Zoomposium mit Professor Dr. Gerd Ganteför

Zoomposium mit Professor Dr. Gerd Ganteför „Das rätselhafte Gewebe unserer Wirklichkeit und die Grenzen der Physik”

Zoomposium mit Professor Dr. Gerd Ganteför

„Das rätselhafte Gewebe unserer Wirklichkeit und die Grenzen der Physik”

In dieser weiteren Folge unserer „Zoomposium-Interview-Reihe“ hatte mein Kollege Axel Stöcker vom „Blog der großen Fragen“ und ich die große Ehre und Freude einmal einen „Blogger-Kollegen“ und ausgewiesenen Kenner aus dem Bereich der physikalischen Forschung und Experten in der Vermittlung von wissenschaftlichen Forschungsergebnissen interviewen zu dürfen.

Herr Professor Dr. Gerd Ganteför (* 1956 in Leipzig) „ist ein deutscher Experimentalphysiker und Hochschullehrer an der Universität Konstanz. Er ist durch populärwissenschaftliche Arbeiten, öffentliche Auftritte, Vorträge zu naturwissenschaftlichen Themen und seinen YouTube-Kanal bekannt. (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Gerd_Gantef%C3%B6r)

Herr Professor Ganteför ist nicht nur aufgrund seiner langjährigen Arbeiten als Experimentalphysiker und Hochschulprofessor im Bereich der Cluster-Forschung (Nanopartikel bis zu Atomgrößen), sondern auch durch sein Interesse an den Grenzbereichen der moderen Physik und besonders durch seine spannende und unterhaltsame Vermittlung von wissenschaftlichen Ergebnissen auf seinem sehr frequentierten Youtube-KanalGrenzen des Wissens“ einer größeren Zuschauerschaft bekannt geworden.

Das-raetselhafte-Gewebe-unserer-Wirklichkeit

 

 

Aus diesem Grunde war bei Axel und mir der Wunsch geweckt worden, auch einmal ein Zoomposium-Interview mit Herrn Professor Ganteför zu seinem neuen Buch Das rätselhafte Gewebe unserer Wirklichkeit und die Grenzen der Physik (Februar 2023) zu führen und ihn zu den Grenzen der Physik und Metaphysik zu befragen.

Zoomposium mit Professor Dr. Gerd Ganteför: „Das rätselhafte Gewebe unserer Wirklichkeit und die Grenzen der Physik”

Das hier auf meinem Wissenschaftsblog und in unserem gemeinsamen Youtube-Channel veröffentlichte „Zoomposium„-Interview verfolgt das Ziel mit unseren Fragen an Herrn Professor Dr. Gerd Ganteför die „Metaphysik der Physik„, also die „Grenzen der Physik“ einmal genauer auszuloten und hierbei auch auf unsere „mögliche Wirklichkeit“ einzugehen.

Das Interview hat uns allen sehr viel Freude bereitet, wie man vielleicht erkennen kann. Daher hoffen wir auch, dass der Spaß und der Unterhaltungswert an derlei „kniffligen Fragen“ nicht zu kurz kommt und die Stimmung der „heiteren Wissenschaft“ auch auf unsere geneigte Zuschauerschaft überspringen möge. Als kleiner „Appetizer“ soll hier schon einmal unser Fragenkatalog zu dem Interview dienen. Die Antworten gibt es dann natürlich erst im Interview.

Interview-Partner:

Prof. Dr. Gerd GanteförProf. Dr. Gerd Ganteför

1977 Studium der Physik an der Universität Münster
1984 Diplom in Astrophysik
1989 Promotion Universität Bielefeld (Photoemission von Metall- und Van-der-Waals Clustern)
1990/1991 Post-Doktorand war er bei Exxon in New Jersey.
1996 Habilitation am Forschungszentrum Jülich
1997 Professor an der Universität Konstanz
2009 bis 2012 und von 2016 bis 2018 Fachbereichssprecher der Physik in Konstanz
2008 bis 2011 eine Forschungsprofessur an der Johns Hopkins University (Fakultät für Chemie)
2011 hat er zusätzlich einen Lehrauftrag für Energie und Klima an der Pädagogischen Hochschule Thurgau
2014 den Literaturpreis des Fonds der Chemischen Industrie
2015 bis 2017 Vorstandsmitglied der „Akademie Berlingen

 

Interview-Fragen:

1. Herr Prof. Ganteför, in Ihrem neuen BuchDas rätselhafte Gewebe unserer Wirklichkeit und die Grenzen der Physik” (Westend Verlag, 2023) gehen Sie, an die Grenzen der Physik.

● Könnten Sie uns vielleicht einmal das „rätselhafte Gewebe unserer Wirklichkeit“ am Beispiel des „partizipatorischen Universums” (Wheeler) erläutern und hierbei auf die neue Rolle des „Beobachters in (quanten-)physikalischen Versuchen eingehen?

2. In Ihrem YouTube-VideoDie Entdeckung des IMMATERIELLEN? | #7 Das rätselhafte Gewebe der
Wirklichkeit“ weisen Sie darauf hin, dass die moderne Physik vielleicht nur einen kleinen Teil der Wirklichkeit abbilden kann, da sie auf materialistischen Grundanahmen beruht.

● Wie sieht für Sie der „immaterialistische Anteil“ der modernen Physik aus?

● Inwieweit müsste aus Ihrer Sicht die quantenphysikalische Informationserhaltung zu einem Umdenken oder Paradigmenwechsel führen?

3. Ein anderes YouTube-Video „INFORMATIONSERHALTUNG | #4 und COMPUTERSIMULATION | #5“ beschäftigt sich mit den Aspekten der „Zeitumkehrinvarianz in quantenphysikalischen Gleichungen
(z. B. „Schrödinger-Gleichung“) und die Quantisierung der Wirklichkeit”.

● Bedeutet dies, dass die Vorstellungen von einer „gerichteten Zeit“ in Form eines „Zeitpfeils“  u. U. überholt ist und vielleicht einer „neuen Metaphysik“ bedürfen?

● Inwiefern könnten hierbei „Computersimulationen“ auf einem Quantencomputer vielleicht zu weiterführenden Ergbebnissen führen?

4. Sie erwähnen in einem Ihrer Videos Anton Zeilinger, der z. B. zum Thema „Quantenteleportation“ forscht und 2022 den Nobelpreis für seine Ergebnisse zur damit zusammenhängenden „Verschränkung“ erhielt.

