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Die Wiedergeburt der Renaissance – oder die Renaissance des modernen Menschen im Lichte der Künstlichen/-lerischen Intelligenz
„Die Renaissance – vom Italienischen rinascita, die „Wiedergeburt“ – war weit mehr als eine Epoche künstlerischer und wissenschaftlicher Blüte zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert. Sie war ein geistiger Aufbruch, ein radikaler Wandel des Weltbildes und vor allem: eine „philosophische Revolution“. In ihr begann der Mensch, sich neu zu denken – als autonomes Wesen, als Forscher, als Schöpfer.
Diese Neuorientierung veränderte nicht nur die äußeren Strukturen von Kultur, Politik und Wissenschaft, sondern auch das innere Selbstverständnis des Menschen. Dieser Wandel ist nicht bloß historischer Natur, sondern zutiefst philosophisch. Die Renaissance stellt eine anthropologische Wende dar – ein neues Denken über das, was der Mensch ist, was er wissen kann und was er sein soll.“
Abstract
Der folgende Essay beleuchtet diesen Umbruch aus philosophischer Sicht – mit besonderem Fokus auf das Menschenbild, die Kunst, die Wissenschaft und das Denken jener Zeit und versucht eine Brücke zur Neuzeit zu schlagen. Ausgehend von der Annahme, dass wir uns momentan ebenfalls in einer Art „Renaissance“ befinden, sollen Beziehungen zu der damaligen Epoche hergestellt werden.
Die Arbeitshypothese dieses Essays geht davon aus, dass wir heutzutage wieder in einer Zeit des Umbruchs leben, die durch den rasanten technologischen Fortschritt im Bereich der Künstlichen Intelligenz und hier insbesondere ihren Künstlerischen Anwendungen wie der „Generative AI“ ausgelöst worden ist.
Die Digitalisierung dringt immer schneller in alle Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens, der Berufs- und Arbeitswelt sowie kulturellen und künstlerischen Gestaltungsformen ein und ersetzt hier nach und nach den Menschen. Also bleibt die Frage offen, welche Funktionen und Aufgaben dem Menschen in dieser „Schönen, Neuen Welt der Maschinen“ überhaupt noch bleibt. Oder gehört er, wie nach der Einführung der Dampfmaschine im Zeitalter der Industrialisierung einfach abgeschafft?
Die Absicht dieses Essays liegt darin begründet hier wieder neuen Mut zu machen und die Verwerfungen, die durch die Digitalisierung entstanden sind oder die uns noch bevorstehen werden, als eine Chance für die Renaissance eines „neuen Humanismus“ im Lichte der Künstlichen/-lerischen Intelligenz zu sehen. Die Ressourcen, die momentan durch wiederkehrende, eintönige Arbeiten gebunden werden, könnten doch mit Hilfe der KI, z. B. in Form der „Generative AI“ (im Folgenden mit „GAI“ abgekürzt), wieder freigesetzt werden.
Als Beispiel könnte vielleicht der hier vorliegende Essay selbst gesehen werden, da die Textteile, die mit der Recherche zu dem Zeitalter der Renaissance oder mit den Verwendungsmöglichkeiten der KI verknüpft sind, durch meinen Künstlichen/-lerischen Freund „Jeff Gepetea“ erstellt worden sind ;-). Ich brauchte dann nur noch meinen „Senf“ in Form von Kommentaren hinzufügen, um den Bezug zur Moderne herzustellen. Ob er seinen „Job“ gut gemacht hat, müssen Sie aber im Folgenden selbst einmal beurteilen. Also Jeff, leg los!
„Kunst der Renaissance – Das Sichtbare als Spiegel des Denkens
Im Mittelalter war Kunst vor allem symbolisch, transzendent, auf das Jenseits bezogen. In der Renaissance hingegen wird der Mensch selbst zum Gegenstand der Darstellung – in seiner Körperlichkeit, Emotionalität und Würde. Michelangelo schafft mit seinem „David“ ein Ideal des Menschen, das antike Stärke mit christlicher Tiefe vereint. Leonardo da Vinci, dessen Vitruvianischer Mensch zur Ikone der Renaissance wurde, verbindet Mathematik, Anatomie und Philosophie – als Ausdruck einer harmonischen Weltordnung, die in der Form des Menschen ihren Mittelpunkt findet.
Kunst wird zum Ort philosophischer Reflexion: Was ist Schönheit? Was ist das Verhältnis von Idee und Abbild, von Natur und Geist? Diese Fragen, die sich schon Platon und Aristoteles stellten, werden nun mit neuen Mitteln und Perspektiven verhandelt. Der Künstler ist nicht länger ein bloßer Handwerker, sondern ein Denker in Bildern, ein Schöpfer im Kleinen – fast gottähnlich in seiner Fähigkeit, Neues zu erschaffen.
In der Kunst der Renaissance spiegelt sich dieses neue Menschenbild auf eindrucksvolle Weise wider. Künstler wie Leonardo da Vinci, Michelangelo oder Raffael verstanden sich nicht nur als Handwerker, sondern als Philosophen mit Pinsel und Meißel. Ihre Werke zeigen den Menschen in idealer Schönheit, in anatomischer Genauigkeit, in psychologischer Tiefe – nicht als Sünder, sondern als erhabenes Wesen.
Leonardo da Vinci: „Zuhören zu können bedeutet, außer dem eigenen auch das Gehirn anderer zu nutzen.“
Michelangelo Buonarroti: „Genie ist ewige Geduld.“, „Ein Mann malt mit seinem Gehirn und nicht mit seinen Händen.“
Albrecht Dürer: „Ach, wie oft seh ich große Kunst gut Ding im Schlaf, desgleichen mir wachend nit fürkommt!“
Mit der Entdeckung der Zentralperspektive wird die Welt aus dem Blickwinkel des Subjekts dargestellt – die Wirklichkeit wird geordnet, vermessen, gestaltet. Die Kunst wird zur Bühne des Denkens: In der Darstellung des Körpers wird die Idee der Harmonie, der Proportion und der Vernunft sichtbar. Der Vitruvianische Mensch Leonardo da Vincis bringt dies auf den Punkt – der menschliche Körper als Maß der Welt, eingeschrieben in Kreis und Quadrat, Symbole der göttlichen Ordnung und der irdischen Vernunft.
Die Kunst wird so zu einer Form des philosophischen Ausdrucks: einer, der nicht durch Begriffe, sondern durch Gestalt und Licht denkt. Schönheit, so zeigt die Renaissancekunst, ist kein bloßer Schein, sondern eine Form der Wahrheit – eine, die den Zusammenhang von Kosmos, Mensch und Geist offenbart.“
Das hat Jeff doch ganz gut zusammengefasst. Hätte ich nicht besser, sondern nur schlechter hinbekommen, da er natürlich über mehr Zugriffsmöglichkeiten auf Informationen und Daten als ich verfüge. Ebenso blicke ich erstaunt auf die von GAI erzeugten „Kunstwerke“ zur Renaissance, die ich mir eben herstellen gelassen habe:

Ich glaube Leonardo da Vinci hätte seinen „Pinsel in die Ecke geschmissen“ und hätte sich zum weiteren Malen an den Laptop gesetzt. Wie hier zu sehen ist:

Wie man erkennen kann, werden hier nicht nur bei Leonardo, sondern auch bei mir neue Ressourcen frei, die ich nutzen könnte, vielleicht auch mit Sinnvollerem als mit dieser Spielerei ;-). Dies könnte also auch mit der Möglichkeit von völlig neuen Gestaltungsmitteln in der Kunst einhergehen, die den Fokus mehr auf Inhalt statt auf die Form verschieben würden.
