abstand die am häufigsten vorkommende Materieform des Universums. Wasserstoff macht ungefähr 90% der interstellaren Materie aus. Wie gezeigt wird, ist der im Universum omnipräsent vorhandene Wasserstoff u.a. die „Quelle“ der 3K-Hintergrundstrahlung.
Innerhalb der EKT gibt es diesbezüglich auch numerische „Artefakte-Auffälligkeiten“, die imposant aber unerklärlich sind, siehe:
http://www.kinkynature.com/ektheorie/Hintergrundstrahlung.htm#numerischeartefakte

Bernd-Jürgen Dr.Stein
Bernd-Jürgen Dr.Stein
11 Monate zuvor

Sehr geehrter Herr Freyling,
ich wollte nur, dass Sie mir Ihr Ihre Theorie erklären. Immer auf andere zeigen ist nicht erklären.
Ich gebs auf. Was nicht erklärbar ist, hat keinen Wert.
Grüße
Bernd Stein.

Dirk Freyling
11 Monate zuvor

Herr Stein,
…wurde bereits mehrfach hier erklärt, soweit das Kommentarfelder möglich machen. Findet sich zeitlos, vollständig und leicht verständlich online. Ansonsten wissen doch schon seit langem: Stöckchenspringen ist nicht meins.
Es werde Licht,
sonnige Grüsse

Dirk Freyling
11 Monate zuvor

Guten Tag Herr Bührig,
Fragmentarisches zu Ihren Ausführungen:

…„Der Hinweis an die Schüler, dass die Theorien nicht ohne Kritik seien, ist fast selbstverständlich, wird in der Praxis wohl in der Schule auch so gelehrt.“…

Wie kommen Sie zu diesen Erkenntnissen?
Fachliche Kritik an der QM wird weder in den Schulen noch im Studium „gelehrt“. Es geht, wenn Kritik geäußert wird, stets um Vages bezüglich der Interpretation fehlender Ontologie respektive (realphysikalischer) Phänomenologie in der QM. Dort wird nichts konkretisiert. Ich lehne mich mal etwas aus dem Fenster und behaupte, dass vielen Didaktikern die wirklichen Probleme gar nicht bekannt sind.
Konkret: Wann und wo werden die von mir aufgeführten Sachverhalte …zur QM-Grundzustandsenergieproblematik (reduzierte Masse), zum QM-Erwartungswertproblem, zum Higgs-Mechanismus,… insbesondere in der Schule erwähnt? [Möglichst mit Quellenangaben, …Lehrplanpunkte, …persönlich bekannte Didaktiker,…]

…“Es sei noch hinzugefügt, dass ich die Kritik von Wolfgang Stegemann durchaus nachvollziehen kann“…
Dann werden Sie mal konkret:

Herr Stegemann schrieb:
„Sie machen sich hier nicht unbeliebt, Sie sind es von Beginn an, nicht nur in diesem Blog. Und Sie zeigen ständig Ihre Inkompetenz in Sachen Philosophie (man sollte hier über einen „Kompetenz-Pförtner“ nachdenken. Beispiel: Phänomenologie ist eben gerade nicht die Anschaulichkeit von Denkmodellen, sondern sie geht von den Erscheinungen aus. Das hätte man aber mit einem Blick in Wikipedia selbst herausfinden können. In Ihrem Fall bedeutet das, eine Erklärung zu liefern für Phänomene wie Überlagerung, ’spukhafte Fernwirkung‘ etc. Genau das machen Sie nicht, sondern nehmen Ihren Legobaukasten und schwurbeln mit allerlei Gleichungsakrobatik ein Modell zusammen, das völlig beliebig ist, nach dem Motto, Freyling gegen den Rest der Welt.
Leider steht Ihre Überheblichkeit gepaart mit persönlichen Attacken einem freien und entspannten Austausch von Meinungen im Wege. Sollten Sie ein Persönlichkeitsproblem haben, würde ich professionelle Hilfe anraten.“

Was genau können Sie hier im Sinne von Kritik nachvollziehen? Ich erkenne hier so gut wie keine solche. Herr Stegemanns Kommentar wird von Frustration, Beleidigungen und Emotionen dominiert.

…“machen mich viele Aussagen zu Ihrer Elementarkörper-Theorie und Details der Kritik am Standardmodell skeptisch, ob über die Lehre der modernen Physik gesprochen werden kann, wenn viele Grundbausteine ggf. gar nicht akzeptiert werden.“

„Hört“ sich irgendwie kryptisch an. Fehlende Denkmodell-Konsistenz, Willkür usw. müssen im Sinne einer methodisch, sachlichen Aufarbeitung konkret angesprochen und im Detail benannt werden. Das gilt nicht nur für die Standardmodelle der Physik: Ob es um die Geldwirtschaft (Stichwort: Fiatgeld), organisierte Religionen, politische Systeme in Theorie und Praxis, Migrationspolitik, Medizin, etc. geht.

Zum Mitdenken: Der Erfolg der QM und der Standardmodelle wäre ja nur meßbar, wenn wir einen Vergleich hätten. Nach dem Prinzip der Parsimonie verliert die QM und alles darauf Aufbauende sowie das Kosmologische Standardmodell gegenüber der EKT. Meine Frage an Sie: Ist es nicht extrem überheblich und – analytisch betrachtet – haltlos, wenn Sie von Erfolg sprechen ohne die Alternative überhaupt zu kennen? Das ist eine rhetorische Frage. Sie haben ja bereits die Frage mit Ihrem Kommentar beantwortet…

…“machen mich viele Aussagen zu Ihrer Elementarkörper-Theorie und Details der Kritik am Standardmodell skeptisch, ob über die Lehre der modernen Physik gesprochen werden kann, wenn viele Grundbausteine ggf. gar nicht akzeptiert werden.“

Haben sie die Kern-Aussage Ihres Satzes eigentlich selbst verstanden?
Ich dekodiere mal – aus analytischer – Sicht: Sie behaupten, wenn man feststellt, dass wesentliche Behauptungen falsch sind, die eine Struktur und Handlungen begründen, dann kann diese Kritik nicht angewandt werden, weil diese zu einem Umsturz führt bzw. führen muss?

Na dann, gute Nacht.

Die Elementarkörpertheorie (EKT) kennen Sie doch gar nicht. Die Probleme mit den Standardmodellen sind noch viel umfangreicher, als ich das (hier) in Kommentarfeldern fragmentarisch anführte. Sie finden die entsprechenden Details online, „unter“ den jeweiligen Menüpunkten. Die Standardmodelle scheitern bereits an ihren inneren Widersprüchen, da die selbst definierten SM-Postulate widerlegt werden.

Beispiel: Der nicht vorhandene Spin der Quarks und Gluonen
Die erste Annahme war, bedingt durch die theoretischen Vorgaben Mitte der 1960er Jahre, dass im Bild des SM der postulierte Protonenspin sich zu 100% aus den Spinanteilen der Quarks zusammensetzt. Diese Annahme wurde 1988 bei den EMC-Experimenten nicht bestätigt. Ganz im Gegenteil, es wurden sehr viel kleinere, sogar mit Null verträgliche Anteile gemessen ( ∆∑ = 0.12 ± 0.17 European Muon Collaboration). Die Quark-These von fermionischen Spin-½-Teilchen wurde experimentell nicht bestätigt. Hier hätte man aus wissenschaftlicher Sicht die „Quark-Idee“ – experimentell basierend – argumentativ überprüfen müssen. Man kann diesen verpassten (möglichen) Wendepunkt gar nicht genug „strapazieren“. Mit welcher Berechtigung werden (auch heute noch) Quarks als Spin-½-Teilchen „vorgestellt“?

Psychologisch ist das insofern leicht verständlich, da das SM Ende der 1980er Jahre bereits mehr als 20 Jahre existierte. Das in den sechziger Jahren von Richard Feynman entwickelte Quark-Parton-Modell (QPM) beschreibt Nukleonen als Zusammensetzung grundlegender punktförmiger Bauteile, die Feynman Partonen nannte. Diese Bauteile wurden daraufhin mit den wenige Jahre zuvor gleichzeitig von Gell-Mann und Zweig postulierten Quarks identifiziert. Man hoffte also Ende der 1980er Jahre darauf, dass es zukünftig Experimente geben wird, die den halbzahligen Spin der Quarks bestätigen. Eine Abkehr von der Hypothese das Quarks Fermionen sind, wäre das Ende des SM gewesen. Dann „passierte“ etwas phänomenologisch Merkwürdiges. Weitere Denkansätze und Versuche brachten neue Theorieelemente ins Spiel. Merkwürdig in dem Sinne, dass mit dieser Idee Quarks als Träger eines intrinsischen Spinbeitrages bei genauer Sicht bereits gedanklich abgeschafft wurden…
warum das bereits das Ende des SM bedeutet, können Sie fachlich auf meiner Webseite „unter“ dem Menüpunkt Standardmodell [SM] und populärwissenschaftlich, wenn Sie den Suchbegriff »Quarks, die Nandus unter den Fermionen Dirk Freyling« googeln, lesen.

Halten „wir“ fest
Es ist nicht leicht einem Menschen, der zumindest im Kern einer Sache Realitätsnähe und Verhältnismäßigkeit erwartet, zu erklären, daß dem oft nicht so ist, insbesondere wenn es sich um (vermeintlich) wissenschaftliche Themen handelt. Alle verbreiteten Standardmodelle, insbesondere wenn diese über größere Zeiträume herrschen, beinhalten Machtpositionen und Versorgungsstrukturen. Die Machthalter und Nutznießer werden alles tun um diese Zustände aufrecht zu erhalten. Das gilt nicht nur für organisierte Weltreligionen oder politische Systeme. Pluralismus, Selbstkritik und Erkenntniswunsch sind keine Charakteristika erfolgreicher Standardmodelle. Es macht im Ergebnis keinen Unterschied ob es in diesen Systemen Wissenschaftler gibt, die wirklich voller Inbrunst an diese, an Beliebigkeiten und Widersprüchen schwer zu überbietende, „Theorien“ glauben oder ob es letztendlich banale wirtschaftliche Interessen der Protagonisten gepaart mit akademischer Macht sind…
Besonders eklatant ist der Umstand, dass im Vergleich zu organisierten Religionen, die Theoretische „Grundlagen-Physik der Teilchen“ für sich in Anspruch nimmt, ein hohes Maß an Objektivität und Glaubensfreiheit zu verkörpern. Und so sieht es auch die interessierte Bevölkerung. Die Theoretische Physik ist sicherlich in vielen Köpfen einer der letzten Schau-Plätze an denen man Glaubensbekenntnisse statt Wissenschaft vermutet. Der wissenschaftliche „Denkmodell-Monotheismus“ wird schon Schülern populärwissenschaftlich verordnet. Sollten diese dann, trotz der immensen Indoktrination und gegen alle Erwartung, im Rahmen eines Physikstudiums das Quarks basierende Protonenmärchen eines Tages realisieren, stehen sie ganz alleine dar. Wer glaubt schon, dass sich zehntausende Wissenschaftler über nun drei Generationen mit Etwas beschäftigten, wenn es nicht das Non plus ultra darstellt? „Milliardenschwere“ Teilchenbeschleuniger wurden und werden doch nicht gebaut, wenn das Alles Unsinn ist? Es gibt doch keine Physik-Nobelpreise für Falschaussagen, oder*. Diese „psychologischen Komponenten“ wiegen schwer.

[*Der nobelpreisgekrönte Irrtum 1938 erhielt Enrico Fermi für seine Arbeiten den Nobelpreis für Physik, obwohl seine Interpretation des Neutronenexperiments (Erzeugung von „Transuranen“) nach späterem Kenntnisstand eine fehlerhafte Spekulation ohne Beleg war. Bedenken gegen Fermis Resultate erschienen allenthalben in wissenschaftlichen Mitteilungen. Aristide von Grosse, ein früherer Mitarbeiter Hahns, machte geltend, daß es sich bei einem der angeblichen Transurane um Vertreter des von Meitner und Hahn sechs Jahre zuvor entdeckten Protaktiniums mit der Ordnungszahl 91 handeln könne. Die Gruppe Meitner-Hahn-Straßmann verwarf diesen Gedanken. Sie entschied: Fermi hat recht. Das Trio selbst glaubte weitere Transurane mit Ordnungszahlen bis zu 96 gefunden zu haben und entwickelte eine plausible Theorie für ihre Entstehung. Die Erfolgsmeldungen aus Berlin mögen dazu beigetragen haben, daß alsbald an mehreren anderen Instituten Transurane gefunden wurden und schließlich Enrico Fermi 1938 den Nobelpreis für seine Entdeckung erhielt. In Wirklichkeit aber waren diese neuen Stoffe allesamt keineswegs „transuran“, sondern Vertreter längst bekannter Elemente mit mittleren Plätzen im Periodensystem. An der verwendeten Mathematik in der falschen Theorie zur Erzeugung von Transuranen lag es jedenfalls nicht.]

Ihr gesamter letzter Abschnitt:
„Im Kontrast hierzu sei gesagt … bis …keine „reale“ Struktur darstellen.“

bezieht sich auf Ihr respektive das QM-Glaubensbekenntnis. Die von Ihnen benannten Unbestimmtheiten und vermeintlichen Aspekte, Probleme,… existieren jedoch nicht außerhalb des Denkgebäudes der QM! Sie verwechseln Versuchsergebnisinterpretationen im Rahmen eines Denkmodells mit der Wirklichkeit. Ein Denkmodell ist und bleibt ein Denkmodell.

Da es hier gut passt, wiederhole ich es (u.a. aus didaktischen Gründen mit einer kleinen Einleitung):
…Ob, beispielsweise im geschichtlichen Kontext, die QM als auch die SRT/ART Anfang des 20.Jahrhunderts entstanden – abstrakt formuliert – »Geistes-Kinder des Expressionismus« sind, ist eine kulturhistorische und nicht eine philosophische Frage. Auch Albert Einsteins Wirken und QM-Kritik beinhalten wenig Philosophie. Seine Kritik lässt keinen Spielraum für Vages.
Albert Einstein entzog schon früh der QM argumentativ die Grundlage des Seins:
…“Die ψ-Funktion ist als Beschreibung nicht eines Einzelsystems, sondern einer Systemgemeinschaft aufzufassen. Roh ausgesprochen lautet dies Ergebnis: Im Rahmen der statistischen Interpretation gibt es keine vollständige Beschreibung des Einzelsystems. Vorsichtig kann man so sagen: Der Versuch, die quantentheoretische Beschreibung der individuellen Systeme aufzufassen, führt zu unnatürlichen theoretischen Interpretationen, die sofort unnötig werden, wenn man die Auffassung akzeptiert, daß die Beschreibung sich auf die Systemgesamtheit und nicht auf das Einzelsystem bezieht. Es wird dann der ganze Eiertanz zur Vermeidung des ‘Physikalisch-Realen’ überflüssig. Es gibt jedoch einen einfachen physiologischen Grund dafür, warum diese naheliegende Interpretation vermieden wird. Wenn nämlich die statistische Quantentheorie das Einzelsystem (und seinen zeitlichen Ablauf) nicht vollständig zu beschreiben vorgibt, dann erscheint es unvermeidlich, anderweitig nach einer vollständigen Beschreibung des Einzelsystems zu suchen, dabei wäre von vornherein klar, daß die Elemente einer solchen Beschreibung innerhalb des Begriffsschemas der statistischen Quantentheorie nicht enthalten wären. Damit würde man zugeben, daß dieses Schema im Prinzip nicht als Basis der theoretischen Physik dienen könne.”… Quelle: A. Einstein, Qut of my later years. Phil Lib. New York 1950 Seite 498
Einsteins Einwände sind heute noch genauso aktuell, wie in den QM-Anfängen.
Fragen Sie mal Schüler oder Studenten, ob diese fundamentale Aussage von einem Dozenten der Physik vorgetragen wurde? Ich kenne die Antwort.

Übrigens, dies erinnert in Ihrer Kritik-Rezeption an Ihre Aussage und meine Antwort:
…“machen mich viele Aussagen zu Ihrer Elementarkörper-Theorie und Details der Kritik am Standardmodell skeptisch, ob über die Lehre der modernen Physik gesprochen werden kann, wenn viele Grundbausteine ggf. gar nicht akzeptiert werden.“

Haben sie die Kern-Aussage Ihres Satzes eigentlich selbst verstanden?
Ich dekodiere mal – aus analytischer – Sicht: Sie behaupten, wenn man feststellt, dass wesentliche Behauptungen falsch sind, die eine Struktur und Handlungen begründen, dann kann diese Kritik nicht angewandt werden, weil diese zu einem Umsturz führt bzw. führen muss?

Ich „sage“ es plakativ: Sie sind (für mich unerwartet, hätte ich erst einmal gar nicht gedacht) ein »Flipper-Effekt«-Beweis-Kandidat

In der Modernen Theoretischen Physik geht es bei genauer Betrachtung häufig um die Bewahrung und Weiterentwicklung bestehender Dogmen. Argumente der Vernunft werden Denkgewohnheiten und Vorurteilen geopfert. Ein psychologischer Grund liegt im Glauben und Hoffen. Die riesige Mehrzahl der „forschenden“ Physiker sind Anhänger der Quantenfeldtheorien. Ein echtes Verständnis dieser undurchsichtigen Theorien ist nicht möglich. Aufbauend auf unverstandenen Arbeiten anderer planen sie Experimente, für die es nur zwei Resultate gibt: Erfolg und Bestätigung oder Misserfolg und kurze Ratlosigkeit, die dann in der Regel in postuliert neuen Teilchen, Quantenzahlen und Theorieerweiterungen endet. Wie wir alle tendieren auch die Experimentatoren dazu, einen Misserfolg bewusst und unbewusst zu vermeiden, und weichen einer Widerlegung ihres Glaubens durch ein Experiment (oder durch Denken) instinktiv aus.