● Könnten Sie sich vorstellen, dass diese Grundlagenforschung einmal vielleicht Anwendung im „Beamen“ a` la Enterprise“ („Scotty, beam me up!“) finden könnte?

 

Wir bedanken uns ausdrücklich bei Ihnen, Herr Professor Ganteför, dass Sie sich die Zeit für unser Interview nehmen möchten, um unsere möglichen Fragen zu beantworten.

Das vollständige Interview ist auf unserem Youtube-Kanal „Zoomposium unter dem Link: https://youtu.be/V4pUEEtFCUo

© Axel Stöcker („Die großen Fragen“) & Dirk Boucsein („philosophies.de“)

Ich bin immer mit meiner „Diogenes-Lampe“ unterwegs, um Menschen zu finden, die sich auch nach ein wenig „Licht der Erkenntnis“ sehnen. Also wenn Ihr eigene Beiträge oder Posts für meinen Wissenschaft-/Philosophie-Blog habt, immer her damit. Sie werden mit Eurem Namen als Autor auf meiner Seite veröffentlicht, so lange sie den oben genannten Kriterien entsprechen. Denn nur geteiltes Wissen ist vermehrtes Wissen.
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Wolfgang Stegemann
Wolfgang Stegemann
1 Jahr zuvor

Auch wenn Herrn Ganteför der Begriff ‚Information‘ suspekt ist, benutzt er ihn doch als etwas, das die Welt im Innersten zusammenhält.
Wenn Physiker philosophieren, ist Vorsicht angebracht. Ob Wheeler mit seinem it from bit oder Görnitz mit seiner Protyposis, die Erkenntnislücke wird immer geschlossen durch etwas Unerklärliches. Oder hat schon mal jemand ‚Information‘ detektieren können?
Materie, Energie, Information sind keine gleichnamigen Begriffe und können damit nicht aufeinander verweisen. Da mangelt es manchem Physiker an der philosophischen Kategorisierung.

Was wäre, wenn man die Quantenphysik als Phänomenologie betrachten würde, deren Kausalitäten aufgrund der Mikroskalen nicht beobachtbar sind und dieser Quantenteppich sich verhält wie die Oberfläche eines Sees. Erst wenn man einen Stock hineinhält sieht man einen Tropfen. Mal Welle, mal Teilchen.
Auch Zeilinger bräuchte dann den Begriff ‚Information‘ nicht als Metakategorie, sondern als einfachen Begriff einer Informationstheorie.

Roswitha Steffens
1 Jahr zuvor

Information als komplexes Gebilde aus dem Gehalt all dessen, was sie mit sich bringt, das wäre bereits die Form, aus der sie besteht. Wie unterscheide ich als Mensch den Menschen von dem, was er an sich verkörpert und dem, was das bereits mit sich bringt? Besteht er, dieser Mensch, als Geschöpf nicht selbst aus all den Informationen, die ihren Gehalt, also seine Substanz zum Leben erwecken? Schöpfer, Schöpfung, Geschöpf, alles Begriffe, die sich aus Mangel an Beweisen ergeben. Da bringt der Begriff Mensch an Information unglaublich viel mehr mit sich, was der Aufklärung dienen kann, auch ohne seiner Existenz vorgreifen zu wollen. Wer identifiziert den Menschen als Menschen und woraus gewinnt dieser Mensch, die Information über sich selbst? Welchen Vorgaben ist sein Gehalt unterworfen und woraus erwächst seine Substanz? Wie breitet sich ihre Gegenwart durch ihn aus und woraus besteht seine Vergangenheit und damit auch ihre ungewisse Zukunft? Alles Fragen, die in mir erwachsen, die ich meiner Identität nach, zwar einen Menschen verkörpere, von dessen Geburt ich jedoch so weit entfernt bin, wie es eben die Natur für uns beide vorsieht. Ich binde diese Natur an Gott, denn ihr Einfluss auf mich ist größer, als alles, was ich bisher erfahren habe, wofür dieses Wort steht. Es bindet mich an den Anfang und an das Ende einer Reise, von deren Substanz ich zeuge, ohne sie auch nur im Geringsten zu verändern. Diese Transformation, wie ich es nennen will, von Substanz in etwas Substanzielles, wie den Menschen, mache ich hiermit bekannt. Ich teile diese Information aus mir, einem Menschen, der sich seiner Einheit bewusst aus ihrer Geburt ergibt und diese Information mit seiner eigenen Erfahrung daraus verbinden kann.

Information ist etwas von einem Gehalt, den es vorher nicht gab und der nachher für alle gleich gilt. Sie bleibt bestehen, unverändert über den gesamten Zeitraum hinweg, aus dem sie gewonnen wurde. Was wir Menschen tun, das kann immer nur eine Annäherung an diese Information sein, der wir uns in jedem Zeitraum immer wieder neu stellen. Indem wir Zeit und Raum unterscheiden und damit gliedern, was aus den Naturgesetzen hervortritt und wer diese in ihrer bestehenden Form durch seine Energie erhält, das dürfte wohl das höchste der Gefühle auch für den Menschen sein. Das Glück am eigenen Leib zu erfahren, dass er der Beginn einer natürlichen Entwicklung war, die sich aus dem Himmel und der Erde ergibt, die ihn in seiner Substanz aus ihren Vorgaben nicht nur gewinnen, sondern erhalten können, das ist überwältigend. Dieses Bewusstsein will erst einmal verkraftet sein, bevor es verarbeitet werden kann. Teil einer Entwicklung zu werden, die sich als noch unbekannte Masse aus Gott ergibt und an seinen Naturgesetzen erwachsen wird, das lässt mich gelassen auf den Menschen blicken, den das schon seit geraumer Zeit mit sich bringt. Egal wie oder was dieser Mensch glaubt, denkt oder fühlt, seine Substanz kann nicht verändert werden oder verändern, was von einem Informationsgehalt zeugt, der unverändert der ewigen Existenz die Zeit gewinnt, die den Raum erzeugt.

Torsten Hesse
1 Jahr zuvor

Das war wieder ein interessantes Zoomposium. Mir geht es ähnlich wie Wolfgang Stegmann, was die Verwendung des Wortes „Information“ betrifft. Und Prof. Ganteför scheint nicht (oder nicht klar) zwischen Shannon-Entropie und thermodynamischer Entropie zu unterscheiden – er scheint zu glauben, es gäbe da einen Zusammenhang. Ich halte das für eine Begriffsverwirrung, die immer noch weit verbreitet zu sein scheint.