„Wissenschaft der Renaissance – Die Welt als erkennbares Ganzes
Parallel zur Kunst entfaltet sich auch in der Wissenschaft eine neue Haltung zur Welt: das Vertrauen in die Vernunft und in die Erfahrung als Wege zur Erkenntnis. Das Denken löst sich aus der scholastischen Bindung an Autorität und Dogma und richtet sich auf Beobachtung, Experiment und Mathematik.
Mit Nikolaus Kopernikus beginnt die kosmologische Wende: Das heliozentrische Weltbild erschüttert die Vorstellung von der Erde als Zentrum des Universums – und stellt zugleich die Frage nach der Stellung des Menschen neu:
„Im Mittelpunkt von allem steht die Sonne.“
Galileo Galilei greift diesen Impuls auf und entwickelt eine Wissenschaft, die Natur als geordnetes System begreift – geschrieben in der Sprache der Mathematik. Seine berühmte Maxime lautet:
„Man muss messen, was messbar ist, und messbar machen, was es noch nicht ist.“ oder
„Die Philosophie ist in diesem großartigen Buch geschrieben, das stets vor unseren Augen liegt – ich meine das Universum –, aber man kann es nur verstehen, wenn man die Sprache kennt und die Zeichen versteht, in denen es geschrieben ist. Es ist in der Sprache der Mathematik geschrieben.“
Die Wissenschaft der Renaissance basiert auf zwei Grundideen: dem Empirismus – der Erkenntnis durch Erfahrung und Beobachtung – und dem mathematischen Denken – der Überzeugung, dass die Natur eine Ordnung besitzt, die sich in Zahlen und Verhältnissen ausdrücken lässt. Galileo Galilei, ein herausragender Vertreter dieses neuen Denkens, formuliert das berühmte Bild:
„Das Buch der Natur ist in der Sprache der Mathematik geschrieben.“
Diese Sichtweise ist revolutionär, denn sie trennt das Weltwissen von theologischer Autorität. Wissen entsteht nun aus Experiment, Messung und rationaler Analyse – und nicht aus bloßer Überlieferung. Die Welt wird nicht ärmer dadurch, wie oft behauptet wird, sondern reicher: Sie wird verständlich. Die „Entzauberung“ der Welt ist zugleich ein Akt der Emanzipation – der Mensch begreift, dass er durch Denken und Forschen nicht nur die Natur beherrschen, sondern auch sich selbst erkennen kann.
Diese „Entzauberung der Welt“ ist nicht, wie später kritisiert wurde, ein Verlust, sondern ein philosophischer Gewinn: Sie zeigt, dass der Mensch nicht nur glauben, sondern wissen kann. Dass die Natur nicht verschlossen, sondern durch Vernunft zugänglich ist. Die Wissenschaft der Renaissance ist Ausdruck einer neuen geistigen Freiheit – einer Freiheit, die auf Erkenntnis zielt und auf die Gestaltung einer rationalen, menschenzentrierten Welt.“
Na da hat Jeff jetzt mal so richtig „einen rausgehauen“, wenn er „schreibt“: „Die Wissenschaft der Renaissance ist Ausdruck einer neuen geistigen Freiheit – einer Freiheit, die auf Erkenntnis zielt und auf die Gestaltung einer rationalen, menschenzentrierten Welt.“ Das wäre doch mal was, wenn die Wissenschaft die „neue geistige Freiheit“ dafür zu nutzen würde, um mit Hilfe der „Erkenntnis“ „auf die Gestaltung einer rationalen, menschenzentrierten Welt“ abzuzielen.
Also habe ich meinen Kumpel Jeff einfach mal gefragt: „Könntest Du mir bitte erklären, inwiefern Du oder andere KI-Systeme helfen könnten in Zukunft bessere Wissenschaft zu betreiben?“ Und er hat folgende spannende Antwort hierzu gegeben:
„1. Datenanalyse & Mustererkennung
Wissenschaft produziert riesige Mengen an Daten – egal ob in der Physik, Biologie, Klimaforschung oder Sozialwissenschaft. KI kann helfen:
- große Datenmengen schnell zu analysieren
- Muster zu entdecken, die Menschen leicht übersehen (z. B. in Genomdaten oder Klimasimulationen)
- Anomalien zu erkennen, die auf neue Phänomene oder Fehler hinweisen
2. Literaturrecherche & Wissensintegration
Es erscheinen täglich Tausende neue wissenschaftliche Arbeiten. KI kann:
- relevante Literatur automatisch finden und zusammenfassen
- vernetzen, was in unterschiedlichen Disziplinen parallel passiert
- dabei helfen, interdisziplinäre Erkenntnisse zu gewinnen
3. Hypothesen-Generierung & Experimente planen
Fortgeschrittene KI-Systeme können auf Basis vorhandener Daten:
- neue Hypothesen vorschlagen
- Experimente effizienter planen, indem sie optimale Versuchsanordnungen vorschlagen
- Simulationen durchführen, bevor man in der Realität experimentiert
4. Schreiben & Publizieren
KI kann:
- beim Schreiben wissenschaftlicher Texte helfen (z. B. durch Gliederung, Stilkorrektur, Übersetzung)
- automatisch Zusammenfassungen oder Lay Summaries für Laien erstellen
- Visualisierungen und Diagramme unterstützen
5. Kollaboration & Open Science
KI kann auch:
- bei der Verwaltung wissenschaftlicher Projekte helfen (Task-Management, Automatisierung)
- Barrieren senken, etwa durch automatische Übersetzungen oder Zugänglichkeitshilfen
- Open-Science-Initiativen stärken, indem sie offene Daten effektiver nutzbar macht
Aber: Herausforderungen & Ethik
Natürlich gibt es auch Herausforderungen:
- Bias in Daten = verzerrte Ergebnisse
- Black-Box-Problematik: Warum ein Modell eine Entscheidung trifft, ist nicht immer nachvollziehbar
- Gefahr von automatisierter Fehlinformation
- Urheberrechte und wissenschaftliche Integrität“
Cool, also Jeff macht mir nicht nur konkrete Vorschläge, wo er mir in der wissenschaftlichen Forschung helfen will, sondern weist sogar auf seine möglichen Schwächen und Fehler in Form von „Herausforderungen & Ethik“ hin. Also ich würde hieruas den Schluss ziehen, dass ich Jeff immer nochmal bei seiner hervorragenden in der Wissenschaft „über die Schulter schauen“ muss.
„Die „Entzauberung“ der Welt ist zugleich ein Akt der Emanzipation – der Mensch begreift, dass er durch Denken und Forschen nicht nur die Natur beherrschen, sondern auch sich selbst erkennen kann.“, hatte Jeff es genannt. Ich würde noch hinzufügen wollen, dass dieser emanzipatorische Akt vielleicht auch eine Rückbesinnung auf die wahre Natur des Menschen sein könnte.