Eine Anregung: Die Suggestion einer realmessbaren Situation für Theorieobjekte der Standardmodelle scheint mantramäßig auf „die Masse(n)“ zu wirken. Um hier eine selbständige Analyse vornehmen zu können, sollten Aussagen selbständig überprüft werden: Ob Neutrino, Higgs-Boson oder man denke sich ein beliebiges Teilchen aus dem Beschleuniger aus, keines ist zeitstabil, keines wurde je direkt gemessen. Umso tiefer man in die konkrete Konzeption und die technische Realisation des Messvorganges „eindringt“, umso deutlicher wird verständlich, wie theoriebeladen, beliebig und aussagelos die Experimente sind. Man sollte nicht einfach an eine korrekte Meß-Existenz glauben, sondern selbst die messtechnischen Randbedingungen sowie theoretischen „Implikationen“ die die angeblichen Existenzbeweise liefern überprüfen.
Die eigene Modellforschung ist somit zwangsweise mit den Postulaten, Thesen und stark theoriebeladenen Experimenten der bestehenden Modelle konfrontiert. Sofern etwas Geduld und Neugierde vorhanden sind, lassen sich dem thematisch Interessierten die wesentlichen Unstimmigkeiten und schwerwiegenden logischen Denkfehler der Standardmodelle plausibel machen.

Zu Ihrer Frage:
„Ihr Stichwort, eine Unmenge an Zeit besitzen zu müssen, um sich besonders gut mit den Problemen beschäftigen zu können, kann ich nur bestätigen. Und es reizt mich fast zu der persönlichen Frage, wie Sie diese Zeit finden konnten… „

i) Ich habe insbesondere im Zeitraum von 2000 bis ~2010 „gut und gerne“, international erfolgreich, von der Gestaltung, Durchführung, Produktion und dem Vertrieb von explizit erotischen Fetischfilmen in einem künstlerischen Gesamtkonzept gelebt. Das ermöglichte mir eine Basis zu schaffen, zeitreich zu sein.
In dieser Zeit habe ich als Autodidakt, sozusagen auf Grund meines Zeitreichtums, Kunstgeschichte mit Schwerpunkt »Expressionismus – Künstler und Gesellschaft« und der »Kunst danach« „studiert“.

ii) Insgesamt lebe ich schon länger willentlich „teilisoliert“ auf dem Land. Ich schaue gerne den Pflanzen, insbesondere im Frühling, beim Wachsen zu. Ich beobachte und mag »Fellfreunde und Fellfreundinnen«, die natürlich leben. Ich verschwende in dem Zusammenhang keine Zeit mit Bekannten („Bier trinken“, „Grillen“, „Geburtstage“, „redundantes Wälzen von Alltagsproblemen“…). Was nicht bedeutet, dass ich nicht hin und wieder Fachmessen und exklusive Veranstaltungen besuche, auf denen ich dann durchaus auch mal vor mir Unbekannten referiere sprich Vorträge halte.

iii) Ich hatte und habe keine Hobbies. Alles was ich mache, mache ich freiwillig und „ergebnis-sportlich“. Beispiele: Ich bin u.a. vierfacher deutscher Meister und war mal deutscher Nationalspieler im Carrom(-Spiel). Ich bin der Vater (Geburtsjahr 1997) des größten nordamerikanischen Fetish-Festivals (siehe aktuell Montreal-Fetish-Festival), welches aktuell von dem Französisch-Kanadier Eric Paradis (damaliger Geschäftspartner in meiner Montrealer Zeit) betrieben wird. Berliner-Atomschutzbunker-Partys und ähnliches vervollständigten meine internationalen Ambitionen.
Ich bin nicht irgendein Fetisch-Regisseur. Ich bin, ohne Übertreibung, ein international bekannter Fetischfilmregisseur (AlexD), u.a. auch Venus-Award-Gewinner 2004 und habe einige Jahre in Nordamerika gelebt. Ich gehöre weltweit historisch zu den TOP TEN dieses Genres. Das Problem ist nur, dass im Zuge der deutschen und europäischen Informationszensur, alle direkten Einträge bezüglich meines Künstlernamens AlexD aus europäischen Suchmaschinen Schritt für Schritt auf Initiative der deutschen Bundesprüfstelle gestrichen wurde. Nicht weil meine Inhalte gefährlich wären, der Grund ist: Ich habe mehrfach die Bundesprüfstelle massiv auf sachlicher Ebene öffentlich in Frage gestellt.
Ich wurde vom kanadischen Staat wegen moralischer Verfehlungen im Zuge gesellschaftspolitischer Aufklärung verfolgt und hatte letztendlich die Wahl zwischen Deportation oder freiwilligen Wegzug aus Kanada. Meine Internetseiten im Namen meines Künstlernamens AlexD wurden, wie bereits erwähnt, auf Bestreben der deutschen Bundesprüfstelle letztendlich im gesamten europäischen Raum aus den Suchmaschinen verbannt, da im Zuge der „europäischen Homogenisierung“ auch Inhalte im europäischen „Suchmaschinen-Ausland“ wegzensiert wurden, obwohl diese dort unproblematisch sind. Wenn man so will im Ergebnis ein europäisches Werbe- respektive Berufsverbot auf Grundlage von willkürlichen Moralvorstellungen.

Meine Interessen und Arbeitsgebiete spannen also ein großes professionell betriebenes Spektrum auf. Von der Vollerotik über gesellschaftspolitische Aspekte, Kunst bis hin zu Modellbetrachtungen der Theoretischen Physik. Letztere betreibe ich seit mehr als 10 Jahren wieder mit großer Leidenschaft. Ich bin sozusagen Deutschlands „größter*“, aber leider (noch) wenig bekannter argumentativer Kritiker der Standardmodelle und der einzige mit einem konsistenten, Phänomenologie basierenden, formalanalytischen, voraussagefähigen (alternativen) Denkmodell.
*„Deduktiver Beweis“: Kein geringerer als Dr. Alexander Unzicker bat mich Ende 2019 sein Buch »Die mathematische Realität – Warum Raum und Zeit eine Illusion sind« vor Veröffentlichung Korrektur zu lesen. Unzicker ist öffentlich recht aktiv und themenbezogen bekannt, siehe exemplarisch die Podiumsdiskussion in der Urania mit Prof. Dr. Naumann aus 2013, Interviews und Bücher.

Unzicker inszeniert, wie Sabine Hossenfelder, einerseits Standardmodellkritik gerne seit vielen Jahren öffentlich, nicht zuletzt um Bücher zu verkaufen, andererseits sind beide darauf bedacht, dass sie keine argumentativ begründeten, voraussagefähigen Denkmodellalternativen anderer benennen, da sie selber über keines verfügen.

Meine Diskussionspartner waren/sind u.a. mehr oder weniger »Polarisierende« wie Thor Kunkel, Horst Ehmke (1927 – 2017) und der „besagte“ Dr. Alexander Unzicker, Pavel Kroupa, der verstorbene Dieter B. Herrmann. Ich kenne eine Reihe Prominenter persönlich, deren Namen ich aber aus Diskretionsgründen nicht nenne, da eine Verbindung zu mir in der heutigen Medienlandschaft schnell zur Ausgrenzung und zur Existenzgefährdung dieser Personen führen könnte.

Übrigens: Zur Berlinale 2014 „durfte“ ich im RBB-Interview zu »Pornografie und Kunst« kritisch sprechen.

…Peter Lau (Redakteur) interviewte mich 2002 in Berlin für das Wirtschaftsmagazin brandeins (Ausgabe Dez. 2002/Jan.2003) und schrieb u.a. in dem Print-Artikel »Nach der Revolution – Warum gibt es keine bessere Pornografie?« über mich…
…„Der 39-jährige“ führt mich durch sein Unternehmen inklusive eines adrett wirkenden Dominastudios und spricht dabei über die Bildungsmisere. Die unwissenden, desinteressierten Jugendlichen erschüttern ihn richtig. Das erzählt er im Tonfall eines Sozialarbeiters einer Kirchengemeinde im Hunsrück, sanft und verständnisvoll, und bald ist klar: Der Mensch ist ein echter Softie.“…

Meine (kritischen) Ansichten zur (gewerblichen) Pornografie „durfte“ ich unzensiert in dem Buch Alles über Porno (Seite 275 – 295) aus dem Schwarzkopf & Schwarzkopf-Verlag 2009 kundtun.

Ich bin egozentrisch aber keine Rampensau, nur wenn es sein muss, gehe ich auf eine Bühne…

Da ich organisierte Religionen strikt ablehne, habe ich meine eigene Zeitrechnung eingeführt, ndf bedeutet nach Dirk Freyling. Gemäß dem Credo von Karl Lagerfeld: „Das Leben beginnt mit mir und endet mit mir“.]

Ich mag Aphorismen, da sie ähnlich wie informationsdichte Gleichungen, funktionieren, sofern man über ein gewisses ergebnisoffenes Potential zur Dekodierung verfügt.

Kostproben:
Ich würde mich noch nicht einmal mit mir selber beschäftigen, wäre es nicht aus analytischen Gründen. Soviel zu der Frage, ob ich mich emotional für andere interessiere. 58 ndf

„Wir leben in Zeiten, in denen das gerngesehene, erfolgreiche Erscheinen in den Mainstream-Medien ein sicheres Zeichen von Bedeutungslosigkeit und bestenfalls von Mittelmaß ist.“ 49ndf

„In der Natur gibt es nur schöne oder tote Tiere.“ 35ndf
[Eine Anspielung auf unsere pervers-sadistische (Alten-)Pflegegesellschaft…]

Zu den Standardmodellen können wir Hegel, Morgenstern und Fontane zitieren:
»Wenn die Tatsachen nicht mit der Theorie übereinstimmen – umso schlimmer für die Tatsachen.« Soll schon Georg Wilhelm Friedrich Hegel so gesagt haben.

“Keine Kirche hält ihre Gläubigen so streng am Wickel wie die “moderne Wissenschaft” ihre Gemeinde.” stellte Christian Morgenstern (1871 – 1914) schon vor mehr als 100 Jahren fest.

„Wir stecken bereits tief in der Dekadenz. Das Sensationelle gilt und nur einem strömt die Menge noch begeisterter zu, dem baren Unsinn.“ (Theodor Fontane)

Zum Thema Toleranz schrieb Fjodor Dostojewski: „Sie wird ein solches Niveau erreichen, dass intelligenten Menschen das Denken verboten wird, um Idioten nicht zu beleidigen.“

„Man spürt seine Ketten nicht, wenn man sich nicht bewegt.“ (Variation Basis…Rosa Luxemburg)

Soweit.

Es werde Licht,
sonnige Grüsse

Christian Bührig
11 Monate zuvor
Reply to  Dirk Freyling

Guten Tag Herr Freyling,

Danke für die Antworten, die aber schon zu umfangreich geworden sind, ein Kommentar sollte aus meiner Sicht nicht so lang sein. Vielleicht sollte ich Sie direkt anschreiben, wenn ich weitere Fragen habe.

Mein kryptischer Satz bezog sich auf die kleinere Antwort von Wolfgang S., ob ich wirklich jemanden zur Didaktik der QM fragen will, der das Standardmodell ablehnt und weitere konträre Theorien im Köcher hat.

Speziell stören mich konträre Theorien aber nicht. Gern können Sie mir per E-Mail mal beantworten, wie Sie die Materiewellen Schrödingers auf Ebene Ihrer Elementarteilchen einen Raum geben.

Anbei ein Link zur Physik-Didaktik, welche ich gelesen habe:

http://www.physikdidaktik.uni-karlsruhe.de/kpk_material.html

Viele Grüße
Christian Bührig

Dirk Freyling
11 Monate zuvor

Hallo Herr Bührig,
…das denke ich mir auch hin und wieder. Wobei meine „langen“ Kommentarantworten im Rahmen meines Zeitreichtums und der Komplexität des Themas meist stark fragmentarisch sind. Ich lese gerne und viel, sofern zumindest im Ansatz erkennbar ist, dass es sich nicht nur um „reine“ Lehrmeinungen herrschender Betrachtungsweisen handelt. Was das Schreiben hier anbelangt, ist vieles von dem, was ich bemerke, bereits in meinen Online-Ausführungen so oder ähnlich formuliert. Das bedeutet praktisch: Copy & Paste.

Bezüglich der Materiewellen-Frage
Da die Kernantwort „einfach“ und „kurz“ ist, skizziere ich diese hier:
Es wird innerhalb der EKT gezeigt, dass das „sinusförmige Ausschwingen“ des EKs als Wechselwirkungs-Folge eine „natürliche“ Unschärfe erzeugt. Interessanterweise „entsteht“, Elementarkörpertheorie basierend, somit auch eine fundamentale Plausibilität für die «Wahrscheinlichkeitswelt» der Quantenmechanik, da der Elementarkörper (EK) in einem anschaulichen Bild eine atmende Kugel darstellt, dessen Physik sich auf der zeitabhängigen Oberfläche „abspielt“ und somit zeitabhängig verschiedene Entwicklungszustände existieren. Im Sinne der Anschaulichkeit und dem Prinzip der Parsimonie ist die Elementarkörpertheorie bemüht, die (bisher) unanschauliche Quantenmechanik und allgemein Quantenfeldtheorien zu „ersetzen“. Es ist also so, dass der oszillierende Elementarkörper gegenüber dem anfänglich minimalistischen, mathematischen Rüstzeug der „Quantenmechaniker des frühen 20.Jahrhunderts“ aufgeschlossen ist, sich aber gegenüber den „späteren“ rein mathematischen Quantenfeldtheorien verschließt.

Die Essenz der Fourier-Analysis als elementarer Bildungsbaustein der EKT
Ohne hier auf mathematische Details einzugehen, folgt, dass jede mathematische Funktion durch eine Fourier-Reihe entwickelt werden kann. Räume mit dieser Struktur werden als Hilbert-Räume bezeichnet. Im 20. Jahrhundert wurde dieser Ansatz erst in die Atomspektroskopie und dann allgemein in Quantenfeldtheorien eingeführt.

Sinus uns Cosinus sind bis auf eine Phasenverschiebung periodisch gleich. Konsequent minimalistisch gedacht, ist es also nahe liegend, nicht die Fourier-Transformation als Methode der Fourier-Analysis als einfachste Abbildungsmöglichkeit zu Grunde zu legen, sondern minimalistisch die „reine“ Sinusfunktion selbst. Resultierend lassen sich intuitiv logische Randbedingungen für eine Basisbetrachtung formulieren.

Wie kommt man nun von einer abstrakten, (mehr oder weniger menschengemachten) Sinusfunktion zu einem elementaren Naturbeschreibungsmodell?

Um die Elemente der Sinusfunktion in Ankopplung an „unsere Welt“ realphysikalisch zu bestimmen, werden Alleinstellungsmerkmale der beobachteten Natur benötigt. Man braucht zur „Verkörperung“ der Sinusfunktion sozusagen „globale“ physikalische Auffälligkeiten. „Eine“ ist die Konstanz und Invarianz der [Vakuum-]Lichtgeschwindigkeit sprich c, die andere ist die „Gravitationskonstante“. Es lässt sich nun („zwingend einfachst“) zeigen, dass die Funktion r(t) = r0 sin(ct/r0) und die Funktion m(t) = m0sin(ct/r0) ausreichen, um sowohl Einzelobjekt-mikroskopisch als auch vielteilchen-makroskopisch die Entstehung der Masse (Materie) aus reiner Bewegungsinformation (reiner Bewegungsenergie) zu gestalten. Daraus resultiert eine Zustandsänderung in Gestalt einer nichtinflationären Expansion (Masse-Radius-gekoppelte Kreation), die im Mikrokosmos Elementarkörper gestaltet und im makroskopischen Maximum mit einem statischen Universum endet.

Die abstrakten »Materiewellen der QM« „in Analogie transformiert“ bekommen im Denkmodell der EK eine plausible Anschaulichkeit.
Die Annahme, dass elementare Strukturen, aus oszillierenden Kugeloberflächen bestehen, führt u.a. nicht zu einem vierdimensionalen Konzept mit Vertauschungsmöglichkeiten von Raum und Zeit. Es kommt, ganz im Gegenteil, zu einer konstruktiven „Beschreibungsverarmung“. Die Isotropie führt zu einer 2-dimensionalen Plausibilität, die sich formal auf Zeit und Radius „verarmt“. Wenn Sie »Freylingscher Eingriff Lorentzfaktor« allgemein (also nicht unter Videos) als Suchbegriff googeln, gelangen Sie zu einer Seite, die u.a. auch ein Erklär-Video zu dem hier skizzierten Elementarkörper-Entstehungs-Konzept beinhaltet.

Erst einmal soweit.
Gedacht sonnige Grüsse

„PS(A)“
„Poetisch-Seherischer-Aspekt“
Schon Goethe „sah den Elementarkörper (kommen)“
„Ich bin Teil eines Teils, der anfangs alles war.
Ein Teil der Finsternis, die sich das Licht gebar, das stolze Licht, das nun der Mutter Nacht den alten Rang, den Raum ihr streitig macht. Und doch gelingst ihm nicht, da es, soviel es strebt, verhaftet an den Körpern klebt. Von Körpern strömts, die Körper macht es schön, ein Körper hemmt’s auf seinem Gange; so, hoff ich, dauert es nicht lange, und mit den Körpern wirds zugrunde gehn.“ Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

Christian Bührig
11 Monate zuvor

Guten Tag Herr Freyling,

zur Materiewelle: Ich denke, die „Quantisierung als Eigenwertproblem“ (Schrödinger) wird von Ihnen nicht in seinem Zweck berücksichtigt. Frage: Was war der Sinn dieser Arbeit Schrödingers, wie würde Sie den Gedanken beschreiben?

Viele Grüße
Christian Bührig

Dirk Freyling
11 Monate zuvor

Herr Bührig,
naja, warum auch. Ich zeige ausschließlich auf, wie man, wenn man denn will, einen Anknüpfungspunkt von der EKT zur QM finden kann.