Dirk Freyling
1 Jahr zuvor
Reply to  Torsten Hesse

Die »thermodynamische Unverträglichkeit«

Ich stimme den Ausführungen von Vilmos Balogh zu, der das Verständigungs- und Interpretationsproblem u.a. wie folgt gut nachvollziehbar beschreibt:

1…“Sowohl Stephen Hawking als auch Sir Roger Penrose kümmern sich auffällig wenig um zeitgenössische Thermodynamik! Ihr diesbezügliches Weltbild endet bei Boltzmanns früh gescheitertem Versuch, die mechanistische Tradition der Lagrange-Hamiltonschen Theorie in der Thermodynamik zu verankern.

2…die Fata Morgana: die Verbindung zwischen Information und Entropie. Zwei Worte, die man – laut John von Neumann – beide nicht versteht, werden durch einen Logarithmus und eine dimensionsstiftende Konstante miteinander verknüpft. Was noch mehr verblüfft: Viele Kosmologen glauben allen Ernstes, dadurch die Thermodynamik und deren ganzen begrifflichen Apparat mit ins Boot zu holen.

3…Was die internationale Elite der theoretischen Kosmologen nie zur Kenntnis genommen hat – weil ihre Nachwuchsleute bei der vielen Konkurrenz wahrscheinlich nie Gibbs’ Hauptwerke studiert haben – war die simple Tatsache, dass ‚ihre Entropie’ eher eine ‚Shannonsche Entropie‘ ist, nämlich Informationen betreffend, indes keine thermodynamische Entropie. Somit ist sie keiner absoluten, d.h. thermodynamischen Temperatur konjugiert. Folglich existiert auch kein Problem mit einer thermischen Strahlung. Natürlich steht es jedermann frei – wie exemplarisch Bekenstein und Hawking – Formeln für ‚ihre Entropie und Temperatur’ z. B. aus dem ›Ereignishorizont‹ ‚abzuleiten’. Nur mit der Systemtheorie nach Gibbs, Falk u. a. hat das alles nichts zu tun! Dort ist die Entropie eine ›Allgemeinphysikalische Größe‹ mit eigenständiger Bedeutung, die Temperatur T nichts anderes als die partielle Ableitung (∂E/∂S )A, B, C…bei konstant gehaltenen ‚aktiven’ ›Allgemeinphysikalischen Größen‹ A, B, C … des betreffenden Systems. Zudem sind die Hauptsätze der Thermodynamik und die daraus abgeleiteten Bewegungsgleichungen mit Prozessgrößen formuliert, die lokal nichts mit der Einstein-Geometrie der ART zu tun haben. Das führt sofort zum Problem, inwieweit der Zweite Hauptsatz überhaupt mit der ART kompatibel ist…

4…Wenn man unbedingt eine zur Information konjugierte ‚informelle Temperatur‘ will, muss man sie aus der ‚Informationstheorie‘ ableiten; gewiss hat sie aber nichts mit der Kelvintemperatur zu tun und somit schon gar nichts mit physikalischen Strahlungsprozessen…

5…Das ‚Urknall-Problem’ als ‚Ur-Singularität’ tritt theoretisch nur dann auf, wenn Einsteins Credo (: Irreversibilität sei eine Illusion) zutrifft. Dieser Schluss bedeutet dann aber, dass man die Thermodynamik von vorneherein konsequent negiert und sich auf die lupenreine Hamilton-Mechanik als Basis der ART beschränkt, oder zumindest nur isentrope Prozesse (keine Entropieänderung) ins Auge fasst, um wenigstens das Phänomen der Hintergrundstrahlung zu ‚retten’…“

[1,2,3,4,5 Quelle: Nichtmechanistische Darstellung der physikalischen Disziplinen als mathematische Systemtheorie von Vilmos Balogh]

maria reinecke
1 Jahr zuvor

@ Dirk @ Axel
…spannendes Interview!

Danke, @ Gerd Ganteför, für Ihren wunderbaren Titel „Das rätselhafte Gewebe unserer Wirklichkeit…“,
der nicht nur Ihren katholischen Freunden gefallen wird 🙂 – haben doch schon die Kirchenväter Maria als den „Webstuhl Gottes“ bezeichnet…

Und aus prozessphilosophischer Sicht eine inspirierende Begrifflichkeit.

Danke.

Dirk Boucsein
Dirk Boucsein
1 Jahr zuvor

Liebe Freunde/-innen der Philosophien,

vielen Dank für Eure interessanten und bemerkenswerten Kommentare zu unserem Interview mit Prof. Dr. Ganteför. Ich müsste mich an dieser Stelle aber auch noch einmal kurz dazwischen schalten, da es doch noch einiges klar zu stellen gibt. Ich muss hier allerdings stellvertretend für Herrn Ganteför sprechen, damit er in dieser Beziehung nicht falsch verstanden wird.

@Wolfgang: Ich hatte Herrn Ganteför in unserem Vorgespräch zu unserem Zoomposium-Interview auch genau auf diese Präzisierung des „Information“-Begriffes angesprochen. Er hatte mir aus seiner Sicht als Experimentalphysiker erläutert, dass es ihm nicht um den „Information“-Begriff geht, wie ihn von Weizsäcker mit seinen „Ur-Objekten“, kurz „Uren“, oder den von Dir freundlicherweise erwähnten Görnitz mit seiner „AQI-Bits“ in seiner „Protyposis“-Theorie verwenden. Primär geht es ihm bei Information also nicht um die informationstheoretische Betrachtung im Sinne der Shannon-Defintion, sondern mehr um die thermodynamische Verwendung im Sinne der Boltzmann-Konstante, wie er auch in dem Interview erwähnt.

Natürlich bezieht sich das „It from bit“ von Wheeler ganz klar auf Shannon, was natürlich hierdurch zu Verwirrung führen kann. Aber interessanter finde ich aber neben dem informationstheoretischen Aspekt bei dieser Sache eher den epistemischen Aspekt der Aufhebung der „Subjekt-Objekt-Trennung“ im „antizipatorischen Universum“, den ich wie bereits von Dir erfahren habe, nicht so gerne hören magst ;-).

