Das rätselhafte Universum

Zoomposium mit Prof. Dr. Thomas Naumann und Dr. Ilja Bohnet „Das rätselhafte Universum: Die fundamentalen Fragen der modernen Wissenschaft“

Zoomposium mit Prof. Dr. Thomas Naumann und Dr. Ilja Bohnet „Das rätselhafte Universum: Die fundamentalen Fragen der modernen Wissenschaft“

In dieser weiteren Folge unserer „Zoomposium-Interview-Reihe“ hatte mein Kollege Axel Stöcker vom „Blog der großen Fragen“ und ich die große Ehre und Freude zwei ausgewiesene Kenner aus dem Bereich der physikalischen Forschung und Experten in der Vermittlung von wissenschaftlichen Forschungsergebnissen interviewen zu dürfen.

Herr Professor Dr. Thomas Naumann und Herr Dr. Ilja Bohnet stammen aus dem Bereich der Teilchenphysik-Forschung und kennen sich aus Ihrer gemeinsamen Arbeit am DESY („Deutsches Elektronen-Synchrotron„) Zeuthen-Berlin. Nicht nur durch Ihre Arbeit in der physikalischen Forschung, sondern auch durch Ihr Interesse an der spannenden Vermittlung von wissenschaftlichen Ergebnissen ist bei beiden der Wunsch geweckt worden, diese „fundamentalen Fragen der modernen Wissenschaft“ einmal einem breiteren Publikum in Form von Publikationen zugänglich zu machen.

Hieraus sind dann zwei sehr lesenswerte Sachbücher erschienen, auf die ich an dieser Stelle gerne hinweisen möchte: „Die 42 größten Rätsel der Physik: Vom Quantenschaum bis zum Rand des Universums“ (Bohnet, 2020) und „Das rätselhafte Universum: Die fundamentalen Fragen der modernen Wissenschaft“ (Bohnet/Naumann 2022)

Das rätselhafte Universum

„Die fundamentalen Fragen der modernen Wissenschaft“ – die „Metaphysik der Physik“

Das hier auf meinem Wissenschaftsblog und in unserem gemeinsamen Youtube-Channel veröffentlichte „Zoomposium„-Interview verfolgt das gleiche Ziel, da es bei unseren Fragen an Herrn Prof. Dr. Thomas Naumann und Herrn Dr. Ilja Bohnet hauptsächlich um die „Metaphysik der Physik„, also um die „fundamentalen Fragen der modernen Wissenschaft“ geht, auf welche die modernen Naturwissenschaften noch keine schlüssigen Antworten gefunden haben und welche daher noch eines besagten „Paradigmenwechsels“ harren. Als kleiner „Appetizer“ soll hier schon einmal unser Fragenkatalog zu dem Interview dienen. Die Antworten gibt es dann natürlich erst im Interview.

Interview-Partner:

Prof. Dr. Thomas Naumann

Prof. Dr. Thomas Naumann

– Mitglied des ATLAS-Experiments am CERN in Genf in dem u.a. das „Higgs-Boson nachgewiesen wurde
– bis 2020 Leiter der Gruppe Teilchenphysik am DESY in Zeuthen sowie
Honorarprofessor an der Universität Leipzig
– Vorsitzender der Friedrich-Wolf-Gesellschaft

 

 

Dr. Ilja Bohnet

 

 

Dr. Ilja Bohnet

Mitarbeiter am DESY in Zeuthen
– seit 2012 Forschungsbeauftragter der Helmholtz-Gesellschaft
Autor des Buches „Die 42 Rätsel der Physik“ sowie mehrerer Kriminalromane

 

 

Interview-Fragen:

1. Wie kamen Sie auf die Idee, ein Buch über Naturwissenschaft zu schreiben, das von den offenen Fragen ausgeht?

  • Sehen Sie sich damit in einer bestimmten Tradition?

2. Sie schreiben in Ihrem Buch: „Es gibt in der Wissenschaft zuweilen die Tendenz, Probleme, die im Moment nicht lösbar scheinen, zu verdrängen.“

  • Welche Probleme würde ein guter Psychologe zum Vorschein bringen, wenn sich die aktuelle Wissenschaft bei ihm auf die Couch legte?

3. Kosmos und Kosmetik haben denselben Wortstamm, das griechische Wort für Ordnung bzw. Schönheit.

  • Ist der Kosmos schön?
  • Ist Schönheit ein Kriterium für Wahrheit?

4. Ein großes Rätsel der Kosmologie ist die Feinabstimmung der Naturkonstanten. Ein Ansatz für ihre Erklärung ist ein Multiversum aus 10500 Universen, die allerdings nicht Poppers Kriterium der Falsifizierbarkeit genügen.

  • Kann man eine solche Theorie noch als Kosmologie bezeichnen oder handelt es sich dabei eher um mathematisch inspirierte Metaphysik?

5. Auch das Bewusstsein ist ein ungelöstes Rätsel. In Ihrem Buch schreiben Sie: „Nach Meinung der Autoren gehört zum Bewusstsein unbedingt auch Humor.“

  • Welchen Raum nimmt Humor im Forschungsalltag ein und inwieweit ist seine Existenz wissenschaftlich erklärbar?