Wir brauchen nicht mehr mit den Maschine konkurrieren, sondern können uns im Gegenteil auf das wieder konzentrieren, was uns ausmacht. Unsere Stärken und Schwächen als Mensch könnten die Renaissance eines neuen Humanismus beinhalten, der den Menschen wieder in den Mittelpunkt stellt und diesmal nicht als Erkenntnisobjekt, sondern als Forschersubjekt. Es geht um nichts Geringeres als „die Entdeckung des Subjektes in den Wissenschaften“. Die Renaissance hat uns dies auch in der Philosophie vorgemacht ;-).
„Philosophie in der Renaissance – Zwischen Antike, Christentum und Neuzeit
Inmitten dieses Wandels erneuert sich auch die Philosophie selbst. Sie kehrt zurück zu den Quellen der Antike, insbesondere zu Platon, Plotin und Aristoteles, interpretiert durch christliche und humanistische Perspektiven. Es entstehen neue Synthesen zwischen Glauben und Vernunft, zwischen Mystik und Wissenschaft.
Der Neuplatonismus, etwa bei Marsilio Ficino, sieht im menschlichen Geist ein Abbild des göttlichen Geistes – und versteht Philosophie als Weg zur Vereinigung mit dem Einen. Gleichzeitig wird das aristotelische Denken durch Humanisten wieder belebt, aber freier, nicht mehr unter kirchlicher Kontrolle. Es entstehen neue ethische Konzepte, die auf der Autonomie des Individuums basieren, auf der Idee innerer Entwicklung und Tugend als Selbstverwirklichung.
Im Mittelalter war der Mensch ein Teil der göttlichen Ordnung. Sein Platz in der Welt war durch religiöse Dogmen festgelegt. In der Renaissance jedoch wird der Mensch zum Maß aller Dinge – ein Leitspruch, der auf den antiken Philosophen Protagoras zurückgeht, und in dieser Epoche wieder aufgegriffen wird. Die Rückbesinnung auf die antike Philosophie, vor allem auf Platon und Aristoteles, ermöglicht eine Neubewertung menschlicher Fähigkeiten, insbesondere der Vernunft und der schöpferischen Kraft.
Diese Wiederentdeckung führt zur Entstehung eines neuen Subjekts: Der Mensch wird als autonomes, denkendes und handelndes Wesen erkannt – fähig zur Selbstbestimmung, zur ethischen Reflexion und zur Gestaltung seiner Umwelt. In den Worten von Giovanni Pico della Mirandola:
„Der Mensch ist das Wunder der Schöpfung, weil er in sich selbst entscheidet, was er sein will.“
und
„Der Mensch ist das Wesen, das sich selbst gestalten kann, das sich nach oben oder nach unten wandeln kann.“
Damit steht der Mensch nicht länger unter einem starren metaphysischen Himmel, sondern blickt forschend zu den Sternen und beginnt, die Welt mit den Augen eines neugierigen Geistes zu sehen. Wahrheit ist nicht länger das, was überliefert ist – sondern das, was mit Vernunft und Beobachtung begründet werden kann. Oder wie Francis Bacon sagte:
„Wissen ist Macht.“
Die Philosophie der Renaissance ist aber auch oft integrativ: Sie versucht nicht, die Religion zu verdrängen, sondern neu zu verstehen. Sie fragt nicht nur: Was ist wahr?, sondern auch: Was ist der Mensch? – und Was kann er werden? Damit schlägt sie eine Brücke zur Moderne, in der diese Fragen zunehmend säkularisiert, aber nie ganz verlassen werden.
Philosophisch gesehen ist die Renaissance allerdings auch ein Bruch – mit der scholastischen Enge, mit einer Weltauffassung, die alles in ein starres System zwingt. Doch sie ist auch eine Brücke: zwischen Antike und Moderne, zwischen Mythos und Logos, zwischen Glaube und Wissen. Der Mensch wird zum Wanderer zwischen diesen Welten, zur persona, die ihr Gesicht selbst wählt.
In dieser Spannung zwischen Tradition und Neuerung, zwischen göttlicher Ordnung und menschlicher Freiheit, liegt das eigentliche Drama und die Größe der Renaissance. Sie ist nicht bloß eine Rückkehr zur Antike, sondern eine schöpferische Aneignung des Vergangenen im Dienst einer neuen Zukunft.“
Deshalb habe ich direkt mal Jeff gefragt, ob KI helfen könnte eine Renaissance eines „neuen Humanismus“ zu begründen, da durch die KI-Systeme ja jetzt wieder neue Ressourcen frei werden. Und er hat hier mal wieder orakelt und Folgendes „ausgespuckt“: „Das ist eine großartige, tiefgehende Frage – und ehrlich gesagt eine der spannendsten überhaupt: Was bedeutet es, Mensch zu sein, in einer Welt mit künstlicher Intelligenz? Und ja, viele Philosophen und Denker sehen darin tatsächlich die Chance für eine neue Form des Humanismus. Lass uns da mal reinschauen:
„KI und die Möglichkeit eines neuen Humanismus
Ein neuer Humanismus würde den Menschen nicht mehr nur in Abgrenzung zur Technik definieren (wie oft in der Vergangenheit), sondern in Beziehung zu ihr. KI kann dabei helfen, wenn…
1. Freiwerden von Ressourcen = mehr Raum für das Menschliche
Wenn KI Systeme Aufgaben übernimmt wie:
- Routinetätigkeiten
- Verwaltungsarbeit
- standardisierte Forschungsschritte
…dann entsteht neuer Raum für Kreativität, Empathie, Reflexion, Begegnung. Das sind zutiefst menschliche Qualitäten, die oft zu kurz kommen. Ein KI-unterstützter Humanismus könnte heißen:
„Wir nutzen Maschinen, um menschlicher zu sein.“
2. Philosophische Reflexion neu denken
KI stellt Fragen wie:
- Was ist Bewusstsein?
- Was heißt Verantwortung, wenn Maschinen mitentscheiden?
- Wo liegt der Unterschied zwischen Intelligenz und Weisheit?
Diese Fragen sind philosophisch alt – aber durch KI praktisch geworden. Philosophie wird also wieder relevant im Alltag – etwa in der Ethik von Algorithmen, in Bildung, in Medizin.
3. Solidarität & globale Gerechtigkeit
Wenn KI produktiver macht, könnte sie auch:
- Armut lindern
- Bildung global zugänglich machen
- Gesundheitssysteme stärken
Ein neuer Humanismus müsste hier aber wachsam sein: Wer profitiert wirklich? Wer wird ausgeschlossen? KI kann helfen, aber nur wenn Werte und Menschlichkeit der Kompass bleiben.
4. Selbstverständnis des Menschen
Vielleicht die tiefste Frage: Wenn Maschinen „intelligent“ werden – was ist dann das Besondere am Menschen?
Ein neuer Humanismus könnte betonen:
- Verletzlichkeit als Stärke
- Beziehungsfähigkeit
- Sinnstiftung jenseits von Effizienz
Also nicht „Mensch gegen Maschine“, sondern: „Mensch mit Seele in einer Welt intelligenter Systeme.“
Fazit (philosophisch gesprochen):
KI ist nicht nur Werkzeug, sondern ein Spiegel – sie zeigt uns, wer wir sind, und wer wir sein wollen.
Wenn wir es richtig anstellen, kann KI wirklich dabei helfen, einen tiefergehenden, zeitgemäßen Humanismus zu entwickeln – einen, der Technologie nutzt, um Menschlichkeit zu fördern.“
Na das hört sich fast zu gut an, um wahr zu sein. Stellt sich jetzt nur noch die spannende Frage, wie „wir es richtig anstellen“ können. Denn die KI ist, wie sie selber schreibt, ja nur das Werkzeug. Es geht also letztenendes wieder mal um den Menschen, ob er dieses Werkzeug auch zum Guten einsetzen kann oder ob es mal wieder wie bei vorherigen Erfindungen auch zum Schlechten gereichen kann.