@Torsten: Dank Dir für Deinen freundlichen Kommentar. Ich hätte allerdings gedacht, dass Dir der Aspekt mit der „Informationstheorie“ auch mehr entgegen kommen wäre, da Du den Begriff der „Information“ ja auch für Deine Theorie zur Konstitution von Bewusstsein verwendest. Aber ich gebe Dir Recht Herr Ganteför hätte dies im Interview vielleicht noch ein wenig mehr präzisieren müssen, um Missverständnisse zu vermeiden. Der Unterschied zwischen „Shannon-Entropie und thermodynamischer Entropie“ ist ihm aber absolut klar, da wir dies auch in dem Vorgespräch thematisiert hatten.

@Dirk Freyling: Ich stimme Ihnen und „Vilmos Balogh zu, der das Verständigungs- und Interpretationsproblem“ in Bezug auf „Information“ und „Entropie“ sehr gut beschrieben hat. Meines Erachtens muss „Doc Snyder’s Schlangensalbe“ „Information & Entropie“ auch für alles mögliche herhalten, „die man – laut John von Neumann – beide nicht versteht, werden durch einen Logarithmus und eine dimensionsstiftende Konstante miteinander verknüpft.“ Wenn ich hierzu auch einmal Philipps Kommentar mit seinem Zitat wiedergeben darf: „aus den folgenden zwei Büchern von Arieh Ben-Naim:
Entropy: The Truth, The Whole Truth, And Nothing But The Truth
Entropy Demystified: The Second Law Reduced To Plain Common Sense
Und eines von vielen guten Papern von Ben-Naim über den Unsinn der aus dem Konzept der Entropie gemacht wird:
https://www.mdpi.com/1099-4300/21/12/1170
Ich zitiere mal aus dem Paper:
(1)
There is no other concept which was gravely misused, misapplied and in some instances, even abused.
(2)
There is no other concept to which so many powers were ascribed, none of which was ever justified.
(3)
There is no other concept which features explicitly in so many book’s covers and titles. And ironically some of these book though mentioning entropy, are, in fact totally irrelevant to entropy.
(4)
There is no other concept which was once misinterpreted, then the same interpretation was blindly and uncritically propagated in the literature by so many scientists.
(5)
There is no other concept on which people wrote whole books full of “whatever came to their mind,” knowingly or unknowingly that they shall be immune from being proven wrong.
(6)
There is no other concept in physics which was Equated to time (not only by words, but by using equality sign “=”), in spite of the fact that it is totally timeless quantity.
(7)
There is no other concept in which the role of “cause” and “effect” have been interchanged.
(8)
Finally, I would like to add my own “no-other-concept” that has contributed more to the confusion, distortion and misleading the human minds than entropy and the Second Law.“
Insofern überlege ich auch gerade, ob ich nicht auch eine tolle Theorie mit „Entropie & Information“ zusammenrühren könnte 😉

@Maria: Vielen Dank für Deine sehr freundlichen Worte und den Hinweis zum Glauben. Ich fand es auch sehr sympathisch und positiv, dass Herr Ganteför einen Gott in der Physik zulässt. Wie er bekundete, hat er sein Buch „Das rätselhafte Gewebe der Wirklichkeit und die Grenzen der Physik“ auch als Reaktion auf einen befreundeten Theologen geschrieben, der sich darüber beschwerte, dass die Physik aus seiner Sicht ständig versuche Gott zu negieren oder zu reduzieren.

Liebe Grüße an alle

Dirk

Wolfgang Stegemann
Wolfgang Stegemann
1 Jahr zuvor
Reply to  Dirk Boucsein

Hallo Dirk,
mir ging es nicht um die verschiedenenen Auslegungen von Information (und erst recht nicht um Entropie), sondern darum, dass Information gerne als ein der Materie innewohnender Plan angesehen wird, welcher deren Zusammenspiel regelt. Er hat also weder etwas mit Boltzmann noch mit Shannon zu tun, man tut nur so. Es ist eher ein Gottesersatz. Daher meine nicht ernstgemeinte Frage, ob man Information schon mal detektieren konnte. Der Begriff passt ebensowenig in die Wissenschaft, wie Gott. Es ist eine begriffliche Erfindung.
Mit Subjekt-Objekt-Trennung, was immer das bedeuten soll, hat es ebenfalls nichts zu tun. Wie du schon erwähnt hast, erschließt sich mir bereits physikalisch eine Aufhebung dieser Trennung nicht. Es sei denn, man argumentiert auf Quantenebene, doch diese hat in Bezug auf Leben keinerlei Relevanz – und wenn von Subjekt die Rede ist, geht es ausschließlich um Leben.

Torsten Hesse
1 Jahr zuvor
Reply to  Dirk Boucsein

Hallo Dirk,
thermodynamische Entropie und Shannon-Entropie haben inhaltlich nichts miteinander zu tun – sie sind nur mathematisch äquivalent, so wie 2×3=6 Äpfel und 2×3=6 Lokomotiven mathematisch äquivalent sind. Ich denke, Tom Stonier hat die Sache hier richtig beschrieben:

“… in actually, Shannon never claimed to have developed a theory of information. Instead, Shannon considered his contribution to have been a theory of communication – i.e. a theory of information transport. Earlier, in 1929, R. V. L. Hartley (as reviewed by Cherry 1978) had suggested a way of quantifying the ‘information’ contained in a message. The suggestion represents one of those events in history where a whole field is switched onto the wrong track. As Colin Cherry has commented: “It is a pity that the mathematical concepts stemming from Hartley have been called ‘information’ at all.” (Cherry, 1978, p. 51). Cherry goes on to point out that the formula derived by Shannon for the average information contained in a long series of symbols is really a measure of the statistical rarity or ‘surprise value’ of a course of message signs. This is hardly a true measure of the information content of a message.
To confuse matters further, Shannon introduced the concept of entropy into his calculation. The idea that entropy and information are somehow interrelated had been around for two decades. It had been postulated by Szilard (1929). However, Shannon’s basis for doing so stemmed from the fact that his equations looked like the equations that had been developed in statistical mechanics by the Austrian physicist Ludwig Boltzmann.
It is said that he was also encouraged to do so by Von Neumann, who told Shannon that since ‘no one knows what entropy is, so in a debate you will always have the advantage’ (Campbell, 1982, p. 32). One could argue that, as a result of Von Neumann’s advice, the communication engineers and information theorists all became the victims of a bad joke: that the potential indeterminacy of a message is the same thing as entropy. The confusion still reigns today.
Shannon’s sleight of hand has been attacked by a number of authorities: Yokey (1992), after examining the matter carefully, concludes that: “… there is, therefore, no relation between Maxwell-Boltzmann-Gibbs entropy of statistical mechanics and the Shannon entropy of communicaiotn systems.” Likewise, Wicken (1987, p. 179) has shown that: ‘While the Shannon equation is symbolically isomorphic with the Boltzmann equation, the meanings of the respective equations bear little in common.’ Citing the work of Brush (1983), Wicken points out that Boltzmann and Shannon were independently using equations describung games of chance – equations which had already been developed two centuries earlier by French mathematicians.” (Tom Stonier, Information and Menaing, London, Springer 1997, p. 13)