Zu Energieeigenwerten und der Quantisierung sowie 1/n² Energieaufspaltungen äußere ich mich konkret respektive konkreter als die QM, was u.a. auf Phänomenologie basierende Herleitungen im Zusammenhang mit der Feinstrukturkonstanten basiert. Wichtig für die Quantisierung ist der formale Zusammenhang zum Planck’schen Wirkungsquantum. Siehe explizit den Menüpunkt »Feinstrukturkonstante α« in meinen Online-Ausführungen.

Übrigens „am Rande bemerkt“: Die phänomenologische Bedeutung des Planck’schen Wirkungsquantums ist nicht wirklich geklärt. Tatsache ist, dass die Unteilbarkeit des Wirkungsquantums seit über hundert Jahren bis zum heutigen Tage noch nie begründet wurde. Max Planck hat sie nicht begründet, weil er das Wirkungsquantum für eine elementare mathematische Größe hielt, deren „Notwendigkeit“ aus der Theorie folgte.
Einstein hielt eine Begründung nicht für notwendig, weil er an Plancks „Deduktion“ glaubte. Er verschob die Bedeutung des Wirkungsquantums, indem er die mathematische Größe als eine physikalische Größe interpretierte.

Kleinste skalare Wirkung ≠ Energie-Zeit-Unschärfe der QM
Oft wird im Zusammenhang mit der Orts-Impuls-Unschärferelation auch eine Energie-Zeit-Unschärferelation leichtfertig genannt. In der Quantenmechanik ist die Zeit keine Observable, sondern eine Zahl, die den zeitlichen Ablauf der Quantenvorgänge parametrisiert. Also gibt es keinen Zeit-Operator, dessen Vertauschungsrelation man mit dem Energieoperator der Hamiltonschen Funktion untersuchen könnte. Siehe zum besseren Verständnis exemplarisch »How to Introduce Time Operator, Zhi-Yong Wang, Cai-Dong Xiong«

„Was war der Sinn dieser Arbeit Schrödingers, wie würden Sie den Gedanken beschreiben?“

Da müssten Sie am besten Schrödinger fragen bzw. seine Biographen.
Wie auch immer, ich habe allgemein und weiterführend zur Materiewelle einen Menüpunkt: »De-Broglie-Materiewelle«, siehe dort, was das u.a. phänomenologisch bedeutet. [Links kann ich hier explizit nicht automatisiert angeben, da Herr Boucsein Kommentare mit aktiven Verknüpfungen derzeit erst freischalten muss. Da ich oft erst spät abends oder nachts schreibe, erscheinen die Kommentare mit Links in diesen Fällen erst deutlich später.]

[ Ich bin bis einschließlich Donnerstag den 15.06.2023 mit einer projektbezogenen Forschungsarbeit intensiv beschäftigt. Diese erfordert punktuell große Aufmerksamkeit. Ich werde erst am Freitag, den 16.Juni hier wieder reinlesen.]

Gedacht sonnige Grüsse

Christian Bührig
11 Monate zuvor
Reply to  Dirk Freyling

Guten Tag Herr Freyling,

gut, ich werde danach auch Ihrer Website suchen, bin aber sicher, dass ich folgende Stoßrichtung der Argumentation nicht finden werden.

Falls von Interesse: Aus meiner Sicht löst das Arbeiten mit stehenden Wellen (räumlich ausgedehnt um den gesamten Kern, nicht simpel als Bahn, wie es ggf. noch De Broglie angedacht hatte) mind. zwei Probleme.

1) Ganz im Vordergrund darf man das Grundproblem nie vergessen: Wie kann es zwingend(!) funktionieren, dass Wasserstoff (als einfachstes Element für das gesuchte Erklärungsmuster) eine ganz bestimmte Serie an Spektrallinien „produzieren“ kann. Mit den bohrschen Regeln für bestimmte Abstände eines einen Elektrons als Energiedifferenz-Ursache für eine Spektrallinie kam man bei höheren Elementen nicht weiter. Außerdem fehlte ein Grund für den zwingenden Charakter gerade dieser Abstände. Die Energiedifferenzen, die hingegen in den zwingenden(!) stehenden Wellen gefunden werden konnten, passten zu den gesuchten Energien der Spektrallinien-Lichtwellen. (Als Laie habe ich mich leider nie bemüht, die exakte Fachterminologie zu beherrschen und hoffe, hier nicht zu große Fehler zu machen, wenn ich beispielsweise von „Spektrallinien-Lichtwelle“ spreche.)

2) Quantisierung als Eigenwertproblem: Hier ist in erster Linie angesprochen, was man als Quantensprung bei Bohr kennt. Die diskreten Bahnen, welche nur instanten vom Elektron gewechselt werten dürfen, man darf sich keinen „Weg“ zwischen den Kreisbahnen vorstellen. Damit hat das Elektron (in Teilchensprache) eine Quantisierung in seinen Energien. Planck selbst „freute sich wie ein Kind“, schrieb er, als er vom neuen Erklärungsansatz von Schrödinger hörte, weil der Zwang, der sich in den stehenden Wellen offenbart, das Potential eröffnet, die grundsätzliche Qunatisierung beim Austausch von Energie mittels elektromagnetischer Wellen zu klären, welche Planck noch verständnislos entdeckt hatte.

Leider finde ich diese Gedanken nicht hinreiched nach 1927 weiter verfolgt. Der Siegeszug von Bohr und Heisenberg in der Deutungshoheit ließ Schrödinger leicht gedemütigt relativ verstummen, schreibt Manjit Kumar (von Unzicker auch empfohlener Autor). Daher mein Appell: Zurück zu Schrödinger. Ohne diese Schwingungen als stehende Wellen in den Konzepten hinreichend zur Stärke zu bringen, wir das Rätsel der Welt nicht gelöst werden, spekuliere ich. Auch die Stringtheorie (welche ggf. auf einem Schwingungs-Postulat aufbaut) schießt am Ziel vorbei, wenn sie Teilchen-Analogien benutzt, weil wir es mit swingenden Strukturen in einem Kontinuum zu tun haben. Spekulation, keine Theorie. Aber es freute mich, diese Spekulation zumindest in die Welt gesetzt zu haben. Es wurde Licht damit bei mir.

Grüße
Christian Bührig

Dirk Freyling
11 Monate zuvor

Hallo Herr Bührig,
die von Ihnen benannten (teils Verständigungs-)Probleme existieren nur innerhalb des Denkgebäudes der QM.

Zu Energieeigenwerten und der Quantisierung sowie 1/n² Energieaufspaltungen äußere ich mich konkret respektive konkreter als die QM, was u.a. auf Phänomenologie basierende Herleitungen im Zusammenhang mit der Feinstrukturkonstanten basiert. Wichtig für die Quantisierung ist der formale Zusammenhang zum Planck’schen Wirkungsquantum. Siehe explizit den Menüpunkt »Feinstrukturkonstante α« in meinen Online-Ausführungen.

Kurz zu Stringtheorien
Stringtheorien sind u.a. sozusagen ein „Sonderfall“ variabler Kopplungskonstanten. Jedoch sind diese Kopplungskonstanten keine vorbestimmten, anzupassenden oder universellen Parameter. String-Kopplungskonstanten sind Skalarfelder, die von der Position in Raum und der Zeit abhängen können, deren Werte so dynamisch festgelegt werden. Die eindimensionalen Strings sind zwar offensichtlich anders als die nulldimensionalen Punkte des SM, aber Stringtheorien sind ergebnisorientiert, trotz der “Mehrdimensionen” in denen sich die Strings „breit machen“, keineswegs grundsätzlich verschiedene Konzepte im Vergleich zu den herrschenden Quantenfeldtheorien, wie häufig gedacht und behauptet wird.

Auch Stringtheoretiker sind bemüht Quarks & Co theoretisch zu konstruieren. Das gesamte Arsenal an Beliebigkeit in Form nicht direkt messbarer instabiler „Teilchen“, die im Beschleuniger (theorie-)induziert werden, will die Stringtheorie „ungeprüft“ abbilden (formal nachbauen). Stringtheorien potenzieren aus erkenntnistheoretischer Sicht das „Phänomen der Unanschaulichkeit“.

maria reinecke
11 Monate zuvor

@ Dirk Freyling @ Dr. Stein @ W. Stegemann @ Dirk Boucsein @ Christian Bührig …

Dirk Freyling erwähnt an einer Stelle dankenswerterweise Brigitte Falkenburg: offiziell Professorin an der TU Dortmund/Fakultät Humanwissenschaften und Theologie, „nebenbei“ offensichtlich höchst engagierte Wissenschaftstheoretikerin.
Auf ihrer Profilseite stoße ich auf Falkenburgs (für mich sehr) aufschlussreichen Abschlussbericht zu Karl-Norbert Ihmigs Forschungsarbeit (2003) „‚Hypotheses non fingo‘: Newtons wissenschaftliche Methodenlehre“.
Falkenburg erwähnt in ihrem Bericht:
dass die Untersuchungsergebnisse von Herrn Ihmig u.a. „Licht auf krude terminologische Mißverständnisse im Verhältnis von Wissenschaftstheorie und Physik des 20. Jahrhunderts“ würfen;
dass Ihmigs Forschungsergebnisse entscheidend dazu beitragen könnten, „epistemische(n) Ansprüche und Geltungsbedingungen der neuzeitlichen Physik zu klären“;
dass die experimentelle Methode erst die Gegenstände physikalischer Erkenntnis konstituierten; diese seien
„nicht als Naturdinge an sich verhanden“; das sei der zentrale Unterschied zwischen der aristotelischen und der neuzeitlichen Physik…
Falkenburg lässt insgesamt durchblicken, dass Ihmigs Ergebnisse in vielem „einer parallel durchgeführten Studie der Antragstellerin (Falkenburg 2004)“ entsprechen, die selbst „systematisch untersucht, in welchem Sinne die neuzeitliche Physik durch den Gebrauch mathematischer und experimenteller Methoden wissenschaftliche Objektivität konstituiert, um die empirische Wirklichkeit zu erweitern.“
https://ipp.ht.tu-dortmund.de/storages/ipp-ht/r/Dokumente/Dateien_von_Profilseiten/Falkenburg_Ihmig_1.pdf

Wer, wenn nicht diese Frau!, könnte Ihr neues Denkmodell einordnen, verstehen, Dirk Freyling, nicht wahr?! Oder gehört Brigitte Falkenburg bereits zu denen, die Sie besser nicht erwähnen, damit ihnen kein Nachteil entsteht?
Eine gewisse Resignation ist bei Falkenburg in ihrem Abschlussbericht jedenfalls nicht zu überhören:
Ihmig musste sein Universitäts-Projekt vorzeitig verlassen und in den Schuldienst zurück. Seine Forschung sei ohne (wirtschaftliches) Interesse, heißt es offiziell…

p.s. Zum ersten Mal in meinem Leben bedaure ich, nicht Physik studiert zu haben… bleibe also weiterhin staunender, gespannter, ignorant-interessierter Zaungast.

Dirk Freyling
11 Monate zuvor
Reply to  maria reinecke

Frau Meinecke,
ich kenne Frau Falkenburg nicht persönlich. Inwieweit Frau Falkenburg bereit ist, Denkmodelle unbekannter Autoren zu studieren respektive zu analysieren, kann ich nicht beurteilen.
Der Vollständigkeit halber: Ich kenne weder Karl-Norbert-Ihmig noch seine Forschungsarbeiten. Soviel zu den von Ihnen Erwähnten und deren „Treiben“.

Dann schreiben Sie:
„Wer, wenn nicht diese Frau!, könnte Ihr neues Denkmodell einordnen, verstehen, Dirk Freyling, nicht wahr?! Oder gehört Brigitte Falkenburg bereits zu denen, die Sie besser nicht erwähnen, damit ihnen kein Nachteil entsteht?“

Wie passt das mit Ihrer Dankesaussage „Dirk Freyling erwähnt an einer Stelle dankenswerterweise Brigitte Falkenburg“… zusammen?

Zu Ihrer Kenntnisnahme: Ich habe Brigitte Falkenburgs Aussagen schon des Öfteren in diversen Kommentaren auf verschiedenen Online-Plattformen vorgestellt, zuletzt am 16.05.2023 um 13.50 Uhr als Kommentar zu dem scilogs[.de] Artikel »Soll man die Quantenmechanik „interpretieren?“ von Martin Bäker. Sie ist mit von mir zitierten Bemerkungen seit Jahren im englischen Original sowie in der deutschen Übersetzung auf meiner Webseite zu finden, sowie einem Link zu ihrem deutschen Wikipedia-Eintrag und einen Link zu den Textauszügen aus dem Buch »Metaphysics: A Critical Account of Subatomic Reality (2007)« .

Also nochmals zu Ihrer Aussage: „Oder gehört Brigitte Falkenburg bereits zu denen, die Sie besser nicht erwähnen, damit ihnen kein Nachteil entsteht?“

Da ich Brigitte Falkenburg seit Jahren erwähne und Sie selbst durch mich überhaupt erst auf Frau Falkenburg aufmerksam geworden sind, werte ich Ihre Aussagen-Verwirrung(en) als getriggerte Emotion. Wie dies in Ihrem Fall konkret zustande gekommen ist, entzieht sich meines Wissens. Trotz Zeitreichtums fehlt mir in Ihrem konkreten Fall, sowie meist im Allgemeinen, jedoch die Motivation, über Persönliches zu spekulieren. Fühlen Sie sich aufgefordert Licht ins Dunkle Ihrer konträren Aussagen zu bringen. …Und bitte…auch banale Neugierde möchte befriedigt werden.

Des Weiteren…
Ich freue mich über argumentative Kritik meiner Ausführungen, hier konkret meines Denkmodells der Elementarkörper.
Spontan würde ich „sagen“: Sprechen Sie doch Frau Falkenburg bezüglich meines Denkmodells an?
Auf Grund Ihrer Bemerkungen habe ich eine aktuelle Recherche mit folgendem Ergebnis durchgeführt:
Sie war konkret Professorin für Theoretische Philosophie mit Schwerpunkt Philosophie der Wissenschaft und Technik und nicht, wie Sie, (vage) am Anfang Ihres Kommentares, suggerieren, im Bereich Humanwissenschaften und Theologie.

Sie schreiben im Schlußsatz Ihres Kommentars: … „bleibe also weiterhin staunender, gespannter, ignorant-interessierter Zaungast.“
Das weckt meine generelle Neugierde: Was ist eine »ignorant-interessierte«?

Zur Erinnerung
Sie schrieben:
„Überflüssig zu sagen, dass ich weder Ihrer vehementen Kritik am SM der Teilchenphysik noch Ihren eigenen komplizierten Gegen-Gedanken/-Berechnungen angemessen folgen kann. Gleichwohl reizt es mich als umfassend interessierte Laiin, etwas/mehr davon zu verstehen und wage die Bitte an Sie, Ihr eigenes Theoriegebäude, das Sie „gegen alle konservativen Denkstrukturen“ und unter enormem persönlichen Einsatz *) entwickelt haben, so zu skizzieren, zu vermitteln, dass das eklatant Andere in Ihrem Denkmodell besser nachvollziehbar wird.“

Ich antwortete, Sie bisher nicht. Insbesondere Ihre Bemerkungen/Erwiderungen/Gedanken zu i) bis xiii) fehlen. Das ist insofern ein Problem, da Sie weitere Fragen, Vages und nun auch implizit eine haltlose, konfuse Unterstellung in Folgekommentaren äußer(t)en. Kommen Sie zum Punkt. Werden Sie konkret. Erklären Sie Ihren inneren Konflikt oder versuchen Sie es zumindest. Lassen Sie sich Zeit, denn ich bin bis einschließlich Donnerstag den 15.06.2023 mit einer projektbezogenen Forschungsarbeit intensiv beschäftigt. Diese erfordert punktuell große Aufmerksamkeit. Ich werde erst am Freitag, den 16.Juni hier wieder reinlesen.

Ich habe noch drei Empfehlungen für Sie:
Tragikomische, eher ruhige(re) Filme mit gesellschaftlichen Themen im historischen Zusammenhang. Being there (1979), Bulworth (1998), The big short (2016) Alle drei zeigen unterhaltsam und eindrucksvoll, wie groß der Unterschied zwischen Systempropaganda und Wirklichkeit ist. Sie müssen diese Filme im Original mit englischer Sprache schauen, denn in den deutschen Übersetzungen fehlt die Aussage-Qualität.

Sie werden ohne Physik verstehen, wie das Unerwartete Realität wird. Und wie es hinter den Kulissen aussieht. Wenn Sie die Botschaft der Filme, sozusagen über das Standardmodell der Politik und das Standardmodell der Geldwirtschaft, verstanden haben, verstehen Sie vielleicht auch besser, wieso es sich lohnt, in Analogie, die Standardmodelle der Physik zu hinterfragen. Denn die insbesondere von Laien naiv vermutete und propagierte Aufrichtigkeit der System-Protagonisten existiert nicht.

Es werde Licht,
gedacht sonnige Grüsse

Dirk Freyling
11 Monate zuvor
Reply to  Dirk Freyling

Nachtrag: …aus Reinecke wurde versehentlich Meinecke, naja, vielleicht »ein Name zwei Meinungen-Phänomen«…oder einfach nur das Knoblauch- Kräuterbutter-Phänomen. (Banale) Namen sind nicht so meins.

Bernd-Jürgen Dr.Stein
Bernd-Jürgen Dr.Stein
11 Monate zuvor

Sehr geehrte Frau Reinecke,

Sie fragen:

„Könnten Sie der allgemein gehaltenen Aussage zustimmen: dass die moderne Physik des XX. Jahrhunderts zu einer grundlegenden Revision unserer Vorstellungen vom Universum und unserem Verhältnis zu ihm geführt habe; dass nicht mehr Körper und deren Verhalten im Vordergrund stünden, sondern Energie, Aktivität, Relationalität, Wechselbeziehung, Veränderung die eigentlichen Tatsachen der Welt seien; und dass diese soz. die metaphysische Hintergrundsfolie für ein neues, dynamisches Wirklichkeitsverständnis bilden…?