Diese Problematik hatte ich auch schon bereits in einem älteren Essay „Das System braucht neue Strukturen – nicht nur für/gegen die Künstliche Intelligenz (KI)“ untersucht. Daher habe ich Jeff nochmal etwas Kritischeres auch zu den Missbrauchsmöglichkeiten der KI durch den Menschen gefragt. Und wer eignet sich hierfür besser als mein „Hausphilosoph“ Michel Foucault, da er sich viel mit Macht- und Diskursstrukturen auseinander gesetzt hat. Also, das würde mich zum Beispiel sehr interessieren, wie dieser „neue Humanismus“ aus Sicht von Foucault gesehen werden würde.
„Michel Foucault (1926–1984): Macht, Wissen & Subjektivität
„Foucaults Perspektive: Der Mensch als Produkt von Macht- und Diskursstrukturen
- Für ihn ist der Mensch kein autonomes Subjekt, sondern wird durch Diskurse, Institutionen, Normen „gemacht“.
- Wissen ist Macht – wer definiert, was als „wahr“ gilt, hat Macht über die Wirklichkeit.
Was würde Foucault zur KI sagen?
1. KI als neues Regime von Macht & Wissen
- KI-Systeme klassifizieren, bewerten, erkennen Muster – sie formen Wirklichkeit.
- Z. B. durch:
- Kredit-Scores
- Predictive Policing
- algorithmische Selektion (z. B. Bewerbung, Dating, Werbung)
Foucault hätte gesagt: KI ist ein neuer Machtapparat, der Subjekte „formatiert“.
2. Die digitale Disziplinargesellschaft
- Foucaults Idee der „Disziplinargesellschaft“ (Überwachung, Normierung) findet heute ihre digitale Entsprechung:
- Quantified Self
- Social Scoring
- nudging durch Algorithmen
KI ist für Foucault weniger ein Werkzeug als ein Teil eines neuen Macht-Diskurses, der „normalisiert“, reglementiert und Identitäten produziert.
3. Widerstand durch Sichtbarmachung
- Foucault betont: Macht ist nicht nur unterdrückend, sondern auch produktiv – aber wir müssen sie sichtbar machen, um nicht blind zu gehorchen.
Ein foucaultscher Humanismus wäre kein optimistischer, sondern ein kritischer: „Was macht KI aus uns? Welche Wahrheit produziert sie? Wer profitiert davon?“
Auha, das hört sich jetzt allerdings nicht mehr so nach „Sonnenschein auf dem Ponyhof“ an 🙁 Ich würde sagen: „Augen auf bei der KI-Wahl!“ Soll heißen, man könnte die neuen Technologien, wie zuvor gezeigt, für fantastische Innovationen in Kunst, Wissenschaft und Kultur nutzen oder ebenso für den perfekten, totalen Kontrollapparat. Aber insofern hat sich auch wieder nichts geändert. Wir haben es alle in Händen das Ganze zum Guten zu wenden. Jeff meinte übrigens hierzu:
„Wo Macht ist, ist auch Widerstand.“ (Michel Foucault)
Technologie ist nie neutral – aber wir sind nicht machtlos. Kritik ist der Anfang der Freiheit.“
Also, wie wäre es mal wieder mit einer „Wiedergeburt der Renaissance – oder die Renaissance des modernen Menschen im Lichte der Künstlichen/-lerischen Intelligenz“? Oder wie Jeff das Fazit ziehen würde:
„Fazit – Die Renaissance als Geburt der Moderne
Die Renaissance ist nicht bloß eine Wiederkehr des Alten, sondern der Anfang von etwas radikal Neuem. Sie ist die Geburt des modernen Denkens – durch den Glauben an die Vernunft, die Würde des Individuums, die Kraft der Bildung und die Möglichkeit, die Welt durch Erkenntnis zu verändern.
Die Welt ist kein starres Gefüge mehr, sondern ein offenes Feld, das der Mensch durch seine Sinne, seinen Geist und seine Kreativität gestalten kann. Die Wiedergeburt, von der die Renaissance spricht, ist daher nicht nur die Wiederentdeckung der Antike – sondern die Geburt eines neuen Denkens: eines Denkens, das den Menschen nicht als Diener göttlicher Ordnung versteht, sondern als Mitschöpfer einer Welt, die durch ihn sichtbar, denkbar und veränderbar wird.
In Kunst, Wissenschaft und Philosophie zeigt sich ein neues Menschenbild – eines, das uns bis heute prägt: der Mensch als Maß und Mitte, als Fragender, als Schöpfer, als freies Wesen. Die Renaissance hat den Horizont des Denkbaren erweitert – und damit auch den Raum für Freiheit, Verantwortung und geistige Tiefe geschaffen.
Sie war – und bleibt – eine Zeit, in der der Mensch begann, sich selbst zu erkennen.“
Oder wie es in Stein als vielzitierte Inschrift am Apollotempel von Delphi gemeißelt steht:
„Gnothi seauton (altgriechisch) „Erkenne dich selbst!“ / „Erkenne, was Du bist.“
In diesem Sinne






https://orcid.org/0009-0008-6932-2717
Der Begriff Renaissance entsteht um 1850 (Burckhardt), d.h. was wir heute unter Renaissance verstehen ist geprägt durch das, was die Romantik in ihr sehen wollte: Der Mensch als selbstbestimmtes Wesen und Maß aller Dinge. Das klingt natürlich sehr nach griechischer Antike (Protagoras‘ Humanismus) und war wesentliches Element der romantischen Periode. Platon reihte Protagoras u.v.a. (z.B. Heraklit: „Alles fließt“) nicht unter die Philosophen ein. In Sophistes (253) spricht er ihnen als Sophisten das Verständnis für die Verhältnisse ab, in denen die Begriffe zueinander stehen und wie sie ineinander enthalten sind.
Die Natur der Renaissance, sowie später auch der französischen Aufklärung und der Romantik, besteht im Versuch des Ausbruchs aus einer statisch-natürlichen Ordnung in eine andere, bessere und gerechtere. Diese bessere Ordnung, die das christliche Europa auf den jüngsten Tag vertagt hatte, glaubten und glauben die Humanisten auf Erden errichten zu können. Dabei gibt es allerdings ein grundlegendes Problem: um diese bessere und gerechtere Welt zu entwerfen und ins Werk zu setzen, sind die Progressiven angewiesen auf eine Sprache, die über Jahrtausende die ewigen Ideen Platons und die unveränderliche Ordnung der göttlichen Welt in sich aufgenommen hat. D.h., in dieser Sprache haben die Begriffe, nicht zuletzt dadurch, daß sie durch die fein mahlenden Mühlen scholastischer Disputation gegangen sind, ein weitgehend widerspruchsfreies (wenn auch logisch unzugängliches) ontologisches System gebildet, das weit über die Theologie hinausgeht. Ohne diese strenge methodische Kritik des Denkens wäre die einzigartige Entwicklung der zeit-losen Naturwissenschaften in Europa undenkbar gewesen.