Zitierte Literatur:
Hartley, R. V. L. (1928). Transmission of information. The Bell System Technicla Journal, 7, 535.
Cherry (1978). On Human Communication. 3rd edn. MIT Press, Cambridge, MA.
Szilard, L. (1929). Über die Entropieverminderung in einem thermosynamischen System bei Eingriffen intelligenter Wesen. Zeitschrift für Physik, 53, 830-856.
Campbell, J. (1982). Grammatical Man: Information, Entropy, Language, and Life. Simon & Schuster, New York.
Yokey, H. P. (1992). Information Theory and Molecular Biology. Cambridge University Press. Cambridge, UK.
Wicken, J. (1987). Entropy and information: suggestions for a common language. Philosophy of Science, 54, 176-193.
Brush, S. G. (1983). Statistical Physics and the AtomicTheory of Matter. Princeton University Press, Princeton, NJ.

Wolfgang Stegemann
Wolfgang Stegemann
1 Jahr zuvor
Reply to  Torsten Hesse

Ein kurzer Hinweis zu Tom Stonier: Er macht denselben Fehler wie manch anderer, indem er fordert, dass Information neben Materie und Energie als dritter Teil des physikalischen Universums anerkannt werden sollte.
Das Problem mit der Information, die ja auch der DNA zugeschrieben wird, wird klarer, wenn man Information durch Struktur ersetzt. Dann nämlich ist Information nichts, was zur Materie hinzukommen muss, sondern es ist eine Eigenschaft der Materie.
So enthält die DNA in ihrer Struktur bereits jene Kombinationsmöglichkeiten, welche die Komplexität von Leben erzeugt.,
Der Informationsbegriff wie von Stonier verwendet, mutet fast an wie das Bewusstsein, das zum Gehirn hinzukommen soll. Beides ist Dualismus.

Dirk Boucsein
Dirk Boucsein
1 Jahr zuvor

Hallo Wolfgang,

danke für Deinen Kommentar. Da sind wir uns mal ausgesprochen einig ;-). Ich benötige auch keine 3. Entität „Information“, die zu „Materie“ und „Energie“ hinzukommen muss. Unter einem prozessphilosophischen Aspekt ist die Information hierin bereits inkludiert, von mir aus auch in einer strukturalen Sichtweise.

Also bitte, bloß keinen Dualismus mehr. Auch keinen „Information-Materie“-Dualismus, der den eigentlich nur der „Geist-Materie“-Dualismus „in grün“ ist. Das haben wir doch hoffentlich schon alles überwunden ;-).

Liebe Grüße
Dirk

Torsten Hesse
1 Jahr zuvor

Das sehe ich genauso. Auch ich benutze „Information“ als Synonym für Struktur, Form, Gestalt, Konfiguration. Stonier macht, wie etliche andere, auch den Fehler, dass er Information – in solchem fundamentalen Sinne verstanden – für etwas Quantifizierbares hält.

Bermd-Jürgen Dr.Stein
Bermd-Jürgen Dr.Stein
1 Jahr zuvor

Hallo zusammen,

Herr Ganteföhr hat eine unverblümte und klare Sprache, was mir sehr sympathisch ist. Er gibt auch auch freimütig zu, dass die Physik in vielen Bereichen nichts weiß, und dass da, wo Erkenntnisse vorliegen, deren Wahrheit vor einem kulturellen Background zu beurteilen ist. Diese Offenheit finde ich sehr gut.

Aber er ist nun mal Physiker. Er praktiziert eine Denkweise, die das Unmögliche, Unscharfe und Widersprüchliche in der Welt der Quanten akzeptiert, auch wenn er nicht weiß, wo diese herkommen, im Gegensatz zu den Philosophen, die seiner Meinung nach nicht so weit denken können.

Er ist demnach felsenfest davon überzeugt, dass er – vor dem Hintergrund der Erfolge der Physik – über die besten Erkenntnismethoden verfügt. Und die besten Methoden der Physik haben herausgefunden, dass die Quantenwelt ganz anders ist, so anders, dass die Beschaffenheit dieser Welt den menschlichen Verstand überfordert, ja dass hier gar andere Naturgesetze gelten könnten. Wer dies anzweifelt, möge doch sehen, dass auf Grund der empirischen Adäquatheit der Quantentheorie(n), auf Grund tausendfacher Überprüfung und Bestätigung, e i n e Tatsache nicht angezweifelt werden kann: die Gegenstände in der Quantenwelt müssen anders sein, und sich anders verhalten, als die Gegenstände der klassischen Physik. Die Einheit der Physik ist dahin, es gibt zwei Welten. Und diese sicheren, schier unumstößlichen Erkenntnisse zwingen die Physiker nun mal, die gewagtesten, nein geradezu irrwitzigsten Spekulationen über die Entstehung der Welt und über den Grund der Welt anzustellen (zum Beispiel viele Welten und Universen). Nun ja, die Physik weiß nicht alles, aber das weiss sie sicher: auf dem Grunde allen Seins ist alles ganz anders, als das, was sich der Normalmensch (der Nicht-Phyisker) vorstellen kann.

Ich denke, ich liege mit meiner Darstellung nicht so fasch, auch wenn ich es hier etwas überspitzt formuliert habe.

Philosophen denken tatsächlich anders, sie sehen nämlich die Erfolge, die Methoden und die Erkenntnisse der Physik kritisch, denn neben physikalischem Wissen wird auch das physikalische Unwissen immer reichhaltiger. So wirft die seltsame Quantenwelt ja philosophische Probleme auf, die seit 100 Jahren nicht gelöst sind. Die Interpretation der Mathematik der physikalischen Theorien liefert zwar hervorragende Instrumente für Vorhersagen. Das ist auch viel wert! Welche reale Ontologie die Mathematik beschreibt, ist aber seit nun mehreren hundert Jahren vollkommen unklar, man denke nur an physikalische Felder, an den Term Y der Schrödingergleichung, usw.. Nun ja, Herr Ganteför bestreitet nicht, dass die Physik vieles nicht weiß.