Meine Antwort ist nein. Auch nach den Vorstellungen der modernen Physik besteht die Realität aus Gegenständen und Kräften zwischen ihnen. In CERN wird mit gigantischem Aufwand nicht nach Relationen gesucht, sondern nach Teilchen, und das Standardmodell ist ein Teilchenmodell. Was ist eine physikalische Tatsache? Das ist ein komplexe Angelegenheit, und keinesfalls einfach zu beschreiben.

Energie jedenfalls ist eine relationale Größe, die man jedem System (nicht jedem Gegenstand !) zuordnen kann, aber sie hat nicht die Fundamentalität, die immer geglaubt wird, denn beim Wechsel des Bezugssystems kann die Energie eines vorhandenen Systems auch schon mal Null werden.

Aktivität und Veränderungen sind Erfahrungstatsachen, keine physikalischen Tatsachen.

Relationalität und Wechselbeziehungen dagegen sind das wohl grundlegendste, was es gibt. Liegen sich zwei Gegenstände gegenüber, sind wechselseitige Beziehungen schon da, aus der Sicht einiger Leute auch dann, wenn es vorher keinen Raum gab (Raum wird durch wechselwirkende Gegenstände quasi aufgespannt).

Es ist hier wichtig zu sehen, dass ohne Wechselwirkung, ohne Relationen, gar keine Erkenntnis möglich wäre. Das Kantsche Ding an sich ist nicht erkennbar, aber wenn das Kantsche Ding an sich eine Wechselwirkung oder Relation mit einem anderen Ding eingeht, dann zeigen sich an der Art der Wechselwirkung Ort und Eigenschaften des Kantschen Dings, dann und genau dann können wir dem Kantschen Ding an sich Eigenschaften zuordnen, und es ist kein Kantsches Ding an sich mehr, sondern ein physikalischer Gegenstand. Das bedeutet: alle Gegenstände haben ihre Eigenschaften aus der Wechselwirkung und ohne diese wären sie nur ein kantsches Ding an sich.

Das bedeutet: Physikalische Tatsachen gibt es nur aus den Wechselwirkungen der Dinge heraus, und das ist ein noch über den ontischen und epistemischen Strukturenrealismus hinausgehender Strukturalismus.

Das nur als Antwort auf ihre Frage aus meiner Sicht – die ist natürlich subjektiv und nicht gängige Meinung, erlaubt aber eine widerspruchsfreie und konsistente Beschreibung, was ein physikalischer Gegenstand ist. Schon das ist ja anderswo strittig.

Viele Grüße
Bernd Stein

Bernd-Jürgen Dr.Stein
Bernd-Jürgen Dr.Stein
11 Monate zuvor

ich meine nicht strittig, sondern deren Existenz wird einfach vorausgesetzt.

Bernd-Jürgen Dr.Stein
Bernd-Jürgen Dr.Stein
11 Monate zuvor

Sehr geehrte Frau Reinecke,

Sie schreiben, dass Brigitte Falkenburg bemerkt hat, dass Herr Ihmigs „systematisch untersucht“ hat, „in welchem Sinne die neuzeitliche Physik durch den Gebrauch mathematischer und experimenteller Methoden wissenschaftliche Objektivität konstituiert, um die empirische Wirklichkeit zu erweitern.“

In eine verständliche Sprache übersetzt, soll das wohl heißen, … wie die neuzeitliche Physik durch den Gebrauch mathematischer und experimenteller Methoden objektives Wissen (Wissen auf Basis von Konvention?) generiert – oder? Die empirische Wirklichkeit soll erweitert werden? Was ist denn eine empirische Wirklichkeit? Und wie kann man Wirklichkeit erweitern?

Vielen Dank jedenfalls dafür, dass Sie hier sind und sehr konstruktiv auf Frau Falkenburg verweisen. Ich habe den Abschlussbericht zu Karl-Norbert Ihmigs Forschungsarbeit gelesen (jedenfalls die mehrseitige Zusammenfassung) und es ist völlig richtig, was Norbert Ihmigs zu den Newtonschen Erkenntnismethoden schreibt. Leider schreibt er nichts zu den heutigen Methoden der Erkenntnisgewinnung, erst recht nichts zu den Methoden, die die Väter der Quantenphysik angewandt haben, und auch nicht zu den heutigen Methoden.

Diese sind natürlich anders als zu den Zeiten von Newton, das ist aber auch klar, weil heute ein ganz anderes Hintergrundwissen gibt, und andere paradigmatische Grundlagen und Begriffe (wie zum Beispiel der Feldbegriff). Die Schrödingergleichung zum Beispiel (die wichtigste Gleichung der nicht-relativistischen Quantenthreorie) wurde nicht systematisch gefunden (Newton), sondern erratisch, und sie ist auch nicht aus tieferen theoretischen Überlegungen ableitbar. Es ist nicht einmal klar, was sie über die Realität aussagt, sie ist einfach da, und ihr Aussagengehalt kann auf verschiedene Weise interpretiert werden (Bohr, Bohm, viele Welten), und es gibt kein Experiment mit dem entschieden werden könnte, welche Aussagengehalt der endgültige ist. Was würde wohl Newton oder Herr Ihmigs zu so einer Mathematik sagen? Herr Schrödinger ist jedenfalls bei der Aufstellung seiner Mathematik dem Prinzip gefolgt: probieren statt studieren.

Aber im Allgemeinen geht die theoretische Physik systematisch vor, sie konstruiert ihre Mathematik nach Regeln: Sie stellt zunächst eine mathematische Gleichung auf, die Messwerte oder Zustände vorhersagen soll, Aufstellung nach einem festen Muster: Suche nach Symmetrien, danach Suche nach der sog. Lagrange-Dichte, danach Suche nach der Bewegungsgleichung, dann Konstruktion eines Modells, welches veranschaulicht, welche Zustandsveränderungen gem. der Bewegungsgleichung möglich sind (Systemdynamik).

Die Modellbildung ihrerseits setzt direkt an der Mathematik an: die mathematischen Gleichungen einer jeden physikalischen Theorie enthalten Variablen und Terme, für die „gegenständliche Entsprechungen“ gesucht und definiert werden, und diese „Gegenstände“, meist Teilchen, Wellen, Quanten oder Felder, werden anschließend zu einem anschaulichen Modell zusammengefügt, das die gleichen Wirkungen hervorbringt, wie sie in der Realität beobachtet werden (Kraftwirkungen, Strahlungsemission, Energie- und Impulsübertragungen, usw.).

Bei dieser systematischen Konstruktion von Modellen verfolgt die Physik auch eine systematische Strategie, nämlich die der Reduktion: alle Merkmale der Modellobjekte, die für den gesuchten modellhaften (Wirk-)Mechanismus nicht benötigt werden, werden weggelassen. Das hat Newton auch gemacht. Bei seinem Planetenmodell führt diese Methode dazu, dass die Planeten auf Punktmassen reduziert sind. In der atomaren und subatomaren Ebene, wo man die Gestalt der realen kleinen Gegenstände nicht kennt, versucht die Physik, das empirisch prüfbare Wirkungsergebnis aus dem Zusammenwirken von Punktteilchen (z.B. Elektronen) oder Raumgreifendem (z.B. Strahlungsfelder) zu modellieren, oder mit einem „diffusen Etwas“ (einem „Zustand“), der nur aus einer Menge von „Eigenschaften“ besteht, oder „Irgendwas“ darstellt, oder aus einer Mixtur, die körnig ist, aber im Grenzfall für unendlich viele Körner in ein „Kontinuum“ übergeht. Manche Modellobjekte nehmen je nach Randbedingungen konträre Formen an, mal Wellen- mal Teilchengestalt – ein Zoo von seltsamen Artefakten, die da konstruiert werden. Die Physik wählt in ihren Modellen eine passende Ontologie aus, egal ob diese logisch und konsistent beschreiben werden kann – Hauptsache das Modell funktioniert.

Das alles kann man so machen, man darf dann nur nicht sagen, dass das Modell der Wirklichkeit gleich ist, dass, wenn die im Modell agierenden Objekte durch zwei Spalte gleichzeitig fliegen, dann in der Wirklichkeit dass halt so passieren kann, weil dort eben andere Verhältnisse herrschen. Das Modell einer Ontologie, die durch zwei Spalte gleichzeitig fliegt, muss überhaupt nicht der Wirklichkeit entsprechen, ein Modell ist und bleibt Deutung und Interpretation der Mathematik, und wer deutet kann irren.

Es ist wichtig zu wissen, dass die Konstruktion der Mathematik und der daraus abgeleiteten Modelle eben aus Sicht der Philosophie sehr viel Fundamentales voraussetzen, zum Beispiel, dass alle fundamentalen Objekte Eigenschaften hätten, dass es neben den Gegenständen mit Eigenschaften auch Kräfte gibt (vier Grundkräfte ), das Raum und Zeit existieren und nicht geschaffen werden, dass das Vakuum nicht leer ist, dass es intrinsische (!) Unschärfen gibt, und weiteres mehr, wobei die Physik aber nicht weiss, wie die Gegenstände, die ens per se, zu ihren Eigenschaften gekommen sind, und warum sie diese Eigenschaften in bestimmten Experimenten wieder verlieren und dann oh je in den Zustand ens per se zurückkehren. Auf der fundamentalen Ebene ist in der Physik vieles Seltsames beobachtet worden, aber nicht viel verstanden worden.

Jedenfalls hat die Physik schon alle möglichen Erkenntnismethoden angewendet, die sparsamen und strengen, die Newton angewendet hat, eingeschlossen, ist aber nur so weit gekommen, dass sie behauptet: auf subatomarer Ebene ist alles „anders“, und Philosophen sollten sich keine Gedanken machen.

Das ist ja gut, dass wir uns daran nicht halten und Sie uns dabei bestärken.

Grüße
Bernd Stein

maria reinecke
11 Monate zuvor

@Dr. Stein

Wieder bedanke ich mich für Ihre konstruktive Aufmerksamkeit und bleibe gespannt auf das, was sich hier wissenschaftlich-meta-philosophisch weiter ereignen wird.
Und darf noch einmal betonen:
„Letztlich würde es in einem solchen Diskurs zwischen Philosophie – Physik natürlich um Weltbildfragen gehen, d.h. die Elemente des mathematischen Formalismus der Theorie müssten gedanklich auf (mögliche) Elemente der physikalischen Realität bezogen werden und es könnte somit konkretisiert werden, was mit der Interpretation einer physikalischen Theorie gemeint sei…“ (M.R. Kommentar 3. Juni)
Denn: ‚Die Philosophie‘ als induktive Meta-Instanz führt Interpretation ja nicht ein, sondern findet sie in den jeweiligen Wissenschaftsgebieten implizit schon vor; diese gilt es, immer wieder zu (über)prüfen, zu bewerten (?), (neu) einzuordnen in einen Meta-Zusammenhang, nicht wahr?
Danke.

maria reinecke
11 Monate zuvor

@Dirk Freyling:
In Ihrem Kommentar vom 9.06.2023 schreiben Sie:
„…ich kenne eine Reihe Prominenter persönlich, deren Namen ich aber aus Diskretionsgründen nicht nenne, da eine Verbindung zu mir in der heutigen Medienlandschaft schnell zur Ausgrenzung und zur Existenzgefährdung dieser Personen führen könnte…“

In diesem Zusammenhang, mit den Ergänzungen in Klammern, wird sich Ihnen der Sinn meiner Aussage v. 8. Juni schnell erschließen:
„Oder gehört Brigitte Falkenburg bereits zu denen, die Sie besser nicht (explizit weiter) erwähnen, damit ihnen (: nämlich jenen Personen!) kein Nachteil entsteht?“ (M.R. Kommentar an D. Freyling, 8. Juni)

@Philo Sophies
Ich bin Dirk Fryling dankbar für seinen Hinweis auf Brigitte Falkenburg
und (damit verbunden) auf die Forschungsarbeit von Karl Norbert Ihmig:
„‚Hypotheses non fingo‘ – Newtons wissenschaftliche Methodenlehre“
Band I
DFG – Fa 261/5-1
Prof. Dr. Dr. Brigitte Falkenburg
PD Dr. Karl-Norbert Ihmig
https://ipp.ht.tu-dortmund.de/storages/ipp-ht/r/Dokumente/Dateien_von_Profilseiten/Falkenburg_Ihmig_1.pdf

Da es in dem Beitrag von Dirk Boucsein um Metamathematik geht, hat m.E. Ihmigs Forschungsarbeit zu Newton, von Brigitte Falkenburg vorgestellt und zusammengefasst, hier durchaus Platz, kann möglicherweise (zusätzliche) Grundlage für eine wissenschaftstheoretische Diskussion (gerade auch) in Zusammenhang mit der ‚modernen Physik‘ bilden:

z.B. aus „Mathematisierung der Natur“ (S. 8):
„Anders als Kepler oder Galilei ist Newton nicht der Auffassung, die Natur sei per se nach
mathematischen Gesetzen konstituiert (Ihmig 2003b, 13). Die Mathematisierung der Natur
geschieht erst in der Physik. Dabei zielt sein Programm einer Mathematisierung der Natur
auf physikalische Erkenntnis mit mathematischer Präzision und apodiktischer Gewißheit.
Newton will diese Exaktheit und Gewißheit erreichen, indem er die analytisch-synthetische
Verfahrensweisen der Geometrie auf die experimentelle Erfahrung überträgt. Im Hin-und-
Hergehen zwischen experimentellen Beobachtungen und mathematischen Konstruktionen
werden die Phänomene schrittweise mathematisiert, mit den Zielen der Metrisierung
physikalischer Eigenschaften und der Aufstellung allgemeiner mathematischer Gesetze. Die
konstruktiven Aspekte dieses Vorgehens, die in neuerer Zeit u.a. Eddington hervorgehoben
hat (Eddington 1939; vgl. Falkenburg 2004, 58 ff.), sind nicht zu übersehen. Die zentrale
Leistung der experimentellen Methode besteht allerdings darin, die Phänomene so zu
mathematisieren, daß dabei die Korrespondenz zwischen mathematischer Theorie und
experimenteller Erfahrung hergestellt wird (Ihmig 2003b, 13)…“ (Zitat Falkenburg/Ihmig, S. 8)

„…Die Frage, warum die Mathematik in der neuzeitlichen Physik auf die Naturerscheinungen
anwendbar ist, bekommt hier eine Kantische Antwort, die noch genauer ausbuchstabiert
werden müßte. Die experimentelle Methode konstituiert erst die Gegenstände physikalischer
Erkenntnis, diese sind nicht als Naturdinge an sich vorhanden — dies ist der zentrale
Unterschied zwischen der aristotelischen und der neuzeitlichen Physik. Jedes Phänomen ist
bereits mathematisch und/oder experimentell strukturiert (vgl. Ihmig 2003c, 46 ff.). Und jedes
Experiment stellt eine Frage an die Natur (die nach Kant ein gesetzmäßiger Zusammenhang
von Phänomen ist), die seitens der Natur kontingenterweise mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet
wird. Etwas moderner kann man sagen: Experimente konstituieren empirisch entscheidbare
Alternativen. Diese Fragen sind mathematisch bereits so strukturiert, daß ihre Antworten
metrisiert sind und sich in die Größenskalen der Physik fügen (Falkenburg 1997). Dies
bedeutet nicht, daß die Natur ein bloßes Konstrukt menschlicher Experimentiertätigkeit ist —
konstruktivistische Sichtweisen der modernen Physik greifen genauso zu kurz wie
empiristische und naiv-realistische. Die Mathematisierung der Phänomene zielt bei Newton
vielmehr auf die empirische Erforschung und die mathematische Konstruktion der Ursachen
von Naturerscheinungen zugleich, wobei die Ursachen als metrisierbare Eigenschaften
betrachtet werden. Entscheidend für den epistemischen Erfolg von Newtons Methode ist die
systematische Variation der experimentellen Bedingungen, die alle bisherigen Studien zum
Verhältnis von Induktion und Deduktion bei Newton (etwa Worrall 2000) vernachlässigen.“ (Zitat Falkenburg/Ihmig, S.9)

Oder?

Dirk Boucsein
Dirk Boucsein
11 Monate zuvor
Reply to  maria reinecke

Liebe Maria,

vielen Dank für Deinen neuen Impuls zur „Metamathematik“, da sich der Diskurs mehr und mehr in Richtung „Metaphysik“ und die Präsentation „neuer Quantentheorien“ bewegte, hatte ich mich ein wenig aus der Diskussion zurückgezogen. Daher bin ich froh, dass Du den „Ball noch einmal aufnimmst und ins Spielfeld wirfst“.

Es ging mir in meinem Essay nämlich eigentlich nicht um eine „Neue Metaphysik“, den Versuch hatte ich ja schon zusammen mit Deiner freundlichen Unterstützung und mit Whitehead in Bezug auf die Zeit gestartet. Bei der „Metamathematik“ geht es um noch viel Tieferliegendes, um die Frage, ob die Mathematik eine Ontologie in Form der Logik besitzt und letzenendes, ob dies zu ihrer Legitimation gereicht. Also wenn Du so willst eine „Kritik der reinen Vernunft“ an der Mathematik, allerdings ohne Transzendentalphilosophie, sondern eher epistemisch gemeint ;-). Soll heißen, ich bin mir der ganzen Ontologien nicht mehr so sicher, sondern halte diese tatsächlich eher für Ergebnisse des anthropischen Prinzips.

Du zitierst Falkenburg/Ihmig:„Die zentrale Leistung der experimentellen Methode besteht allerdings darin, die Phänomene so zu mathematisieren, daß dabei die Korrespondenz zwischen mathematischer Theorie und experimenteller Erfahrung hergestellt wird (Ihmig 2003b, 13)…“ (Zitat Falkenburg/Ihmig, S. 8)“.