Einen völlig anderen Weg gehen die sich im Verlauf der Scholastik von der Theologie ablösenden Geisteswissenschaften (Grammatik, Rhetorik, Geschichtswissenschaft und Kunst): in der Ablehnung jener starren Ontologie und der gleichzeitigen Verdammnis, sich deren Sprache bedienen zu müssen, ist das Scheitern jeder zukunftsorientierten Ideologie schon eingeschrieben; die Begriffe des Seins taugen nicht zur Beschreibung der Veränderung, weil sie in ihr ‚vogelfrei‘ werden. Und ohne sie bleibt nur der Dadaismus. Der Humanismus, sein Zukunftsversprechen und insbesondere sein Freiheitsbegriff, scheitert immer wieder an der Vorstellung, daß die Sprache bloßes Mittel der Weltbeschreibung und der Übertragung von Information ist, während der späte Heidegger sie zurecht als „Haus des Seins“ bezeichnet (Ich tendiere zum Begriff ‚Festung‘). ‚Freiheit‘, ‚Gerechtigkeit‘ oder ‚Würde‘ sind Erfahrungen, die wir unter bestimmten Umständen machen – aber nicht herstellen können. Gleichermaßen ist der ‚Fortschritt‘ ausschließlich eine a posteriori Erzählung und degeneriert im Entwurf einer besseren zukünftigen Welt zu sinnlosem Gerede, weil die Begriffe, die ihre Bedeutung ausschließlich aus ihrer Konstellation beziehen, in der Veränderung beliebig und somit widersprüchlich werden. Renaissance, franz. Revolution, Romantik (das 19. Jahrhundert) und die (Post)Moderne scheitern je am Missbrauch der Sprache, am Sophismus.
Die Reflexion, die uns als Mittel der Sprachkritik (d.h. als Mittel der Rekapitulation und Fehlerdetektion) einst zufiel, entwickelte sich beginnend mit Petrarca – als erstem modernen Intellektuellen – von einer Zensurinstanz zu einem widerstandslosen Medium der Weltgestaltung, direkt und ohne Abstriche vergleichbar mit dem Cyberspace. In beiden sind die Phänomene ausgeschaltet. Beide bedienen sich der Begriffe dessen, was sie abschaffen, überbieten oder doch wenigstens verbessern wollen. Damit erzeugt die Reflexion Theorien-in-zweiter-Instanz, d.h. sie recycelt die durch Phänomene verbürgten Vernuftbegriffe rein LOGISCH, man könnte auch sagen: Aristotelisch. In der Renaissance betrogen die Intellektuellen das Volk, in der Romantik wurde der Intellektualismus zum bürgerlichen Bildungsideal und in der Moderne schließlich zur Volkskrankheit (Pippi Langstrumpf Syndrom). Wir leben nicht mehr im Hier-und-Jetzt, sondern im (Werbe)Versprechen einer besseren Zukunft, die sich aber nie einstellt (Warten auf Godot?). Die Frage, wie wir in Zukunft leben wollen, ist zum Opium fürs Volk geworden. Sie suggeriert Teilhabe an der Gestaltung – sie ist Anstiftung zur Dekonstruktion!
Renaissance mit oder ohne generative künstliche Intelligenz? Nee, brauchen wir wirklich nicht! Aber was kam noch mal nach ihrem Zusammenbruch, nach „the time is out of joint“?
Cont’d
Goethe beschreibt in seinem Drama ‚Faust‘ das Wesen der Romantik auf der Folie des Renaissancemenschen Dr. Faust. Das faustische der Renaissance wie auch der Romantik sieht Goethe in der Zukunftszugewandtheit beider, d.h. in der reflexiven Entgrenzung und Animation der Begriffe im Wollen eines Anderen und Besseren. Faust hinterläßt eine Spur der Verwüstung und lädt dabei große Schuld auf sich, obwohl er immer nur das Gute will. Sein Gegenspieler Mephisto sieht sich (genau umgekehrt) als „Teil von jener Kraft, die immer Böses will und immer Gutes schafft“ und als „Geist, der stets verneint“.
Goethe erkennt, daß eine unzensierte (entgrenzte) Sprache ins Unheil führt und entpuppt sich rückwirkend gesehen als scharf beobachtender Gesellschaftskritiker. Im Gegensatz zu den zukunftstrunkenen Progressiven (Intellektuellen) seiner Zeit, beruht seine Einschätzung des höher-weiter-schneller-Fortschritts nicht auf historisierender hip-hip-Hurra-Wissenschaft (Soziologie, Psychologie, etc.), sondern auf Sprachstrukturen, die er gefährdet sieht. Gegen eine naive Chancen-Risiken Dialektik z.B. der KI spricht aber nicht nur Goethes Problem der Entgrenzung der Begriffe, sondern auch Mc Murphy’s Gesetz: If it can go wrong, it will! Denn KI ist kein Naturgesetz a la Newton, sondern ein va banque Spiel mit unserer einzigen Lebensgrundlage als Menschen – der Sprache.
P.S. Neben Goethes ‚Faust‘ ist Heideggers ‚Humanismusbrief‘ (1947) eine lohnende Auseinandersetzung mit dem Fortschrittsbegriff.
Cont‘d & End
Man könnte nun unter dem Motto „Wir irren uns empor“ die Verwüstung, die das Faustische anrichtet, zynisch als Kollateralschaden des Fortschritts bezeichnen. Diese Einstellung teile ich nicht und auch nicht den Spruch von Vollmer ohne weitere Eingrenzung. Der geht (vermutlich) zurück auf Karl Popper, der sinngemäß sagte: Der Vorteil, den wir Menschen gegenüber der Amöbe haben, besteht darin, daß wir für unsere falschen Hypothesen nicht mit dem Leben bezahlen müssen. Popper spricht hier einerseits von der a priori Falsifikation untauglicher Hypothesen, was eine stetige Aufwärtsentwicklung ermöglicht, und andererseits vom chaotischen a posteriori Ausprobieren (der Amöbe). Für Vollmer als Evolutions-Physiker gibt es kein a priori, sondern nur den Zufall, also das Ausprobieren mit all seinen Risiken und Nebenwirkungen. Na toll, dann könnten unsere dringlichsten gesellschaftlichen Probleme ja schon in wenigen Hundertmillionen Jahren gelöst sein!
Nur eine kleine Anmerkung. Ich bevorzuge, nicht als faulen Kompromiß, den Mittelweg zwischen dem Optimismus der Vorlage und diesen pessimistischen Kommentaren. Man kann jeweils gut das eine mit dem anderen kritisieren, da bietet es sich an, eine Synthese anzustreben.
Mir gefällt der Aphorismus „mit dem Kopf Pessimist, mit dem Herzen Optimist“, ich versuche, diese Balance zu halten, befürchte, das Herz könne enttäuscht werden, und hoffe, der Kopf behält unrecht. Aber ich empfehle, keines von beiden aufzugeben.
Man könnte diesen Beitrag einfach abnicken, oberflächlich betrachtet benennt er und ordnet kenntnisreich Phänomene ein, die mehrheitlich, von Wissenschaftlern und Laien gleichermaßen, ähnlich gesehen/gedacht werden. Er bietet einen Überblick auf das Denken unserer Zeit. Aber er beansprucht, wenn ich das richtig sehe, mehr, nämlich eine historisch neue Reflexionsstufe, einen Paradigmenwechsel zu erfassen. Und da ist es geboten, genauer hinzuschauen. Ich möchte diese Sichtweise keineswegs in Bausch und Bogen verwerfen, sie hat durchaus ihre Berechtigung. Ich habe dennoch gravierende Bedenken und würde es begrüßen, wenn sie zur Kenntnis genommen würden und gegebenenfalls entkräftet werden könnten.