Was sie nicht weiß, sind aber nun mal ganz entscheidende Dinge. Bei einem Feld, eine der paradigmatischen Grundlagen der Physik überhaupt, weiß die Physik gar nicht, womit sie es hier in ontologischer Hinsicht eigentlich zu tun hat. Auf so was zu gründen, scheint mir als Philosoph halt bedenklich. Die Interpretation der Schrödingergleichung liefert trotz empirischer Adäquatheit gleich drei verschiedene Theorien über die Realwelt (Bohr, Bohm, Viele Welten). Da die Mathematik nicht schlüssig interpretiert werden kann, und folglich Physiker die Quantenwelt nicht widerspruchsfrei beschreiben können, sagen sie nun einfach – ja das ist schon bemerkenswert – dass sie widersprüchlich sei – real widersprüchlich sei ! (z.B. zwei Dinge sind am gleichen Ort). Oh, passt da eventuell jemand die Realität der Theorie an? Es müsste doch eigentlich umgekehrt sein. Da passt jemand die Realität der Theorie an, ohne diese angepaßte Realität zu verstehen.

Herr Ganteför wird wohl darauf pochen, die besten Methoden zu haben, sonst wäre der Erfolg der Physik nicht erklärbar. Woher nur nimmt er diese Gewissheit? Die Erfolge der Physik beziehen sich doch nur auf Funktionalismen, nicht auf die Ontologie. Es könnte doch sein, dass die besten Methoden der Physik deshalb Unmöglichkeiten, Unscharfes und Widersprüchliches in der Quantenwelt zu Tage fördert, weil die Methoden der Physik zwar die richtigen Kraftwirkungen zu erkennen geben, aber ungeeignet sind, die Wahrheit über eine Ontologie herauszufinden. Vielleicht ist ja die Methode der Reduktion ungeeignet, vielleicht der Begriffsapparat unzulänglich, vielleicht sind die Grundbegriffe unklar, vielleicht sind die Methoden zu pragmatisch, vielleicht ist die Mathematik viel zu schwer zu entschlüsseln. Dann sind die „besten“ Methoden gar nicht die besten. Aber das wäre fatal: es sind dann schlechte Methoden, die nur irrige Erkenntnisse über die Quantenwelt liefern.

Schließlich liefert keine physikalische Theorie wahre Erkenntnisse über die Ontologie, nicht mal die Newton´sche Theorie, deren Ontologie besteht aus Massepunkten, die ja nun offensichtlich nicht real sind. Wie kann man dann behaupten, dass die Theorie der Strahlung aber nun wahre Erkenntnisse über die Ontologie liefern würde, da agieren doch nicht nur reduzierte Objekte, sondern widersprüchliche Objekte wie Teilchen (Lichtquanten), die Welleneigenschaften haben (Frequenz und Polarisation). Sollen diese nun realer sein als die Massepunkte? Ja sogar die Mathematik der Quantenfeldtheorie sagt uns, das Nichts ist nicht nichts, in den Tiefen des Nichts tummelt sich etwas Virtuelles, und die Welt muss so sein, sonst verstehen wir die Mathematik nicht..

Statt mit Herrn Ganteföhr über die Erkenntnisse der Physik über die Quantenwelt zu reden, müssten wir mal einmal über seine „besten“ Methoden reden. Zum Beispiel könnte es doch sein, dass die Ontologie der Quanten nicht widerspruchsfrei beschrieben werden kann, weil einfach die notwendigen Begriffe fehlen. Herr Ganteföhr hat Recht, wenn er sagt, die Philosophen könnten nicht nachvollziehen, dass die fundamentale Welt widersprüchlich ist (zwei Dinge am gleichen Ort !???, ein Quant hat Welleneigenschaften, uns was nicht alles mehr). Philosophen können aber auch nicht nachvollziehen, dass ein Physiker behauptet, Physiker hätten ein Verständnis von Realität, das über die philosophische Denken hinausreichen würde,

Ich glaube nämlich nicht, dass die Physik die besten Methoden hat, zu erkennen, wie die Welt auf dem Grunde allen Seins beschaffen ist. Es ist doch so, dass es der Physik leicht fällt, zu verstehen, wie die Welt funktioniert, es fällt ihr schwer, zu verstehen, aus was sie besteht. Die Physik erkauft Erkenntnisgewinn über die Funktion mit Erkenntnisverlust über die Ontologie (mit der Methode der Reduktion). Die Methode der Physik, die Methode der Reduktion, hat ihren Preis: wie und was agiert kann dann nicht gleichzeitig gewusst werden.

So wäre es hilfreich, Herr Ganteföhr könnte uns Philosophen einmal sagen, was denn die Mathematik der physikalischen Theorien eigentlich beschreibt, der Kern der Theorien, die allgemeinen Gleichungen (die allgemeinen, nicht die speziellen mit eingesetzten Randbedingungen). Was für Aussagen über die reale Welt stecken da drin, wenn man von Aussagen über die Kräfte absieht? Darüber haben wir im Interview – auch wenn das Realitätsverständnis der der Physik umfassend und klar auf sehr sympathische Art beschrieben wurde – nichts gehört. Wer nicht weiß welche Ontologie da beschrieben wird, kann darüber auch nichts Verbindliches aussagen, erst Recht nicht so Weitreichendes, als dass die von der Physik aktuell praktizierten irrwitzigen Spekulationen über den Urgrund der Welt gerechtfertigt wären, und den Philosophen das Verständnis dafür abgesprochen wird. Herr Gantföhr sollte einfach mal mit uns auf Augenhöhe reden, er hat doch schon mit dem Interview einen ganz tollen Anfang gemacht.