Genau das meinte ich Newton hatte vielleicht noch den Vorteil, dass ihm angeblich „ein Apfel auf den Kopf fällt“, um die Gravitationsgesetze zu formulieren. Soll heißen die Empirie ging der Mathematisierung voraus. Und dies ist keinesfalls im „naiv-realistischen“ Sinne gemeint, sondern wie das Zitat weiter geht:

„Die Mathematisierung der Phänomene zielt bei Newton vielmehr auf die empirische Erforschung und die mathematische Konstruktion der Ursachen von Naturerscheinungen zugleich, wobei die Ursachen als metrisierbare Eigenschaften betrachtet werden.“

Hiervon hat sich die moderne Physik nicht erst seit der Quantenphysik verabschiedet, da häufig mathematische Modelle der empirischen Überprüfung vorausgehen und nicht umgekehrt. Die Mathematik ist aber zunächst einmal ein „Wolkenkuckucksheim“, in dem alles erlaubt ist und alles alles klappt, so lange es sich axiomatisch und konsistent verhält. Daher kommt hier die besagte „Pippi Langstrumpf“ wieder ins Spiel.

Erstaunlicherweise haben diese mathematischen Konstrukte tatsächlich zum Teil auch eine realistische Vorhersagekraft gehabt, wie z. B. die mathematische Theorie von Roger Penrose bezüglich der Existenz der „schwarzen Löcher“, die mittlerweile auch experimentell bestätigt werden konnte. Daher treibt es auch „metaphysikalische Blüten“, wenn man z. B. eine mathematische „String-Theorie“ entwickelt und nun krampfhaft, nach der empirischen Validierung sucht.
Okay, kann man machen, muss man aber nicht. Oder wie wäre es, wenn die Experimentalphysik mal wieder „an den Ball kommen“ könnte. Du zitierst hier vollkommen richtig:

„Entscheidend für den epistemischen Erfolg von Newtons Methode ist die systematische Variation der experimentellen Bedingungen, die alle bisherigen Studien zum Verhältnis von Induktion und Deduktion bei Newton (etwa Worrall 2000) vernachlässigen.“ (Zitat Falkenburg/Ihmig, S.9)

Und genau dieses Verhältnis von Induktion zu Deduktion bemängele ich in der modernen Physik, da momentan in der Forschung hauptsächlich eine Abduktion im Peirceschen Sinne betrieben wird:

„Abduktion ist der Vorgang, in dem eine erklärende Hypothese gebildet wird“ (Peirce: Collected Papers (CP 5.171)). Darunter verstand Peirce ein Schlussverfahren, das sich von der Deduktion und der Induktion dadurch unterscheidet, dass es die Erkenntnis erweitert. […] „Abduktion ist jene Art von Argument, die von einer überraschenden Erfahrung ausgeht, das heißt von einer Erfahrung, die einer aktiven oder passiven Überzeugung zuwiderläuft. Dies geschieht in Form eines Wahrnehmungsurteils oder einer Proposition, die sich auf ein solches Urteil bezieht, und eine neue Form von Überzeugung wird notwendig, um die Erfahrung zu verallgemeinern.“

„Deduktion beweist, dass etwas sein muss; Induktion zeigt, dass etwas tatsächlich wirksam ist; Abduktion deutet lediglich daraufhin, dass etwas sein kann.“

„Deduction proves that something must be; Induction shows that something actually is operative; Abduction merely suggests that something may be.“
– Peirce: Collected Papers (CP 5.171)
(https://de.wikipedia.org/wiki/Abduktion)

Das heißt, im Umkehrschluss, je „überraschender“ die Erfahrung, desto besser lassen sich hieraus „erklärende Hypothesen“ bilden, die eine empirisch-induktive Validierung überspringen und das Ganze in der „Münchhausen-Strategie“ logisch-deduktiv ableiten können. Ich glaube, dagegen würde Pippi Langstrumpf mit ihrer „Plutimikation“ ganz schön alt ausssehen.

Oder?

Vielleicht sehe ich das aber auch nur allzu kritisch und lasse mir weiterhin eine „schöne Theorie“ erzählen.

Liebe Grüße
Dirk

Christian Bührig
11 Monate zuvor
Reply to  Dirk Boucsein

Lieber Dirk,

ich fühle mich einmal angesprochen, dass zu viel Metaphysik ins Thema gekommen sei. Sorry.

Zunächst: Ich hatte mir schon früh den Artikel von Neuber geladen, um direkter am Ball zu spielen. Ich schwächelte leider in der Mitte. Eine abschließende Lektüre steht noch aus.

Ich hoffe, mit den neuen Worten, fühlst du dich nicht wieder missverstanden oder es kommen zu schnell eigene Theorien, ohne kommunikativ direkt an den Aussagen des Autors zu bleiben.

Bezüglich Mathematik ist die Sache schon so, wie du es darstellst, denke ich auch: Im Prinzip lässt Mathematik zu viel zu, das nicht zur Welt passt, daher ist Mathematik ohne Zweifel eine reine Strukturwissenschaft, welche durch das axiomatische System eher Tautologien erzeugt, sozusagen Selbstbestätigungen.

Die Logik macht es als Basis nicht besser, auch dazu volle Zustimmung.

Die Frage, ob damit „Ontologie“ jedoch vom Tisch sei, würde ich nicht gleich unterstützen. Allenfalls im überspitzten Satz, die Mathematik habe eine eigene Existenzform (vermeintlich Platon). Oder „die“ Mathematik sei „die“ Ontologie.

Mit der nicht-Euklidischen Geometrie im Sinne Riemanns mit (zunächst) vier Dimension wurde zumindest ein neuer Blick auf den Raum geschaffen, bei dem man anscheinend fast alles in die Finger bekommt, was für ein klassisches Konzept „Ontologie“ benötigt wird. Die elektromagnetischen Eigenschaften liegen nach der Abschaffung des Äthers mit Einstein direkt in der Raumzeit-Struktur. Und ein paar zusätzliche „Materialeigenschaften“ runden das Konzept ab: maximale Lichtgeschwindigkeit, Supraleitung, Curie-Temperatur.

Die Frage ist nun: Wenn die Natur faktisch ziemlich exakt mit der vierdimensionalen Raumzeit beschrieben werden kann, und damit diese Geometrie mit der Welt zur Deckung kommt, was wäre dann noch so falsch daran, hier von einer Ontologie zu sprechen, welche mit einem Teil der Mathematik eine Identität bildet?

Mit einer neuen „Identitätstheorie“ errege ich hier vermutlich wieder die Gemüter! Ist mir ein Vergnügen! 😂

Viele Grüße
Christian

Dirk Boucsein
Dirk Boucsein
11 Monate zuvor

Lieber Christian,

vielen Dank für Deine Antwort.

Kein Ding. Eine gute Portion „Metaphysik“ gehört doch immer dazu ;-).

Ja, fände ich klasse, wenn Du zu dem Neuber-Artikel etwas sagen könntest. Ich fand ihn wirklich klasse, konnte aber am Schluss auch nicht mehr mit dem Vorschlag des „strukturalen Formalismus“ mitgehen.

Ne, ne alles okay. Das ist ja das Schöne an den Werken, dass hier jeder seine eigene Interpretation hineinlegen kann. Im Gegenteil, ich finde es sehr schön, wenn dies wieder als Input für neue Dinge wirkt.

Danke für Deine Zustimmung. Und zu Deinem Hinweis:

„Die Frage, ob damit „Ontologie“ jedoch vom Tisch sei, würde ich nicht gleich unterstützen. Allenfalls im überspitzten Satz, die Mathematik habe eine eigene Existenzform (vermeintlich Platon). Oder „die“ Mathematik sei „die“ Ontologie.“
Die Ontologie ist bei mir natürlich auch noch nicht „vom Tisch“. Ich gehe nur mittlerweile nicht mehr von einer von uns unabhängigen Ontologie als „wahren Grund“ der Dinge aus, die von uns nur noch entdeckt werden müsste. Daher erwähnte ich eher einen anthropozentischen Perspektivismus mit Blick auf die Ontologie. Dies soll ausdrücklich nicht heißen, dass die menschlichen Erkenntnisse zur Ontologie deshalb weniger wahrhaftig sind. Im Deutschen kann man ja hier sehr sauber zwischen Wirklichkeit und Realität differenzieren. Wenn ich hier zu diesem Thema noch einmal aus meinem alten Essay „Der Paradigmenwechsel“ zitieren darf:

„Die beiden Begriffe „Realität“ und „Wirklichkeit“ werden sehr häufig synonym verwendet, was aber nicht ganz der Wirklichkeit entspricht und auch hier wiederum zu einem Dualismus „Realismus vs. Idealismus“ in der „Realismus-Debatte“ (s. u.) geführt hat. Der ontologische Begriff der Wirklichkeit wird eher mit Dingen in Verbindung gebracht, von denen eine Wirkung/Wechselwirkung ausgeht. Dies sind meist physikalische Entitäten, die als Phänomene beobachtbar und messbar sind. Aus diesem Grunde zieht sich auch der Physikalismus (Place/Smart) gerne auf diese Position zurück, um nicht mit dem verwandten Materialismus (Cambridger Platonisten: More/Cudworth) in Verbindung gebracht zu werden. Der Materialismus stützt sich ebenfalls auf den Begriff der Realität, enthält aber noch das „Geschmäckle der Metaphysik“, was in naturwissenschaftlichen Kreisen leider bis heute zu starken, unbegründeten Ressentiments führt. Der Naturalismus stellt dahingegen für beide Lager ein prima Fundament für das Selbstverständnis der Naturwissenschaften dar, auf das in Kontroversen (s. u.) immer gerne wieder verwiesen wird.

„Die Wissenschaft baut nicht auf Felsengrund. Es ist eher ein Sumpfland, über dem sich die kühne Konstruktion ihrer Theorien erhebt; sie ist ein Pfeilerbau, dessen Pfeiler sich von oben her in den Sumpf senken – aber nicht bis zu einem natürlichen, ‚gegebenen‘ Grund. Denn nicht deshalb hört man auf die Pfeiler tiefer hineinzutreiben, weil man auf eine feste Schicht gestoßen ist: wenn man hofft, daß sie das Gebäude tragen werden, beschließt man, sich vorläufig mit der Festigkeit der Pfeiler zu begnügen.“ (Karl Popper: „Logik der Forschung“, S. 75 f.)
Aber auf diesem „Sumpfland“ baut nun aber der „Realismus“ seine „epistemologische Grundschwelle“, die für den stabilen Aufbau des Wissenschaftsgebäudes von großer Bedeutung ist. Der Realismus, besonders in seiner robusten Konstruktionsform als wissenschaftlicher Realismus, geht nämlich davon aus, „dass eine erkennbare Wirklichkeit existiert, die unabhängig vom menschlichen Denken ist, und dass die Bestätigung einer wissenschaftlichen Theorie die Annahme begründet, dass diese Wirklichkeit so aussieht, wie diese Theorie das aussagt. Insbesondere betrifft dies den Anspruch, dass die Entitäten, über die eine bestätigte Theorie spricht, objektiv existieren.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaftlicher_Realismus)“

Der Ansatz im anthropozentischen Perspektivismus geht demgegenüber eher davon aus, dass wir nur einen Zugriff auf die Ontologie der Wirklichkeit, da diese mit uns wechselwirken kann, aber nicht auf eine von uns unabhängige Realität besitzen. Damit muss man aber meines Erachtens nicht automatisch im Anti-Realismus oder Konstruktivismus landen.

„Es geht nicht um absolute Wahrheiten im ontologischen Sinne, sondern vielmehr um annähernde Wahrheiten durch die Relativierung der Wahrheitsansprüchen von rivalisierenden Theorien hinsichtlich der empirischen Äquivalenz und Adäquatheit. Aus der historischen Perspektive des PMI betrachtet, bilden sich Teilstrukturen von wahrheitsähnlicheren Theorien innerhalb einer Theorienkette (s.u. Stegmüllers „strukturalistische Theorienetze“) […]
„Isolierte naturwissenschaftliche Hypothesen sind überhaupt nicht nachprüfbar. Was empirisch getestet werden kann, ist zu jedem historischen Zeitpunkt nur die Totalität aller zu diesem Zeitpunkt akzeptierten Hypothesen.“ Und die Gegner des holistischen Standpunktes, ‚Induktivisten‘ wie ‚Deduktivisten‘, waren darum bemüht, nachzuweisen, daß und unter welchen genaueren Bedingungen dennoch einzelne Hypothesen aus dem Gesamtkomplex unseres provisorischen Wissens isoliert und einer gesonderten Nachprüfung unterzogen werden könnten.“ (Wolfgang Stegmüller:“T-Theoretizität und Holismus. Eine Präzisierung und Begründung der Duhem-Quine-These“ 1986, S. 190) .“ (aus „Der Paradigmenwechsel“)
Sorry, jetzt habe ich ein wenig zu viel getextet.

Also insofern kann Deine Hypothese zur „vierdimensionalen Raumzeit“ durchaus ein Kandidat unter vielen anderen sein, um unsere „physikalische Wirklichkeit“ zu beschreiben und vielleicht kann man hiermit auch eine gewisse Ontologie betreiben, wenn Du schreibst:

„Die elektromagnetischen Eigenschaften liegen nach der Abschaffung des Äthers mit Einstein direkt in der Raumzeit-Struktur. Und ein paar zusätzliche „Materialeigenschaften“ runden das Konzept ab: maximale Lichtgeschwindigkeit, Supraleitung, Curie-Temperatur.“

Ich zweifele nur daran, dass diese Ontologie unabhängig von uns existiert. Habe dafür aber auch keine Beweise, weil der Kontakt zu einem Außerirdischen, der zum Beispiel eine 12-dimensionale Wirklichkeit besitzt, mir bislang auch noch nicht vergönnt war. Danach sind wir bestimmt ein wenig schlauer in Bezug auf die Realität ;-).

Bis dahin verbleibe ich aber mit
lieben Grüßen

Dirk

Christian Bührig
11 Monate zuvor
Reply to  Dirk Boucsein

Hallo Dirk, da bin ich ja froh, dass du mir nicht böse bist 🙂

Das Zitat von Popper ist wirklich ein besonders wertvolles Zitat, dass man nicht genug betonen kann! Und es hat durch den Sumpfvergleich auch eine hübsche Nähe zu Münchhausen.

Der kritische Rationalismus spricht im Übrigen vom „hypothetischen Realismus“.

Durch die Pfeiler der Mathematik und Geometrie, die sich in der (hypothetisch) Realität als Strukturprinzip erweisen („praktische Geometrie“) befinden wir uns auf einer Wissensstufe, die nicht mehr geprägt ist durch die anthropischen Brille des Menschen, sondern gilt auch für Außerirdische, weil die Geometrie für jedes Wesen gleich wäre, wenn man sich treffen würde. In den Umlaufbahnen der Planeten und die Gravitation auf der Erde liegt keine menschliche Wahrnehmung. Der Mond würde seine Bahnen genau so ziehen, auch wenn kein Mensch hinschaut oder diese Bahn interpretiert. Die ART befreit uns von einem Kraft-Begriff, löst das Geheimnis durch eine neue Eigenschaft des Raums auf. Daher wäre für mich der Ansatz, zu viel menschliche Würzung in der Ursuppe zu vermuten, an diesem Punkt zu bezweifeln.

Viele Grüße
Christian

Dirk Freyling
11 Monate zuvor

„Unaufgefordert“ sei noch (spontan) zu bemerken,
dass der einst verbannte, für nichtexistent erklärte «Äther» schon längst über Begrifflichkeiten, wie Vakuumfluktuation, Vakuumenergie und eine von Null verschiedene Kosmologische Konstante „reanimiert“ wurde. Wenn es so etwas wie eine Wissenschaftsmoral gibt, dann ist es unmoralisch in Gedenken an Maxwell, Lorentz, Poincare´, Pascal,… nicht in aller Deutlichkeit zu betonen, dass es das «Prinzip Äther» (wieder) gibt.

Und die Frage, ob Wechselwirkungen instantan oder mit endlicher Geschwindigkeit ablaufen, ist alles andere als geklärt, auch wenn suggeriert wird, dass die moderne Physik das «Problem» „im Griff“ hat, siehe meine vorherigen Kommentare.

Herr Bührig, Sie schreiben u.a.
„Mit der nicht-Euklidischen Geometrie im Sinne Riemanns mit (zunächst) vier Dimension wurde zumindest ein neuer Blick auf den Raum geschaffen, bei dem man anscheinend fast alles in die Finger bekommt, was für ein klassisches Konzept „Ontologie“ benötigt wird. Die elektromagnetischen Eigenschaften liegen nach der Abschaffung des Äthers mit Einstein direkt in der Raumzeit-Struktur. Und ein paar zusätzliche „Materialeigenschaften“ runden das Konzept ab: maximale Lichtgeschwindigkeit, Supraleitung, Curie-Temperatur.

Die Frage ist nun: Wenn die Natur faktisch ziemlich exakt mit der vierdimensionalen Raumzeit beschrieben werden kann, und damit diese Geometrie mit der Welt zur Deckung kommt, was wäre dann noch so falsch daran, hier von einer Ontologie zu sprechen, welche mit einem Teil der Mathematik eine Identität bildet?“

Plakativ formulierte Erwiderung: Raumzeit ist ein sehr verführerisches, metaphysisches Konzept mit großer Strahlkraft aber physikalisch, im Sinne des Prinzips der Parsimonie, aus sehr vielen rationalen Gründen ein „Verlierer-Konzept“.

Ihre euphemistischen Aussagen bezüglich des „Nutzens“ der Raumzeit unterscheiden sich nicht wesentlich von denen eines Jesusgläubigen und der Reduktion der Bibel auf nur positive Aspekte, der zu allem Übel auch keine anderen Religionen (im Detail) kennt….

[ Zur Erinnerung, nicht Gott hat die Bibel geschrieben, sondern Menschen…genauer:
Es hat fast 400 Jahre gedauert, bis die biblischen Geschichten zum Buch der Christen zusammengefasst wurden und weitere Jahrhunderte vergingen, in denen es inhaltlich immer wieder berichtigt und verändert worden ist. Bis zu diesem Zeitpunkt hat also noch niemand eine Bibel gelesen und trotzdem wurde das Christentum um das Jahr 400 per Gesetz zur Staatsreligion erklärt. Trotzdem konnte weitere 1000 Jahre kaum jemand diese Bibel lesen. Sie war in Latein geschrieben und nur wenigen Gelehrten zugänglich. Sie haben daraus dem einfachen Volk jene Texte vorgelesen, die ihnen und ihren Vorhaben gerade passten. Das Buch wurde immer wieder von Hand kopiert, hatte den vergleichbaren Wert eines heutigen Einfamilienhauses und war nur hohen Kirchenführern zugänglich. Ein Dorfpfarrer jener Zeit konnte in der Regel kaum lesen.