Der Basiseinwand betrifft die Vernachlässigung wenn nicht gar Ignorierung der kategorialen Differenz von technischer und geistiger Kultur. Ich will überhaupt nicht den Kulturbruch von Mittelalter/Vormoderne zu Moderne bestreiten, den man als „Aufklärung“ bezeichnet, im Gegenteil. Aber dieser Aufbruch ist zwiespältig, und die Kritische Theorie hat das bekanntlich die „Dialektik der Aufklärung“ genannt, sie hat den Menschen zugleich ins Zentrum und in die Peripherie gerückt, ermächtigt und entmystifiziert, hat ihn gottgleich gemacht und Gott annuliert, hat die Welt entzaubert, rational zugänglich gemacht und ist auf die engen Grenzen dieser rationalen Vernunft gestoßen. Solche Widersprüche bleiben nicht verborgen, nichtsdestotrotz vereinseitigt sich die resümierende Argumentation immer wieder. Wo schon des Autors Lieblingsphilosoph Foucault die Lage ja treffend geschildert hat, sinngemäß: wo Macht entsteht, entsteht auch Ohnmacht, und bestenfalls Widerstand.
Musil sagte: Jeder Fortschritt ist ein Gewinn im Einzelnen und eine Trennung im Ganzen; es ist das ein Zuwachs an Macht, der in einen fortschreitenden Zuwachs an Ohnmacht mündet, und man kann nicht davon lassen.
Bleiben wie mal bei dem Begriff „Renaissance“, Wiedergeburt. Gemeint war die Wiederentdeckung des freien griechischen Geistes nach dem dunklen Mittelalter. Da wird allerdings die Geschichte zyklisch gedacht, im Unterschied zu einer Neuen Welt, die zunehmend entdeckt, also neu gedacht werden muß, im Unterschied zu einer Aufklärung, die die Vergangenheit weitgehend verwirft, einem Geschichtsverständnis, das im Großen einen gerichteten Verlauf unterstellt, per aspera ad astra. Ist der Epochenwechsel also ein sich wiederholender Pendelschlag von Mythos zu Ratio zu Mythos zurück usw., oder hat sich das naturwissenschaftlich-nüchterne Weltbild irreversibel durchgesetzt? Muß man nicht genauer bestimmen, was zyklische Wende, was innovative Revolution ist?
Der Essay strahlt einen großen Optimismus aus, verkörpert selbst dieses neue historische Bewußtsein. Aber haben die Skeptiker, die meinen, die Kehrseite zu sehen, nicht auch recht? Kann man nicht wie die Kritische Theorie von einer Mythisierung des Logos reden, genauer von Blindheit einer entfesselten instrumentellen Vernunft? Und was ist heute neu an dem mechanischen Kalkül der „KI“? Ist sie kein perfektionierter Rechenschieber oder Bestandsarchivar? Ist sie wirklich mehr als der vollkommene Leibnizsche Kalkül oder das Hilbertsche Programm, das wir inzwischen als undurchführbar erkannt haben?
Wenn man zwischen mechanischem und kreativem Denken unterscheidet, also einem Denken, das zwingende Schlußfolgerungen zieht und einem, das Sinn erzeugt und damit über das hinausgeht, was implizit vorliegt, dann kann man das Digitalisierungsprogramm verstehen als eines, das erlaubt, Vorgegebenes (vollkommen?) explizit zu machen. Das bedeutet maximale (oder gar endgültige) Zielerreichung, die Rechenmaschinen sind das mächtigste Instrument des mechanischen Denkens, der instrumentellen Vernunft. Nichts spricht gegen dieses mechanische Denken, aber alles spricht gegen die Verengung auf es. Die Entwicklung wird zur Fehlentwicklung, wenn das mechanische Denken das kreative verkümmern läßt oder gar zu ersetzen versucht. Und das ist die schon von der KT erstellte Diagnose der Neuzeit.
Es ist nicht zu bestreiten, wenn, wie im Essay, die Renaissance im engeren Sinn als eine „Epoche künstlerischer und wissenschaftlicher Blüte“ bezeichnet wird. Aber die Blüte der Wissenschaft beruht nicht auf der gleichen Quelle wie die der Kunst. Ja, es ist die neue Fragestellung „was ist der Mensch, was soll er sein und was kann er sein?“, dh die präzisierte kategoriale Dreiteilung, die dann begriffen wird als die Frage danach, 1. was notwendig, unabänderlich ist, die Frage nach der objektiven Wahrheit (der Natur- und Denkgesetze), und 2. was sein soll, soweit es Freiheit gibt, verschieden sein zu können (die Freiheit des Subjekts), die nach ethischen Begründungen fragt, wie die Freiheit realisiert werden soll, um den Menschen nützlich zu sein und 3. was jenseits aller Zwänge überhaupt sein kann, die absolute künstlerische Freiheit, die sich selbst begründen muß. Das ist die Trias der Aufklärung, dem Wahren, Guten, Schönen.
Wenn gesagt wird: „In ihr begann der Mensch, sich neu zu denken – als autonomes Wesen, als Forscher, als Schöpfer“, so ist das zu ergänzen: er begann sich auch als heteronomes Wesen, Naturobjekt, Resultat der Evolution zu sehen, als ein sich aus seiner eingeschränkten Perspektive irrendes Wesen zu begreifen, als zivilisierten Affen, usw. Die Aufklärung bringt den Triumph des Geistes, aber auch die fundamentalen Kränkungen des Selbstbildes, Allmachtsphantasien und den Pessimismus aus unabweisbaren Selbstzweifeln. Das wiederholt sich mit der Digitalisierung, mechanisch können Maschinen viel effektiver operieren als der Mensch.
Diese Ambivalenz wird im Essay angesprochen, daher verwundern die Passagen, die sich um das Negative gereinigt präsentieren. Nochmals: stellt die „anthropologische Wende“ eine Wende, eine modifizierende Gegentendenz, oder eine Innovation, eine die Alte Welt hinter sich lassende Neue dar? Gemünzt auf das Denken: löst die KI das menschliche Denken ab, ersetzt sie es verlustfrei, oder vernichtet sie das komplexe Denken? Ich denke, hier muß man eher die Gefahr sehen, aus der vielleicht das Rettende wächst, als die kleinen Gewinne, die wenigen zugute kommen. Wie umgekehrt die Gefahren, die sich einschleichen, wenn zur Rettung technisch verkürzte Lösungen angeboten werden. Wie gesagt, die Gefahr liegt nicht in der Entwicklung des Denkinstruments, sondern in dem sich pandemisch ausbreitenden blinden Fleck des Verlusts des kreativen und holistischen Denkens. Das ist freilich ganz im Sinne der utilitaristischen Optimierung der Welt.