Freundliche Grüße
Bernd Stein

Wolfgang Stegemann
Wolfgang Stegemann
1 Jahr zuvor

Die Physik beantwortet Wie-Fragen, die Philosophie beantwortet Warum-Fragen. Eigentlich würde die Beantwortung von Wie-Fragen ja ausreichen, denn damit kann man z.B. Kühlschränke oder Mondraketen bauen. Aber nun interessiert sich der Mensch auch für Warum-Fragen, nur deshalb gibt es die Philosophie. Sie also als überflüssig zu betrachten, wäre borniert.
Bei der Suche nach dem Warum hat die Philosophie viele Wege und Irrwege beschritten. Man sollte sie am besten alle kennen, will man nicht in Sackgassen landen.
Wenn nun der Physiker glaubt, Warum-Fragen mit Wie-Fragen beantworten zu können, irrt er natürlich, denn das eine hat mit dem anderen wenig zu tun.

Man kann Warum-Fragen nicht auf Wie-Fragen reduzieren, es wäre eine andere Art von Reduktionismus.
Herr Ganteför versucht, die Warum-Frage mit der Metakategorie ‚Information‘ zu beantworten (die ihm allerdings nicht ganz geheuer ist und deren Konsequenz er nicht überblickt).
Er landet damit in jener Sackgasse, die zu einem göttlichen Plan in der Materie führt, also in der Religion. Das hat dann etwas mit Glauben zu tun, d.h. hier endet jede Logik, die auf Empirie basiert.

Dirk Freyling
1 Jahr zuvor

„Die Physik beantwortet Wie-Fragen, die Philosophie beantwortet Warum-Fragen.“
Naja, Philosophen äußern Meinungen, selten bis nie handelt es sich um Antworten, die inhaltlich über willkürliche, subjektive Bewertungen hinausgehen. Im Rahmen der Angewandten Physik gibt es praktische Antworten, die im Ergebnis beispielsweise Speichermedien, Kommunikation und realen Transport möglich machen. In der Modernen Theoretischen Physik gibt es seit mehr als 100 Jahren keine Antworten mehr, die phänomenologisch basierend begründet sind, sofern man anschauliche Realphysik fordert.
Ein Beispiel: »Schwerionen in plasmatischen Traumzuständen«…ein kläglicher Versuch die Confinement-These praktisch zu umgehen:
Der LargeHadronCollider (LHC) ist darauf ausgelegt, Protonen auf Energien von 7 TeV zu beschleunigen und so Kollisionen mit einer Schwerpunktsenergie von 14 TeV zu ermöglichen.

Im Bereich von beschleunigten Schwerionen, wie Bleikernen, erreicht der LHC Energien von 2,7 TeV pro Nukleon, in Kollisionen von Bleikernen mit 208 Nukleonen finden also theoretisch Kollisionen bei einer Energie von 1150 TeV statt.

Zur Auswertung dieser Ereignisse, mit denen das postulierte Quark-Gluon-Plasma untersucht werden soll, ist das ALICE-Experiment konstruiert.

Soviel zur Theorie und Praxis des Standardmodells.

Aber es handelt sich bei postulierten Quark-Gluon-Plasma-Nachweisen nicht um direkte experimentelle Nachweise, sondern um stark theoriebeladene Versuchsergebnisinterpretationen. Das gilt auch für Schwerionenkollisionen.

Das eigentliche Verständigungsproblem beginnt schon viel früher. Der Begriff Plasma ist bezogen auf die Theorieobjekte Quark und Gluon falsch.

Die gemäß SM postulierten Quarkmassen ergeben in der Summe bei weitem nicht die Nukleonenmassen. Gluonen sind masselos.

Postulierte Up-Quark Masse: 2.3±0.7 ± 0.5 MeV/c² up (u)

Postulierte Down-Quark Masse: 4.8±0.5 ± 0.3 MeV/c² down (d)

938,272 0813(58) MeV/c² Protonmasse duu ~ 0,8 – 1,2 % (!!!) Quarksmassenanteil

939,565 4133(58) MeV/c² Neutronmasse ddu ~ 1,1 – 1,4 % (!!!) Quarksmassenanteil

Somit sind auch aus Protonen und Neutronen zusammengesetzte Schwerionen (wie Blei- oder Goldkerne) nicht durch Quarks und Gluonen darstellbar. Das bedeutet, dass nach dem Masse-Energie-Äquivalenzprinzip Nukleonen und letztendlich Schwerionen fast gesamtheitlich aus phänomenologisch unbestimmter Bindungsenergie bestehen. Noch gravierender ist die Tatsache, dass die Schwerionen auf fast Lichtgeschwindigkeit beschleunigt werden, bevor sie kollidieren. Das bedeutet, es kommt zur Bindungsenergie auch noch eine beträchtliche Menge an äußerer Energie hinzu. Wie diese sich phänomenologisch vorstellbar in Translationsenergie und »Masseäquivalenz« aufteilt, sagt uns (auch) die Relativitätstheorie nicht. An Richard Feynman’s Aussage:

„It is important to realize that in physics today, we have no knowledge of what energy is.“…

„Es ist wichtig, einzusehen, dass wir in der heutigen Physik nicht wissen, was Energie ist.“…

hat sich bis heute nichts geändert. Die Physik lebt von sekundären Größen respektive sekundären Begriffen, die allesamt keine (konsistente) Phänomenologie besitzen.

Genauer: Wenn 2,7 TeV bei Blei-Ionen beim LHC auf ein Nukleon entfallen, dann beträgt bei einem Massenanteil der Quarks von ca. 1% der prozentuale Massen-Anteil am Geschehen gerade einmal 0,00035 %.

Fazit: Nicht gemäß einer Meinung, sondern nach dem Kenntnisstand und den Postulaten des SM kollidieren bei Teilchenkollisionen also hauptsächlich phänomenologisch unbestimmte beschleunigte Energiepakete sprich Bindungsenergien und hauptsächlich äußere Energie miteinander, von Elementarteilchenmassen respektive Elementarteilchen-Entitäten existiert so gut wie keine »Spur«.

Bermd-Jürgen Dr.Stein
Bermd-Jürgen Dr.Stein
1 Jahr zuvor

Hallo Herr Stegmann,

die Physik beantwortet Wie-Fragen, aber sie beantwortet auch Warum-Fragen. Kausalzusammen-hänge werden dem Einwirken von Kräften zugeschrieben. Mit Warum-Fragen hat die Physik kein Problem, weil die theoretisch vorhergesagten Kräfte sämtlich in höchstem Maße empirisch adäquat sind. Der Erfolg der Physik beruht genau auf den richtigen Vorhersagen über Kraftwirkungen. Die Physik kann also, wie Sie richtig sagen, die Fragen beantworten, WIE etwas agiert, aber nicht WAS da agiert. Kurzum: sie hat keine Ontologie, genau gesagt, sie kann ihre Ontologie nicht widerspruchfrei beschreiben.