Abermillionen Menschen sind fest davon überzeugt die Bibel sei Gottes Wort. Die dokumentierte Wahrheit sieht anders aus: Unterschiedliche, heute meist unbekannte Autoren haben die Bibeltexte geschrieben und was der späteren Priesterschaft nicht mehr gefiel, wurde eliminiert oder immer wieder zurechtgetextet. Noch heute werden Veränderungen und Anpassungen vorgenommen. Bei der Bibel handelt es sich um zusammenhanglose Schriften, die von Hunderten anonymer Autoren, Herausgebern und Kopisten verfasst, umgearbeitet, übersetzt, verfälscht und »verbessert« wurden, von Personen die wir nicht kennen, die sich meist auch untereinander nicht kannten und deren Lebenszeiten sich über neun Jahrhunderte erstrecken. Bibeltreue Gläubige zitieren für ihre Ausgrenzungen, Völkermordabsichten und ähnlich „Böses“ Gottes Wille, in Form entsprechender Bibelstellen und werfen Kritikern andererseits gerne vor, die Bibel doch nicht allzu wörtlich zu nehmen und sprechen von Symbolik und Gleichnis. Je nach Motivation, Mehrheitslage und Taktik werden also Gegenpole besetzt.

Die Geschichte Jesu, seine Geburt, sein Leben, seine Taten und auch seine Auferstehung waren in der Welt der Antike nichts Einmaliges. Die Menschen im Römischen Reich, außerhalb der großen Metropolen, waren größtenteils kaum gebildet. Sie waren unkritisch und in ihrem entbehrungsreichen Leben beseelt von der Hoffnung auf eindrucksvolle Wunder. Die Sehnsucht danach war in der religiösen Landschaft jener Zeit allgegenwärtig. Immer wieder sollen Heilige, aber auch Nicht-Heilige Kranke geheilt, Tote zum Leben erweckt, Nahrung vermehrt, Wetter und Elemente beeinflusst und Dämonen besiegt haben. Das gilt für Herakles, Dionysos, Buddha, Pythagoras und Apollonios genauso wie für Jesus. Die Mythen eines Attis, Adonis, Dionysus, Herakles weisen, trotz unterschiedlicher Einzelheiten, im Kern das gleiche Grundmuster auf wie die Überlieferung über Tod und Auferstehung Jesu. Klage- und Auferstehungsfeiern für Adonis, Attis und andere Kultgottheiten waren über den ganzen Mittelmeerraum verbreitet und fanden teilweise zu derselben Zeit statt wie Karwoche und Ostern. Das Christentum hat den Grundgedanken des sterbenden und auferstehenden Mysteriengottes mit dem des auf die Erde kommenden und wieder zum Himmel fahrenden gnostischen Erlösers kombiniert und daraus einen eigenen Mythos geschaffen. Der war ursprünglich noch ohne zeitliche Fixierung. Erst gegen Mitte des 2. Jahrhundert entstanden daraus die heutigen Evangelien. Darin wird Jesus als geschichtliche Person unter Pontius Pilatus dargestellt. Zugleich wurden dabei die kirchlichen Auseinandersetzungen des 2. Jahrhunderts in die vermeintlichen Anfänge im ersten Jahrhundert zurückprojiziert. Die Weichen für diese ganze Entwicklung wurden in Rom gestellt. Die ersten Evangelien wurden als Gleichnisse und nicht als Geschichte verfasst…

Erst im Jahr 353 erklärte die Kirche den 25. Dezember zum Geburtstag Jesu. Diesem Beschluss gingen jahrzehntelange Diskussionen voraus. Im Jahr 200 hatte Clemens von Alexandrien noch den 17. November für das Geburtsdatum gehalten, andere tendierten zum 20. Mai oder 19. April. Die religionspolitisch kluge Wahl des 25. Dezember setzte sich schließlich durch. An diesem Tag feierten nämlich die Römer nach alter Tradition die Wintersonnenwende, bei welcher der Sonnengott Mithras aus einem Felsen geboren und von Hirten beschenkt wurde. In unterirdischen Kultstätten feierten die Menschen den Mythos von der Geburt der Sonne. ]

Fazit: »Die Raumzeit« hat Physiker über 100 Jahre in die unanschauliche Irre geführt. Es ist an der Zeit, diesen Umstand klar aufzuzeigen und durch deutlich anschaulichere Denkmodelle zu ersetzen.

Eines stammt von Rudolf Kiesslinger…, einen Überblick und Verknüpfungen zu seinen Betrachtungen (in Deutsch und Englisch) finden Sie auf meiner Webseite „unter“ dem Menüpunkt »Links«…

Rudolf Kiesslinger (1921 – 2011) dürfte den meisten Interessierten vollkommen unbekannt sein. Kießlinger (…Kiesslinger „ist“ eigentlich Kießlinger, doch wegen der Umlaute, hat er wohl auch Kiesslinger online verwendet) zeigt eindrucksvoll, wie eine Erweiterung des Newtonschen Gravitationsgesetzes die ART als nur 2.Näherung „dastehen“ lässt. Sowohl die Periheldrehung des Merkurs, die gravitative Lichtablenkung, die gravitative Rotverschiebung und einige weitere Aspekte wie die Hintergrundstrahlung werden von Kiesslinger alternativ zum Standardmodell der Kosmologie, respektive zur ART exakt berechnet.

Christian Bührig
11 Monate zuvor

Hallo Herr Freyling,

im Prinzip wird in der ART betont, dass andere Geometrien, die zum gleichen Ergebnis kommen können, weil das nach Riemann, Gauß und Helmholtz eine wesentliche Einsicht sei, nachdem in Erwägung gezogen würde, dass wir eigentlich nicht gezwungen sind, die „flache“ euklidische Geometrie als Wahrheit des Raumes fix zu setzen.

Ich lese gerade Moritz Schlick dazu, welcher mit Einstein zu den philosophischen Interpretationen im engsten Kontakt stand und es passt wohl kein Blatt zwischen beide. Aussagen Schlicks können daher faktisch wie Aussagen Einsteins gewertet werden.

Es läuft am Ende eher darauf hinaus, was einfacher sei. Bei Betrachtungen im (weitgehend) homogenen Gravitationsfeld hat erst einmal die euklische Geometrie einen Vorteil.

Es wird auch mit Kepler argumentiert, dass die Sonne im Zentrum in erster Linie ein rein pragmatisches Konzept sei, eine Berechnung der (annähernden) Kreisbahnen würde auch gelingen, wenn man die Erde in dem Zentrum beließe. Aber einiges wird dann kompliziert, diese Schwäche habe die Perspektive, die Sonne in Bezug auf die Planeten in den Mittelpunkt zu rücken, eben nicht, daher hat die Wahl der Sonne als Mittelpunkt streng genommen nur das As im Ärmel, einfacher zu sein.

So wird Schlick (mit Einstein) nicht müde, andere Wissenschaftler zu kritisieren, die bei der SRT und ART Sätze formulieren, die besagen, die Theorie habe sich als wahr erwiesen und andere Blickwinkel seien falsch.

Daher ist bei Anhängern der ART nicht zu vermuten, dass sie ihr folgen wie ein Anhänger einer Religion.

Persönlich würde ich hervorheben, dass nur dieser Blickwinkel der ART eine Alternative zur Fernwirkung erlaubt. Andere geometriesche Berechnungen im euklidischen Raum haben nur die mathematischen Prinzipien (Newton) zur Kenntnis zu nehmen, müssen sich aber fragen lassen, woher die Kräfte denn stammen, die einer Fernwirkung gleichen. Das war ja schon Newton ein Dorn im Auge.

Spätere Wissenschaftler gewöhnten sich an den Gedanken der Fernwirkung und stießen sich naturphilosophisch anscheinend gar nicht mehr daran, so als habe man eine sehr verständliche Kraft vor sich. Aktuell haben wir da mi QT und den neusten Nobelpreisen wieder diesen Zustand erreicht, dass Wissenschaftler etwas für ganz natürlich erklären und empfinden, was wie Newtons Fernwirkung eigentlich einer ganz anderen Erklärung bedürfte.

Viele Grüße
Christian Bührig

Dirk Freyling
11 Monate zuvor

Guten Tag Herr Bührig,
zum Thema Kovarianz gibt es, wie so oft, den Unterschied zwischen idealisierter Forderung und praktischer (Theorie-)Realität.

Die kovarianzverletzte Basis
Zur Beliebigkeits-Problematik der freien Parameter des Standardmodells der Kosmologie (Lambda-CDM-Modell) gesellt sich die unvermeidbare „axiomatische Verletzung“ des Kovarianzprinzips. Salopp „formulierter“ Hintergrund: Die Allgemeine Relativitätstheorie wurde u.a. aus der Forderung geboren, zur Beschreibung der Naturgesetze beliebige Koordinatensysteme verwenden zu können. Entsprechend dem Kovarianzprinzip sollte die Form der Naturgesetze nicht entscheidend von der Wahl des speziellen Koordinatensystems abhängen. Diese Forderung ist ursächlich mathematisch und führt zu einer Vielfalt von möglichen Koordinatensystemen [Metriken].

Zum Verständnis folgend mein (Original-)Kommentar* an die Spektrums-Redaktion aus 2016 zu diesem ART-Aspekt, die Reaktion der Redaktion und ein Kurzkommentar von Dr. Klaus Retzlaff, einem Theoretischen Physiker, der sich selbst stark mit der ART beschäftigt.

_____________________________________
Spektrum Artikel: »Schwarze Löcher in Größe M«
22.01.2016

*2. Was ist und was darf sein?
26.01.2016, Dirk Freyling
Wäre es nicht angebracht, die interessierten Leser auch auf populärwissenschaftlicher Ebene zumindest mit den Grundlagen vertraut zu machen?
Schwarze Löcher sind populärwissenschaftlich ohne Frage sensationeller als keine Schwarzen Löcher. Doch es gibt keinen experimentellen Nachweis der Existenz auch nur eines einzigen Schwarzen Loches. Schwarze Löcher sind erst einmal nichts weiter als Theorieobjekte eines mathematischen Formalismus, dessen gefordertes Kovarianzprinzip bedingt durch die Struktur der Gleichungssysteme nicht erfüllt werden kann, da nur Näherungen zu rechenbaren Lösungen führen.
Die Allgemeine Relativitätstheorie (ART) wurde u.a. aus der Forderung geboren, zur Beschreibung der Naturgesetze beliebige Koordinatensysteme verwenden zu können. Entsprechend dem Kovarianzprinzip sollte die Form der Naturgesetze nicht entscheidend von der Wahl des speziellen Koordinatensystems abhängen. Diese Forderung führt zu einer Vielfalt von möglichen Koordinatensystemen [Metriken].
Die Gleichungssysteme (Einstein, Friedmann) der Allgemeinen Relativitätstheorie, die den Aussagen des Standardmodells der Kosmologie zu Grunde liegen, liefern keine analytischen Lösungen. Erst Idealisierungen und Näherungen führen begrenzt zu rechenbaren Lösungen. Die unvermeidbaren („kovarianten“) Widersprüche kommen mit den offensichtlich unzulässigen Idealisierungen und Näherungen des Systems von nichtlinearen, verketteten Differentialgleichungen. Mathematisch kann das Kovarianzprinzip nicht „verletzt“ werden, da es ja axiomatisch begründet ist. Nur diese axiomatische Voraussetzung „entschwindet mit der Verstümmelung“ (Idealisierung und Näherung) der eigentlichen Gleichungen. Mit anderen Worten: Die mathematisch korrekten Gleichungen besitzen keine analytischen Lösungen. Die reduzierten Gleichungen (Näherungen, Idealisierung) besitzen zwar Lösungen, diese sind jedoch nicht kovariant. Somit besitzt keine Lösung eine realphysikalisch begründete Bedeutung.
Konkreter: In der üblichen „physikalischen Auswertung“ des Linienelementes ds² der Schwarzschild-Metrik der Allgemeine Relativitätstheorie wird eine Nullstelle bzw. Polstelle als Schwarzschild-Radius interpretiert. In einer mehr oder weniger assoziierten Plausibilitätsbetrachtung wird danach gefragt, ab welcher Entfernung Photonen/elektromagnetische Wellen im Feld einer „gravitierenden Masse“ energetisch nicht mehr entweichen können.
Voraussetzungen, unter denen die Schwarzschildlösung hergeleitet wurde:

Die Raumzeit sowie die gravitierende Quelle im Zentrum r = 0 sind radialsymmetrisch.

Die Schwarzschildlösung geht für r gegen Unendlich in die flache Minkowskimetrik über und ist im Fernfeldbereich mit dem Newtonschen Gravitationspotential einer Punktmasse verträglich.

Die gravitierende Massenverteilung und die daraus resultierende Raumzeit sind statisch.

Die letzte Voraussetzung kann durch die Hinzunahme zeitabhängiger Massenverteilungen „abgeschwächt“ werden, wodurch sich die Schwarzschildlösung als die einzig mögliche Raumzeit im Außenbereich einer beliebigen radialsymmetrischen Gravitationsquelle herausstellt. Diese Aussage, von George David Birkhoff aus dem Jahr 1923, trägt den Namen Birkhoff-Theorem und ist die allgemeinrelativistische Verallgemeinerung jenes Satzes der klassischen Mechanik, demzufolge eine beliebige radialsymmetrische Massenverteilung im Außenbereich das Gravitationsfeld einer Punktmasse erzeugt.

Exemplarischer Denkanstoss: Die zur „Schwarzschild-Metrik Lösungsmöglichkeit“ der so genannten Eddington-Finkelstein-Koordinatentransformation beseitigt die Koordinatensingularität der Schwarzschildlösung, „sorgt“ aber auch dafür, daß für die „avancierte“ Lösung nach innen und für die „retardierte“ Lösung nach außen Teilchen ins Schwarze Loch eindringen und austreten können! Mit anderen Worten: Die postulierten Schwarzen Löcher der „Ur-Version“ der Schwarzschild-Metrik waren bei genauer Betrachtung das Resultat zweier Integrationskonstanten des gewählten Koordinatensystems. Ein weiteres Koordinatensystem der Herrn Eddington und Finkelstein behebt das Koordinaten-Artefakt, „bringt“ dem vermeintlich Schwarzen Loch aber nun die Eigenschaft, daß Teilchen das Schwarze Loch verlassen können. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, daß „man“ mit den Eddington-Finkelstein-Koordinaten „unzufrieden“ war. Es folgten 1960 die Kruskal-Szekeres-Koordinaten. „Man“ charakterisiert die Kruskal-Szekeres-Koordinaten als die maximale analytische Fortsetzung der Schwarzschild-Lösung.

Randnotiz: Der Physiker Walter Greiner (achtfacher Ehrendoktor, mehrfacher Honorarprofessor, u.a. Max-Born-Preisträger, Otto-Hahn-Preisträger) dürfte allen Physikern bekannt sein, da er eine umfangreiche Lehrbuchsammlung zur Theoretischen Physik veröffentlichte, die seit Mitte der 1970er Jahre wissenschaftliche Grundlage für Physikstudierende darstellt. Er ist 2010 in Ungnade gefallen, weil er gemäß seinen aktuellen, eigenständigen Berechnungen ein pulsierendes Universum propagiert. Im Ergebnis kann die Dichte von Materiezusammenballungen nicht gegen Unendlich gehen, wie dies bei Schwarzen Löchern der Fall sein soll. Nach seiner festen Überzeugung stößt sich Materie, wenn sie eine bestimmte Dichte erreicht hat, wieder ab. Aus Gravitation wird Antigravitation. Greiners plakatives Fazit: Es gibt keine Schwarzen Löcher. Greiner ist ein Urgestein und „Schwergewicht“ der Theoretischen Physik, somit der ihr zu Grunde liegenden Mathematik. Da man ihn nicht als Crank verunglimpfen kann, wird ihm als „adäquates Mittel der Unterdrückung“ schlicht so wenig wie möglich Aufmerksamkeit zum Thema „Schwarze Löcher gibt es nicht“ gewidmet.