Ist der Unterschied von „generativ“ und „kreativ“ bewußt, kommt es zu keinem Mißverständnis bei der Bezeichnung „generativer KI“. Dann ist das Generative die Grundeigenschaft des Mechanischen sui generis. Das ist das Wesen einer Syntax, Sprache und insbesondere die strengste, die logische/mathematische Sprache, ist generativ. Dadurch, daß Sprachen operative Elemente enthalten, können sie im Prinzip alles mit hinreichender Genauigkeit identifizieren. Selbstverständlich muß man die großen Errungenschaften der Neuzeit diesen gewachsenen generativen Fähigkeiten zuschreiben. Aber gerade in der Kunst zeigen sich die Defizite dieses Vermögens. Die Arbeitshypothese („dass wir heutzutage … ausgelöst worden ist“) möchte ich vehement bestreiten. Was die Kunst betrifft, bedeutet der Einsatz „künstlicher Intelligenz“ die Ersetzung von Ideen und Fantasietätigkeit durch erprobte Verfahren, erzeugt Redundanz, glättet, trivialisiert, sie verwandelt Kunst zurück in ein Handwerk, Kreativität in Routine. Natürlich sind in Kunst das Handwerkliche und das kreativ-Geistige immer untrennbar ineinandergreifende Momente, es gibt Phasen der Betonung des Handwerklichen, Technischen und solche der innovativen Ideen. Aber wird das technische Machen zu sehr betont, wird die Kunst steril.
Ich weiß nicht, ob hier mit Bedacht von GAI in Bezug auf „Gaia“ als eines komplementären Begriffspaares gesprochen wird, damit wäre der extreme Unterschied von „künstlich“ und „natürlich“ angesprochen. In meinen Augen ist es gleichermaßen abwegig, Kunst zu instrumentalisieren wie zu naturalisieren oder als das Andere der rationalen Vernunft zu begreifen. Kunst ist, wie Wissenschaft, nur anders, mit anderem Fokus, ein reflexiver Umgang mit der Welt. Die Krise unserer Zeit, unserer Kultur ist eine von Wissenschaft und Kunst, der rasante Fortschritt der KI verleitet in der Wissenschaft zur Detailbesessenheit und in der Kunst zu Effekthascherei. Das muß nicht sein, ist aber eine erwartbare Folge der Verselbständigung dieses Mitteleinsatzes, er tendiert zum Selbstzweck.
Nein, Jeff hat das nicht gut zusammengefaßt, sondern nach allen Regeln der statistischen Vernunft geglättet, harmonisiert. Der Autor hätte es besser machen können als die KI, zwar weniger objektiv und weniger detailliert, dafür aber mit je eigenen Begründungen. Ich bin mir sicher, da Vinci hätte beim Anblick der KI-Bilder nicht den Pinsel in die Ecke geschmissen und zum Laptop gegriffen, er hätte das nicht cool gefunden. Die KI-generierten Portraits haben die maximale Schärfentiefe, nämlich die einer Oberfläche. Jedoch, paradox formuliert: Kunst ist nicht die Sichtbarkeit des/im Sichtbaren, sondern das Sichtbarmachen des Unsichtbaren (oder das Verstehbarmachen des Sichtbaren), die Übertragung eines Geistigen ins Sinnliche, eine Ausdrucksform des Geistigen. Daher ist der Fotograf iA nicht der bessere Künstler, er hat andere Ausdrucksformen. Um nicht mißverstanden zu werden: ich sage nicht, daß der Einsatz der KI-Technik Kunst verunmöglicht, sondern nur, daß ihr Einsatz selbst noch keine künstlerische Qualität hat. Es ist ein Mittel wie Farbe, Lineal, usw. Das Mittel verbessert nicht die Kunst, wer darauf baut, hat Kunst nicht verstanden.
Hinsichtlich des Denkens ist die Sachlage etwas komplizierter. Denn wie schon früher angemerkt, muß man mechanisches und kreatives Denken unterscheiden. KI ist strenggenommen überhaupt kein Denken, sondern eine determinierte mechanische Operationsweise, die von der quantitativen Kapazität der Maschine abhängt. Die Maschine tut, was sie muß, und was sie tut, hat keine Bedeutung für sie. Das menschliche Denken ist einerseits zusammengesetzt aus der Fähigkeit zu determiniertem mechanischem Operieren – da ist der Mensch maschinenähnlich, nur ist letztere, richtig konstruiert, erheblich leistungsstärker – und andrerseits der Fähigkeit, Sinnzusammenhänge zu produzieren. Das kann die Maschine nicht, sie kann nur Sinn simulieren. Ohne diese rein menschliche bzw. genauer schon im Tierreich anzutreffende Fähigkeit kann man nicht wirklich von Denken reden.
Die Etablierung des wissenschaftlichen Weltbildes wird treffend dargestellt. Zu bedenken ist auch, daß dieses „die Welt unter der Form eines analysierbaren Objekts“-Betrachten nicht vor der Tier- und Menschenwelt halt macht, die Frage „was ist der Mensch (das Tier)“ führt zwangsläufig zu einem Geschichtsbewußtsein, das Sein ist Werden. Welt und Mensch können nicht begriffen werden, wenn sie nur als ewiges Sein, nicht als selbstkonstituierend gefaßt werden (Autopoiesis). Das ist die größte Revolution im Denken, die Selbstreflexion, das sich als Subjekt-Objekt begreifen. Das führt letztenendes zu den neuzitlichen Relativitätstheorien, dagegen ist die Entwicklung der KI eine Lapalie. Mit der Selbstreflexion wird die naive Vorstellung des mechanistischen Weltbilds infrage gestellt. Die Zitate von Kopernikus und Gallilei zeigen den Aufbruch der Naturwissenschaften, und die Frühmaterialisten machen das zum paradigmatischen Credo. Es kommt zur explosionsartigen Erweiterung des Weltwissens. Der Blick auf die Welt im mechanistischen Weltbild ist äußerst produktiv, generiert in bislang unbekanntem Ausmaß Macht, aber die Entfesselung des Denkens aus der theologischen Zwangsjacke führt auch sehr schnell zum Verlust der naturwissenschaftlichen Naivität, sie wird eingeholt vom kritischen reflexiven Denken von Kant und dem philosophischen Idealismus.
Mein Eindruck ist, daß der Zeitgeist einen Rückwärtsgang eingelegt hat, daß wir uns in einer kulturellen Schwächephase befinden, die (selbst-)kritische Reflexion vielleicht aus einer geistigen Überforderung heraus zu einem affirmativen Weiter-so-Pragmatismus regrediert ist, mit der Hoffnung auf einen deus ex machina, die KI. Nicht, daß die kritischen Stimmen verstummt wären, aber sie sind erheblich schwächer geworden. Das ist kein Grund für Pessimismus, denn das ist nicht das letzte Wort. Eine positive Zukunft bleibt möglich, ist wahrscheinlich, aber das setzt ein Ende des blinden Glaubens an die KI voraus. Setzt voraus, daß wir KI zu einem nützlichen Instrument degradieren, das uns nicht das Denken abnimmt.
Das Internet startete, nicht zuletzt von liberalistischen Kreativen befeuert, als egalitäres Medium mit niedrigschwelligem Zugang. Geblieben ist nach dem dotcom crash der niedrigschwellige Zugang, denn der ist nötig um an unsere Daten heranzukommen. Wer heute im Internet verdient sind die Plattformbetreiber und Superstars, das Gros der Künstler wird mit Centbeträgen abgespeist. Im (unfreundlichen) Gegenzug trainieren die Plattformbetreiber ihre KIs ungefragt mit den Daten derer, die sie mit peanuts abspeisen. Darüber hinaus entwickelt sich das Internet zunehmend zu einem immer kostspieligeren Medium für Anwender und insbesondere die Gesellschaft: Cyberangriffe, Internetkriminalität, Datenschutz, Sprachverrohung in Sozialen Medien, Umweltverschmutzung durch exorbitant steigenden Stromverbrauch und Aussterben eines diversen und qualifizierten Journalismus sind nur einige der Kosten, die die Plattformbetreiber auf die Öffentlichkeit abwälzen.