Aus dieser Not macht sie eine Tugend. Sie behauptet, die Welt im Kleinen sei eben widerspruchsvoll. Das heißt: auf fundamentaler Ebene der Realwelt sollen sehr wundersame Objekte, mit spukhaften Eigenschaften, agieren.

Das alles kann man ja machen, wenn man in Kauf nimmt, bei den Aussagen über die Ontologie nicht so ernst genommen zu werden (bei Aussagen über die Kräfte schon). Wenn jedoch eine Kritik an der Vorstellung über die reale Existenz einer nicht widerspruchfrei beschreibbaren Ontologie mit dem Argument abgewehrt wird, die Quantenphysik sei nur von Eingeweihten zu verstehen, oder als Philosoph können man sich die Existenz widersprüchlicher Entitäten eben nicht vorstellen, dann ruft dies bei mir Kopfschütteln hervor. Mir hat ein sehr bekannter Professor in München im privaten Gespräch nach einem Vortrag gesagt, er könne sich gut vorstellen, dass ein Teilchen auch gleichzeitig durch zwei Spalte fliegen könnte. Ich habe das als Arroganz und Respektlosigkeit gegenüber mir als Gesprächspartner empfunden.

Herr Ganteföhr, der ja keinesfalls einen engstirnigen, eher nachdenklichen Vortrag gehalten hat, ist aus meiner Sicht gewissermaßen in der Blase der zeitgenössischen Physik gefangen, ich glaube schon, dass er für Kritik zugänglich ist und auch gute Argumente bereithält, wie alle Physiker, die im persönlichen Gespräch mit den philosophischen Problemen ihrer Zunft konfrontiert werden. Am Ende lassen sie aber an den abstrusen Vorstellungen nicht rütteln, zum Beispiel die, dass jedes bewegte Objekt mit einer „Materiewelle“ „verknüpft“ sei (wie immer man sich das vorstellen mag). Dabei beruht der Welle-Teilchen Dualismus auf einer besonderen Interpretation der kleinen Gleichung p=h/Lamda, die deBroglie vorgenommen hat (in drei Zeilen seiner Doktorarbeit), eine Deutung, die sich in der instrumentellen Anwendung als äußerst effektiv erwiesen hat (diesen Nachweis hat er in seiner Doktorarbeit auf vielen Seiten seiner Arbeit sehr sorgfältig erbracht, und genau d a f ü r hat er den Nobelpreis bekommen). Dass diese Deutung der Gleichung ontisch gesehen zu Blödsinn führt, nimmt man seit 100 Jahren einfach nur in Kauf. Dabei kann man diese Gleichung auch anders interpretieren, ohne mit den Erkenntnissen der Physik in Widerspruch zu geraten (werde ich in Kürze auf dieser Plattform zeigen, falls Dirk mich lässt).

Die Physik ist eben vornehmlich auf Vorhersagbarkeit aus. Die von den Theorien propagierten unsinnigen Artefakte (Quanten und Wellen), die angeblich auf fundamentaler Ebene der Realwelt agieren, sind nur reduzierte und idealisierte modellhafte Stellvertreter für das, was dort in der Realwelt die richtigen Kräfte ausübt.

Das kann man alles so machen, ich finde das legitim, wenn die Physik pragmatisch vorgeht, sie darf eine solche Ontologie nur nicht als sicher Erkenntnis bester Wissenschaft, oder Höchste Erkenntnis dieser Welt, verkaufen, und – Deutungshoheit für sich in Anspruch nehmend – von der Gesellschaft verlangen, dass sie weitere Erkenntnisse dieser Art finanzielle Mittel über Gebühr bereitzustellen hat (z.B. noch größere Teilchenbeschleuniger zu bauen).

Viele Grüße
Bernd Stein

Philipp
Philipp
1 Jahr zuvor

Hallo Bernd,

du machst aus meiner Sicht einen riesigen Fehler der in der Philosophie immer noch recht weit verbreitet ist.

Du glaubst dass unsere menschliche Logik quasi von Gott gegeben ist. Für dich hat die menschliche Logik immer das letzte Wort. Wenn etwas, also z.B. ein Modell oder eine Theorie über ein Phänomen, entgegen unserer menschlichen Logik geht muss das Modell oder die Theorie für dich zwangsweise falsch sein.

Lebewesen sind ein Produkt der Evolution. Sie entstanden aus der Interaktion mit ihrer natürlichen Umwelt. Unsere Anschauung und Logik ist an diese unsere natürliche Umwelt angepasst bzw. auf diese geeicht. Sie scheitert bei Grenzfragen in verschiedenen Wissenschaft die über unsere natürliche Umwelt hinausgehen, also z.B. Grenzfragen in der Physik, Fragen um das Bewusstsein in den Neurowissenschaften, etc.

Wenn empirische Befunde also gegen unsere Logik sprechen, dann ist es die menschliche Logik die versagt. Uns fehlen einfach die Denkkategorien um bestimmte Phänomene mit unserer naiven Anschauung in Einklang zu bringen, weil wir an diese Phänomene phylogenetisch nicht adaptiert sind. Diese Grenzbereiche waren nie Teil unserer Phylogenese, deshalb erscheinen uns bestimmte Phänomene außerhalb unserer Lebenswelt als paradox.

Du hingegen versucht die „Realität“ immer an deine menschlichen Kategorien anzupassen, statt zu akzeptieren dass man hier mit philosophischer Logik nicht weiterkommt, ja dass die Logik uns sogar im Wege steht.
Das ist ein zentraler Unterschied zwischen Philosophie und Naturwissenschaft. Naturwissenschaften haben sich schon seit ca. 300 Jahren davon entsagt bestimmte Modelle und Erklärungen über Phänomene mit unserer Alltagsanschauung in Einklang zu bringen. Der Philosoph kann das nicht akzeptieren, bei ihm muss alles in menschlich-anthropozentrische Konzeptsysteme passen. Hier scheitert dann auch die Zusammenarbeit zwischen Naturwissenschaft und Philosophie. Der Philosoph strebt nach subjektiven Evidenzgefühlen. Er akzeptiert etwas erst wenn es für ihn subjektiv logisch erscheint. Dieses Vorgehen ist bei Grenzfragen und -problemen zum Scheitern verurteilt.