Fazit: Es ist – übergeordnet und insgesamt betrachtet – alles andere als trivial, Raum und Zeit als physikalische „Gegenstände“ zu betrachten. Raum und Zeit sind primär „Ordnungsmuster des Verstandes“. Um aus diesen Ordnungsmustern Physik zu „erhalten“, bedarf es zwingend einer phänomenologischen Betrachtung und Erklärung. Mathematik ersetzt keine Phänomenologie. Das Schwarze Löcher spektakulärer sind als keine, ist eine massenpsychologische Entscheidung, mit der man offensichtlich Aufsehen erregen und Geld verdienen kann. So zu tun als ob sie physisch mit Sicherheit existieren, ist unbegründet.
Sonnige Grüsse,
Dirk Freyling

Stellungnahme der Redaktion
Sehr geehrter Herr Freyling,
vielen Dank für den ausführlichen und wichtigen Beitrag.
Wir können bedauerlicherweise in einem Artikel der Kategorie „News“ nicht auf die Grundlagen und die Frage, ob es Schwarze Löcher überhaupt gibt, eingehen.
Man kann man sich aber in den unzähligen Artikeln in unserem Archiv weitergehend informieren.
Etwa hier (auch wenn dort nicht ihr Punkt angesprochen wird):
Stephen Hawking: „Es gibt keine Schwarzen Löcher“
„Existieren Schwarze Löcher gar nicht?“
Viele Grüße
J. Deeg

3. Zum Kommentar, 2. Was ist und was darf sein? von Herrn Freyling.
28.01.2016, Dr. Klaus Retzlaff
Sehr interessanter und Kenntnisreicher Kommentar.
____________________________________________________

Da Sie nichts über meine Hinweise zu Kießlingers ART-Alternative schreiben, kennen Sie dessen Ausführungen nicht. Auf welcher eigenen Wissens-Grundlage beurteilen Sie (insgesamt), sowohl den fachlichen Teil der ART als auch den psychologischen der Apologeten und Epigonen sowie derer, die ohne Erkenntnisgewinn, aus banalen materiell-existentiellen Beweggründen den »Mythos der grandiosen ART« aufrechterhalten. Zur Erinnerung (siehe vorheriges Kommentarfragment von mir**…

**…Ein Beispiel wie sehr « Willkür tobt » hatte ich u.a. exemplarisch im Juni 2017 begutachtet…
Im Bereich Allgemeine Relativitätstheorie (ART) und Quantenkosmologie (QK) wurden im Juni 2017 auf arxiv.org 341 neue Artikel veröffentlicht, im Bereich Theoretische Hochenergiephysik 551. Doch keine dieser 892 (!) Juni-2017-Ausarbeitungen mit Titeln wie
Invariant vacuum, The gauge symmetriesof relativistic orbits, Noether symmetrie in f(T) teleparallel gravity, Results in the Spontaneous Annihilation of the Cosmological Constant hat eine erkenntnistheoretische Bedeutung erlangt.
Es handelt sich fast ausnahmslos um theoretische Möglichkeiten und (deren) Interpretationsversuche, die sich aus der Beliebigkeit ergeben, dass die zugrunde liegenden „Kern-Konzepte“, in Form von mathematisch generierten Konstrukten, ein riesiges Spektrum an Möglichkeiten eröffnen, ohne jedoch Relevantes ans Tageslicht zu befördern. Diese Theorie-Spielereien ereignen sich Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr, mittlerweile im Rückblick – traurig aber wahr – Jahrzehnt für Jahrzehnt.

Es werde Licht, sonnige Grüsse

Bernd-Jürgen Dr.Stein
Bernd-Jürgen Dr.Stein
11 Monate zuvor

Hallo Dirk,

gut dass Du ab und an das Thema erinnerst. Auch ich schweife gerne ab.

Zur Ontologie der Mathematik und zur Wirklichkeit und Realität möchte ich aber gerne noch etwas sagen, hoffentlich bleibt es kurz.

Dass es eine „von uns unabhängigen Ontologie als „wahren Grund“ der Dinge“ gibt, die von uns nur noch entdeckt werden müsste“ – da bin ich mit Dir einer Meinung, davon kann man nicht sinnvoll sprechen. Jeder Blick auf die Ontologie ist anthropozentisch, ebenso wie jede sprachliche Beschreibung. Man könnte die Frage stellen, ob nun die Mathematik von der Ontologie ein objektives Bild zeichnet. Das kann man nicht sagen, weil die Mathematik die Ontologie nicht beschreibt, sie beschreibt nur die Relationen zwischen den Objekten der Ontologie. Die Objekte der Ontologie bleiben auch in der mathematischen Beschreibung unbestimmt. Ja selbst die Logik, auf der die Mathematik (vielleicht) aufbaut (ja ich glaube, sie geht dem mathematischen Denken voraus), beschreibt keine Objekte, sondern nur Relationen. Die Objekte, die da wirken, bleiben unbestimmt bis auf die tiefste Ebene, die gedacht werden kann. Damit ist dann auch die Realität oder Wirklichkeit nur insofern erkennbar, als wir das, was da regelhaft wirkt, am effektivsten beschreiben und instrumentell handhaben kann, indem man dem, das da wirkt Eigenschaften zuschreibt. Damit schafft man eine epistemische Ontologie, die dann gut handhabbar ist, und neben Beschreibungen auch Erklärungen liefert. Man kann dann so tun, als wäre das die reale Ontologie (betrachtet zum Beispiel die Eigenschaften als intrinsisch), obwohl diese Ontologie nur eine ist durch effektiven Sprachgebrauch! Mit dieser So-tun-als-ob-Ontologie werden all ihre Objekte als Stellvertreter der wahren Objekte betrachtet, Stellvertreter, von denen die empirisch adäquate Kräfte ausgehen (zwischen denen die richtigen Relationen bestehen). So könnte es doch sein, dass Mathematik auch nur eine Entität ist, mit der die Welt besonders effektiv beschrieben werden kann, die ansonsten gar nicht als besondere Ontologie betrachtet werden kann. Wenn schon jeder Ontologie unbestimmt ist, warum soll dann die Mathematik eine Ausnahme machen.

Dass es keine von uns unabhängige Realität gibt, dafür hat schon die Physik mit ihrer Relativitätstheorie gesorgt. Wenn ich mit dem Zug an Dir vorbeifahre, dann sehe ich aus meinem Zugfenster die Welt anders als Du, nämlich alle Längen quer zur Bewegungsrichtung verkürzt, und meine Bewegungen sind aus Deinem Blickwinkel gesehen alle langsamer als Deine. Das ist zwar nicht viel Unterschied, aber ein prinzipieller, weil es ein absolutes Inertialsystem nicht gibt. Somit ist die objektive Realität des wissenschaftlichen Realismus auch nur Konvention: wir einigen und auf ein bestimmtes Bezugssystem, von dem aus die Welt beschrieben wird, mit Begriffen, die „funktionieren“ , zum Beispiel mit Objekten, die intrinsiche Eigenschaften haben – wohl wissend, dass es gerade diese aus logischen Gründen in der Realität nicht geben kann.

Und nun? In dieser so betrachteten Welt gibt es Unterschiede, die sich regelhaft verändern, und die, will man sie beschreiben, eine innere Logik haben: a ist ungleich b und wenn b=a dann a=b und a+b sind nicht eins sondern zwei, und schon ist die Mathematik da. Ist es nicht so, dass jede Überlegung zur Ontologie der Mathematik müßig ist? Jede Ontologie bleibt unbestimmt, wir können nur Relationen beschreiben, wie können sowieso nichts anderes, als beschreiben, und das Beschreiben hat das Denken als Voraussetzung, und das Denken selbst hat die Voraussetzung, das unabhängig von unserem Denken eine Logik existiert, die den Dingen innewohnt, und deren Grund wir, weil wir die Dinge schon nicht erkennen können, eben auch nicht erkennen können (jedenfalls bisher nicht).

Ich hatte ja den Vorschlag gemacht, hier weiter zu gehen und vor dem Denken noch die die Möglichkeit des Denkens zu setzen. Allem was es gibt, geht eben die Möglichkeit, dass es das gibt, voraus.

Das wäre ein Ansatz, dann mal weiter zu denken, statt in die dem Intrumentalisten eigene Resignation zu versinken.

Grüße Bernd

Dirk Boucsein
Dirk Boucsein
10 Monate zuvor

Hallo Bernd,

ich danke Dir recht herzlich für Deinen sehr freundlichen Kommentar, der nicht nur den „Ball wieder ins Spielfeld“ bringt, sondern auch aufgrund Deiner fachlichen Kompetenz als Physiker und Philosoph besonders wertvoll ist.

Du drückst mit Deinem Kommentar genau das aus, was ich eigentlich rüberbringen wollte. Eigentlich wäre dem nichts mehr hinzuzufügen, daher bengnüge ich mich damit, dass ich einzelne Stellen noch einmal ausdrücklich hervorheben möchte.

„Man könnte die Frage stellen, ob nun die Mathematik von der Ontologie ein objektives Bild zeichnet.“ Genau, das war die Frage, die mich beschäftigte. Eine abschließende Antwort habe ich allerings hierauf auch nicht finden können. Ich tippe aber mal, genau, wie Du beschreibst: „Jeder Blick auf die Ontologie ist anthropozentisch, ebenso wie jede sprachliche Beschreibung.“, dass die Mathematik auch nur eine besondere Form der „Sprache“ ist, deren Syntax natürlich stark formalisierte Mittel besitzt und deren Semantik rein logisch orientiert ist; mehr aber auch nicht. Ich denke, dass es hier keinen „Sonderstatus“ für die Mathematik gibt; warum auch?

Du schreibst aus meiner Sicht vollkommen korrekt: „Jede Ontologie bleibt unbestimmt, wir können nur Relationen beschreiben, wie können sowieso nichts anderes, als beschreiben, und das Beschreiben hat das Denken als Voraussetzung, und das Denken selbst hat die Voraussetzung, das unabhängig von unserem Denken eine Logik existiert, die den Dingen innewohnt, und deren Grund wir, weil wir die Dinge schon nicht erkennen können, eben auch nicht erkennen können (jedenfalls bisher nicht).“

Doch selbst bei der „Voraussetzung“ für unser Denken, also einer vom unserem Denken unabhängigen Logik habe ich leider mittlerweile so meine Zweifel bekommen. Ich bin mir da leider nicht mehr ganz so sicher, ob die Logik, wie Yervant auch in seinen Gastbeiträgen zur KI-Forschung, beschrieben hatte, nicht doch ein sehr großes Stück soziologisches Kulturgut ist und sogar erlernt werden muss.

Für Deinen Vorschlag der „Möglichkeiten“ für eine Neue Metaphysik hege ich trotzdem sehr viel Sympathien. Ich fand die Argumentationen in Deinem Buch auch sehr gut nachvollziehbar. Wenn es hierzu noch empirische Befunde geben könnte, die Deine Konzeption bestätigen könnten, dann wäre die „Sache geritzt“.

Und Du hast Recht der Instrumentalismus alleine bringt uns auch nicht weiter, dann würden wir immer noch auf „Postkutschen“ durchs Land reisen, wenn nicht einmal das „Un(mögliche)“ zu realisieren gewagt hätte.

In diesem Sinne schöne Sommerferien und
liebe Grüße

Dirk

maria reinecke
10 Monate zuvor

@ Dr. Bernd Jürgen Stein

Ja, darüber muss nachgedacht werden:
Sie sagen:
„Ich hatte ja den Vorschlag gemacht, hier weiter zu gehen und vor dem Denken noch die die Möglichkeit des Denkens zu setzen. Allem was es gibt, geht eben die Möglichkeit, dass es das gibt, voraus.“ (Zitat Bernd. J. Dr. Stein)

Ein toller Satz – verzeihen Sie die plumpe Aussage.
Ich lasse ihn wirken.
Dann denke ich:
Was, wenn wir für einen Augenblick (z.B. aus prozessphilosophischer Sicht) das Ganze andersherum betrachten?
Etwa so:

Allem, was wir denken können, geht bereits eine Wirklichkeit des Universums, der Natur, der Welt voraus.
Unser Denken/unser Bewusstsein steht erst ganz am Ende einer langen langen Kette von Ereignissen, Geschehnissen, Prozessen, aus denen wir mit unseren Sinnen und einem so entwickelten Gehirn und einer universellen Denkfähigkeit letztlich hervorgegangen sind…

?
Herzlich aus Berlin

Bernd-Jürgen Dr.Stein
Bernd-Jürgen Dr.Stein
10 Monate zuvor

Hallo Dirk,

Vielen Dank für Deine freundliche Antwort, Du machst auch immer Mut, weiterzudenken, daher hier auf die Schnelle eine Antwort zu Deinen Zweifeln, ob die Logik nicht Kulturgut ist, die gelernt werden muss.

Wird die Logik nicht automatisch gelernt, wenn wir uns beim Anfang des Denken-Lernens mit unserem Denken auf die Dinge in der Welt beziehen. Und es ist doch wahr, dass wir alle die gleiche Logik lernen, bzw. in den Dingen der Welt erkennen. Logik wäre dann ein Bestandteil der Relationen zwischen unserem Denken und dem Gedachten, zwischen den objektiven Dingen und unseren Denken darüber, zwischen dem Beschreibbaren und Beschriebenen. Logik ist das, was unsere Beziehung zu allem, inclusive zu uns selbst, eine erkennbare Grundstruktur gibt. Und wovon ist diese Struktur geprägt oder erzeugt? Am Ende von den Naturgesetzen. Ich sage dann in meinem Jargon, Naturgesetze sind nichts anderes als eine Beschränkung der Gesamtmenge der Möglichkeiten auf realisierbare Möglichkeiten. Und dieser Menge an realisierbaren Möglichkeiten muss bereits eine Logik innewohnen. Denn diese Menge bildet als Gesamtheit nämlich einen abzählbare unendlich dimnsionalen Raum, der mathematisch beschrieben werden kann.

Ich behaupte, das Möglichkeiten ontologische Entitäten sind. Und wenn sie dies sind, dann ist die Logik nicht vom Menschen gemacht, sondern kommt aus dieser grundsätzlichen Beschränkung der Möglichkeiten. Und diese entstand bei der Weltentstehung aus gutem Grund (ich will hier nicht vorgreifen). Die Logik ist demnach nur ein Wort, mit der das grundlegende Gemeinsame der Naturgesetze unter einen Begriff gebracht wird.

Also mit dem Begriff der Möglichkeit kommen wir weiter, Ist natürlich nur eine These.

Grüße Bernd

Bermd-Jürgen Dr.Stein
Bermd-Jürgen Dr.Stein
10 Monate zuvor

Hallo Frau Reinecke,

Sie haben vollkommen Recht, „Allem, was wir denken können, geht bereits eine Wirklichkeit des Universums … voraus.“. Genau genommen geht dem Denken aber die Veränderung der Welt voraus, denn nur Veränderungen (auf Grund von Wechselwirkungen) können wir wahrnehmen, und dann darüber nachdenken. Veränderungen geht aber wieder die Möglichkeit der Veränderung (Möglichkeit einer physikalischen Wechselwirkung) voraus.

Möglichkeiten – wie ich sei meine – fallen nicht vom Himmel. Sie entstammen physikalischen Tatsachen. Wir sagen ja auch im Alltag: wenn das oder das gegeben ist, dann eröffnet mir das neue Möglichkeiten. Oder beschränkt meine Möglichkeiten. Ist der Zug kaputt, habe ich keine Möglichkeit, rechtzeitig anzukommen. Möglichkeiten werden von den Randbedingungen der Umgebung, oder dem Geschehen der Umgebung, gemacht (erzeugt!).

Und wenn sich einer dieser so erzeugten Möglichkeiten realisiert, dann entstehen daraus wieder neue Veränderungen (Geschehnisse), die wieder neue Möglichkeiten eröffnen oder beschränken. So ist die veränderte Wirklichkeit nur das „Kondensat“ von Möglichkeiten, die sich verwirklicht haben, und das „Kondensat“ (die Wirklichkeit) erschafft wieder neue Möglichkeiten, um sich weiter zu verändern – ein Kreislauf, so als wären die Möglichkeiten nur eine flüchtige, aus der Wirklichkeit entstandene Phase, die sich ständig neu strukturiert. Und man kann diese Phase tatsächlich mathematisch genau beschreiben (ein algebraischer Raum). Möglichkeiten kann man dann als modalen Teil der Realität. ansehen. Dieser wird von den Naturwissenschaften ausgeblendet.

Wir sind aber wieder bei der Metaphysik, Und natürlich ist das alles nur eine These, nicht mehr! Aber immerhin werden damit einige Beschränkungen, die sich die Naturphilosophie – die auf die Physik schaut wie das Kaninchen auf die Schlange – selbst auferlegt hat, über den Haufen geworfen. Hoffentlich verzeiht uns Dirk, dass wir schon wieder in die Metaphysik abschweifen.

Grüße
Bernd Stein

Philo Sophies
7 Monate zuvor

Dear C. M.N.,

I must apologize to you for the delay in responding to your kind comment and would like to say a few sentences about your remarkable remarks.

Your comment „The exploration of metamathematics and metalogics is indeed a fascinating journey into the foundations of mathematics and the underlying principles that shape it.“ I can absolutely share and support. The „foundations of mathematics and the underlying principles that shape it“ I also consider to be very important for the understanding of metaphysics in the scientific disciplines, because here one likes to „borrow“ from mathematics in order to „prove“ evidence.

In the worst case this can even lead to dogmatizations, as one can follow it for example very nicely at the discussion around the „string theory“ which represents nothing more than a mathematical construction in the end. For the advocates of this theory this has quite an ontological status, however, up to now they owe only empirical evidences, as long as the mathematics is right ;-).

Therefore, I am extremely pleased that you are as critical of this foundational crisis in mathematics as I am, and your comment „As Pippi Longstocking reminds us, creativity and humor can play an important role in exploring complex subjects like mathematics. Through such creative thinking, we can discover new ways to understand the intricate logic that underlies the mathematical world.“ I can only wholeheartedly endorse.

Thank you for your interest and
best regards

Philo Sophies

Dirk Boucsein
Dirk Boucsein
3 Monate zuvor

Lieber J.,

vielen Dank für Deinen Kommentar und Deine sehr interessante Frage nach dem entscheidenden Unterschied zwischen „Metaphysik“ und „Ontologie“, mit der ich mich auch schon häufiger beschäftigt habe.

Die Frage ist eigentlich ein bisschen „sophisticated“, da die Begriffe gemeinhin als synonym verwendet werden. Die Metaphysik beschäftigt sich bekanntlich mit dem „Dahinterliegendem der Natur(-erscheinungen)“ und die Ontologie mit der „Lehre vom Sein“. Da liegt für mich erst einmal nicht viel Differenz zwischen beiden Begriffssystemen, da beide sich mit „Entitäten“ beschäftigen, die in der Natur vorkommen oder in unserer Betrachtung der Natur existieren und den Versuch ihrer philosophischen Begründung.

Hier wird die Sache allerdings viel spannender, da die Epistemologie oder Erkenntnislehre mit ins Spiel kommt. Es geht also meines Erachtens letzlich um eine der großen Fragen, ob es in unserer Wirklichkeit eine von uns unabhängige Realität gibt. Hierzu hatte ich zum Beispiel auch mal einen Wiki-Eintrag zum „kritischen Realismus“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Kritischer_Realismus) geschrieben, auf den ich Dich gerne hinweisen möchte, der aber noch dringend ergänzungsbedürftig ist.