 

Das vollständige Interview ist auf unserem Youtube-Kanal „Zoomposium“ unter dem Link: https://youtu.be/k22eSYJgPD0

zu finden.

© Axel Stöcker (die-grossen-fragen.com), Dirk Boucsein (philosophies.de)

Ich bin immer mit meiner „Diogenes-Lampe“ unterwegs, um Menschen zu finden, die sich auch nach ein wenig „Licht der Erkenntnis“ sehnen. Also wenn Ihr eigene Beiträge oder Posts für meinen Wissenschaft-/Philosophie-Blog habt, immer her damit. Sie werden mit Eurem Namen als Autor auf meiner Seite veröffentlicht, so lange sie den oben genannten Kriterien entsprechen. Denn nur geteiltes Wissen ist vermehrtes Wissen.

1 thought on “Zoomposium mit Prof. Dr. Thomas Naumann und Dr. Ilja Bohnet „Das rätselhafte Universum: Die fundamentalen Fragen der modernen Wissenschaft“

  1. Ein sehr schönes Interview und ein schöner Beitrag zum Relativismus der Welt. Ich sehe diesen in doppelter Weise:

    Ein physikalischer Reiz wird vom Gehirn in eine biologische Struktur transformiert bzw. durch den Reiz wird eine biologische Struktur verändert. Man kann auch sagen, ein Reiz erhöht die Entropie einer biologischen Struktur und diese versucht, Entropie wieder zu verringern, indem sie sich verändert und damit eine Handlung (kognitiv oder external) generiert.
    Die biologische Struktur ist amodal zum physikalischen Reiz.
    Damit ist eine binäre Beschreibung des Gehirns ausgeschlossen.
    Das bedeutet, dass die Realität relativistisch ist und unsere Perspektive eine ist, nämlich die unsere, zu der wir keine Alternative haben. Es gibt nur diese Version der Realität für uns, wir können sie nicht mit anderen vergleichen.
    Die Welt für uns ist ebenso relativistisch, Beispiel Determinismus:
    Determinismus ist relativ und abhängig von der Perspektive des Beobachters. Nehmen wir das Raum-Zeit Fenster des Universums, das deterministische Ereignis ist dort der Urknall. Dieses Ereignis zeitigt eine einzige Trajektorie und wir können – nach unserer heutigen Erkenntnis – sagen, dass dieses Ereignis eines Tages zum entropischen Wärmetod des Universums führt (ob dies so ist oder nicht, spielt hier keine Rolle). Nehmen wir ein kleineres Raum-Zeit-Fenster, z.B. das einer Stunde an einem bestimmten Ort, dann wirken dort sehr viele deterministische Ereignisse, es existieren also viele Trajektorien. Aus einer makroskopischen Sicht wirken alle dortigen Ereignisse und Trajektorien probabilistisch. Engt man das Raum-Zeit Fenster auf die Ebene von Quanten ein, ist der Indeterminismus – aus makroskopischer Sicht – unendlich groß. Ereignisse und Trajektorien überlagern sich zu Feldern, die nicht mehr als Punkte oder Linien unterscheidbar sind.

    Aus der Sicht eines Photons stellt sich derselbe Sachverhalt völlig anders dar, dort ist jedes Ereignis ein deterministisches, das raumzeitlich exakt bestimmt werden kann – aber nur aus der Sicht eines Photons.
    Aus dieser Relativität ergibt sich auch die Vorhersagekraft. Je mehr Ereignisse und Trajektorien sich in einem Phasenraum befinden, desto indeterministischer ist das Szenario und die Vorhersagekraft gering. Unser Universum ist beispielsweise dann indeterministisch, wenn man es aus der Perspektive der Existenz unendlich vieler Universen betrachtet, die sich durch einzelne Parameter unterscheiden. Die Vorhersagekraft für die Zukunft jedes einzelnen dieser Universen ist dann sehr gering.
    Die Vorhersagekraft ist maximal, wenn wir uns auf das Raum-Zeit Fenster eines einzigen Ereignisses begeben, etwa das des Urknalls mit seiner kausalen Folge der Entwicklung des Universums.

    Man könnte also sagen, dass es unendlich viele Ereignisse und damit Trajektorien gibt, deren Zahl mit der Vergrößerung des Raum-Zeit Fensters proportional abnimmt. Hat man die maximale Skala eines Phasenraums erreicht, gibt es nur noch ein einziges deterministisches Ereignis, dessen Vorhersagekraft maximal ist. Dabei ist nicht berücksichtigt, dass Ereignisse gleicher Größe das Erstereignis verändern können.
    So gesehen ist der Indeterminismus auf Quantenebene nichts weiter als ein Beobachtungseffekt aus der Makroperspektive.

    Vor diesem Hintergrund ist die Vorstellung einer absoluten Wahrheit, einer Welt an sich, ausgeschlossen. Die Vorstellung, wir könnten eines Tages alle Gemeimnisse entschlüsseln, eine Illusion.

    Die Welt ist für uns übrigens nicht nur vertikal, sondern ebenso horizontal relativistisch.

Ich würde mich über einen Kommentar von Euch sehr freuen.