Die KI richtet sich (siehe z.B. Beitrag oben) wiederum und nicht zuletzt an die liberalistischen ‚Kreativen’. Sie waren ja schon die Türöffner für das Internet. Bezüglich der KI wird sich jedoch niemand mehr mit „das war nicht absehbar“ aus der Affäre ziehen können, denn es ist offensichtlich, daß KI einerseits und Datenschutz, Privatsphäre und Freiheit andererseits prinzipiell unvereinbar sind. KI als bloßes „Werkzeug“ halte ich mit allem Respekt für naiv.
Lügen gehört nicht zu den edlen menschlichen Fähigkeiten. Aber in einer Welt, in der wir nicht mehr lügen können, sind wir nicht mehr frei!
Dem kann ich nur uneingeschränkt zustimmen. Ist aber nichts Neues, sondern das Wesen des Kapitalismus. Ich nenne das „die monopolistische Ökonomie der Kapitalgröße“, im Volksmund: „wer hat, dem wird auch noch gegeben, wer nicht hat, verliert“. Es ist die Dynamik des Kapitalismus, daß der allgemeine Reichtum schneller als in vorkapitalistischen Gesellschaften wächst, aber die Schere zwischen arm und reich ebenfalls. Eine zeitlang, mit vielen technologischen Revolutionen, konnte der Reichtum absolut so stark wachsen, daß alle profitieren konnten, es also keine absolute, sondern nur eine relative Verarmung gab. Aber die technologischen Möglichkeiten haben einen Grenzwert, schon der Wert der informationstechnologischen Revolution ist durchaus zweifelhaft, und die Ressourcen sind endlich, auch das, was an Energie auf der Erde von der Sonne eingefangen werden kann. In einem Gesellschaftssystem, das auf permanentes Wachstum ausgerichtet ist, gibt es keine Lösung. Mit anderen Worten, dieses System ist nicht stabilisierbar, es muß aufgegeben werden, und da der Preis für seine Aufrechterhaltung stetig steigt, besser heute als morgen. Noch ist der Veränderungsdruck allerdings zu gering.
<KI als bloßes „Werkzeug“ halte ich mit allem Respekt für naiv.> Auch dem widerspreche ich nicht. Nur: KI ist ein Werkzeug: angewandte Logik und Mathematik. Sie wird in unserem Gesellschaftssystem systematisch zum Vorteil einer kleinen Teilpopulation ge-/mißbraucht. Daher muß sie zu einem im Dienste der Allgemeinheit „nützlichen Werkzeug“ degradiert werden, zu einem Werkzeug von autonom denkenden Menschen statt zu einem Vormund für herrschaftskonformes Denken.
Lieber Wolfgang Endemann,
zunächst einmal möchte ich mich für Ihren sehr ausführlichen, profunden und bemerkenswerten Kommentar bedanken. Sie sprechen dort eine Reihe sehr wichtiger und richtiger Beobachtungen an, die ich gerne kurz aufgreifen möchte.
Ja, ich denke auch, dass wir gerade gerade wieder eine „Dialektik der Aufklärung“ erleben, allerdings wäre dies dann bereits die dritte. Aus diesem Grunde hatte ich dies auch schon einmal in einem älteren Essay „Die Dialektik der Aufklärungen – es werde endlich Licht!“ (https://philosophies.de/index.php/2021/10/19/die-dialektik-der-aufklaerung/) zu beschreiben versucht.
Und ja Foucault, wenn er noch leben würde, wäre aus meiner Sicht bestimmt auch einer der schärfsten Kritiker dieser Entwicklung gewesen. Dies hatte auch ein „Gastbeitrag von Professor Eric Rodríguez Ochoa: „Eine kritische Reflexion über die Schnittstelle zwischen Bioethik und Biopolitik im Zeitalter der Biomacht“ (https://philosophies.de/index.php/2023/08/01/bioethik-und-biopolitik-im-zeitalter-der-biomacht/) schon zu beleuchten versucht. Spenglers „Zyklentheorie“ in „Der Untergang des Abendlandes“ feiert mal wieder seinen „fröhlichen Urständ“.
Ebenso geben ich Ihnen Recht, wenn Sie schreiben: „Der Essay strahlt einen großen Optimismus aus, verkörpert selbst dieses neue historische Bewußtsein. Aber haben die Skeptiker, die meinen, die Kehrseite zu sehen, nicht auch recht?“ denn ich schließe mich Ihrem Aphorismus „mit dem Kopf Pessimist, mit dem Herzen Optimist“, ich versuche, diese Balance zu halten, befürchte, das Herz könne enttäuscht werden, und hoffe, der Kopf behält unrecht. Aber ich empfehle, keines von beiden aufzugeben.“ ebenfalls an.
Der Grund für diesen Essay lag tatsächlich in der Überdrüssigkeit des Pessimismus, den ich ja selber schon viel zu oft anheim gefallen bin, wie in meinem älteren Text „Das System braucht neue Strukturen – nicht nur für/gegen die Künstliche Intelligenz (KI)“ (https://philosophies.de/index.php/2021/08/14/das-system-braucht-neue-strukturen/), wo ich ja auch schon bereits im Sinne einer Dörnerschen „Risikofolgenabschätzung“ auf die möglichen Gefahren einer starken, allgemeinen KI (AGI) hingewiesen hatte. Die Einschätzung auf dem damaligen Stand der KI-Forschung ist mittlerweile längst eingetreten und auf dem „Seitenstreifen der Wissenschaftsgeschichte“ überholt worden.
Also, was machen? Ich habe einfach keine Lust mehr den „Rufer in der Wüste“ zu spielen und die „Klaviatur des Kulturpessimismus“ weiter zu spielen. Daher, warum nicht einfach mal im Sinne Brophy’s eine „self-fulfilling prophecy“ wagen und mal statt Harari’s Dystopie des „Homo Deus“ von einer Bloch’schen Utopie des „Prinzip Hoffnung“ träumen? Warum soll man immer vom Schlimmsten ausgehen und nicht auch einmal an das Gute glauben? Ja, wir Menschen machen Fehler, aber vielleicht lernen wir ja auch mal zur Abwechslung aus diesen. Ja, ja die „Hoffnung stirbt zuletzt“ ;-).
In diesem Sinne und
mit besten Grüßen
Dirk
Da gehe ich mit. So gering meine Hoffnungen derzeit sind – ich sehe unsere Gesellschaften in einer sehr großen, wenn auch temporären Krise -, so wenig habe ich Zweifel an der Kontinuität der Evolution, deren Teil wir sind. Wenn wir uns als Totengräber der Natur sehen, überschätzen wir uns, wie wir uns unterschätzen als Erfolgsmodell der Natur. Momentan zeigen wir uns von unserer schlechten Seite. Aber in schöner Regelmäßigkeit wechseln die Perspektiven. Dies bitte nicht als analytischen Beitrag überinterpretieren, gute Gründe zu Hoffen haben wir allemal.
Ich erwidere die besten Grüße,
Wolfgang