Also, um Deine Frage einigermaßen abschließend beantworten zu können, würde ich die Ontologie in der Metaphysik subsummieren, allerdings wäre mir der systemtheoretische Begriff „Metatheorie“ lieber, da ich auch die Metaphysik für eine philosophische Theorie halte und für keine „Letztbegründung“ im Sinne von Hans Albert.

Vielen Dank für Dein Interesse und
viele Grüße
Dirk

Bernd Stein
Bernd Stein
3 Monate zuvor

Hallo Dirk,
hie von mir auch noch ein kleiner Kommenar: Mir scheinen zur Metaphysik alle Gedanken zu geören, die sich mit Fragen zur Natur der äußeren geistunabhängigen Welt „jenseits der Physik“ befassen, also die Gedanken, die sich mit dem Untersuchungsgegenstand der Physik befassen, aber alle Fragen von außerhalb der Physik angehen, und die Epistemolgie überlegt dabei, wie wir das machen und ob wir das überhaupt können, also das Methodische. Diese beiden philosophischen Denkrichtungen treffen sich dann bei der einzigen und letzten Frage, der Mutter aller metaphyischen und epistemologischen Fragen: wie muss etwas beschaffen sein, dass wir überhaupt etwas außerhalb von uns erkennen? Also die Frage nach der ersten Prämisse, dass wir überhaupt irgendetwas außerhalb von uns wahrnehmen. Diese Frage geht ja noch der Frage, ob das wahrnehmende Subjekt noch ein Probem mit dem Wahrgenommenen hat, weit voraus. Falls ich nicht falsch liege, könnte ich Dir im nächsten Post diese Frage beantworten. Oder in einem separaten Betrag.

Bernd Stein
Bernd Stein
3 Monate zuvor

Hi Dirk,
doch, Deinen Beitrag zum Paradigmenwechsel kann ich gerne noch einmal aufgreifen. Das Problem ist doch, dass wir alle in unseren Vorurteilen stecken. Mit Vorurteilen meine ich das Urteil vor dem endgültigen Urteil, das sich an der Denkökonomie, an Vorlieben, an gewohnten Begriffen, usw. ausrichtet, vor allem aber an Gewohnheiten und der pragmatischen Handhabung von Problemen (zum Beispiel die Erfindung neuer Ontologien in der Physik). Deshalb liebe ich es, die Dinge nur rein logisch anzugegen (da ist man noch vor sich selbst weniger gefährdet), und die Dinge von Grund auf zu betrachten. Das bedeutet, möglichst nicht mit den Begriffe wie „System“ oder „Strukturen“ oder anderen unscharfen Bezeichnungen zu hantieren, außer dass sie vorher definiert werden.. Deshalb ist die Metaphysik meine Wissenschaft. weil sie versucht, mit minimalsten Voraussetzungen die äußere Welt so zu beschreiben, dass es aus seiner inneren Logik überzeugt oder plausibel ist. Eine pragmatische Zurechbiegung der Realität und der Geist als Filter oder Konstrukteur wird dann nicht benötigt. Ich komme noch mal auf Dich zu, vielleicht wirklich mit einem eigenen Beitrag zur Grundlegung von allem.

Bernd Stein
Bernd Stein
3 Monate zuvor

Hi Dirk, wie kommst Du darauf, dass Struktur und System fundamentale Begriffe sind, die auf der Logik aufbauen? Ich denke da ganz anders: was ein System ist, kann auf verschiedenste Weise beschrieben und erklärt werden, zum Beispiel gibt es Systeme, deren Eigenschaften sich aus den extensiven Eigenschaften ihrer Systembestandteile ergeben, und es gibt Systeme, die mehr sind als die Summe ihrer Teile, oder überhaupt nicht die Summe ihrer Teile (verschränkte Systeme), und die Relationen zwischen den Systembestandteilen können höchst unterschiedlich sein (sehr ! unterschiedlich). Ich komme also mit der formalen Definition nicht weit, denn was ist eine „Menge“ und Relationen gibt es einseitige, wechselweitige, bedingte, usw. Struktur ist auch so ein Begriff: konstituiert eine einzige Relation bereits eine Struktur ? Oder brauche ich mindetstens 2 Relationen ? Und stehen die Strukturbausteine nur mit ihren Nachbarn in Beziehung oder jedes Element mit jedem, oder kann man solche, die weiter weg sind, „vernachlässigen“ ? Das alles ist so vielfältig, dass es eben nicht fundamental ist, sondern ein zsuammengesetztes Etwas, wobei bei der Zusammensetztung schon jede Menge Fragen zu beantworten sind. Fundamental ist aber fundeamntal, da gibts nichts Strukturelles mehr. Ich nenne ein paar Begriffe: Raum., Zeit, Wirkung, Relation, Ruhe und Bewegung, Abstand, Richtung (alles im allgemeinen Sinne, zum Beispiel „Denkrichtung“, also nicht beschränkt auf Geometrisches). Daher ist der Strukturenrealismus so ein vages Ding, welche Struktur ist denn gemeint? Die Struktur, die wir der äußeren Welt unterstellen, oder die ontischen Strukturen, die von den fundamentalen Bausteinen gebildet werden, oder die Struktur, die von den Störungen im Beziehungsgeflecht der fundamentalen Bausteine gebildet werden ? Es gibt doch so viele Strukturen, da ist ja schon krass unübersichtlich. Ist vielleicht alles Struktur? Es kann doch sein, dass einer aus diesem Bilickwinkel schaut, und Strukturen erkennt, und ein anderer schaut aus einem anderen Blickwinkel und erkennt keine. Schaue ich mit dem Feldbegriff der Physiker auf die äußere Welt erkenne ich keine.

Deshalb habe ich den Beitag „das Ding an sich“ geschrieben: wir konstruieren Modelle und Begriffe, die gut passen, um mit der äußeren Welt gut zurechzukommen, also aus praktischen Gründen, aber nicht um sie zu beschreiben wie sie ist. Das bleibt und verborgen und danach besteht sie aus lauter Dingen an sich. Vielleicht ist dieser vom Pragmatismus motivierte Erkenntnisgewinn das Maximum an Erkenntnis, das wir erlangen können. Der Liebe Gott hat uns schließlich verboten, die Früchte vom Baum der Erkenntnis zu verspeisen. Ich würde ja gerne wissen, ob über diese naturwissenschaftliche Erkenntnisgrenze schon mal irgendwo philosophisch ernsthaft diskutiert wurde.

Grüße Bernd

Dirk Freyling
3 Monate zuvor

…ich war etwas überrascht, das ich „jüngst“ wiederholt E-Mail-Kommentar-Erinnerungen zum Thema erhalten habe. Kommentarveröffentlichungen „endeten“ hier am 28. September 2023 und „begannen“ dann wieder am 21. Januar 2024. Fehlen dazwischen Kommentare? Ich weiß es nicht.

Herr Boucsein, Sie schreiben am 21. Januar 2024
„Lieber J.,
vielen Dank für Deinen Kommentar und Deine sehr interessante Frage nach dem entscheidenden Unterschied zwischen „Metaphysik“ und „Ontologie“, mit der ich mich auch schon häufiger beschäftigt habe…“
Zur Orientierung: Auf wen oder was bezieht sich Ihr Kommentar?

Wie auch immer, Mathematik kann nicht zwischen Staub und Staubsauger unterscheiden. Nach einer Art aktuellem „Kommentarüberfliegen“ stellt sich mir (erneut) die Frage, wer diskutiert respektive kommentiert hier über was?

Zum Wiedereinstieg, zur Erinnerung, zur Selbstanalyse Fragmentarisches:
Wenn Euklid (…lebte wahrscheinlich im 3. Jahrhundert v. Chr.) noch nach plausibler Anschauung für mathematische Grundlagen suchte und somit eine interdisziplinäre Verbindung herstellte, die man als richtig oder falsch bewerten konnte, so stellt sich in der modernen Mathematik die Frage nach richtig oder falsch nicht. Euklids Definitionen sind explizit, sie verweisen auf außermathematische Objekte der „reinen Anschauung“ wie Punkte, Linien und Flächen. „Ein Punkt ist, was keine Breite hat. Eine Linie ist breitenlose Länge. Eine Fläche ist, was nur Länge und Breite hat.“ Als David Hilbert (1862 – 1943) im 20. Jahrhundert erneut die Geometrie axiomatisierte, verwendete er ausschließlich implizite Definitionen. Die Objekte der Geometrie hießen zwar weiterhin „Punkte“ und „Geraden“ doch sie waren lediglich Elemente nicht weiter explizierter Mengen. Angeblich soll Hilbert gesagt haben, dass man jederzeit anstelle von Punkten und Geraden auch von Tischen und Stühlen reden könnte, ohne dass die rein logische Beziehung zwischen diesen Objekten gestört wäre.

Es ist immer zu fragen, was das Symbolisierte in den Symbolen ist. Beispielsweise treten quantenfeldtheoriebasierend Felder und differenzierbare Mannigfaltigkeiten an die Stelle des euklidischen Raums. Auch an die Symmetrie ist die Frage zu stellen, was eigentlich das „Symmetrische“ ist. Diese Frage führt zu der mathematischen Technik des Aufbaus komplexer Funktionen und Funktionssystemen aus einfachen periodischen Funktionen.

Exemplarisch über Johann Carl Friedrich Gauß (1777 – 1855), Georg Friedrich Bernhard Riemann (1826 – 1866), der u.a. den Begriff der Metrik einführte…welcher modern bedeutet: Eine Metrik ist ein Skalarprodukt auf dem Tangentialraum einer Mannigfaltigkeit M, die in differenzierbarer Weise vom Punkt p  M abhängt. Die euklidische Metrik ist dabei lediglich ein Spezialfall… Geometrie ist im Riemannschen Sinne »innere Geometrie«, deren Objekte Größen sind, die nur von den lokalen Eigenschaften einer Metrik abhängen…

folgen Felix Christian Klein’s (1849 – 1925) Ausführungen …zu Veränderungen der Lage – Drehungen, Spiegelungen, Verschiebungen, … – diese sind die Wirkung einer Gruppe, die er als „Transformationsgruppe“ bezeichnet. Die geometrischen Objekte sind Invarianten gewisser Gruppen, die auf Mengen operieren. Mit Rückführung der Geometrie auf die Algebra konnte man Geometrien klassifizieren, indem man eine Grundmenge und die darauf operierende Gruppe angab. Zwischen 1870 und 1920 wurden die mathematischen Axiome neu geschrieben (Dedekind, Cantor), es entstanden die Differentialgeometrie (Poincare, Einstein) und neue Algebren mit bisher unerforschten Symmetrien (Tensorkalkül, Lie-Algebra). Die ersten Experimente zur Atom- und Quantenphysik ließen sich gut mit den bis dahin rein abstrakten mathematischen Formalismen verbinden, was erst zur bekannten Symbiose führte, welche sich sodann im Zuge der Begeisterung für mathematische Möglichkeiten letztendlich von der Realphysik abspaltete und diese im Zuge der Standardmodelle beherrschte. Von da an, musste die Natur der Mathematik genügen.

William Thurston (1946 – 2012) griff die Ideen von Klein auf. In seiner grundlegenden Definition einer Modellgeometrie verbindet er einen topologischen Raum mit der Wirkung einer Lie-Gruppe, welche gewissen Maximalitätsbedingungen genügt. Dieses Werkzeug führte zur vollständigen Charakterisierung aller möglichen Geometrien in der Dimension 3 und zur Klassifizierung aller kompakten, 3-dimensionalen Mannigfaltigkeiten. Lie-Gruppen und Lie-Algebren wurden um 1870 von Sophus Lie (1842 – 1899) in der Lie-Theorie zur Untersuchung von Symmetrien in Differentialgleichungen eingeführt. Unabhängig von Lie entwickelte Wilhelm Killing (1847 – 1923) ähnliche Ideen zum Studium nichteuklidischer Geometrien. Hermann (Klaus Hugo) Weyl (1885 – 1955) veröffentlichte 1913 das Buch Die Idee der Riemannschen Fläche, in dem u.a. das moderne Konzept der Mannigfaltigkeiten erstmals systematisch eingesetzt wurde. In seinem Aufsatz Gravitation und Elektrizität von 1918 führt er erstmals das Konzept einer Eichtheorie ein, zunächst nicht in der heutigen Form, sondern durch einen lokal veränderlichen Skalenfaktor. In Weyl’s Vorlesungen Raum, Zeit, Materie entwickelt er systematisch den Riccischen Tensorkalkül und benutzt die Parallelverschiebung (Levi-Civita) von Vektoren als fundamentalen Begriff. Das Eichprinzip wurde seit seiner Entdeckung lange nur als Nebeneffekt angesehen, der einige Rechnungen vereinfachen kann, aber ansonsten nur wenig Bedeutung hat. Die eigentliche Bedeutung des Eichprinzips wurde erst 1918 von Hermann Weyl erkannt, der mit Hilfe einer Eichtheorie (Invarianz unter Änderung der Längenskala) versuchte, Maxwells Theorie mit der allgemeinen Relativitätstheorie zu vereinen. Dieser Versuch scheiterte, aber Weyl begründete damit eine ganz neue Herangehensweise an physikalische Probleme. Hermann Weyl ist der Begründer der Eichtheorien im heutigen Sinn.

1954 veröffentlichten Robert L. Mills (1927 – 1999) und Chen Ning Yang (1922 -) eine Arbeit, in der sie die Eichinvarianz der Elektrodynamik verallgemeinerten und dadurch eine Theorie der schwachen und starken Wechselwirkung schufen. In den 1960ern erkannte man, dass alle bisher beobachteten Wechselwirkungen von Elementarteilchen durch Eichtheorien beschrieben werden können.

Für heutige Theoretiker ist die Welt der Mathematik identisch mit dem Erkenntnishorizont des Menschen. Moderner Mathematik wird mit festem Glauben eine konstruktive Komponente zugeschrieben. Diese neuen Glaubensbekenntnisse haben offensichtlich eine enorme Strahlkraft, obwohl die ihr zu Grunde liegenden Ideen allesamt irrational sind. Heutige Experimente zur Erweiterung des Standardmodells der Teilchenphysik verraten schon durch die Namensgebung »Supersymmetrie« welch Geistes Kind ihnen inne wohnt. Experimente sollen Symmetrien, nein müssen Supersymmetrien genügen. Neue zeitinstabile Super-Partner-Teilchen, die nie als solche, so wie ihre Vorgänger, direkt messbar sein werden, kommen eines Tages nach monatelangen Berechnungen mittels Super-Cluster-Rechnern als Teilchenbeschleuniger-Geburten aus vorselektierten Zerfallskanälen.

Die Verselbständigung der mathematischen Abstraktionen führt nachweislich zu beliebigen Fantasiekonstrukten. Und die damit einhergehende Einschränkung des Blickwinkels erschwert es zunehmend, wichtige Fragen nach den kausalen Zusammenhängen zu klären, ohne welche die naturwissenschaftliche Forschung selbstgenügend zur irrelevanten Tätigkeit „verkommt“.

Schon Ernst Mach bemerkte: „Wer Mathematik treibt, den kann zuweilen das unbehagliche Gefühl überkommen, als ob seine Wissenschaft, ja sein Schreibstift, ihn selbst an Klugheit überträfe, ein Eindruck, dessen selbst der große Euler nach seinem Geständnisse sich nicht immer erwehren konnte.“ Vortrag, Sitzung der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zu Wien am 25. Mai 1882

[2]Historische Bemerkungen zur Bedeutung geometrisch begründeter Strukturen

…“Der Begriff der Proportion ist von einer nicht zu überschätzenden Relevanz für das Verständnis der europäischen Wissenschaftsgeschichte. In jenem Schriftwechsel zwischen Leibniz und Clarke (*1675 – †1729) entwickelt der englische Philosoph und Hofprediger, enger Vertrauter und Schüler Newtons, jene Auffassung von Proportionen, „die genau mit dem Gebrauch übereinstimmt, den Isaac Newton in den Principia von Proportionen macht.“ [CLARKE, S. (1990), S. LXXXII].

In seinem 5. Antwortbrief an Leibniz erläutert Clarke den Begriff der Proportion; so meint er:

„Proportionen sind nicht Mengen, sondern die Proportionen von Mengen. Falls sie Mengen wären, so wären sie Mengen von Mengen, was Unsinn ist. [Auch] müssten sie dann durch Addition anwachsen. Addiert man indes die Proportion von 1 zu 1 zur Proportion von 1 zu 1, so resultiert wieder die Proportion von 1 zu 1.“ [CLARKE, S. (1990), S. LXXXII]. Zahlen erscheinen als Größen. Hingegen „existieren die wirklich in der Natur vorkommenden Dinge als Mengen.“ [CLARKE, S. (1990), S. LXXXIII].

So sind Raum und Zeit Mengen, keine Kontinua, sondern „sie besitzen eine diskrete Struktur, sie sind quantisiert, wie man heute sagen würde. Das aber bedeutet, dass es … eine kleinste Zeiteinheit oder eine Elementarzeit geben muss und eine kleinste Längeneinheit oder Elementarlänge, falls wir »Länge« als elementares Maß des Raumes begreifen…

„Man kann Proportionen dann nicht auf bloße Zahlenwerte reduzieren, wenn man mit Mengen von real existierenden Dingen verschiedener Art zu rechnen hat. Da die Proportionenlehre ein Teil der Geometrie ist, so gilt: Die mathematischen Beziehungen zwischen art- und wesensverschiedenen Dingen vermag allein die nicht auf Arithmetik zu reduzierende Geometrie zu behandeln. Wenn es also eine erschaffene Natur gibt, … wenn es den wirklichen Raum gibt und die wirkliche Zeit, die wirkliche Materie, die absolute Bewegung und die bewegenden Kräfte als objektive Realitäten, als Entitäten von unterschiedlichem ontologischem Status, so wird eine realistische mathematische Wissenschaft… eine geometrische Wissenschaft sein müssen.“ [CLARKE, S. (1990), S. LXXXV].“

[2]Quelle: Nichtmechanistische Darstellung der physikalischen Disziplinen als mathematische Systemtheorie von Vilmos Balogh